Der European Safe Bond als potenzieller Stabilitätsmechanismus für Europa


Bachelorarbeit, 2019
43 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rahmenbedingungen der Euro-Krise
2.1 Staaten-Banken-Nexus
2.2 Der „Diabolic Loop“
2.3 „Safe Haven“

3 Der „European Safe Bond“
3.1 Grundkonzeption der ESBies
3.2 Zinsanalyse
3.3 Emission von ESBies

4 Vorteile der ESBies

5 Nachteile der ESBies

6 Aktueller Bezug der SBBS zur EU

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Diese Arbeit thematisiert den „European Safe Bond“ oder auch „Sovereign Bond Backed Securities“ genannt. Dieses neue Wirtschaftsprodukt der Europäischen Union soll einer- seits aus der Euro-Krise ersichtliche negative wirtschaftliche Effekte der europäischen Ökonomie beseitigen und andererseits Europa finanzpolitisch enger zusammenschwei- ßen, um zukünftige Krisen vorzubeugen oder besser kontrollieren zu können. Das Kon- zept eines Eurobonds ist in den letzten Jahren im Fokus sämtlicher europäischer Öko- nomen und sowohl wirtschaftlich als auch politisch ein zentrales Thema der EU. Aufgrund dessen haben diverse Volkswirte unterschiedlichste Konzepte eines möglichen Euro- bonds vorgeschlagen. Jedoch wurde das Potential, welches in dieser Arbeit detailliert analysiert wird und auf Markus Brunnermeier et al. aus dem Jahre 2011 zurückzuführen ist, durch die EU erkannt und soll in näherer Zukunft umgesetzt werden. Die Eurokrise hat nicht nur wirtschaftliche, gleichermaßen politische Zweifel eines gemeinsamen Euro- pas in Bewegung gesetzt. Viele Mitgliedsstaaten sind wirtschaftlich immer noch stark an- geschlagen während andere prosperieren als ob es keine Krise gegeben hätte, was zu- nehmend zu unwohlen Gemütern führt. Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, die Flüchtlingswellen und der politische Rechtsruck in Europa üben durchgehend Druck auf Brüssel aus. Aber eine Sache geht diesen ganzen Ereignissen voraus, und zwar die Euro-Krise welche zum ersten Mal nach langer Zeit, ernsthaft am europäischen Traum rüttelt und Europas Reaktionsfähigkeit auf überraschende wirtschaftliche Geschehnisse in Frage stellte. Die Thesis greift den Gedanken nach Brunnermeier et al. auf und prüft die Durchführbarkeit der Sovereign Bond Backed Securities. Schließlich werden die Vor- und Nachteile abgewogen und auf das heutige Europa bezogen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Berechnungsformel des Home Bias

Abbildung 2: Diabolic loop between sovereign debt risk and banking debt risk (Markus K. Brunnermeier et al. 2012)

Abbildung 3: Hypothetical sovereign default scenarios and their effect on SBBS (ESRB High-Level Task Force on Safe Assets 2018b)

Abbildung 4: Yield estimation of SBBS (Markus K. Brunnermeier et al. 2016)

Abbildung 5: Deviation in the Eurosystem´s PSPP holdings (ESRB High-Level Task Force on Safe Assets 2018b)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Anteil heimischer Banken an Staatsanleihen des Sitzlandes (European Banking Authority: EU-Wide Transparency Exercise; 2013)

Tabelle 2: Europäische Zentralbank (EZB Kapitalschlüssel 01.01.2019)

Tabelle 3: Expected five year losses (ESRB High-Level Task Force on Safe Assets 2018a)

