Die Farbenlehre von Johann Wolfgang Goethe. Ein ausführlicher Unterrichtsentwurf für die Klasse 9 des Gymnasiums


Unterrichtsentwurf, 2019
37 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse

2. Kompetenzangaben

3. Voraussetzungen des Unterrichts

4. Begründung des Lerngegenstands

5. Begründung der Lernaufgaben

6. Methodische Entscheidungen begründen

7. Unterrichtsverlaufsplan

8. Schlussbemerkungen

9. Literaturangaben und Anlagen im Unterrichtsentwurf

10. Anhang

1. Sachanalyse

Goethes Auseinandersetzung mit der Farbenlehre war äußerst komplex und detailliert. Um je- doch den Rahmen des Unterrichtsentwurfs nicht zu sprengen, kann in der folgenden Sachana- lyse nur ein Überblick über Goethes wichtigste Gedanken hierzu gegeben werden. Dies ist den- noch ausreichend, um die darauf aufbauenden didaktischen Überlegungen zu begründen und nachzuvollziehen. Für eine detaillierte Auseinandersetzung mit Gothes Arbeiten sei der Ab- schnitt über die Farbenlehre in Manfred Wenzels „Goethe-Handbuch“ – Supplemente-Band 2“1 empfohlen.

Goethe und die Farbenlehre – Motivation und Geschichte

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschspra- chiger Dichtung.2 Er war jedoch nicht nur literarisch tätig, sondern versuchte sich ebenso als Forscher und Naturwissenschaftler in vielen verschiedenen Disziplinen. Morphologie, Botanik und Gartenbau sowie Optik und Meteorologie seien hier beispielhaft genannt.

Besonders intensiv setzte Goethe sich mit der Wissenschaft der Farben auseinander. Mehr als 40 Jahre lang, bis zum Tage seines Todes, beschäftigte ihn dieses Thema und er selbst sieht seine Forschungen auf diesem Gebiet als seine wichtigsten Errungenschaften an:

„Auf alles was ich als Poet geleistet habe, bilde ich mir gar nichts ein. […] Daß ich aber in meinem Jahrhundert in der schwierigen Wissenschaft der Farbenlehre der Einzige bin, der das Rechte weiß, darauf tue ich mir etwas zugute […]“3

Goethe hegte schon in jungen Jahren ein Interesse für die Natur. Ausgelöst durch eine Reise in den Harz im Jahr 1777, bei welcher er am Brocken farbige Schatten in der Abendsonne auf Schnee wahrnahm, begann er sich intensiver mit der Thematik der Farben zu beschäftigen. Sein Interesse war zunächst kein rein physikalisches, sondern beruhte auf maltechnischen und kunst- theoretischen Überlegungen. Bei seiner Italienreise (1786-1788) traf er wiederholt auf Maler, die ihm jedoch keine befriedigende Antworten auf seine Fragen stellen konnten: „Von einigen Punkten wusste ich mir nicht die mindeste Rechenschaft zu geben: es war das Kolorit… Kam es an die Färbung, so schien alles dem Zufall überlassen zu sein“4. Nach seiner Rückkehr nach Weimar fing Goethe an, seine Forschungen zu systematisieren. So baute er sich eine begehbare Camera obscura und fing an, erste Untersuchungen zu machen. Die bis an sein Lebensende andauernde vehemente Ablehnung des englischen Naturwissenschaftlers und Physikers Isaak Newton hatte seinen Aufhänger im Prismenaperçu: Eher zufällig schaute Goethe durch ein Prisma auf eine weiße Wand und sah zu seiner großen Überraschung nicht die erwartbare mehr- farbige Brechung Newtons:

„Aber wie verwundert war ich, als die durchs Prisma angeschaute weiße Wand nach wie vor weiß blieb, dass nur da, wo ein Dunkles dran stieß, sich eine mehr oder weniger entschiedene Farbe zeigte […]. Es bedurfte keiner langen Überlegung, so erkannte ich, dass eine Grenze notwendig sei, um Farben hervorzubringen und ich sprach wie durch einen Instinkt zugleich vor mich laut aus, dass die Newtonische Lehre falsch sei“5

Rückblickend muss konstatiert werden, dass Goethe damit leider falsch lag. Dies liegt daran, dass in sein Prisma nicht ein einzelner, sondern viele Lichtstrahlen auf einmal fielen. Damit zerlegte sein Prisma zwar das Licht in einzelne Farben. Weil hier jedoch viele Lichtstrahlen zusammentrafen, überlagerten sich die ebenso vielen farbigen Einzelstrahlen wieder zu weißem Licht. Nur an Kanten oder ähnlichen Bereichen der Wand, wo keine komplett flächige Licht- quelle vorlag, waren Regenbogenfarben zu sehen.

