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Vom 'schoenisten wîbe' zum 'guoten sündære' - Zum Wandel der Schönheitsdarstellung bei Hartmann von Aue

Title: Vom 'schoenisten wîbe' zum 'guoten sündære' - Zum Wandel der Schönheitsdarstellung bei Hartmann von Aue

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jan Beckers (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Zum Wandel der Schönheitsdarstellung bei Hartmann von Aue

1. Einleitung:

Als einer der ersten deutschen Autoren übertrug Hartmann von Aue gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen französischen Artusroman und schuf so eine eigene Tradition in Deutschland. Dreh und Angelpunkt des neu entstandenen höfischen Romans ist der Artushof, von dem aus sich die Ritter auf aventiure begeben, um Ehre für sich selber und den gesamten Hof des König Artus zu erringen. Ein Merkmal dieser neuen höfischen Literatur ist es, unter vielen anderen Merkmalen, dass ihre Protagonisten immer äußerlich schön und gleichzeitig innerlich gut sind. Diese Übereinstimmung von Schönheit und Güte verblüfft zunächst, sie ist keineswegs eine genuine Erfindung der mittelalterlichen Dichter, vielmehr muss man sich zunächst die Her-kunft der Schönheitslehre des Mittelalters vor Augen führen. Die Schönheitslehre ist kategorial anders definiert, als zum Beispiel moderne Ästhetiken. Auf diese Andersartigkeit geht das erste Kapitel der Arbeit ein, im Besonderen auf die Schönheitslehre des Thomas von Aquin. Er leitet die Schönheit aus der Seinslehre ab und definiert somit das Schöne als das eigentliche Prinzip der Schöpfung.
Bei der Beschäftigung mit der Schönheitslehre des Thomas von Aquin ist allerdings zu beachten, dass Thomas nicht etwa ein Lehrer, oder Vorläufer der höfischen Dichter war, vielmehr erschienen seine Traktate erst nach den zahlreichen höfischen Romanen. Man kann also nicht die Schönheitskategorien Thomas´ als Muster über den eigentlichen Text legen, vielmehr kann man die Lehre als eine Kompilation gängiger Schönheitsideale des Mittelalters (bzw. höfischer Literatur) sehen. Die Beschäftigung mit Thomas von Aquin soll am Anfang dieser Arbeit die Kategorien aufzeigen, die im Mittelalter für das Schöne galten und die als allgemein gültige Merkmale auch den Dichtern des Mittelalters bewusst waren. Die einzelnen Kategorien zur Beschreibung von Schönheit müssen sich dann jeweils am Text zeigen.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Die Schönheitslehre im Mittelalter:

3. Schönheit als Kongruenz von innerem Wesen und äußerem Zeichen:

3.1 Die Kriterien des Thomas von Aquin im „Erec“:

3.1.1 Das Kriterium der integritas/ perfectio:

3.1.2 Das Kriterium der proportio/ consonantia:

3.1.3 Das Kriterium der claritas:

3.2 Die Bildprogramme der descriptio:

3.2.1 Das lange Lied von Troja:

3.2.2 Tispe und Piramus:

3.2.3 Die vier Elemente:

3.3 Zusammenfassung zur Idealität der Schönheit im „Erec“:

4. Schönheit in der christlichen Demut:

4.1 Der hässlich/schöne Büßer Gregorius

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel der Schönheitsdarstellung bei Hartmann von Aue, ausgehend von der höfischen Einheit von äußerer Schönheit und innerer Güte im „Erec“ bis hin zur christlich geprägten, innerlichen Schönheit des büßenden Sünders im „Gregorius“.

  • Schönheitslehre des Mittelalters und Thomas von Aquin
  • Strukturanalyse der descriptio am Beispiel des Erec
  • Bedeutung von Bildprogrammen in der mittelhochdeutschen Epik
  • Konzeption der imitatio christi im „Gregorius“
  • Vergleich konträrer Schönheitsideale in Hartmanns Gesamtwerk

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Das Kriterium der integritas/ perfectio:

Gleich zu Beginn seiner Schilderung spricht Hartmann die Einmaligkeit des Pferdes klar aus, indem er auf den Topos der Unvergleichlichkeit zurückgreift. In den ersten Versen wird beschrieben, dass niemand je ein vergleichbares Pferd besessen, oder auch nur gesehen hat. Von Anfang an also steht die Einzigartigkeit und Schönheit des Pferdes im Mittelpunkt. Zugleich knüpft die Beschreibung an die Schönheitslehre an, denn laut Thomas „ist das schön, was den Augen gefällt“ (ZITAT). Die Schönheit ist also unmittelbar mit dem Schauen verbunden, den Zuschauern wird die Schönheit des Pferdes durch die descriptio buchstäblich vor Augen geführt.

