Die Küche Kataloniens in Manuel Vázquez Montalbáns Kriminalroman "La soledad del manager"


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1) Die spanische novela negra und der Autor Manuel Vázquez Montalbán
1.1) Manuel Vázquez Montalbán: Leben und Werk in der Diktatur, zur Zeit der transición und der Demokratie

2) Die Pepe Carvalho-Serie
2.1) Die Figur des Privatdetektivs und ihre Ticks
2.2) Die Bedeutung der Gastronomie in der Serie und für deren Protagonisten

3) Essen im Roman La soledad del manager und in der katalanischen Wirklichkeit
3.1) La soledad del manager (1977)
3.2) Wo, was, wann, wie viel und mit wem isst Carvalho im Roman?
3.3) Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst, Süßspeisen in der katalanischen Küche und im Roman

Nachwort

Bibliografie

Vorwort

Die auf den ersten Blick sehr verschieden wirkenden Wissenschaftsbereiche Literatur und Gastronomie sollen Ausgangspunkt und zu untersuchender Gegenstand dieser Arbeit sein. In ihrem Verlauf wird anhand von einem konkreten Beispiel, dem 1977 erschienenen Kriminalroman La soledad del manager vom spanischen Schriftsteller und selbst erklärten Gastronom Manuel Vázquez Montalbán unter Berücksichtigung seiner Biografie und seines Œuvre gezeigt, in wie weit die spanische Literatur und Küche ineinander sowohl in der Fiktion als auch in der nicht fiktionalen Wirklichkeit, z.B. mit der Gesellschaft und Politik des Landes verflochten sein können. Dass es sich bei der zu betrachtenden Literatur um das angeblich postmoderne Genre des Kriminalromans handelt, das hier und von Vázquez Montalbán selbst mit der Gastronomie in Verbindung gebracht wird, sei ein Schwerpunkt der Untersuchung, die sich aber nicht auf literaturanalytische Theorien beschränkt, sondern vor allem eine Art Kolorit der spanischen und katalanischen Gesellschaft und Kultur anhand ihrer Küche widerspiegeln soll. Katalonien als eine schon seit dem Mittelalter nach Autonomie und Autarkie strebende Region Spaniens und deren kulinarische Besonderheiten sollen dabei besonders beleuchtet werden, zumal sowohl der vor zwei Jahren gestorbene Autor Vázquez Montalbán als auch der Protagonist seines zu betrachtenden Romanzyklus’, Pepe Carvalho, in Katalonien, genauer gesagt in Barcelona, lebten und speisten. Die Bedeutung der Großstadtmetropole Barcelona als Schmelztiegel der Kulturen und der unterschiedlichen sozialen Schichten soll, Bezug nehmend auf die zu untersuchende Kriminalliteratur, aber auch auf die Küche, ebenfalls eine Rolle spielen.

1) Die spanische novela policíaca und der Autor Manuel Vázquez Montalbán

Die Kriminalliteratur in Spanien blickt auf eine relativ kurze Vergangenheit zurück, denn sie hat sich im Vergleich zu derer anderer Staaten erst spät entwickelt.[1] Seit 1975, das heißt seit dem Ende der Diktatur Francos, das durch dessen Tod am 20. November eingeleitet wurde, und dem damit verbundenen Beginn der transición, der Spätphase des Regimes, erfreut sich der spanische Kriminalroman, die novela policíaca, besonderer Beliebtheit, ohne jedoch auf eine dem Genre entsprechende Tradition, wie sie in England oder den Vereinigten Staaten von Amerika existiert, zurückzugreifen. Der im Zusammenhang dieser Arbeit zu betrachtende Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán ist nicht der erste spanische Autor, der einen Kriminalroman geschrieben hat, jedoch ist er der fast einzige Repräsentant der sarkastischen spanischen novela negra[2], die bis heute das Großstadtbewusstsein der spanischen Gegenwartsliteratur bestimmt[3].