Seine ersten Beiträge zur Farbenlehre erschienen 1791 unter dem Titel „Beiträge zur Optik“.

„Zur Farbenlehre“ – Aufbau, Inhalt und zeitgenössische Rezeption

Goethes Abhandlung „Zur Farbenlehre“ (1810) ist das Hauptwerk seiner Beschäftigung mit Farben. Es lässt sich in drei Teile gliedern: einem didaktischen, einem polemischen und einem historischen Teil. Im didaktischen Teil finden sich die Sachaussagen und die eigentlichen the- oretischen Kernthesen seiner Farbenlehre. Im polemischen Teil geht Goethe konkret auf die Theorie Newtons ein und begründet deren Ablehnung. Im abschließenden historischen Teil rollt Goethe die Geschichte der Farbenlehre von der Antike bis zum 18. Jahrhundert auf. Zum Ende des historischen Teils („Konfession des Verfassers“) teilt Goethe dem Leser seine eigenen Ab- sichten, Einstellungen und Ansichten mit. Im Folgenden beschäftige ich mich nun ausschließ- lich mit dem didaktischen Teil, weil dieser im Fokus meiner Unterrichtseinheit stehen soll.

Physische Farben

Als erstes geht Goethe auf

„die physiologischen [Farben ein], welche dem Organ des Auges vorzüglich angehören und durch dessen Wirkung und Gegenwirkung hervorgebracht werden. Man kann sie auch daher auch die sub- jektiven nennen. Sie sind unaufhaltsam flüchtig, schnell verschwindend“6.

Es handelt sich dabei um jene Farben, die das menschliche Auge selbst produzieren kann und die zum Innenleben des Betrachters gehören. Hier zeigt sich Goethes Vorstellung von Wissen- schaft, da für ihn die Wahrnehmung physikalischer Phänomene immer untrennbar mit dem Menschen verbunden ist und eine Farbempfindung demnach immer aus einem komplexen Zu- sammenspiel zwischen dem äußeren Objekt und des subjektiv reagierenden Sinnesorgans Auge besteht.7

Beispielhaft für die physiologische Tätigkeit des Auges führt Goethe die Nachbilder an. Schaut man fokussiert für etwa 30 Sekunden auf eine farbige Fläche und wendet danach den Blick ruckartig auf einen neutralen Hintergrund, so wird man dort das farbige Nachbild der Fläche in der Komplementärfarbe sehen. Dieses Phänomen ist bereits seit der Antike bekannt, wurde je- doch immer als optische Täuschung wahrgenommen. Goethe gab dieser eine positivere Bedeu- tung, indem er diese nicht als „Schwäche des Körpers, sondern als positive Tatsachen des Se- hens“8 interpretiert.

In diesem Zusammenhang spricht Goethe auch über farbige Schatten. In einem Versuch hat Goethe gezeigt, dass diese entstehen, wenn farbiges Licht einen Schatten wirft, der von einem nicht zu starken weißen Licht aufgehellt wird. Der Schatten nimmt dann die jeweilige Komple- mentärfarbe des schattenwerfenden Lichts an. Dieses Phänomen konnte Goethe in der Natur beobachten, wenn beispielsweise beim Sonnenuntergang das Grau der Schatten zu Grün wurde (Komplementärfarbe zum Abendrot). Farbige Schatten können demnach niemals separat vom erzeugenden Körper betrachtet werden.9

Physiologische Farben

„Die zweite Abteilung macht uns nunmehr mit den physischen Farben bekannt. Wir nannten diejenigen so, zu deren Hervorbringung gewisse materielle, aber farblose Mittel nötig sind.“10