Tabelle 4: Probability Default of five year Bonds (ESRB High-Level Task Force on Safe Assets 2018a)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Staatsanleihen sind eines der ältesten Finanzprodukte der Welt und wurden in der Vergangenheit für Großprojekte, damals Kriege, verwendet. Im 12. Jahrhundert n.Chr. verwendete der Stadt-Staat Florenz, bekannt für seine Geschäftsleute, zum ersten Mal Staatsanleihen, um die eigenen Kriege zu finanzieren und verschuldete sich dabei über Zwangsanleihen bei der eigenen Bevölkerung. Später verliehen die führenden Kredithäu- ser der norditalienischen Provinz Geld an den englischen König Edward III, welcher drin- gend Mittel für seinen Krieg gegen Frankreich benötigte. Jedoch wurde dieser Kredit nie zurückgezahlt und sämtliche Kredithäuser mussten schließen. Die beeindruckenden Renditen aus dem englisch-französischen Krieg und eine neue, kirchentaugliche Mög- lichkeit, Zinsen zu verdienen, ließ die Florentiner investieren (Ferguson, Aufstieg des Geldes 2010). In den folgenden Jahrhunderten wurden weitere Kriege durch Staatsan- leihen finanziert, wie beispielsweise der niederländisch-spanische Krieg, welcher auch als der 80-jährige Krieg bekannt ist, die Napoleonischen Kriege, der erste und zweite Weltkrieg bis hin zu heutigen Konflikten. Staatsanleihen wurden zunehmend zum wich- tigsten Finanzierungsmittel geschichtsträchtiger Konflikte und das System dahinter im- mer weiter verfeinert. Die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen waren früher anders als heute. Es kam damals vermehrt zu Tilgungsverweigerungen seitens der Mo- narchen und zu Staatspleiten rund um die Welt. Im Zuge der Internationalisierung und später Globalisierung verflochten sich die Staaten und ihre Banken immer mehr, was zu aufeinanderfolgenden Kreditausfällen sämtlicher Länder weltweit führte. Seit dem 18. Jahrhundert ereigneten sich diverse Wirtschaftskrisen, in denen eine Vielzahl von Län- dern gleichzeitig Kreditausfälle zu beklagen hatten (Carmen M. Reinhart & Kenneth S. Rogoff 2014).

Im Zuge der Globalisierung wuchsen die Volkswirtschaften weltweit intensiver zusam- men. Der Interbankenhandel ist rapide gestiegen und der Finanzsektor ist größer denn je. Die Verbindung von Staaten und Banken über Staatsanleihen ist ein Fundament des Kapitalismus geworden, welchen es zu perfektionieren gilt, um zukünftige Krisen abwen- den und das Weltwirtschaftswachstum garantieren zu können.

Diese Thesis thematisiert die Einführung des „European Safe Bonds“ und dessen poten- ziellen Beitrag zur Stabilisierung Europas. Zunächst werden die aus der Euro-Krise her- vorgerufenen wirtschaftlichen Probleme analysiert. Das zweite Kapitel stellt die drei wich- tigsten externen Effekte dar, um dem Leser die Funktionsweise und Rahmenbedingun- gen des „European Safe Bonds“ näher zu bringen. Im darauffolgenden Kapitel wird der European Safe Bond detailliert erläutertet und mithilfe von Stress-Tests sowie empiri- schen Studien näher untersucht, um die Realisierbarkeit zu prüfen. Anschließend wird eine Finanzmarktanalyse dargestellt, welche die Grundbedingungen einer Emission der „Sovereign Bond Backed Securities“ examiniert. Basierend auf der Analyse von Problem und Produkt werden die Vor- und Nachteile in Kapitel vier und fünf ausgearbeitet und miteinander verglichen. Abschließend wird ein aktueller Bezug zu Europa hergestellt, speziell zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, um den „European Safe Bond“ wirtschaftlich und politisch einzuordnen, mit dem Ziel die Fragestellung der Thesis abzu- runden.

