This work deals with the problem of how to accommodate national minorities in multinational societies. In making such accommodations, devolution is one of the most frequently adopted strategies. National minorities in Spain, such as the Catalans, suffered through decades of repression under Francoism. As a result, the declining legitimacy of the Spanish state in Catalonia, the Basque Land and, to a lesser degree, in Galicia, required immediate devolution if Spain was to continue as a state on the same territory. The 1978 Constitution provided for asymmetrical as well as symmetrical solutions regarding the territorial distribution of autonomy: It did not outline a complete model of a decentralized state but rather defined the process by which autonomy could be attained – a process that clearly gave preferential treatment to the aforementioned three ‘historic nationalities’. Initially, the prevailing constitutional interpretation was in favor of a higher degree of self-government for the ‘historical nationalities’ only. Yet, several political agreements between the two major Spanish parties brought about the generalization of autonomy levels, that is, an equal status of territories with and without nationalist traditions. According to some Constitutional Law theorists, however, the equal status of territories with and without nationalist traditions undermined the very purpose of autonomy: to recognize the different national identities in certain territories via the differentiation in status of these territories in comparison to the others. Following this theory, one should expect a growing dissatisfaction with the status of Catalonia in the Spanish state with the equalization of autonomy levels. Therefore, this work analyzes the decentralization process since 1979. After presenting the historical, political and constitutional framework, quantitative indicators are used to compare the levels of autonomy in various regions. While electoral behavior and public opinion in Catalonia present some tendencies towards growing dissatisfaction with the status of Catalonia in the Spanish state, the increase in the level of dissatisfaction is not linear to the equalization of autonomy levels. Thus, the final chapter discusses other potential intervening variables in explaining electoral behavior and public opinion regarding questions of autonomy and takes an outlook into the future of Spain’s State of the Autonomies.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG: KURZER ABRISS DER PROBLEMATIK
2. GRUNDLEGENDES
2.1. Erkenntnisinteresse, Forschungsfragen und Hypothesen
2.2. Wissenschaftstheoretische Herangehensweise und Einordnung in bestehende kulturwissenschaftliche Forschungsfelder
2.3. Rechtfertigung der Fragestellung
2.4. Klärung grundlegender Begriffe: Staat, Nation, Nationalismus, Katalanismus und Dezentralisierung
3. HISTORISCH-POLITISCHE EINFÜHRUNG
3.1. Die Entstehung des Zentrum-Peripherie-Cleavages in Spanien
3.2. ‘Mancomunitat’, ‘Estatut de Núria’, ERC und Franquismus
4. DIE TRANSITION ZUR DEMOKRATIE ALS STATENESS-PROBLEM UND DIE VERFASSUNG VON 1978
4.1. Der Pakt-Charakter der Transition, die ‘Ley de Reforma Política’ und die vorläufige Lösung des Stateness-Problems durch gesamtspanische Wahlen