Damit ist i.d.R. ein Prisma gemeint, welches eine optische Brechung, Spiegelung oder Beugung hervorruft. Goethe unterscheidet hierbei zwischen dioptrischen (Brechung), katoptrischen (Phänomene der Spiegelung), paroptischen (Beugungserscheinungen) und epoptischen (Farben auf Oberflächen) Farben.11

Im bereits erwähnten Prismenaperçu machte Goethe seine ersten Erfahrungen mit einem Prisma. Er stellte zu seiner Verwunderung fest, dass, gegensätzlich zu Newtons Vorhersage, nur dort Farben zu finden sind, wo helle und dunkle Flächen aneinandergrenzen. Hier beobach- tete er die Entstehung der sogenannten Kantenspektren Rot/Gelb, Blau/Violett sowie deren Mischfarben Grün/Purpur. Dies führte Goethe zur, aus heutiger Sicht betrachtet, falschen An- nahme, dass Farben dort entstehen, wo Hell und Dunkel aufeinandertreffen.12

Goethe zeigte sich beeindruckt von der Erscheinung der prismatischen Farben und wollte diese mit der Welt teilen. Aus diesem Grund ließ er kleine Spielkarten inklusive Anleitung herstellen, die zeigen sollten, wie und unter welchen Bedingungen Farben entstehen.

Im dritten Teil seiner Ausführungen beschreibt Goethe die chemischen Farben, die „wir uns nun objektiv als den Gegenständen angehörig denken“13 können. Diese sind immer mit dem tragenden Körper verbunden und beständig. In diese Kategorie fallen neben Malerfarben und Pigmenten auch die Farben der Mineralien, Pflanzen und Tiere. Diese werden aber in der vor- liegenden Unterrichtseinheit nur am Rande betrachtet.

Während die Kapitel vier und fünf für unsere Zwecke zu vernachlässigen sind, ist vor allem Kapitel sechs von wichtiger Bedeutung. In ihm geht es um die „Sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe“. Goethe setzt sich darin mit der ästhetischen Wirkung der Farbe auseinander. Dieses Kapitel ist wahrscheinlich jenes, welches die positivsten Stimmen in der Rezeptionsgeschichte hervorgerufen hat und bis heutig die größte Gültigkeit besitzt.

Goethe war der Meinung, dass die Farben unseren Körper, unsere Stimmungen und unsere Seele beeinflussen. Jeder Farbe hat er eine bestimmte Eigenschaft und Wirkung auf das Gemüt zugewiesen. Gelb steht für ihn für Heiterkeit, Munterkeit und Sanftmut und macht einen „war- men und behaglichen Eindruck“14. Rot strahle dagegen Würde, Huld und Anmut aus, während Blau etwas Dunkles mit sich führe und ein Gefühl der Kälte gebe.15 Bei Grün hingegen emp- findet das Auge eine „reale Befriedigung“16: das Auge ruht in sich und das Gemüt entspannt sich. Aus diesem Grund schlägt Goethe vor, Zimmer, in welchen man sich viel aufhält, in dieser Farbe zu streichen.

Goethe blieb mit seinen Erkenntnissen nicht nur in der Theorie behaftet, sondern wandte diese auch praktisch an. So hat er beispielsweise die Zimmer seines eigenen Hauses dementsprechend farblich gestaltet: Das gelbe Esszimmer sollte Wärme ausstrahlen und zur Geselligkeit einla- den, wohingegen das grüne Arbeitszimmer zur Unterstützung seiner Denkprozesse gedacht war.17

Isac Newton: Farbzerlegung des weißen Lichts

Zum weiteren Verständnis soll an dieser Stelle ebenfalls kurz auf Newtons Theorie der Licht- brechung eingegangen werden.18

Isaac Newton (1642-1727) gilt als einer der begabtesten Wissenschaftler des 17. und 18. Jahr- hunderts. Neben zahlreichen Erkenntnissen auf den Gebieten der Mechanik, Mathematik, Ast- ronomie, Theologie und Alchemie hat er auch im Bereich der Optik geforscht. Wie schon er- wähnt, diente er Goethe mit seinen Experimenten zur Lichtbrechung als Aufhänger und Gegen- spieler.

