Die auf den ersten Blick sehr verschieden wirkenden Wissenschaftsbereiche Literatur und Gastronomie sollen Ausgangspunkt und zu untersuchender Gegenstand dieser Arbeit sein. In ihrem Verlauf wird anhand von einem konkreten Beispiel, dem 1977 erschienenen KriminalromanLa soledad del managervom spanischen Schriftsteller und selbst erklärten Gastronom Manuel Vázquez Montalbán unter Berücksichtigung seiner Biografie und seines Œuvre gezeigt, in wie weit die spanische Literatur und Küche ineinander sowohl in der Fiktion als auch in der nicht fiktionalen Wirklichkeit, z.B. mit der Gesellschaft und Politik des Landes verflochten sein können. Dass es sich bei der zu betrachtenden Literatur um das angeblich postmoderne Genre des Kriminalromans handelt, das hier und von Vázquez Montalbán selbst mit der Gastronomie in Verbindung gebracht wird, sei ein Schwerpunkt der Untersuchung, die sich aber nicht auf literaturanalytische Theorien beschränkt, sondern vor allem eine Art Kolorit der spanischen und katalanischen Gesellschaft und Kultur anhand ihrer Küche widerspiegeln soll. Katalonien als eine schon seit dem Mittelalter nach Autonomie und Autarkie strebende Region Spaniens und deren kulinarische Besonderheiten sollen dabei besonders beleuchtet werden, zumal sowohl der vor zwei Jahren gestorbene Autor Vázquez Montalbán als auch der Protagonist seines zu betrachtenden Romanzyklus’, Pepe Carvalho, in Katalonien, genauer gesagt in Barcelona, lebten und speisten. Die Bedeutung der Großstadtmetropole Barcelona als Schmelztiegel der Kulturen und der unterschiedlichen sozialen Schichten soll, Bezug nehmend auf die zu untersuchende Kriminalliteratur, aber auch auf die Küche, ebenfalls eine Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
1) Die spanische novela negra und der Autor Manuel Vázquez Montalbán
1.1) Manuel Vázquez Montalbán: Leben und Werk in der Diktatur, zur Zeit der transición und der Demokratie
2) Die Pepe Carvalho-Serie
2.1) Die Figur des Privatdetektivs und ihre Ticks
2.2) Die Bedeutung der Gastronomie in der Serie und für deren Protagonisten
3) Essen im Roman La soledad del manager und in der katalanischen Wirklichkeit
3.1) La soledad del manager (1977)
3.2) Wo, was, wann, wie viel und mit wem isst Carvalho im Roman?
3.3) Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst, Süßspeisen in der katalanischen Küche und im Roman
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Literatur und Gastronomie am Beispiel von Manuel Vázquez Montalbáns Roman La soledad del manager. Dabei wird analysiert, wie die Kulinarik als soziokulturelles Spiegelbild der katalanischen Gesellschaft sowie als psychologisches Instrument zur Charakterisierung des Protagonisten Pepe Carvalho und zur Strukturierung der Erzählung dient.
- Analyse der spanischen Kriminalliteratur im Kontext der Post-Franco-Ära
- Untersuchung der Pepe Carvalho-Figur als Anti-Held und Gastronom
- Darstellung katalanischer Identität und Kulinarik im literarischen Raum
- Gastronomie als Mittel der psychologischen und sozialen Rekonstruktion
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Gastronomie in der Serie und für deren Protagonisten
„Su único patriotismo era gastronómico” heißt es im Carvalho-Roman Los mares del Sur (1979) über den Privatdetektiv. Das ist sowohl eine Aussage über seine politisch antipatriotische Haltung als auch über sein exzessives Ess- und Trinkverhalten, das in allen Romanen der Reihe zum Ausdruck kommt. Es könnte zurückgeführt werden auf die Kompensation oder die Verdrängung seiner Kindheitserfahrungen in der Nachkriegszeit („los años del hambre“). Carvalho erinnert sich zum Beispiel oft an die Armut, an der er in seiner Kindheit litt, und an seine damaligen Hauptnahrungsmittel, deren Basis Brot, Öl und Salz waren. Die traumatisierte Erinnerung an die nicht allzu ferne Nachkriegsgeschichte ist in den dazu relativ opulenten täglichen Mahlzeiten, die in der heutigen spanischen Gesellschaft zubereitet und konsumiert werden, wiederzufinden.
