Claude Monet wird in der Malerei als eine Schlüsselfigur im Übergang zur Abstraktion betrachtet und darüber hinaus aufgrund der spezifischen Erscheinungsweise seiner Bilder in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Abstrakten Expressionismus der 50er Jahre gebracht.
In meiner Arbeit möchte ich auf die Entwicklungen und Veränderungen der Seerosenbilder im Laufe der Jahre eingehen. Monet verbrachte die gesamte zweite Hälfte seines Lebens in Giverny, wo sich sein Seerosenteich und die japanische Brücke, welche über diesen Teich führte, befanden. Er beschäftigte sich viele Jahre lang allein mit diesem Motiv. So entstanden in Giverny etwa 300 Gemälde, auf denen als Motiv Monets Garten zu sehen ist.
Aufgrund des Umfangs an Bildern, auf denen die japanische Brücke oder der Seerosenteich dargestellt sind, werde ich mich alleine auf die Gemälde beziehen und Details aus Monets Biografie oder zeitgeschichtliche Aspekte vernachlässigen. Es geht mir im Wesentlichen um die Beleuchtung der Genese der Abstraktion in den Gemälden der Seerosen-Serie.
Aufgrund dessen, dass Claude Monet die Angewohnheit besaß, über Jahrzehnte hinweg immer wieder ein und dasselbe zu malen, lassen sich die Bilder gut untereinander vergleichen und durchaus mit seinem Augenleiden in Verbindung bringen, was ich im vorletzten Teil meiner Arbeit näher beleuchten werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Serie der Seerosen bis 1900
3. Die Serie der Seerosen ab dem 20. Jahrhundert
4. Zusammenfassender Überblick der Veränderungen innerhalb der Seerosen-Serien
5. Die Genese der Abstraktion und Monets Augenleiden
6. Schlusswort und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Evolution der Seerosen-Serien von Claude Monet und analysiert den Prozess der zunehmenden Abstraktion in seinem Spätwerk, wobei insbesondere der Einfluss seines Augenleidens kritisch hinterfragt wird.
- Entwicklung und Wandel der Seerosen-Motive von 1890 bis 1926
- Die Rolle der "japanischen Brücke" in verschiedenen Werkphasen
- Der Übergang von der gegenständlichen Landschaft zur "Reflexlandschaft"
- Kritische Analyse des Einflusses von Grauem Star auf den Malstil
- Die Bedeutung von Bildformaten und Dekorationen im Spätwerk
Auszug aus dem Buch
Die Serie der Seerosen bis 1900
Wie viele andere Hauptmotive Monets hatten auch die Seerosen ihre Vorläufer in seinen früheren Werken. Sein erster Biograf Gustave Geffroy berichtete, dass das Thema Wassergarten im Jahre 1890 seinen Ursprung fand. Es existieren zwar keine Seerosenbilder, die auf jene Zeit datiert werden können, denn es war die Zeit vor der Erschaffung von Monets Garten, in einem Brief allerdings schrieb Monet an Geffroy etwas über seine Arbeit an Wassermotiven. Er beschreibt eine aquatische Vegetation sanfter sich mit dem Wassersog mitbewegender Pflanzen, wie es im Bild Boot auf der Epte (Abb. 1) aus dem Jahre 1890, das seine Stieftochter in einem Boot zeigt, zu sehen ist. Der Brief, welchen Monet an Geffroy schrieb, ist insoweit von großem Interesse, da er einen wichtigen Punkt im Leben des Malers markiert: Monet beschäftigt sich zum ersten Mal mit dem Motiv der Wasserpflanzen. Das Malen von Pflanzen und Wasser wird Monet von nun an Zeit seines Lebens beschäftigen.
Zu den ersten Bildern, die Monet je von seinem Teich gemalt hat, gehört die Seerosen-Serie von 1897 - 1899, welche wie ein Stillleben die Gewächse in ihren botanischen Einzelheiten und die Farbe und Form der Blätter wie deren Zahl in richtigem Verhältnis zu den Seerosenblüten in unterschiedlichen Stadien ihres Blühens zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den Fokus auf Monets Seerosen-Bilder als Ausgangspunkt für den Übergang zur Abstraktion.
2. Die Serie der Seerosen bis 1900: Betrachtung der frühen Motive und der ersten systematischen Auseinandersetzung mit dem Wassergarten als Bildthema.
3. Die Serie der Seerosen ab dem 20. Jahrhundert: Analyse der stilistischen Veränderungen, der zunehmenden Ungegenständlichkeit und der Bedeutung der großen Wandtafeln.
4. Zusammenfassender Überblick der Veränderungen innerhalb der Seerosen-Serien: Synthese der künstlerischen Entwicklung hin zu sogenannten "Reflexlandschaften" und dem Verschwinden des Horizonts.
5. Die Genese der Abstraktion und Monets Augenleiden: Untersuchung des medizinischen Hintergrunds (Grauer Star) und dessen möglicher Einfluss auf die visuelle Wahrnehmung und den Malstil.
6. Schlusswort und Ausblick: Fazit zur Wechselwirkung zwischen persönlichem Schicksal und künstlerischer Freiheit sowie Vorschläge für weiterführende Forschungsaspekte.
Schlüsselwörter
Claude Monet, Seerosen, Impressionismus, Abstraktion, Giverny, Wassergarten, Grauer Star, Reflexlandschaften, japanische Brücke, Spätwerk, Maltechnik, Augenleiden, Wandtafeln, Kunstgeschichte, Farbenlehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die malerische Entwicklung Claude Monets anhand seiner berühmten Seerosen-Serien und hinterfragt, wie sich der Stil über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Seerosen-Motive, die Genese der Abstraktion im Spätwerk sowie der Einfluss der gesundheitlichen Verfassung, speziell des Grauen Stars, auf die künstlerische Ausführung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wandlung von gegenständlichen Landschaftsdarstellungen hin zu abstrakteren Reflexlandschaften nachzuzeichnen und zu klären, ob dies eine bewusste künstlerische Entscheidung oder Folge einer Augenkrankheit war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kunsthistorischen Analyse von Gemälden, kombiniert mit biografischen Belegen, Zitaten von Zeitgenossen und medizinischen Fakten zur Augengesundheit des Künstlers.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Serien chronologisch betrachtet, beginnend bei den ersten Studien um 1900 bis hin zu den großformatigen Spätwerken und Wandtafeln kurz vor Monets Tod.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Impressionismus, Abstraktion, Seerosen, Giverny, Augenleiden, Reflexlandschaften und Malstil-Evolution.
Wie wirkte sich der Graue Star konkret auf Monets Malweise aus?
Laut der Arbeit führte die zunehmende Linsentrübung zu einem verschwommenen Sehen, was Monet durch die Wahl kräftigerer Farben und eine Konzentration auf Großaufnahmen der Motive zu kompensieren versuchte.
Gibt es Belege für andere Ursachen des Stils?
Ja, die Arbeit weist darauf hin, dass neben dem Augenleiden auch biografische Faktoren, altersbedingter Rheumatismus oder eine bewusste künstlerische Entscheidung zur Abstraktion eine entscheidende Rolle gespielt haben könnten.
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- Doreen Fräßdorf (Author), 2005, Claude Monets Seerosen-Serien. Genese der Abstraktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48529