Newton stellte die These auf, dass im weißen Licht alle Spektralfarben enthalten sind und diese sich im Experiment sichtbar machen lassen. Dazu lenkte er einen dünnen Lichtstrahl durch ein kleines Loch in einen abgedunkelten Raum auf ein Prisma und stellte dahinter einen weißen Schirm auf. Er erkannte, dass weißes Licht aus allen Spektralfarben zusammengesetzt ist und konnte so beispielsweise die Entstehung eines Regenbogens erklären. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, vertraute Newton in erster Linie auf quantitative Vorgehensweisen, die teilweise öffentlich nicht anerkannt waren und hatte so mit enormem Widerstand zu kämpfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Goethes Forschung unterscheidet sich grundlegend von der Herangehensweise Newtons,19 weil sie sich einem fachwissenschaftlichen Zugang entzieht: „In ihr vereinigen sich Physiologie mit Physik und Chemie, Kunsttheorie und Ästhetik mit handwerklicher Praxis, Wissenschaftsge- schichte und Erkenntnistheorie.“20 Während Newton dem wissenschaftlichen Ideal der Objek- tivität den obersten Stellenwert einräumte, vertrat Goethe einen ganzheitlicheren Ansatz, bei welchem „Naturerkenntnis in Selbsterkenntnis“21 münden sollte. Für Goethe war die wissen- schaftliche Erkenntnis nie objektiv, sondern immer an den dazugehörigen Menschen gebunden. Er sah es als „das größte Unheil der neuern Physik, dass man die Experimente gleichsam vom Menschen abge- sondert hat und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will“22.

Die Vorstellung objektiver, außerhalb der menschlichen Existenz vorhandener Phänomene, wie sie für die Physik selbstverständlich sind, war für Goethe undenkbar. Konkreter widersprach Goethe Newton darin, dass sich weißes Licht aus den Spektralfarmen zusammensetzt. Für ihn war weißes Licht prinzipiell nicht teilbar.

2. Kompetenzangaben

Hauptkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler lernen die Kulturperson Goethe als Naturwissenschaftler kennen

Fachliche Teilkompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler…

- können den Unterschied zwischen Goethes und Newtons Wissenschaftsbild erläutern
- wissen, aus welchen Unterbereichen Goethes Werk „Zur Farbenlehre“ besteht
- können die ästhetischen Wirkungen von Farben beschreiben
- können Goethes Stellung als Wissenschaftler in sein Gesamtwerk einordnen
- können erläutern, welche Rolle Goethes Forschungen für die heutigen Wissenschaften noch spielt

Methodische Teilkompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler…

- stellen ihre Ergebnisse im Klassenverband verständlich und ansprechend vor
- können ein eigenes Fazit zu einem von ihn bearbeiteten Thema formulieren
- sind in der Lage, selbstbestimmt Aufgaben auszuwählen, die ihrem Leistungsniveau und ihren Interessen entsprechen
- können eine Versuchsanleitung lesen und eigenständig umsetzen
- können mit den Methoden der experimentellen Forschung umgehen

Personale und soziale Teilkompetenzen

Die Schüler und Schülerinnen…

- gehen in den Kleingruppen und im Plenum wertschätzend mit den Beiträgen ihrer Mit- schüler und Mitschülerinnen um
- lernen in Kleingruppen zusammenzuarbeiten

3. Voraussetzungen des Unterrichts

Da ich diese Unterrichtseinheit nur theoretische konzipiere und nicht praktisch durchführe, kommt es an dieser Stelle zu einem Problem, weil ich keine „echte“ Klasse vor mir habe. Ich löse dies, indem ich annehme, die Unterrichtseinheit in der Klasse 9b des Kepler-Gymnasiums Freiburg-Rieselfeld durchzuführen. Diese habe ich während meines Praxissemesters im Sep- tember und Oktober 2018 über mehrere Wochen begleitet, sodass ich mir ein intensiveres Bild über deren Klassenstruktur, Arbeits-, Sozial- und Gruppenverhalten machen konnte und die einzelnen Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum beobachten konnte. Meine Annahmen können natürlich trotzdem von der Realität abweichen, weil diese auf meinen Erin- nerungen beruhen und manche SchülerInnen und Schüler sich möglicherweise im letzten hal- ben Jahr sehr verändert haben oder eventuell gar nicht mehr auf der Schule sind. Demnach kann der wichtigste Grundsatz, der für diesen Teil gilt „Lernen Sie ihre Schülerinnen und Schü- ler kennen“ ausnahmsweise nur bedingt befolgt werden.