Das postmoderne Zeitalter und der Kapitalismus, der spätestens seit Francos Tod 1975 auch in Spanien das öffentliche Leben regiert, ermöglichen diesen Konsumrausch und erschweren die Bewahrung der kulturellen Identität in einer postkolonialen, multinationalen Gesellschaft. Das Motiv der traditionellen regionalen Küche im Roman könnte einen Versuch zur Wiederherstellung der zumindest katalanischen Identität darstellen. Außerdem nutzt Carvalho den Akt des Kochens, Essens und Trinkens als Entspannungs- und Rückzugsmöglichkeit, als Ventil für seine angestauten Aggressionen und Depressionen, aber auch als symbolische Rekonstruktion des Gewaltverbrechens, dem er im jeweiligen Moment auf der Spur ist und dessen Umständen er auf makabre und abergläubische Art und Weise dadurch nachspürt.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Die spanische novela negra und der Autor Manuel Vázquez Montalbán: Dieses Kapitel führt in die Entwicklung des spanischen Kriminalromans nach dem Ende der Franco-Diktatur ein und beleuchtet die Biografie des Autors sowie seinen Einfluss auf das Genre.
2) Die Pepe Carvalho-Serie: Hier wird die Entstehung der Carvalho-Serie analysiert, wobei die Charakterisierung des Detektivs und die zentrale Rolle der Gastronomie als konstitutive Elemente hervorgehoben werden.
3) Essen im Roman La soledad del manager und in der katalanischen Wirklichkeit: Der Hauptteil untersucht die konkrete Umsetzung kulinarischer Diskurse im Roman La soledad del manager und vergleicht diese mit den realen Gegebenheiten der katalanischen Esskultur.
Schlüsselwörter
Manuel Vázquez Montalbán, Pepe Carvalho, La soledad del manager, Kriminalliteratur, spanische Literatur, Gastronomie, Katalonien, Barcelona, Transición, Postmoderne, kulturelle Identität, Kulinarik, Novela negra, Gesellschaftskritik, Kulinarische Tradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Literatur und Gastronomie im Roman La soledad del manager von Manuel Vázquez Montalbán und wie diese Elemente die gesellschaftliche Situation in Katalonien nach der Franco-Diktatur widerspiegeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die spanische Kriminalliteratur (novela negra), die kulinarische Identität Kataloniens und die psychologische sowie erzähltechnische Funktion des Essens in der Pepe Carvalho-Serie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Literatur und Küche sowohl in der Fiktion als auch in der sozialen Wirklichkeit verflochten sind und wie Montalbán diese Verbindung zur Kritik an der politischen Situation der Transición nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer literaturanalytischen Methode unter Einbeziehung biographischer Kontexte des Autors und kulturhistorischer Aspekte der spanischen und katalanischen Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifische Analyse von La soledad del manager, beleuchtet die Essgewohnheiten von Pepe Carvalho und setzt diese in Beziehung zu den realen Märkten, Zutaten und Traditionen der katalanischen Region.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören: Manuel Vázquez Montalbán, Pepe Carvalho, Gastronomie, Kriminalliteratur, Katalonien, Postmoderne und Transición.
Welche Rolle spielt die Figur des Biscuter für den Protagonisten?
Biscuter fungiert nicht nur als Assistent und Koch von Carvalho, sondern symbolisiert durch seine gemeinsame Vergangenheit im Gefängnis eine tiefere Bindung, die auf der Bewältigung politischer Traumata der Franco-Zeit basiert.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Gastronomie von einem herkömmlichen Kriminalroman?
Im Gegensatz zu klassischen Krimis tritt die Kriminalhandlung hier oft in den Hintergrund, während die minutiöse Zubereitung von Speisen als Mittel zur Strukturierung des Romans und zur Darstellung von Carvalhos psychischer Verfassung dient.
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- Juliane Fehlig (Author), 2005, Die Küche Kataloniens in Manuel Vázquez Montalbáns Kriminalroman "La soledad del manager", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48539