1.1) Manuel Vázquez Montalbán: Leben und Werk in der Diktatur, zur Zeit der transición und der Demokratie

Der Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán wurde am 14.6.1939, das heißt zehn Wochen nach Ende des Spanischen Bürgerkrieges[4], als Sohn von Immigranten aus Galicien und Murcia in Barcelona in Katalonien geboren. Dort wuchs er im altstädtischen Armen- und Ausländerviertel Raval auf, dessen politisches Milieu den verbotenen Arbeiterparteien trotz der Gefahr, die von der von April 1939 bis November 1975 bestehenden rechtsextremen und konservativen Diktatur Francisco Francos ausging, verbunden blieb. Vázquez Montalbán lebte als Kind und Jugendlicher in einem spanisch-katalanischen Mischmilieu, denn in der Familie wurden Traditionen aus Galizien und Murcia gepflegt und Spanisch gesprochen, während im katalanischen Freundeskreis das Nationalbewusstsein der Region zum Ausdruck kam[5]. Der Spanische Bürgerkrieg dürfte, auch wenn der Schriftsteller Vázquez Montalbán ihn selbst nicht mehr miterlebte und somit zur ersten Generation zählt, die in der Franco-Diktatur geboren und aufgewachsen ist[6], einen großen Einfluss auf sein Leben und natürlich auch auf sein schriftstellerisches Werk gehabt haben. Stärker reflektiert hat er jedoch die sozialpolitische Gegenwart, in der er lebte. Dazu zählt sowohl die Diktatur Francos von 1939 bis 1975 als auch die darauffolgende Zeit der transición, der Übergangsphase von der Diktatur zur Demokratie, die ungefähr von 1975 bis zum Wahlsieg der Sozialisten im Oktober 1982 dauerte[7] und die seitdem existierende parlamentarische Demokratie in Spanien. Der Aktualitätsbezug ist charakteristisch für sein politisch kritisches Werk.

Während der Diktatur studierte Vázquez Montalbán Philologie und Journalismus, bzw. Literatur und Philosophie[8] und engagierte sich bereits in jungen Jahren in linksradikalen Gruppierungen[9]. Trotz seiner stets distanzierten Haltung gegenüber dem katalanischen Nationalismus und Lokalpatriotismus[10], die er sich wahrscheinlich durch seine nicht katalanische Herkunft bewahrte, trat er 1961 der im Untergrund aktiven katalanischen kommunistischen Partei PSUC (Partit Socialista Unificat de Catalunya) bei[11], wie es bereits sein Vater im Bürgerkrieg tat, der dafür ins Gefängnis kam, weshalb er seinen Sohn Manuel erst als Sechsjährigen kennen lernte[12]. Im Jahr 1962 wurde Manuel Vázquez Montalbán unter Francos Regime verhaftet und aufgrund illegaler politischer Tätigkeiten zusammen mit seiner Frau zu drei Jahren Gefängnishaft verurteilt, die er allerdings aufgrund einer im selben Jahr verkündeten Amnestie auf die Hälfte verkürzen konnte[13].

Vázquez Montalbán gilt bis heute, das heißt ungefähr zwei Jahre nach seinem unerwarteten Tod am 18. Oktober 2003 in Bangkok, das ironischerweise Schauplatz einer seiner Kriminalromane aus der Serie um den Detektiv Pepe Carvalho ist (Los pájaros de Bangkok, 1983), die im Folgenden beleuchtet wird, als der „produktivste Qualitätsautor Spaniens“[14]. Von ihm wurden mehr als einhundert Bücher veröffentlicht und sein Werk umfasst eine Vielzahl von unterschiedlichen Genres, darunter unter anderem Essays, Gedichte, Romane, Reportagen, Anthologien, Biografien und Kolumnen, die er regelmäßig in den Zeitungen El País und Triunfo bis zu seinem Tod publizieren ließ. Als er Ende der 60er Jahre den Glauben an die Realisierung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung mehr und mehr verlor, aufgrund der scheinbar endlosen Diktatur des Regimes, begann er ganz im Sinne der Avantgarde chiffrierte, alle Regeln der Kunst brechende Literatur zu schreiben, seine escritos subnormales (1970-1974)[15], in denen er vor allem mit Erzählstrategien experimentierte und den Leser bewusst vor den Kopf stieß. Aus dieser zwar literarisch produktiven, jedoch gleichzeitig ideologisch destruktiven Phase, der „produktive[n] Verunsicherung des Lebens“[16], entstand als ein weiteres Experiment der erste Roman, in dem die heute bekannteste Romanfigur der spanischen Gegenwartsliteratur[17], ein gewisser spanischer CIA-Agent mit Namen Pepe Carvalho die epische Bühne betrat (Yo maté a Kennedy, 1972). Um ihn soll es im weiteren Verlauf der Untersuchung gehen.

