Ein Grundproblem der Verkehrssicherheit - besonders in Ortsgebieten - stellt die zu hohe Fahrgeschwindigkeit dar. Dies wurde in den letzten Jahrzehnten durch bis vor kurzem geltende Querschnittsrichtlinien unterstützt: Der Querschnitt der Fahrbahn im Freilandbereich wurde mit unverminderter Breite durch den Ort gezogen und so in zunehmendem Maße Fahrraum für den motorisierten Kraftfahrzeugverkehr zur Verfügung gestellt.
Straßenausbauten und zunehmende Motorisierung führten ganz allgemein zu einer beträchtlichen Anhebung der Verkehrsgeschwindigkeit. Geschwindigkeitsmessungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigen österreichweit den gleichen Trend. Daraus geht hervor, daß Tempo 50 von rund 70% der PKW-Lenker und von rund 50% der LKW-Lenker überschritten wird. Selbst dort, wo Tempo 70 vorgeschrieben ist, fahren 50% der PKW-Lenker und 30% der LKW-Lenker schneller als erlaubt.
Diese hohen Fahrgeschwindigkeiten zeigen deutlich die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Straßengestaltung, um die damit verbundenen Gefahren für andere, vor allem für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer, zu reduzieren.
Der direkte Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Unfallfolgen soll folgendes Beispiel veranschaulichen:
Die Auswirkungen der Anfahrgeschwindigkeit auf die Verletzungsschwere der Fußgänger zeigt Abbildung 1-1. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, als Fußgänger bei 30 km/h Anfahrgeschwindigkeit tödlich zu verunglücken bei 10%. Bei 50 km/h Anfahrgeschwindigkeit bereits bei 40%, und ab 70 km/h ist die Wahrscheinlichkeit des Überlebens kaum mehr gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemstellung
2.1 Fahrgeschwindigkeiten des KFZ-Verkehrs an herkömmlichen Orts einfahrten
2.2 Gestaltung des Ortseinfahrtsbereiches
3 Begriffe und Meßgrößen
3.1 Augenblicksgeschwindigkeit
3.2 Lokale und momentane Geschwindigkeit
3.3 Fahrgeschwindigkeit
3.4 Geschwindigkeitsprofil
3.5 Beurteilungsgröße Vm
3.6 Beurteilungsgröße V85
3.7 Inselparameter pi
4 Meßverfahren
4.1 Auswahl der Meßstellen
4.2 Beschreibung der Inseltypen
4.2.1 Fahrbahnteiler ohne Fahrstreifenverschwenkung
4.2.2 Fahrbahnteiler mit einseitiger Fahrstreifenverschwenkung
4.2.3 Fahrbahnteiler mit beidseitiger Fahrstreifenverschwenkung
4.3 Meßgerät
4.4 Durchführung der Messungen
4.5 Stichprobenumfang
5 Methode der Auswertung
6 Beschreibung der Meßstellen und Ergebnisse
6.1 Korneuburg (pi = 17,7)
6.1.1 Allgemeines
6.1.2 Abmessungen
6.1.3 Geschwindigkeitsverhalten vor baulicher Maßnahme
6.1.4 Geschwindigkeitsverhalten nach baulicher Maßnahme
6.1.5 Vorher-Nachher-Vergleich
6.1.6 Analyse der Bremsinsel
6.2 Klein Engersdorf (pi = 10,0)
6.2.1 Allgemeines
6.2.2 Abmessungen
6.2.3 Geschwindigkeitsverhalten vor baulicher Maßnahme
6.2.4 Geschwindigkeitsverhalten nach baulicher Maßnahme
6.2.5 Vorher-Nachher-Vergleich
6.2.6 Analyse der Bremsinsel
6.3 Stetten West (pi = 9,7)
6.3.1 Allgemeines
6.3.2 Abmessungen
6.3.3 Geschwindigkeitsverhalten vor baulicher Maßnahme
6.3.4 Geschwindigkeitsverhalten nach baulicher Maßnahme
6.3.5 Vorher-Nachher-Vergleich
6.3.6 Analyse der Bremsinsel
6.4 Stetten Ost (pi = 9,2)