Das Kriterium der integritas wird einerseits auf der inhaltlichen Ebene angesprochen, andererseits gehört auch dazu, dass das Pferd bis ins letzte Detail beschrieben wird. Ähnlich der üblichen Personenbeschreibung vom Kopf bis zu den Füßen geht Hartmann sehr strukturiert an sein Werk. So wird zunächst das ganze Pferd mit seinen Eigenschaften beschrieben, danach läuft die Beschreibung zunächst von rechts nach links und von vorne nach hinten. Das Prinzip des Eikomismus, das eigentlich in der Personenbeschreibung gebraucht wird, findet man hier auf die Beschreibung des Pferdes übertragen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Forschungsvorhaben vor, Hartmanns Konzept von Schönheit in „Erec“ und „Gregorius“ im Kontext mittelalterlicher Schönheitslehren zu untersuchen.

2. Die Schönheitslehre im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert die ontologischen Grundlagen des Schönen im Mittelalter, insbesondere unter Einbeziehung philosophischer Konzepte wie der Seinskategorie und den Lehren Thomas von Aquin.

3. Schönheit als Kongruenz von innerem Wesen und äußerem Zeichen: Hier wird die Anwendung der Schönheitskriterien auf die descriptio von Enites Pferd analysiert, wobei die Einheit von äußerem Glanz und innerer Tugendhaftigkeit im „Erec“ im Fokus steht.

4. Schönheit in der christlichen Demut: Dieses Kapitel behandelt den Bruch mit dem höfischen Schönheitsideal im „Gregorius“, wo äußere Hässlichkeit durch innere, christlich geprägte Schönheit in der imitatio christi ersetzt wird.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung vom höfischen Schönheitsideal zum christlichen Bußideal bei Hartmann von Aue zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsfragen.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Erec, Gregorius, Schönheit, Hässlichkeit, Mittelalter, Thomas von Aquin, descriptio, integritas, proportio, claritas, höfische Literatur, imitatio christi, Bildprogramm, Tugend.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel des Schönheitsideals in den Werken des mittelhochdeutschen Dichters Hartmann von Aue, speziell in den Romanen „Erec“ und „Gregorius“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die mittelalterliche Schönheitslehre, der Zusammenhang von äußerer Erscheinung und innerer Gesinnung sowie die literarische Umsetzung dieser Konzepte durch Bildbeschreibungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Wandel von einem höfischen Schönheitsideal, bei dem Schönheit als Ausdruck innerer Güte dient, zu einem konträren christlichen Konzept im „Gregorius“ aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Kernszenen (descriptio) in den Texten vorgenommen, unter Einbeziehung der mittelalterlichen Schönheitsphilosophie von Thomas von Aquin.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Kriterien integritas, proportio und claritas am Beispiel des Erec sowie das Konzept der christlichen Demut und Buße als neue Schönheitsform beim Gregorius.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Erec“, „Gregorius“, „Schönheitslehre“, „descriptio“, „höfische Literatur“ und „imitatio christi“ geprägt.

Warum spielt die descriptio des Pferdes im „Erec“ eine so zentrale Rolle?

Die sehr ausführliche Beschreibung des Pferdes fungiert als „Auszeichnung“ für Enite und verdeutlicht die Einheit von innerer Tugend und äußerer Schönheit sowie den resultativen Status des Paares nach ihren Abenteuern.

Inwiefern bricht der „Gregorius“ mit dem höfischen Ideal?

Im „Gregorius“ entkoppelt Hartmann die äußere Erscheinung von der inneren Güte; die körperliche Verwahrlosung des Büßers wird zum Zeichen seiner geistigen Qualität und Frömmigkeit.

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Details

Title
Vom 'schoenisten wîbe' zum 'guoten sündære' - Zum Wandel der Schönheitsdarstellung bei Hartmann von Aue
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
1,3
Author
Jan Beckers (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V48706
ISBN (eBook)
9783638453264
ISBN (Book)
9783640858187
Language
German
Tags
Wandel Schönheitsdarstellung Hartmann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Beckers (Author), 2005, Vom 'schoenisten wîbe' zum 'guoten sündære' - Zum Wandel der Schönheitsdarstellung bei Hartmann von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48706
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