2 Rahmenbedingungen der Euro-Krise

Mit der Einführung des Euros am 01.01.2002 machte eine Mehrzahl der europäischen Länder einen großen Schritt in Richtung einer vollkommenen Europäischen Union. Je- doch gaben die neuen Euro-Länder durch diesen Schritt ein wichtiges Instrument zur Steuerung der eigenen Wirtschaftspolitik auf. Die Währung und damit einhergehend auch die Geldpolitik nationaler Zentralbanken wurde nach dem Subsidiaritätsprinzip an die höchste Instanz abgegeben, genauer an die Europäische Zentralbank. Die Länder Euro- pas haben unterschiedliche Bedürfnisse, verschiedene Marktstrukturen und eigenständig entwickelte Wirtschafts- und Handelskonzepte, was die eigenen Zentralbanken vor dem Euro mit bekannten geldpolitischen Instrumenten wie Auf- beziehungsweise Abwertun- gen der eigenen Währung unterstützen konnten. Dieses und weitere Mittel waren nun nicht mehr anwendbar. Den Ländern bleibt nur noch eine Fiskalpolitik, welche in eigen- ständiger Wirkung ohne eine Unterstützung der Geldpolitik und Zinspolitik, keine großen Krisen bewältigen kann. Infolgedessen musste die EZB ihre Geldpolitik gesamteuropä- isch ausrichten und darf nicht ein Land auf Kosten der restlichen Mitglieder gesondert behandeln. In Zeiten asymmetrischer Schocks müssten diese unterschiedlichen Bedürf- nisse teilweise mit entgegengesetzten geldpolitischen Maßnahmen behandelt werden, was der höchsten Instanz ebenfalls die Handlungsspielräume nimmt. Entgegengesetzt der medialen Berichterstattung darf nicht nur Griechenland als Auslöser der Eurokrise genannt werden. Spanien und Irland hatten seit dem Beitritt zum Euro regelmäßig Han- delsbilanzüberschüsse zu verzeichnen, was sich durch die neuen, vergünstigten Kredite unter dem Euro rasch änderte. Zinssätze sanken auf das deutsche Niveau, aufgrund sehr günstiger Finanzierungsmöglichkeiten wurden diese neuen Kredite in Spanien und Irland vermehrt genutzt. Der Lebensstandard stieg, ebenso die Gehälter und damit auch die Produktionskosten der heute krisengeplagten Länder. Es kam zu Importüberschüssen durch hohe kreditbasierte Nachfrage und einem Exportrückgang, was in einem Handels- bilanzdefizit resultierte. Die EZB war nicht in der Lage, wie es heimische Zentralbanken gewesen wären, die eigene Währung abzuwerten, die Importe damit zu verteuern und Exporte im Ausland günstiger zu platzieren, um so ein wachsendes Defizit abzuwenden. Vielmehr verschuldeten sich die betroffenen Länder bei den Staaten mit Handelsbilanz- überschüssen und befanden sich plötzlich hoch verschuldet und unvorbereitet in enor- men Schwierigkeiten, als die Krise ausbrach (Fritz W. Scharpf 2011).

Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass Europa nicht die Bedingungen eines optimalen Währungsraumes erfüllte. Die Kapitalmobilität wurde verwendet, um Leistungsbilanzde- fizite auszugleichen. Wirtschaftszyklen waren nicht vollends angepasst und eine teilweise zu hohe Verschuldung über die Grenzen Maastrichts hinaus sowie fehlende Sanktionie- rungsmaßnahmen der EU zur Disziplinierung Europäischer Haushalte führten zu Diver- genzen innerhalb des Europäischen Währungsraumes (Norbert Schuppan 2013).

Als die Weltwirtschaftskrise aus den USA schließlich Europa erreichte, kollabierten euro- päische Banken, welche eng mit den amerikanischen Banken vernetzt waren und sich gleichermaßen verspekuliert hatten. Infolgedessen kam es zur Bankenrettung und simul- tan zu Abwertungen wirtschaftlich angeschlagener Länder der EU durch weltweit füh- rende Ratingagenturen. Diese Abwertung führte zu steigenden Zinsen auf Staatsanlei- hen der betroffenen Länder dadurch Schwierigkeiten hatten, sich im Ausland neu zu fi- nanzieren. Ein Schuldenschnitt wurde seitens der EU kategorisch abgelehnt, da fort- schrittliche Industrienationen wie die Mitglieder der EU keine Handlungsweisen dritter Welt Länder praktizieren. Wie bereits erwähnt waren die Abschreibungen von Staatsan- leihen seit der Einführung im 14. Jahrhundert gang und gäbe. Man bildete Rettungs- schirme für problematische Mitglieder und bot günstige Kredite aus EU-Mitteln an. Ban- ken verschuldeten sich zunehmend im Sitzstaat, die Zinsen blieben weiterhin hoch und die peripheren Länder der EU gerieten in die Schuldenfalle. Es kam zum Sudden Stop (Calvo 1998) und Staaten waren nicht mehr in der Lage, sich weiter im Ausland zu ver- schulden. Europäische Großbanken, allen voran deutsche und französische Banken, hat- ten sich in der Subprime-Krise verspekuliert und Kredite in den Randbezirken Europas wurden gekürzt (Fabian Lindner 2013).