6.4.1 Allgemeines
6.4.2 Abmessungen
6.4.3 Geschwindigkeitsverhalten vor baulicher Maßnahme
6.4.4 Geschwindigkeitsverhalten nach baulicher Maßnahme
6.4.5 Vorher-Nachher-Vergleich
6.4.6 Analyse der Bremsinsel
6.5 Leobendorf (pi = 6,1)
6.5.1 Allgemeines
6.5.2 Abmessungen
6.5.3 Geschwindigkeitsverhalten vor baulicher Maßnahme
6.5.4 Geschwindigkeitsverhalten nach baulicher Maßnahme
6.5.5 Vorher-Nachher-Vergleich
6.5.6 Analyse der Bremsinsel
7 Zusammenstellung der Ergebnisse
8 Dimensionierungshilfe für Bremsinseln
8.1 Dänische Richtlinien für Mittelinseln mit Fahrbahnverzug
8.2 Vergleich mit Dänischen Richtlinien
8.3 Erstellung einer Dimensionierungshilfe für Bremsinseln
9 Schlußfolgerungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, die Wirksamkeit baulicher künstlicher Engstellen – sogenannte Bremsinseln – an Ortseinfahrten als Mittel zur Geschwindigkeitsdämpfung zu untersuchen und daraus praxisorientierte Empfehlungen für deren geometrische Gestaltung abzuleiten.
- Analyse der Geschwindigkeitsverläufe an fünf verschiedenen Bremsinseln im Raum Korneuburg.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen baulichen Parametern (Inselparameter pi) und erzielter Geschwindigkeitsreduktion.
- Vergleich der Auswirkungen auf PKW-Geschwindigkeiten vor und nach der Errichtung der baulichen Maßnahmen.
- Kritische Würdigung der Torwirkung und konstruktiver Elemente wie Fahrbahnverschwenkungen und Hochborden.
- Entwicklung einer Dimensionierungshilfe für die zukünftige Planung von Bremsinseln zur effektiven Verkehrsberuhigung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Gestaltung des Ortseinfahrtsbereiches
An der Ortseinfahrt müssen die Kraftfahrzeuglenker die hohe Geschwindigkeit der freien Strecke auf die im Ort vorgeschriebene Geschwindigkeit reduzieren. Während in größeren, stadtnahen Orten oft ein Übergangsbereich zwischen der freien Strecke und dem geschlossenen Ortsraum vorhanden ist, ist der Wechsel in kleinen, ländlich geprägten Orten sehr abrupt. [4]
Die Ortseinfahrt soll daher auf den Kraftfahrer eine Signalwirkung haben, die den Übergang vom Freiland zum Ortsgebiet deutlich macht. Solch eine Signalwirkung sollte zweckmäßigerweise durch eine bauliche Veränderung im Straßenverlauf erreicht werden (siehe Abbildung 2-2). Eine entsprechende Bepflanzung der Fahrbahnränder sowie dominierende Einzelbäume können eine optische Torwirkung erreichen oder die Wirkung baulicher Maßnahmen unterstützen. [8]
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Das Kapitel thematisiert die Problematik überhöhter Fahrgeschwindigkeiten in Ortsgebieten und begründet die Notwendigkeit von verkehrsberuhigenden Maßnahmen.
2 Problemstellung: Hier wird das Defizit zwischen den gefahrenen Geschwindigkeiten und dem gesetzlich vorgeschriebenen Niveau an herkömmlichen Ortseinfahrten analysiert.
3 Begriffe und Meßgrößen: Dieses Kapitel definiert die physikalischen und statistischen Grundlagen, insbesondere Vm, V85 und den Inselparameter pi.
4 Meßverfahren: Es werden die Auswahl der fünf untersuchten Standorte, das verwendete Messgerät (Laserpistole) und die Methodik der Datenerhebung beschrieben.
