Im Jahre 1985 veröffentlichte E. La Rocca eine Rekonstruktion der Giebelgruppe des Apollo-Sosianus-Tempels. Um den schon lange in der Forschung bekannten „bogenschießenden Apoll“ gruppierte er weitere fragmentierte Skulpturenteile und kam zu dem Ergebnis, dass das Giebelfeld von einer Amazonomachie geschmückt wurde. Diese These wurde in der Forschung breit übernommen, zum Teil aber auch angezweifelt.
In meiner Arbeit werde ich mich mit der Baugeschichte des Apollo-Sosianus-Tempels beschäftigen, um der Frage nachzugehen, ob die Skulpturen sich wirklich im Giebel befunden haben. Zunächst werde ich auf die Forschungsgeschichte und die Lage des Baus eingehen. Die Nachbarschaft zu verschiedenen Gebäuden auf dem südlichen Maßfeld, vor allem dem Marcellustheater, ist von Wichtigkeit für die Datierung des Tempels und für meine Fragestellung. Nach der Besprechung des republikanischen Baus, der vor allem durch literarische Quellen bekannt ist, und des Neubaus unter C. Sosius werde ich abschließend der Frage nach dem Aufstellungsort der Skulpturen nachgehen.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Hauptteil
a) Die Forschungsgeschichte
b) Die Lage
c) Der republikanische Bau
d) Der Neubau unter C. Sosius
e) Wo standen die „Giebelfiguren“?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Baugeschichte des Apollo-Sosianus-Tempels in Rom, mit dem primären Ziel, den ursprünglichen Aufstellungsort der gefundenen Skulpturengruppe kritisch zu hinterfragen und die These eines Giebelschmucks zu prüfen.
- Baugeschichte und bauliche Entwicklung des Apollo-Sosianus-Tempels
- Analyse der räumlichen Kontexte und der Nachbarschaft zum Marcellustheater
- Untersuchung der Forschungsgeschichte und Datierungsfragen
- Kritische Evaluation archäologischer Fundlagen für Skulpturenfragmente
- Diskussion über die funktionale Nutzung des Tempelbaus als musealer Aufbewahrungsort
Auszug aus dem Buch
e) Wo standen die „Giebelfiguren“?
Die Frage, ob die Figuren wirklich im Giebelfeld des Apollo-Sosianus-Tempels standen, lässt sich natürlich nicht eindeutig durch die Betrachtung des Baukörpers beantworten. Man kann mit dieser Betrachtungsweise aber einige Hinweise gewinnen. Zunächst ist das Schweigen der literarischen Quellen zu möglichen Giebelfiguren auffällig. Plinius beschreibt die Statuen in der Cella, warum hätte er schweigen sollen, wenn sich im Giebel tatsächlich originale griechische Skulpturen befunden hätten? Fragen wirft auch der unterschiedliche Fundorte und die verschiedenen Erhaltungszustände auf. Wie konnte der Theseus einen Sturz aus 14 Metern so unbeschadet überstehen und warum fand er sich an einer anderen Stelle als die übrigen Fragmente? Warum war er nicht auch nach dem Einsturz des Pronaos in die Gewölbe des Marcellustheaters gerollt? Unverständlich ist weiterhin, warum der Giebel des Tempels mit Skulpturen geschmückt wurde, obwohl er von unten kaum zu sehen war, da das Theater nur wenige Meter entfernt und das Giebelfeld sehr tief war.
Alle diese Fragen und Beobachtungen lassen es vom Baubefund her fraglich erscheinen, ob die Plastiken wirklich im Giebel des Apollo-Sosianus-Tempels standen. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Fragmenten und Skulpturen um Stücke, die auch einmal in der Cella des Tempels standen, gestiftet von siegreichen Feldherren zu Ehren ihres Triumphzuges.
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Diese Einleitung stellt die These einer Giebelfiguren-Rekonstruktion durch E. LaRocca vor und formuliert das Ziel, durch eine Untersuchung der Baugeschichte die Plausibilität dieser Rekonstruktion kritisch zu hinterfragen.
II.) Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Forschungsgeschichte, die topografische Lage, die Analyse des republikanischen sowie des augusteischen Baus und schließt mit der Untersuchung der umstrittenen Platzierung der Giebelfiguren.
Schlüsselwörter
Apollo-Sosianus-Tempel, Rom, Marsfeld, Architekturgeschichte, Augusteische Baukunst, C. Sosius, Marcellustheater, Giebelschmuck, Skulpturenfragmente, Triumphzug, archäologischer Befund, Cella, Baugeschichte, Bauornamentik, Theseus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Baugeschichte und der architektonischen Rekonstruktion des Apollo-Sosianus-Tempels in Rom, insbesondere mit der Frage nach der korrekten Zuordnung der dort gefundenen Skulpturen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Forschungsgeschichte des Tempels, seine Lage im südlichen Marsfeld, die historische Entwicklung vom republikanischen Bau bis zum augusteischen Neubau sowie die Analyse von Skulpturenfunden.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob die in der Forschung diskutierten Skulpturen, insbesondere die Amazonomachie, tatsächlich im Giebelfeld des Tempels aufgestellt waren oder ob ein anderer Aufstellungsort wahrscheinlicher ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Analyse der Forschungsgeschichte, den Vergleich literarischer Quellen mit archäologischen Befunden sowie eine architekturgeschichtliche Untersuchung des Baukörpers und der Fundlage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Datierung, den Einfluss von C. Sosius als Bauherrn, den baulichen Aufwand, die Ausstattung der Cella und die kritische Auseinandersetzung mit der These eines Giebelschmucks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Apollo-Sosianus-Tempel, Marsfeld, Giebelschmuck, augusteische Baukunst, archäologische Fundlage und römische Triumphzüge.
Welche Bedeutung hatte das nahegelegene Marcellustheater für die Untersuchung?
Die räumliche Nähe des Marcellustheaters (nur etwa 6 Meter Abstand) dient als wichtiges Indiz, da die extreme Enge die Sichtbarkeit eines Giebelschmucks vom Boden aus stark einschränkt und damit die Theorie des Giebelschmucks in Frage stellt.
Welche Rolle spielten siegreiche Feldherren bei der Ausstattung des Tempels?
Der Autor führt an, dass die Cella als musealer Raum fungierte, in dem siegreiche Feldherren im Rahmen ihrer Triumphzüge Beutestücke und Statuen stifteten, was eine alternative Erklärung für die Herkunft der gefundenen Skulpturen bietet.
Warum wird der "Theseus"-Fund kritisch betrachtet?
Der gute Erhaltungszustand der Skulptur macht einen Sturz aus einer Höhe von 14 Metern, wie er bei einer Anbringung im Giebel erfolgt wäre, sehr unwahrscheinlich.
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- Stefan Feuser (Author), 2002, Der Apollo-Sosianus-Tempel in Rom, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48805