Die folgenden Unterkapitel erläutern drei Phänomene der Euro-Krise, um die heute noch bestehenden negativen Effekte zu verdeutlichen. Diese Externalitäten bilden einen ent- scheidendes Argument hin zur Einführung eines „European Safe Bonds“ und gelten als zentrale Destabilisatoren in Europa. Um ein beständiges Wachstum zu garantieren und Investoren in europäische Staatsanleihen nicht weiter zu verunsichern, gilt es diese Prob- leme zu lösen.

2.1 Staaten-Banken-Nexus

Die Beziehung zwischen den Risiken von Staaten und Banken ist hauptverantwortlich für die Euro-Krise von 2009 bis 2012 und wird als zentrales Defizit der Wirtschafts- und Wäh- rungsunion betrachtet. Resultierend aus der bevorzugten Behandlung von europäischen Staatsanleihen, gegenüber allen anderen Formen von Wertpapieren neigen Banken dazu, hohe Anteile an europäischen Bonds in ihren Portfolios zu halten. Demnach müs- sen Kreditinstitute keinerlei Rücklagen aufweisen beziehungsweise Rücklagen in Höhe von 0%, sofern das Geld europäischen Zentralbanken und Zentralstaaten in der jeweiligen Landeswährung geliehen wird (Office 2013). Dieser Artikel basiert auf der Tat- sache, dass Staatsanleihen in der jüngeren Vergangenheit als sichere Geldanlage be- trachtet wurden und ein Kreditausfall im Vergleich zum undurchsichtigen Aktienhandel sehr unwahrscheinlich schien. Jedoch bewies die Euro-Krise das Gegenteil und Banken, welche Staatsanleihen von krisengeplagten Ländern wie beispielsweise Griechenland, Italien, Spanien und Irland hielten, hatten zu geringe oder überhaupt keine Eigenkapital- anlagen, als die Abwertung durch US-Amerikanische Ratingagenturen erfolgte. Die Ver- mögenswerte der Banken verschlechterten sich und diverse Großbanken mussten durch Finanzspritzen der Staaten in Milliardenhöhe gerettet werden. Ein weiterer Artikel der EU-Verordnung in Bezug auf Obergrenzen von Großkrediten regelt, dass Risikooptionen, deren Aktiva in Form von Forderungen an europäische Zentralstaaten und Zentralbanken nach Artikel 114; Absatz 4 geregelt ist, von sämtlichen Obergrenzen befreit sind (EU- Verordnung 2013; Teil IV; Artikel 400; Absatz (1)(a)). Diese Deregulierung erlaubt es Banken, deutlich höhere Anteile an europäischen Staatsanleihen zu halten als Eigenmit- tel nachgewiesen werden können. Üblicherweise handelt es sich um eine Deckelung von 25% an Eigenmitteln oder 150 Millionen Euro (EU-Verordnung 2013; Teil IV; Artikel 395; Absatz 1). Das bevorzugen von Staatsanleihen durch diese Rahmenbedingungen führte mitunter zu einer engeren Bindung von Staaten und den vor Ort operierenden Banken. Diese Art von Verbindung wird in der Fachliteratur als Home Bias bezeichnet und lässt sich als Veränderung des Bankenanteils an heimischen Staatsanleihen, dividiert durch das anteilige BIP des zu betrachtenden Staates gemessen am BIP der europäischen Union darstellen (Dominik Meyland und Dorothea Schäfer 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Berechnungsformel des Home Bias (Dominik Meyland und Dorothea Schäfer 2018)