5 Methode der Auswertung: Die Vorgehensweise bei der Aufbereitung und statistischen Auswertung der ca. 22.000 Datenpaare wird erläutert.
6 Beschreibung der Meßstellen und Ergebnisse: Dies ist der Hauptteil, der für fünf konkrete Standorte (Korneuburg, Klein Engersdorf, Stetten West, Stetten Ost, Leobendorf) die jeweiligen Messdaten und Analysen detailliert darstellt.
7 Zusammenstellung der Ergebnisse: Eine komprimierte Darstellung der Ergebnisse des Vorher-Nachher-Vergleichs über alle untersuchten Standorte hinweg.
8 Dimensionierungshilfe für Bremsinseln: Dieses Kapitel verknüpft die empirischen Daten mit theoretischen Richtlinien, um ein Instrument zur Dimensionierung von Bremsinseln bereitzustellen.
9 Schlußfolgerungen: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse, die konkrete Empfehlungen für die Wirksamkeit von Bremsinseln zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Verkehrssicherheit, Geschwindigkeitsdämpfung, Bremsinsel, Ortseinfahrt, Fahrgeschwindigkeit, Inselparameter, PKW, Verkehrsplanung, Straßengestaltung, Vorher-Nachher-Vergleich, Geschwindigkeitsmessung, Verkehrstechnik, Dimensionierung, V85, Torwirkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität von künstlichen baulichen Engstellen, sogenannten Bremsinseln, an Ortseinfahrten zur Reduktion der Fahrgeschwindigkeiten des motorisierten Verkehrs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die geometrische Gestaltung von Ortseinfahrten, der Einfluss dieser Gestaltung auf das Fahrverhalten und die statistische Analyse von Geschwindigkeitsdaten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung praxisorientierter Empfehlungen und einer Dimensionierungshilfe für Bremsinseln, um unter Berücksichtigung spezifischer Randbedingungen ein angestrebtes Geschwindigkeitsniveau zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Verfasser nutzt empirische Geschwindigkeitsprofilmessungen an fünf realen Bremsinseln, führt statistische Auswertungen durch und vergleicht diese Ergebnisse mit dänischen Richtlinien.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Einzelauswertung von fünf Standorten, wobei jeweils Geometrie, Vorher-Nachher-Geschwindigkeitsverhalten und eine qualitative Analyse der Bremsinsel präsentiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Verkehrsberuhigung, Inselparameter, Geschwindigkeitsniveau (V85), Fahrbahnverschwenkung und Ortstafelsignalwirkung.
Welche Rolle spielt der "Inselparameter pi"?
Er dient als geometrisches Maß für die Bremswirkung. Er setzt die Versatzlänge ins Verhältnis zur Versatztiefe und ermöglicht einen quantitativen Vergleich der verschiedenen Bremsinsel-Geometrien.
Was ist das Ergebnis für die Bremsinsel in Korneuburg?
Die Bremsinsel Korneuburg erwies sich als nahezu unwirksam, da sie den größten Inselparameter aller untersuchten Inseln aufwies und damit fahrdynamisch keine nennenswerte Geschwindigkeitsreduzierung erzwang.
Warum wird die doppelseitige Verschwenkung in Stetten West positiv bewertet?
Die doppelseitige Verschwenkung unterbindet das riskante Umfahren der Insel auf der Gegenfahrbahn und bewirkt eine deutlichere Geschwindigkeitsreduktion in beiden Fahrtrichtungen.
Welche Bedeutung hat die "Torwirkung" bei der Gestaltung?
Die Torwirkung, etwa durch Bepflanzung, unterstützt die optische Signalwirkung des Übergangs vom Freiland ins Ortsgebiet, sollte jedoch nur als ergänzende Maßnahme zur baulichen Fahrstreifenverschwenkung betrachtet werden.
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- Dipl.-Ing. Dr. MSc Martin Linauer (Autor), 1998, Geschwindigkeitsbremsen an der Ortseinfahrt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48520