4.2. Die Rückkehr des katalanischen Exilpräsidenten und der erste ‘café para todos’: pre-autonomías für alle
4.3. Dezentralisierung ja, aber wie? Der Verfassungskonsens als Formelkompromiss
4.3.1. Konstitutionelle Symmetrie oder Asymmetrie?
4.3.2. Die ‘fets diferencials’: Garant dauerhafter Asymmetrie?
4.3.3. Der Autonomiestaat: Bis hierher und immer weiter?
5. DER AUTONOMIEPROZESS: VON DER „DIFFERENTIATING“ ZUR „HOMOGENEOUS INTERPRETATION“
5.1. Phase 1 (1979-1981): Das kurze Leben der „nationalistischen Interpretation“ der Verfassung
5.2. Zweite Phase (1981-1992): Putschversuch, Konsenssuche, Autonomie-Abkommen und ‘Zwei-Klassen-Gesellschaft’
5.3. Dritte Phase (1992-2004): die zweiten Autonomie-Abkommen und deren Folgen
5.4. Die Autonomienivellierung anhand von quantitativen Indikatoren
5.5. Weitere kompetenzielle Differenzierungsmöglichkeiten von symbolischem Wert
5.5.1. Sprache und Medien
5.5.2. Eigenes Zivilrecht
5.5.3. Eigene Territorialgliederung
5.5.4. Eigene Polizeieinheiten
5.6. Zusammenfassung und Herstellung des Bezugs zu den Hypothesen
6. RADIKALISIERUNG DES NATIONALISMUS AUF DER INDIVIDUALEBENE?
6.1. Wahlverhalten
6.2. Entwicklung der Einstellungen der Bevölkerung zu autonomiepolitischen Themen
6.2.1. Nationale Identität
6.2.2. Autonomieniveauvorstellungen
6.2.3. Zustimmung zum Konzept des Nationalismus
6.2.4. Bewertung der Politik der Zentralregierung
7. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Dezentralisierungsprozess in Spanien seit 1979 mit besonderem Fokus auf Katalonien und analysiert, ob eine zunehmende Angleichung der Autonomiekompetenzen („Egalisierung“) zu einer wachsenden Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung und einer Radikalisierung des Nationalismus führt.
- Analyse des spanischen "Stateness-Problems" und der Verfassungsentwicklung von 1978.
- Untersuchung der kompetenziellen Nivellierung („Café para todos“) im Vergleich zu früheren asymmetrischen Ansätzen.
- Vergleichende Analyse des Dezentralisierungsgrades mittels quantitativer Indikatoren (Personal- und Finanztransfers).
- Auswertung von Umfragedaten zum Wahlverhalten und politischen Einstellungen in Katalonien.
- Diskussion der theoretischen Implikationen für multi-nationale Gesellschaften und die Konfliktregulierung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Entstehung des Zentrum-Peripherie-Cleavages in Spanien
Wie JUAN LINZ (1973) beschreibt, ist das heutige Spanien das Resultat von frühem state-building in einem Teil des Territoriums und spätem, da lange Zeit erfolglosem state-building des spanischen Staates an der Peripherie, was schließlich zusammen mit weiteren ungünstigen Faktoren das state nation-building im 19. Jahrhundert erschwerte und dazu beitrug, dass sich späte periphere Nationalismen gegen den Staat entwickeln konnten. Diese Entwicklung brachte den katalanischen Nationalismus hervor. Sie soll hier skizziert werden.
Der spanische Staat hatte sein heutiges Festlandterritorium bereits 1512, und damit früher als die meisten anderen europäischen Staaten, vollständig konsolidiert (LINZ 1973: 33). In diese Zeit fällt auch das ‘goldene Zeitalter’ der spanischen Geschichte: die Union der Königreiche Kastiliens und Aragoniens durch die Heirat Ferdinands von Aragonien mit Isabella von Kastilien (1469), die Entdeckung Amerikas durch Columbus und die ‘Reconquista’ (beide 1492), die Angliederung des Königreichs Navarra (1512) und die koloniale Expansion vor allem auf dem amerikanischen Kontinent, die unermessliche Gold- und Silbermengen nach Spanien brachten. Dieses avancierte so zur Weltmacht.
Der vergleichsweise frühe State-building-Prozess ging dabei vom Königreich Kastilien aus, welches die verschiedenen mittelalterlichen politischen Entitäten auf der iberischen Halbinsel nach und nach unter einem Monarchen vereinigte. Die Gebiete der eingeheirateten oder erworbenen Reiche – vor allem Aragonien (mit Katalonien) und Navarra (ugf. späteres Baskenland) – konnten aber über lange Zeit ihre sogenannten fueros, d. h. Privilegien wie z. B. institutionelle Autonomie, Vetorechte, Steuervorteile oder die Befreiung von der Wehrpflicht, behalten; und dies trotz mehrerer Versuche seitens des spanischen Staates, diese abzuschaffen. Zum katalanischen Nationalmythos als Unabhängigkeitskrieg und Motiv der Nationalhymne avancierte in diesem Zusammenhang La Guerra dels Segadors (1640) (wörtlich „Krieg der Schnitter“), bei der eine Masse ausgehungerter Ernteleute Barcelona stürmte und den Vizekönig ermordete, was zu einer katalanischen Rebellion führte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: KURZER ABRISS DER PROBLEMATIK: Einführung in das spanische Stateness-Problem und den Autonomiestaat als Spannungsfeld zwischen Einheitsanspruch und regionalen Identitäten.
2. GRUNDLEGENDES: Klärung zentraler Begriffe wie Staat, Nation und Nationalismus sowie Darlegung der Forschungsfragen und theoretischen Verankerung der Arbeit.
