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Der Mensch und seine Institutionen - Eine Darstellung von Arnold Gehlens Anthropologie und seiner Institutionenlehre

Title: Der Mensch und seine Institutionen - Eine Darstellung von Arnold Gehlens Anthropologie und seiner Institutionenlehre

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Andre Fischer (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Das Schlagwort vom Menschen als dem „Mängelwesen“ hat eine außerordentliche Bekanntheit erlangt. Vielen ist jedoch nicht bewusst, dass Gehlen diesen Begriff nicht als Substanzbegriff versteht. Es scheint ja auch höchst fraglich, ob man ein dermaßen erfolgreiches Lebewesen wie den Menschen ausschließlich als „Mängelwesen“ bestimmen kann. Gehlen möchte mit diesem Begriff vielmehr die biologische Sonderstellung des Menschen deutlich machen, indem er zeigt, dass der Mensch als Tier nicht lebensfähig wäre. Um seine Existenz zu sichern, muss der Mensch daher eine Vielzahl von Kompensationsleistungen erbringen. Diese weist Gehlen in allen Facetten des menschlichen Lebens nach und fasst sie mit dem Begriff der „Entlastung“ zusammen. Der Begriff der „Handlung“ ist ebenfalls ein zentraler Strukturbegriff in Gehlens Werk. Mit der fundamentalen Bestimmung des Menschen als eines „handelnden Wesens“ möchte Gehlen zum einen jeden Leib-Seele oder Körper-Geist-Dualismus im Ansatz vermeiden, zum anderen möchte er damit deutlich machen, dass der Mensch sein Überleben nur durch selbsttätige Umgestaltung und aktive Veränderung der ihn umgebenen Natur sicherstellen kann. Das Resultat der menschlichen Tätigkeit ist der Sphäre der Kultur.
Jede Kultur bildet nun aus der Vielzahl möglicher menschlicher Verhaltensweisen bestimmte als gesellschaftlich sanktionierte Muster heraus: die Institutionen. Wozu aber existieren Institutionen? Warum legt sich der Mensch das Joch der Zivilisation auf? Warum unterwirft er sich äußeren Gesetzen? Gehlen beantwortet diese Fragen, indem er darauf verweist, dass ein derart „riskiertes“ und „nicht festgestelltes“ Wesen wie der Mensch die Institutionen braucht, um sein Verhalten zu stabilisieren und seine Existenz zu stützen. Das Bestehen der Institutionen leitet Gehlen also direkt aus der Natur des Menschen ab.

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Gehlens Anthropologie

1.1 Abgrenzung zu Max Scheler

1.2 Das „Mängelwesen“ Mensch

1.3 Der Mensch als handelndes Kulturwesen

1.4 Das menschliche Triebleben

1.5 Das Entlastungsprinzip

1.6 Die Entlastungsfunktion der Sprache

1.7 Automatismen und Gewohnheiten

2. Institutionen

2.1 Die Verselbständigung der Gewohnheiten

2.2 Die Trennung des Motivs vom Zweck

2.3 Die Verselbständigung der Institutionen

2.4 Stabilisierung und Entlastung durch Institutionen

2.5 Ideen und Institutionen

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Arnold Gehlens philosophische Anthropologie und seine Institutionenlehre, um zu ergründen, wie der Mensch als biologisch mangelhaft ausgestattetes „Weltenwesen“ durch die Schaffung und Nutzung von Institutionen seine Existenz stabilisiert und Entlastung erfährt.

  • Die Mängelwesenthese nach Arnold Gehlen
  • Die Rolle des Handelns als zentrales Strukturmerkmal des Menschen
  • Das Entlastungsprinzip zur Bewältigung der Reizüberflutung
  • Die Entstehung und Funktion von Institutionen als stabilisierende Ordnungssysteme
  • Die Zwecktransformation von Handlungen in sozialen Gefügen

Auszug aus dem Buch

1.2 Das „Mängelwesen“ Mensch

Was bedeutet es nun, dass Gehlen die Handlung als das wesentliche Merkmal des Menschen begreift und ihm seine Lebensfähigkeit nur durch die Fähigkeit zum Handeln zuspricht? Um dies hinreichend erklären zu können, bedarf es der Beleuchtung des von Herder stammenden und von Gehlen geprägten Begriffs des „Mängelwesens“.