2) Die Pepe Carvalho-Serie

Im Nachhinein wird Manuel Vázquez Montalbáns Roman Yo maté a Kennedy (1972) zum Ursprung der Serie von Kriminalromanen über den ehemaligen Kommunisten und Ex-CIA-Agenten und Privatdetektiv Carvalho, die heute 20 Bände umfasst[18]. Dem Erfolg des eigentlich ersten Bandes Tatuaje (1974) folgte der weniger erfolgreiche, jedoch hier in Bezug auf die darin unter anderem thematisierte Gastronomie zu untersuchende Roman La soledad del manager (1977). Er erschien in einem reformenreichen Jahr für Spanien, in dem seit der Diktatur Francos zum ersten Mal wieder freie Wahlen stattfanden und unter anderem die spanische kommunistische Partei PCE (‚Partido Comunista de España’) legalisiert wurde, die sich jedoch gegen das neu diskutierte Gesetz, Ley para la Reforma Política, richtete[19] und damit dem die Zeit der transición prägenden desencanto, der in Teilen der Gesellschaft, sicherlich vor allem unter den linken Intellektuellen, existierenden Enttäuschung über die „Konsenspolitik“ und „die relativ geringen Fortschritte der Demokratisierung“[20], Ausdruck verlieh. Die allgemeine Ernüchterung über die schleichenden Reformen und den nur scheinbaren politischen Wandel wurde besonders stark in Katalonien empfunden, dessen eigene Kultur und Sprache während der Franco-Diktatur unterdrückt und bekämpft wurde. Statt eines ersehnten Bruches mit der Vergangenheit[21] sah man sich zur Zeit der transición halbherzigen und politisch opportunistischen Reformen gegenüber machtlos.

In diesem Zusammenhang war es gewissermaßen Manuel Vázquez Montalbáns literarische Aufgabe und Intention, eine heterogene Chronik des damals gegenwärtigen spanischen gesellschaftlichen Lebens zu konstruieren („el desarrollo de la vida nacional durante el posfranquismo“[22]), mithilfe der Kriminalliteratur als argumentatives Gerüst[23], um es zu kritisieren oder, ganz im Sinne der Postmoderne, um die jüngere spanische Geschichte mit Ironie und ohne Unschuld zu dokumentieren und somit aufzuarbeiten. Joan Ramon Resina formulierte den treffenden Satz bezüglich der Funktion der spanischen Kriminalliteratur zur Zeit der politischen Ernüchterung nach der Franco-Diktatur:

[...]


[1] Resina, Joan Ramon (Barcelona: 1997), 23

[2] Claudín, Victor (1979), 36

[3] Neuschäfer, Hans-Jörg, 395-96

[4] Daus, Ronald, 2

[5] Bodenmüller, Thomas, 33

[6] Daus, Ronald, 2

[7] http://es.wikipedia.org/wiki/Transi%C3%B3n_Espa%C3%B1ola (3.9.2005)

[8] Stenzel, Hartmut, 175

[9] Bodenmüller, Thomas, 34

[10] Rehrmann, Norbert, 39

[11] Stenzel, Hartmut, 175

[12] Bodenmüller, Thomas, 33

[13] Bodenmüller, Thomas, 34

[14] Bodenmüller, Thomas, 33

[15] Rehrmann, Norbert, 41

[16] Stenzel, Hartmut, 177

[17] Bodenmüller, Thomas, 33

[18] Bodenmüller, Thomas, 35

[19] http://es.wikipedia.org/wiki/Transici%C3B3n_Espa%C3%B1ola (3.9.2005)

[20] Rehrmann, Norbert, 44

[21] Stegmann, Till und Inge, 69

[22] Colmeiro, José F., 18

[23] Colmeiro, José F., 19

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Küche Kataloniens in Manuel Vázquez Montalbáns Kriminalroman "La soledad del manager"
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V48539
ISBN (eBook)
9783638452199
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Küche, Kataloniens, Manuel, Vázquez, Montalbáns, Kriminalroman
Arbeit zitieren
Juliane Fehlig (Autor), 2005, Die Küche Kataloniens in Manuel Vázquez Montalbáns Kriminalroman "La soledad del manager", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48539

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