Allgemeine Angaben zur Klasse

Die Klasse 9b des Kepler-Gymnasiums Freiburg-Rieselfeld besteht aus 14 Schülerinnen und elf Schülern. Die Klasse ist in dieser Form schon seit der Klasse 5 zusammen, jedoch kamen zu Beginn des Schuljahres zwei neue Kinder in die Klasse dazu: Samira23 hat eine Klasse wieder- holt und Nico ist neu ins Rieselfeld gezogen. Die Freundschafts- und Gruppenbildungsprozesse sind zum großen Teil abgeschlossen, im Großen und Ganzen hat die Klasse auf mich einen harmonischen Eindruck gemacht. Während meines Praktikums habe ich keine Fälle von Mob- bing oder aktiver Ausgrenzung erlebt, einzig Timo und Finja haben wenig Freunde in der Klasse und sitzen oft alleine.

In der Klasse wird ein Kind (Lukas) mit einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) beschult. Das zeigt sich darin, dass er gerade im Fach Deutsch für die Aufgaben oftmals mehr Zeit benötigt. Er wird jedoch zielgleich nach den Bildungsstandards des Gymnasiums unterrichtet.

Das Arbeitsklima ist in der Klasse 9b ist durchwachsen. Die Schülerinnen und Schüler zeigen sich zwar prinzipiell aufgeschlossen gegenüber den angebotenen Inhalten, jedoch zeigt sich hier das besondere Alter der Jugendlichen. Viele Schülerinnen und Schüler befinden sich mitten in der Pubertät und zeigen demnach ein generelles Desinteresse an schulischen Inhalten. Hinzu kommt, dass die Aufmerksamkeitsspanne eher gering ist.

In der Klasse geltende Gesprächs- und Verhaltensregeln werden von den Schülerinnen und Schülern unterschiedlich eingehalten. Während meines Praktikums war dies tatsächlich sehr von der Lehrkraft, aber auch von der Tagesform der Klasse abhängig.

Lernvoraussetzungen für diesen Unterricht

Für die vorliegende Unterrichtskonzeption wurden ausschließlich Unterrichtsmethoden ge- wählt, welche den Schülerinnen und Schülern bereits bekannt sein sollten, da sie zum gängigen Unterrichtsalltag gehören: Gruppenarbeit, Lehrer-Schüler-Gespräch, Think-Pair-Share.

Es kann ebenfalls erwartet werden, dass den Schülerinnen und Schülern die Person Johann Wolfgang von Goethe einigermaßen bekannt ist, weil diese Klasse ein Jahr zuvor sich längere Zeit mit Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werthers“ auseinandergesetzt hat. Es kann je- doch nicht davon ausgegangen werden, dass die Schülerinnen und Schüler (a) trotz der Behand- lung im Jahr zuvor noch detailliertes Wissen über Leben und Werk Goethes besitzen oder (b) Kenntnisse über Gothes Wirken als Naturwissenschaftler haben. Jedoch ist anzunehmen, dass alle Schülerinnen und Schüler sich bereits intensiver mit Newtons Lichtbrechungsversuchen auseinandergesetzt haben, weil dies Teil des Bildungsplans in Physik in Klasse 7/8 ist: Dort steht: „Die Schülerinnen und Schüler können (12) einfache Experimente zur Zerlegung von weißem Licht und zur Addition von Farben (Prisma) beschreiben.“