Falls für die Bank ein Wert größer 1 errechnet werden sollte, ist der Anteil eigener Staats- anleihen überproportional hoch und es darf von einem Home Bias sprechen werden. Das Home Bias orientiert sich sowohl an den Portfolioanlagen einer Bank, ausgestattet mit Staatsanleihen eines Landes, als auch der Bedeutung des jeweiligen Landes im Gesamt- system der Europäischen Zentralbank, genauer gesagt dem EZB-Capital-Key. Wenn eine Bank 25% deutscher Anleihen im eigenen Portfolio hält, ist das nicht auf ein Home Bias zurückzuführen, da deutsche Bundesanleihen ca. 26% aller europäischen Anleihen ausmachen, worauf in Kapitel 3.1 näher eingegangen wird. Würde eine Bank 25% grie- chischer Anleihen halten, darf man von einem Home Bias sprechen, basierend auf dem ca. dreiprozentigen Anteil griechischer Anleihen im Euro-Währungsraum. Letztendlich fanden Forscher einen signifikanten Zusammenhang zwischen den „Credit Default Swaps“ der Banken und der Staaten, was ein klares Indiz für existierende Home Bias Effekte ist. Die Untersuchung der Beziehung von staatlichen- und Banken-CDS erfolgte für den Zeitraum von 2010 bis 2015 und ergab eine Korrelation von 0,4087 (Isabel Schna- bel und Ulrich Schüwer 2016). Diese Korrelation bedeutet, dass ein Anstieg der CDS von Banken um 1% einen Anstieg staatlicher CDS um 0.4087 % nach sich zieht, was eine Abhängigkeit von ca. 41% der staatlichen Anleihen in Bezug auf Banken CDS impliziert. Ein Staaten-Banken Nexus ist zwar nachweisbar, differiert aber von Land zu Land und basiert nicht selten sowohl auf dem politischen Führungsstil eines Landes als auch auf den unternehmerischen Eigenschaften einer Großbank. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung im Zeitraum von Ende 2010 bis Mitte 2013 ausgewählter Banken und die durch die Euro-Krise verursachte starke Bindung heimischer Banken und Staaten.

Tabelle 1: Anteil heimischer Banken an Staatsanleihen des Sitzlandes (European Banking Authority: EU- Wide Transparency Exercise; 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Betrachtung wirtschaftlich stabiler Länder, in der Grafik durch ein AAA Rating ge- kennzeichnet, ist ein Rückgang oder ein leichter Anstieg des Anteils heimischer Banken zu verzeichnen. Der Anstieg ist in diesem Fall unter anderem auf das „Save haven“- Phänomen zurück zu führen, was im Laufe der Arbeit näher thematisiert wird. Im Beispiel von wirtschaftlich angeschlagenen und im öffentlichen Fokus stehenden Ländern der Euro-Krise, hier GRE, CYP, ESP, IT und POR erkennt man einen enormen Anstieg des Anteils heimischer Banken und im Falle Griechenlands bis auf 99% (European Banking Authority: EU-Wide Transparency Exercise; 2013). Dieser Staaten-Banken-Nexus kann in Krisenzeiten sehr negative Auswirkungen haben und sollte demnach unterbunden wer- den. Eine mögliche Alternative wäre eine gemeinsame europäische Staatsanleihe, der sogenannte Eurobond, in all seinen Formen und Varianten, sowie auch eine De-Privile- gierung der Staatsanleihen im bereits bestehenden System (Disch und Schleberger 2015). Im Folgenden wird das aus dem Staaten-Banken-Nexus entstehende Problem, der „Diabolic Loop“, näher erläutert, um die Dringlichkeit der Auflösung des Nexus zu betonen.

2.2 Der „Diabolic Loop“

Der Teufelskreis beziehungsweise der Diabolic Loop ist ein Produkt mangelnder Diversi- fikation von Bankenportfolios, unregulierter Märkte und falscher Erwartungen von wirt- schaftlichen Marktakteuren. Ein ausgeprägter Staaten-Banken-Nexus ermöglicht es, im Falle einer Krise im Finanzsektor in die Realwirtschaft überzugreifen. Folgendes Schau- bild zeigt in einer vereinfachten Darstellung den Zusammenhang zwischen Banken und Staaten und wie sich ein potenzieller Teufelskreis bildet (Markus K. Brunnermeier et al. 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Diabolic loop between sovereign debt risk and banking debt risk (Markus K. Brunnermeier et al. 2012)