3. HISTORISCH-POLITISCHE EINFÜHRUNG: Analyse der historischen Wurzeln des Zentrum-Peripherie-Konflikts in Spanien, insbesondere am Beispiel Kataloniens.
4. DIE TRANSITION ZUR DEMOKRATIE ALS STATENESS-PROBLEM UND DIE VERFASSUNG VON 1978: Untersuchung der Transition als Prozess, der das Stateness-Problem adressierte und durch das Verfassungsmodell den Rahmen für die künftige Dezentralisierung legte.
5. DER AUTONOMIEPROZESS: VON DER „DIFFERENTIATING“ ZUR „HOMOGENEOUS INTERPRETATION“: Detaillierte Analyse der Autonomieentwicklung in Phasen sowie quantitative Bewertung der Kompetenzanpassung (Nivellierung).
6. RADIKALISIERUNG DES NATIONALISMUS AUF DER INDIVIDUALEBENE?: Empirische Untersuchung der politischen Einstellungen und des Wahlverhaltens in Katalonien im Kontext der Autonomienivellierung.
7. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Fazit zur Entwicklung vom asymmetrischen zum symmetrischen Autonomiestaat und Diskussion der Hypothesen sowie möglicher künftiger Entwicklungsszenarien.
Schlüsselwörter
Autonomiestaat, Dezentralisierung, Katalonien, Nationalismus, Stateness-Problem, Transition, Plurinationalität, Kompetenznivellierung, Identität, Föderalismus, Regionen, Spanien, politische Kultur, Autonomiestatut, Demokratisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Dezentralisierungsprozess in Spanien seit der Transition zur Demokratie (ab 1975). Sie untersucht, wie sich das Verhältnis zwischen dem Zentralstaat und autonomen Regionen – mit Fokus auf Katalonien – entwickelt hat und ob die staatlich geförderte Angleichung der Kompetenzen Auswirkungen auf die Einstellungen der Bevölkerung hat.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind das „Stateness-Problem“ (die Existenz Spaniens als geeinter Staat), die Entstehung und Entwicklung von Nationalismen an der Peripherie, die Verfassung von 1978 und die Dynamik zwischen „Recht auf Differenz“ und „Recht auf Gleichheit“ innerhalb des spanischen Autonomiestaats.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob eine zunehmende kompetenzielle Angleichung („Nivellierung“) zwischen den Autonomen Gemeinschaften tatsächlich zu einer messbaren Radikalisierung oder Unzufriedenheit unter der Bevölkerung in Katalonien geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen institutionalistischen Ansatz, der als „hypothesis-testing“ Einzelstudie mit komparativem Wert („comparative merit“) angelegt ist. Dabei werden neben historisch-politischen Analysen auch quantitative Indikatoren (Transferdaten, Haushalte) sowie Umfragedaten (nationale Identität, politische Einstellungen) verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 3 bis 6) erfolgt zunächst die historische Einordnung der Konfliktlinien. Anschließend wird der Autonomieprozess in drei Phasen detailliert nachgezeichnet (1979-1981, 1981-1992, 1992-2004) und durch Daten gestützte Analysen des Wahlverhaltens und der öffentlichen Meinung ergänzt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den bereits genannten Themenfeldern sind Begriffe wie „Café para todos“ (Kaffee für alle), „fets diferencials“ (Unterschiedlichkeitstatsachen), „Zentrum-Peripherie-Cleavage“ und „Stateness“ prägend für die Argumentationsweise des Autors.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Verfassungsgerichts?
Der Autor sieht das Verfassungsgericht als zentrale Instanz, die in den Kompetenzkämpfen zwischen Zentralregierung und den Autonomen Gemeinschaften oft die Rolle des Ringrichters einnimmt, wobei die schiere Menge an Verfassungsklagen ein Symptom für die anhaltende politische Spannung ist.
Welche Rolle spielt die „Zuckerstückchen“-Politik?
Der Autor beschreibt damit Versuche der Zentralregierung, nationalistische Regionen durch punktuelle, symbolische oder materielle Zugeständnisse („Extra-Zuckerstückchen“) zu befrieden, ohne die grundlegende (zunehmend symmetrische) Territorialstruktur in Frage zu stellen.
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- Dipl. Kult. Lukas Oldenburg (Author), 2005, Recht auf Gleichheit vs. Recht auf Differenz. Dezentralisierung und peripherer Nationalismus am Beispiel Kataloniens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48744