Der Mensch-Tier-Vergleich lässt Gehlen zu der Einsicht gelangen, dass sich der Mensch physisch-morphologisch „im Gegensatz zu allen höheren Säugern hauptsächlich durch Mängel bestimmt, die jeweils im exakt biologischen Sinne als Unangepaßtheiten, Unspezialisiertheiten, als Primitivismen, d.h. als Unentwickeltes zu bezeichnen sind ...“ Der Mensch zeichnet sich nach Gehlen durch seine „organische Mittellosigkeit“ aus, ihm fehlen die spezialisierten Angriffs- und Fluchtorgane, das schützende Harrkleid, die scharfen Sinnesorgane, usw. Viele menschliche Eigenheiten erklärt Gehlen auch mit dem Begriff der „Retardation“, worunter er fixierte, dauerhaft gewordene Fötalzustände versteht, „ein >Festhalten< entwicklungsgeschichtlich alter oder individualgenetisch früher, jugendlicher bzw. embryonaler Merkmale“. Dies erklärt u.a. die extrem lange Schutzbedürftigkeit des Kindes, die späte Geschlechtsreife, sowie die generelle Unspezialisiertheit der Organe.

In Anlehnung an J.v.Uexküll zeigt Gehlen anhand zahlreicher Beispiele, dass jedes Tier in seiner artspezifischen Umwelt lebt, in welche es optimal eingepasst ist. Er betont „die Harmonie zwischen dem organischen Bau des Tieres, d.h. seiner speziellen Organausstattung, zwischen seiner Umwelt (den ihm zugänglichen Außenwelteindrücken) und seiner Lebensweise, seinen Lebensumständen.“ Besonders dienlich für die Harmonie zwischen Tier und Umwelt ist neben einer angepassten Organausstattung die große Anzahl von instinktiven Verhaltensweisen, durch die jedes Tier dauerhaft in der Lage ist, auf relevante äußere Reize angemessen zu reagieren. Instinkte definiert Gehlen als spezielle, artspezifische Bewegungsfiguren, die auf Grund eines angeborenen Automatismus ablaufen, und die auf ebenso arteigene Umweltereignisse hin angelegt sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gehlens Anthropologie: Untersuchung der biologischen Sonderstellung des Menschen, seiner Instinktreduktion und der daraus resultierenden Notwendigkeit zur aktiven Lebensführung.

1.1 Abgrenzung zu Max Scheler: Darstellung der Ablehnung eines Stufenschemas der Natur und der Geist-Kategorie zur Unterscheidung von Mensch und Tier.

1.2 Das „Mängelwesen“ Mensch: Analyse der körperlichen Mittellosigkeit und Retardation als Ausgangspunkt für die menschliche Kompensationsleistung.

1.3 Der Mensch als handelndes Kulturwesen: Erörterung der Arbeitsfähigkeit und der Notwendigkeit zur aktiven Umgestaltung der Umwelt.

1.4 Das menschliche Triebleben: Beschreibung der menschlichen Antriebsstruktur, die eine Hemmung und Verschiebung von Trieben zur Zukunftsplanung erfordert.

1.5 Das Entlastungsprinzip: Analyse der Bewältigungsmechanismen gegenüber der permanenten Reizüberflutung durch die Welt.

1.6 Die Entlastungsfunktion der Sprache: Untersuchung der distanzierenden und bündelnden Wirkung der Sprache auf die menschliche Wahrnehmung.

