Störungen der Unterrichtskommunikation beeinträchtigen die Lerneffizienz, die Arbeitsatmosphäre und sind einfach ungemein belastend. Tagtäglich werden Lehrer wie Schüler davon in negativer Weise beeinflusst; neben der Behinderung des Lehr-Lern- Prozesses können vor allem auch psychische Beschwerden auftreten. Welche Faktoren aber spielen dabei eventuell eine Rolle? Welche Voraussetzungen müssten grundsätzlich gegeben sein, um eine angemessene Atmosphäre für die Kommunikation im Unterricht bereitzustellen? Gibt es eigentlich sinnvolle Möglichkeiten, um Kommunikationsstörungen zu vermindern oder gar zu vermeiden? Wo wären Ansätze zur Verbesserung möglich?
Im Folgenden soll zunächst einmal der Bereich der Störungen analysiert werden, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf der Funktion des Lehrers liegen wird, dessen Verhaltensweisen und Einstellungen zu Schülern, Unterricht und Schule genauer betrachtet werden sollen. Wo liegen gravierende Fehlerquellen des Lehrers vor allem im Umgang mit seinen Schülern? Welches sind die Gründe und Ursachen für ein Misslingen der Kommunikation im Unterricht? Bei dieser Untersuchung werden weiter - jedoch nur peripher - das Einwirken institutioneller Bedingungen wie auch der Einfluss der Schüler auf Beeinträchtigungen der unterrichtlichen Kommunikation Berücksichtigung finden, vornehmlich jedoch auch hier in Bezug auf die Rolle des Lehrers.
Im Anschluss daran sollen Ideen und Ansätze zur Verbesserung thematisiert werden, wobei auch hier vor allem das Auftreten und Verhalten des Lehrers zu seinen Schülern im Mittelpunkt stehen wird. Welche Auswirkungen kann eine Veränderung des Umgangs miteinander auf die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern und letztendlich auch auf das Gesprächsverhalten haben?
Erneut wird der Fokus vorrangig auf der Person des Lehrers liegen, da es für ihn am wahrscheinlichsten ist, dass er Neuerungen durchsetzen könnte, sofern er nicht vollkommen wirklichkeitsferne Umwälzungen anstrebt. Zumindest im kleineren Rahmen wird es ihm am ehesten gelingen, Veränderungen durchzusetzen, wobei er sicherlich zunächst bei der eigenen Person, der eigenen Wahrnehmung und Haltung ansetzen muss. Aber auch hinsichtlich der Unterrichtsführung und der Methoden ist ein Umdenken erforderlich, weshalb auch diesbezüglich Überlegungen angestellt werden sollen. Auch die Frage, ob und inwiefern ein Lehrer institutionelle und organisatorische Gegebenheiten ändern und idealere Voraussetzungen für die Kommunikationsförderung schaffen kann, wird untersucht werden.
Abschließend soll - allerdings nur knapp - ein Konzept Klipperts Beachtung finden, der eine Verstärkung des "Kommunikationstrainings" ["Kommunikationstraining" lautet auch der Titel von Klipperts Buch] für die Schüler fordert, das mit aufeinander aufbauenden Trainingsbausteinen arbeitet. Klippert bietet dabei vielfältige Anregungen und Vorschläge für die Praxis, die hier leider nur angedeutet werden können. Verständlicherweise kann es sich im Rahmen dieser Arbeit lediglich um einen unvollständigen Überblick an Überlegungen handeln - zumal er auf die Lehrerseite reduziert werden soll, obwohl unzählige Ursachen und Faktoren die Kommunikation im Unterricht, sei diese gelungen oder gestört, maßgeblich mitbestimmen, weil sie allesamt für unterschiedlichste Wechselwirkungen mitverantwortlich sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Einfluss des Lehrers auf die Unterrichtskommunikation
1. Der institutionelle Rahmen
2. Die Rolle des Lehrers in der Klasse
2.1. Die Unterrichtsrealität
2.2. Die Autorität des Lehrers
2.3. Die Lehrer-Schüler-Beziehung
2.3.1. Der Mangel an Vertrauen
2.3.2. Die „Sprache der Nicht-Annahme“
2.3.3. Indirekte und nonverbale Botschaften
III. Verbesserungen der Unterrichtskommunikation
1. Wünschenswerte Verhaltensweisen und Einstellungen des Lehrers
1.1. Das menschliche Miteinander
1.2. Die „Sprache der Annahme“
1.3. Die Vorzüge symmetrischer Kommunikation
2. Veränderungen der Unterrichtsgestaltung
2.1. Die Relevanz des schülerzentrierten Lernens
2.2. Kommunikation als Lernziel
2.3. Der Lehrer als Moderator und Organisator
2.4. Kooperation und organisatorische Veränderungen
3. Kommunikationstraining mit den Schülern
IV. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Auswirkungen von Kommunikationsstörungen im Unterricht, wobei der Schwerpunkt auf der zentralen Rolle des Lehrers sowie dessen Einstellungs- und Verhaltensmustern liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Veränderung der Lehrer-Schüler-Beziehung und der Unterrichtsgestaltung ein konstruktiveres Gesprächsklima geschaffen werden kann.
- Analyse institutioneller und persönlicher Einflussfaktoren des Lehrers auf die Kommunikation.