Ein steigendes Kreditausfallrisiko eines Landes ausgelöst durch schwache wirtschaftli- che Bilanzen oder andere Ereignisse, die Investoren verunsichern, setzen Banken mit einem hohen Anteil an Staatsanleihen des betroffenen Landes im Portfolio zunehmend unter Druck. Zukünftig steigende Zinsen der auszuzahlenden Dividende schmälern die Bilanz der Bank zum jetzigen Zeitpunkt, was sich sowohl auf die Kreditvergabe der Bank an Privatunternehmen als auch auf das steigende Banken-Ausfallrisiko auswirkt. Wach- sender Druck auf den Bankensektor manifestiert sich einerseits in einem Wirtschaftsab- schwung und dadurch sinkenden Steuereinnahmen des Staates und andererseits einer zunehmenden Zinslast auf den Staat. Im Falle einer Bankenpleite gerät der betroffene Staat unter Druck, seine Banken retten zu müssen, falls jene als systemrelevant erachtet werden. Solcherart negative Bilanzen und stetig wachsende Bedenken in die staatliche Liquidität werden Investoren weiter verunsichern und das Land durch den Kanal seines eigenen Finanzsektors zunehmend destabilisieren. Derartige Ereignisse sind in der Wirt- schaft unter dem Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung beziehungsweise „self-ful- filling prophecy“ bekannt und demonstrieren die Macht von Spekulanten auf gesamte Wirtschaftssysteme (Markus K. Brunnermeier et al. 2012). Schließlich wird es zu einer Abwertung des Staates und seiner Staatsanleihen kommen, woraufhin die EZB als Groß- eigentümer maroder Staatsanleihen agieren muss, um sowohl betroffene Banken als auch durch das Home Bias betroffene Staaten zu retten. Die beschriebenen Effekte der Realwirtschaftlichen Abwertung und des steigenden Risikos von Banken und Staaten als Anlagemöglichkeit verlaufen parallel (Brunnermeier et al. 2016). Der Spekulationseffekt konnte zwar nach der Rede des EZB-Präsidenten mit dem Satz „Whatever it takes!“ (Ma- rio Draghi, Global Investment Conference in London, 26.07.2012) drastisch minimiert werden, jedoch war die Realwirtschaft bereits im Abschwung und die Zinsen erholten sich nicht auf das Niveau der Vorkrisenzeit. Banken sind nach dem Basler Abkommen dazu verpflichtet, einen gewissen Anteil an sicheren Vermögenswerten zu halten, um ihre Risikogeschäfte absichern zu können. Staatsanleihen wurden bis vor der Krise als si- chere Wertpapiere erachtet und tauchen deshalb immer häufiger und in größerem Um- fang in den Bilanzen großer Banken auf. Das Abkommen Basel II bewertet Forderungen an Staaten und Banken mit einer nach Standard & Poor´s genormten Ratingstufe von AAA bis AA- als 0% risikogewichtig und erlaubt eine engere Bindung von Bank und Sitz- staat (Basel Committee on Banking Supervision 2006). Diese und bereits erwähnte Rah- menbedingungen schaffen das Home Bias und leiten den Diabolic Loop ein. In dem neus- ten Dokument zur Bankenregulierung, dem Abkommen Basel III, wird weiterhin keine größere Eigenkapitalquote für alle Risikostufen verlangt (Basel Committee on Banking Supervision 2011), um an der Auflösung des Home Bias zu arbeiten. Die Problematik liegt in den damals stark überbewerteten Staaten Europas, bedingt durch den Auf- schwung und optimistische Investoren, welche marode Staaten gut bewerteten und somit unzureichend oder kein Eigenkapital für die Staatsanleihen anlegen mussten. Jedoch wurden im Verlauf der Krise fehlende Rücklagen spürbar, Staaten und Banken gerieten in die Krise und ausländische Investitionen verließen fluchtartig das Land. Es stellt sich die Frage, in welche Länder und welche Staatsanleihen die Investitionen ausgelagert wurden, als die betroffenen peripheren Staaten des Euro-Raumes in die Krise und in den Teufelskreis gerieten. Das folgende Kapitel befasst sich mit der Kapitalflucht aus der Pe- ripherie in das Zentrum der Wirtschaftskraft Europas.