1.7 Automatismen und Gewohnheiten: Erläuterung der stabilisierenden Wirkung von erprobten Verhaltensmustern zur Entlastung des Bewusstseins.

2. Institutionen: Einführung in die Institutionenlehre als Mittel zur Stabilisierung menschlichen Verhaltens in einer Gesellschaft.

2.1 Die Verselbständigung der Gewohnheiten: Analyse des Übergangs individueller Gewohnheiten in stabile, objektive Formen.

2.2 Die Trennung des Motivs vom Zweck: Beschreibung des Prozesses der Zwecktransformation bei menschlichem Handeln.

2.3 Die Verselbständigung der Institutionen: Untersuchung der Eigengesetzlichkeit von Institutionen und deren Macht über das Individuum.

2.4 Stabilisierung und Entlastung durch Institutionen: Zusammenfassende Darstellung, wie Institutionen Entscheidungsdruck reduzieren und Hintergrundserfüllung ermöglichen.

2.5 Ideen und Institutionen: Analyse der notwendigen Einbettung von Ideen in Institutionen, um langfristige Geltung und Wirksamkeit zu erzielen.

Schlüsselwörter

Arnold Gehlen, Anthropologie, Mängelwesen, Institutionenlehre, Entlastungsprinzip, Weltoffenheit, Handeln, Instinktreduktion, Gewohnheit, Zwecktransformation, Hintergrundserfüllung, Sozialisation, Kulturanthropologie, Triebverzicht, Ideensysteme

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die philosophische Anthropologie Arnold Gehlens und seine Theorie darüber, wie der Mensch als biologisch mangelhaft ausgestattetes Wesen durch die Schaffung von Institutionen seine Existenz sichert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die „Mängelwesenthese“, das Entlastungsprinzip, die Rolle des Handelns als menschliches Strukturmerkmal sowie die Bildung und Funktion von Institutionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit verfolgt das Ziel, nachvollziehbar zu machen, wie ein instinktreduziertes und „weltoffenes“ Wesen sein Dasein durch kulturelle und institutionelle Gefüge erfolgreich stabilisieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Vorgehensweise, indem sie Gehlens zentrale Begriffe anhand seiner Hauptwerke erläutert und in einen argumentativen Zusammenhang stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er beginnt mit einer detaillierten Analyse von Gehlens anthropologischen Grundlagen (z.B. Triebleben, Sprache) und widmet sich anschließend seiner Lehre der Institutionen und deren stabilisierender Funktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Mängelwesen, Entlastung, Handeln, Weltoffenheit, Institutionen, Zwecktransformation und Hintergrundserfüllung.

Warum betrachtet Gehlen den Menschen als „Mängelwesen“?

Gehlen nutzt den Begriff, um die biologische Sonderstellung des Menschen hervorzuheben; der Mensch ist im Vergleich zum Tier physisch-morphologisch unspezialisiert und daher auf die aktive Umgestaltung seiner Umwelt angewiesen.

Welche Rolle spielt die „Zwecktransformation“ in Institutionen?

Die Zwecktransformation beschreibt, dass Handlungen ihren ursprünglichen Zweck verlieren können und zum Selbstzweck werden, was Institutionen erst die notwendige Stabilität verleiht, um über Individuen hinweg fortzubestehen.

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Details

Title
Der Mensch und seine Institutionen - Eine Darstellung von Arnold Gehlens Anthropologie und seiner Institutionenlehre
College
Humboldt-University of Berlin  (Philosophie)
Course
Philosophische Anthropologie
Grade
1,3
Author
Andre Fischer (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V48821
ISBN (eBook)
9783638454131
ISBN (Book)
9783638660006
Language
German
Tags
Mensch Institutionen Eine Darstellung Arnold Gehlens Anthropologie Institutionenlehre Philosophische Anthropologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andre Fischer (Author), 2005, Der Mensch und seine Institutionen - Eine Darstellung von Arnold Gehlens Anthropologie und seiner Institutionenlehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48821
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