- Untersuchung der Auswirkungen von Lehrereinstellungen, wie der „Sprache der Nicht-Annahme“, auf Schüler.
- Diskussion von Strategien zur Verbesserung der Unterrichtskommunikation durch schülerzentriertes Handeln.
- Vorstellung von Ansätzen eines Kommunikationstrainings zur Steigerung der Gesprächskompetenz bei Schülern.
Auszug aus dem Buch
2.3.2. Die „Sprache der Nicht-Annahme“
Tagtäglich werden Schüler – um es mit Gordons Worten zu formulieren – mit der „Sprache der Nicht-Annahme“ konfrontiert. Gordon verwendet hierbei als Schlagwort den Begriff „die zwölf Straßensperren“: zwölf Kategorien, in denen sehr charakteristische Lehrerreaktionen auf Schülermitteilungen reflektiert werden, die nicht selten dafür sorgen, dass die Gesprächsbereitschaft auf Seiten der Schüler erlahmt und erlischt. So können zum Beispiel Befehle, Warnungen, Predigten, Belehrungen, Beschuldigungen, Verurteilungen, Verhöre, Beschimpfungen, aber auch Ablenkungen, Lob, Fragen, Trost und Analysen schnell zu „Kommunikationsbremsen“ werden, die nur schwerlich wieder aufzuheben sind.
Gordon macht in diesem Kontext auch deutlich, wieso diese Arten der Reaktion so nutzlos sind – als Konsequenzen hierauf sind Schweigsamkeit, Trotz, Zorn, Aufmüpfigkeit zu benennen. Auch hinzuweisen ist auf die Gefahr, dass die Schüler sich unterlegen, minderwertig, unfähig, missverstanden, unwichtig und nicht akzeptiert fühlen könnten. Viele sehr prägende Verhaltensformen gebraucht der Lehrer jeden Tag ohne wirklich böse Absicht, weil er sich der gravierenden Folgen und den damit verbundenen Wechselwirkungen nicht im Geringsten bewusst ist. Dennoch kann man es den Schülern nicht verübeln, wenn sie daraus falsche Schlüsse ziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert Kommunikationsstörungen im Unterricht und fokussiert dabei primär auf die Rolle des Lehrers als zentralen Akteur bei deren Entstehung und Bewältigung.
II. Der Einfluss des Lehrers auf die Unterrichtskommunikation: Dieses Kapitel analysiert die institutionellen Rahmenbedingungen sowie die individuellen Verhaltensweisen und Machtstrukturen, durch die Lehrer die Gesprächsatmosphäre im Klassenzimmer maßgeblich prägen.
III. Verbesserungen der Unterrichtskommunikation: Es werden konkrete Ansätze für eine gelingende Kommunikation vorgestellt, darunter die „Sprache der Annahme“, eine schülerzentrierte Unterrichtsgestaltung und gezieltes Kommunikationstraining.
IV. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz des hohen Arbeitsaufwandes eine bewusste Auseinandersetzung des Lehrers mit seinem Kommunikationsverhalten für eine positive Lernatmosphäre unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Unterrichtskommunikation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Kommunikationsstörungen, Schuldidaktik, schülerzentriertes Lernen, Gesprächsführung, Sprache der Annahme, aktives Zuhören, Kommunikationsraining, Feedback, Lehrverhalten, Unterrichtsgestaltung, Gesprächsklima, Kompetenzförderung, konstruktiver Dialog.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die vielfältigen Ursachen von Kommunikationsstörungen im Unterrichtsalltag und untersucht, wie die Person des Lehrers und sein Handeln dazu beitragen oder durch Anpassungen ein besseres Gesprächsklima schaffen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse der Lehrer-Schüler-Interaktion, der Einfluss von Macht und Autorität, die Bedeutung des Vertrauens sowie Möglichkeiten zur methodischen Umgestaltung des Unterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Lehrer ihre Kommunikationskompetenz erweitern und durch gezielte Strategien eine angstfreie, produktive Gesprächskultur in der Klasse fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse didaktischer Konzepte (u.a. Klippert, Gordon) und bezieht Forschungsergebnisse zur Unterrichtskommunikation ein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der bestehenden Störfaktoren (wie Lehrerzentrierung, Autoritätsausübung und negative Feedbackmechanismen) sowie in einen ausführlichen Teil zu praktischen Verbesserungsansätzen für den Lehrer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unterrichtskommunikation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Kommunikationsstörungen und schülerzentriertes Lernen geprägt.
Warum spielt die sogenannte „Sprache der Nicht-Annahme“ eine zentrale Rolle?
Sie beschreibt destruktive Lehrerreaktionen (wie Straßensperren), die das Vertrauen der Schüler untergraben und ihre Beteiligungsbereitschaft dauerhaft hemmen.
Inwiefern ist das 5-Stufen-Modell von Klippert relevant für die Arbeit?
Es dient als praktischer Leitfaden, um Kommunikation systematisch als Lernziel in den Unterricht zu integrieren und Schüler schrittweise zu mehr Gesprächsfertigkeit zu führen.
- Quote paper
- Christin Borgmeier (Author), 2005, Kommunikationsstörungen im Unterricht. Der Einfluss des Lehrers und seine Handlungsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48594