Die Schülerinnen und Schüler kennen Unterrichtsphasen, in denen an frei gewählten Aufgaben gearbeitet wird. Diese Form der Arbeitsorganisation wird seit Klasse 5 intensiv immer wieder geübt. Ebenso sind die Schülerinnen und Schüler erprobt im Umgang mit Experimenten. Dies haben sie seit Klasse 5 in den Fächern NwT (Naturwissenschaft und Technik), Physik und Che- mie des Öfteren wiederholt. Des Weiteren haben die Schülerinnen und Schüler in ihrer Schul- zeit verschiedene Formen der Zusammenarbeit praktiziert und eingeübt. Sie sollten deshalb alle in der Lage sein, sich in kleineren Gruppen zu organisieren oder die Think-Pair-Share-Methode anwenden zu können. Bei der Gruppenzusammensetzung muss mit Vorsicht vorgegangen wer- den, da gerade in diesem Alter verschiedene soziale Konstellationen schwierig sind. Zudem muss beachtet werden, inwiefern „neue“ Schülerinnen und Schüler oder jene, die vermeintlich weniger integriert sind, so in die Gruppenarbeit mit eingebunden werden, dass sie als vollwer- tiges Mitglied vom Rest der Gruppe akzeptiert werden und somit die Gruppe in ihrem Lernpro- zess maximal unterstützt wird.

[...]


1 Wenzel, Manfred: Farbenlehre. In: Ders. (Hg.): Goethe Handbuch. Supplemente Band 2: Naturwissenschaften. Stuttgart 2012.

2 Vgl. Müller (b), Olaf. L.: Goethe und die Ordnung der Farbenwelt. In: FAZ, Bilder und Zeiten, 4. Sep. 2010, Z3.

3 Eckermann, Johann Peter: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. 26. Auflage. Wiesbaden 1975: 62.

4 Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (Hg): „Goethe. Die Schriften zur Na-turwissenschaft“, 2. Abt., Bd. 3, „Beiträge zur Optik und Anfänge der Farbenlehre“, Ergänzungen und Erläuterungen. Weimar 1961: 254.

5 Ders.: 559.

6 Zitiert bei: Klassik Stiftung Weimar (d): Unterrichtsmaterial. Goethes Farbenlehre. Weimar 2011: 5.

7 Vgl. Wenzel (2012): 110f.

8 Klassik Stiftung Weimar (2011d): 5.

9 Vgl. Ders.: 8f.

10 Zitiert bei: Ders.: 5.

11 Vgl. Ders.: 5.

12 Vgl. Ders.: 10.

13 Zitiert bei: Ders.: 5.

14 Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (Hg): „Goethe. Die Schriften zur Naturwissenschaft“, 1. Abt., Bd. 4, „Zur Farbenlehre. Widmung, Vorwort und Didaktischer Teil. Weimar 1955: 228.

15 Vgl. Ders.: 229.

16 Ders.: 231.

17 Vgl. Klassik Stiftung Weimar (d): Unterrichtsmaterial. Goethes Farbenlehre. Weimar 2011.

18 Vgl. Müller (a), Olaf L.: „Newtons Spektrum und einige Grundlagen der Lichtbrechung“, unter: https://studi- lektor.de/tipps/zitieren/internetquellen-zitieren.html, zuletzt geprüft: 13.03.2019.

19 LEIFIpyisik: Newtons Versuche zu den Farben, unter: https://www.leifiphysik.de/optik/farben/versu- che/newtons-versuche-zu-den-farben, zuletzt geprüft: 13.03.2019.

20 Wenzel (2012): 81.

21 Klassik Stiftung Weimar (2011d): 6.

22 Goethe, Johann Wolfgang; Koopmann, Helmut (Hg.): Maximen und Reflexionen. München 2006: 706.

23 Die Namen habe ich aus Gründen der Anonymität geändert.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Farbenlehre von Johann Wolfgang Goethe. Ein ausführlicher Unterrichtsentwurf für die Klasse 9 des Gymnasiums
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Johann Wolfgang Goethe - Naturwissenschaftliche Schriften
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
37
Katalognummer
V486565
ISBN (eBook)
9783668969643
ISBN (Buch)
9783668969650
Sprache
Deutsch
Schlagworte
farbenlehre, johann, wolfgang, goethe, unterrichtsentwurf, klasse, gymnasiums
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die Farbenlehre von Johann Wolfgang Goethe. Ein ausführlicher Unterrichtsentwurf für die Klasse 9 des Gymnasiums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/486565

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