2.3 „Safe Haven“

Die Definition des Begriffs „Safe Haven“ („a place where someone can go in order to escape from possible danger“) lässt sich ebenfalls gut auf die Wirtschaft und speziell auf den Wertpapiermarkt übertragen. Mit einem sicheren Hafen ist eine Risikoaverse Invest- mentstrategie gemeint, welche in Krisenzeiten das Kapital aus hoch riskanten Anleihen in die systemrelevantesten und stabilsten Märkte zurückführt. Während der Weltwirt- schaftskrise und der anschließend der Euro-Krise kam es zu einer Fluktuation des Kapi- tals aus den krisengeschüttelten Peripheriestaaten nach Deutschland (Markus K. Brun- nermeier et al. 2016). Sowohl ein ordentlicher Haushalt der Bundesrepublik als auch eine hohe Liquidität des deutschen Bunds auf dem Sekundärmarkt ermöglichten einen Zins- rückgang und eine Wertsteigerung der deutschen Staatsanleihe im Verlauf der Krisen. Investoren wollten ihr Geld aus kriselnden Staaten wie beispielsweise Griechenland und Irland abziehen, aber keinen Wechselkursverlusten unterliegen und entschieden sich deshalb für einen sicheren Hafen innerhalb der Eurozone (Schuknecht et al. 2009). Es ist jedoch nicht vollkommen klar, ob sich der Safe Haven des deutschen Bunds mehr auf hohe Liquidität oder solide wirtschaftliche Ergebnisse zurückführen lässt, da diese Ereig- nisse im positiven Zusammenhang miteinander stehen (ERICSSON und RENAULT 2006). Was sich allerdings mit Bestimmtheit sagen lässt, ist, dass die Kapitalflucht aus diversen südeuropäischen Regionen in das Zentrum Europas zusätzliche negative Fol- gen für die krisengeplagten Länder hatte. Diverse Volkswirte untersuchten den Zusam- menhang zwischen deutschen Staatsanleihen und der Zinsänderung weiterer Euro-Staa- ten. Folglich kam man zum Entschluss, dass eine hohe Nachfrage nach deutschen An- leihen zu Unsicherheiten auf ähnlich bewerteten Märkten wie dem niederländischen, fin- nischen und österreichischen führte. Es ließ sich eine empirische Signifikanz zwischen dem Anstieg ähnlich bewerteter aber weniger liquider Staaten und der Nachfrage nach deutschen Anleihen feststellen (Roberto A. De Santis 2012). Letztendlich kommt es da- rauf an, welche Methode zur Berechnung der Safe Haven Prämie herangezogen wird.

Als am sinnvollsten erachtet wird die Methode über die CDS, da hier mit Risikoeinschät- zungen der Finanzmärkte gearbeitet wird und diese sich in den CDS-Spreads der Anlei- hen widerspiegeln. Dieser Annahme liegt der grundlegende Ansatz des Safe Haven zu- grunde, demzufolge eine Kapitalflucht aufgrund von Auf- bzw. Abwertung von Staatsanleihen zustande gekommen ist. Letztendlich ist festzuhalten, dass während der Eurokrise diverse europäische Staaten an steigenden Zinsen für die eigenen Staatsanleihen litten, wohingegen Deutschland als sicherer Hafen erachtet wurde und somit stabile Zinsen während einer Krise verzeichnen konnte. Schließlich entschied sich die EZB mit ihrem Anleihen-Kauf-Programm und ihrer Politik der niedrigen Zinsen, die Konjunktur in Europa zu stabilisieren. Europa leitete eine Investitionsoffensive ein und versuchte Zusammen- halt zu demonstrieren, um die Anleger weltweit nicht weiter zu verunsichern (Kehr Hen- ning 2013)

Die drei angesprochenen Probleme werden als Hauptprobleme hin zur Vollendung der Bankenunion sowie auch der Wirtschafts- und Währungsunion der EU angesehen (Maria Tomasik 2012-2014). In den letzten zehn Jahren wird die Einführung einer gemein- samen europäischen Staatsanleihe debattiert, mit dem Ziel, die Finanzstabilität in Europa herzustellen und diese langfristig zu garantieren. Das Konzept des Euro- bonds wird seitens der EU als geeignete Lösung angesehen und soll sowohl eu- ropäische Hilfspakete wie den ESM oder EFSF und auch die EZB entlasten. Eu- ropa ist auf der Suche nach einer langfristigen Lösung (Maria Tomasik 2012-2014). Im folgenden Kapitel wird der European Safe Bond als Konzept zur Bewäl- tigung der Krise vorgestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Der European Safe Bond als potenzieller Stabilitätsmechanismus für Europa
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1.3
Autor
Jahr
2019
Seiten
43
Katalognummer
V486757
ISBN (eBook)
9783668993938
ISBN (Buch)
9783668993945
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
This paper gives an overview about the "Eurobonds" question in Europe and deepens the approach of Brunnermeier et. al in context to its performance and political feasibility.
Schlagworte
european, safe, bond, stabilitätsmechanismus, europa
Arbeit zitieren
Sasa Bojovic (Autor), 2019, Der European Safe Bond als potenzieller Stabilitätsmechanismus für Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/486757

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