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Frauenbilder - zur Konstruktion des Weiblichen in Frank Wedekinds 'Lulu' und Irmgard Keuns 'Das kunstseidene Mädchen'

Title: Frauenbilder - zur Konstruktion des Weiblichen in Frank Wedekinds 'Lulu' und Irmgard Keuns 'Das kunstseidene Mädchen'

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Gutberlet (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Zwischen Frank Wedekinds Drama Lulu und Irmgard Keuns Roman Das kunstseidene Mädchen liegt vor allem ein historisches Ereignis: der erste Weltkrieg. Für die Frauen der Zeit brachte dieser Krieg unter anderem eine Veränderung der gesamten Arbeitssituation mit sich. Sie mus sten die Männer nun ersetzen und so eröffnete sich für sie zum ersten Mal der Weg in männliche Arbeitsfelder. Nach dem Krieg wurde von den Frauen erwartet, die Arbeitsplätze wieder für die Männer frei zu machen. Die meisten Arbeitnehmerinnen fügten sich, gingen dem ‚Beruf‘ Ehefrau nach oder suchten sich eine Anstellung in den Bereichen, für die Frauen als besonders geeignet angesehen wurden. Dazu gehörten eher schlecht bezahlte Tätigkeiten wie Haus- oder Kindermädchen, Büroangestellte und andere. Doch natürlich liegt zwischen den beiden Werken mehr als Zeit und historische Ereignisse. Die Hauptfiguren Lulu und Doris stehen nicht nur für unterschiedliche Weiblichkeitskonzeptionen, sie entstammen auch verschiedenen literarischen Gattungen, dem Drama und dem Roman. Während Keun dem Rezipienten Aufschluss über das Innenleben der Protagonistin ermö glicht, die Psychologie der Figur beschreibt, bleibt Lulu selbst für den Leser immer eine Bühnenfigur, die ihre Inne nansicht verweigert. Lulu erscheint zunächst als die stärkere und unabhängigere Persönlichkeit, die sich ihrer Sexualität wesentlich bewusster ist und diese auch radikaler auslebt als Doris. Dennoch geht sie ihrem Abstieg unaufhaltsam entgegen, hat sich zuvor durch (fast) alle sozialen Stufen ihrer Zeit bewegt. Doris hingegen verbleibt immer auf der Ebene der Angestellten bzw. der Arbeiter. Zwar macht sie Ausflüge in das bürgerliche und großbürgerliche Milieu, doch bleibt sie sich der Differenz immer bewusst und scheitert auch daran. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Entstehung und Veröffentlichung

2. Das Frauenbild der Jahrhundertwende

3. Die ‚Neue Frau‘

4. Femmes fatales oder Opfer ihrer Zeit?

5. Doris als Femme Fatale?

6. Doris und die ‚Neue Frau‘

7. Lulu als ‚Neue Frau‘?

8. Pierrot-Kostüm versus Feh - eine abschließende Betrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Konstruktion weiblicher Identitätsentwürfe in Frank Wedekinds Drama „Lulu“ und Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die beiden Protagonistinnen als Verkörperung der jeweiligen Frauenbilder ihrer historischen Epoche – der Jahrhundertwende und der Weimarer Republik – fungieren und wie sich dabei der männliche Blick vom weiblichen Blick auf die Frau unterscheidet.

  • Vergleich von Frauenbildern um 1900 (Femme fatale) und in der Weimarer Republik (Neue Frau).
  • Analyse der Rolle der Frau als Projektionsfläche männlicher Wünsche und Ängste.
  • Untersuchung der sozialen Bedingungen und Emanzipationsmöglichkeiten der Protagonistinnen.
  • Gegenüberstellung von literarischen Gattungen (Drama vs. Roman) und deren Einfluss auf die Figurendarstellung.
  • Reflektion der Bedeutung von Mode, Konsum und Arbeit für die weibliche Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Auszug aus dem Buch

4. Femmes fatales oder Opfer ihrer Zeit?

In der Forschungsliteratur wurde vielfach diskutiert, ob es sich bei Lulu um die klassische Femme fatale handelt. Ebenso häufig taucht der Begriff von Lulu als Projektionsfläche der Männer auf. Ein deutliches Indiz für diese These ist zum einen die ständig neue Namensgebung Lulus im Erdgeist, die symbolhaft steht für die Wünsche, welche die verschiedenen Männer mit ihr verknüpfen. Dabei wird deutlich, dass es niemals wirklich um Lulu selbst geht. Als Schön den Maler Schwarz über die „wahre“ Lulu aufklären möchte, kommt das Thema auch auf ihren Namen:

SCHÖN. Ich nannte sie Mignon.

SCHWARZ. Ich meinte, sie hieße Nelli?

SCHÖN. So nannte sie Dr. Goll.

SCHWARZ. Ich nannte sie Eva...

SCHÖN. Wie sie eigentlich hieß, weiß ich nicht.

SCHWARZ (geistesabwesend). Sie weiß es vielleicht.

(L: S. 48)

Das „Tier“ Lulu kann ganz nach belieben umbenannt werden und „hör[t] [auch] darauf“ (L: S. 37). Für den Mann kann sie sein, was er möchte. Für Goll die kindliche Tänzerin, für Schwarz Modell und Muse und für Schön, „de[n] einzige[n], den [sie] geliebt“ (L: S. 91), die Hinrichtung.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung stellt die historischen Rahmenbedingungen zwischen dem Ersten Weltkrieg und die literarischen Gattungsunterschiede zwischen Wedekinds Drama und Keuns Roman vor, um die zentrale Fragestellung der Frauenbilder in den jeweiligen Epochen zu begründen.

1. Entstehung und Veröffentlichung: Dieses Kapitel skizziert die komplexe Entstehungsgeschichte von Wedekinds Lulu-Dramen sowie die Publikation von Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ als Werk der Neuen Sachlichkeit.

2. Das Frauenbild der Jahrhundertwende: Hier wird das durch Unsicherheit und Umbruch geprägte Frauenbild um 1900 analysiert, wobei besonders die Femme fatale als männliches Angst- und Wunschbild hervorgehoben wird.

3. Die ‚Neue Frau‘: Das Kapitel widmet sich dem medienwirksamen Image der unabhängigen Frau in der Weimarer Republik und kontrastiert dieses mit der sozioökonomischen Realität der damaligen Frauen.

4. Femmes fatales oder Opfer ihrer Zeit?: Diese Sektion untersucht Lulu als Projektionsfläche männlicher Sehnsüchte und diskutiert, ob sie eine aktive Femme fatale oder ein passives Opfer gesellschaftlicher Zuschreibungen ist.

5. Doris als Femme Fatale?: Hier wird die Frage gestellt, ob Doris aus dem Roman „Das kunstseidene Mädchen“ ebenfalls als Femme fatale einzuordnen ist und warum die soziale Klasse und Bildung dabei eine entscheidende Rolle spielen.

6. Doris und die ‚Neue Frau‘: Das Kapitel analysiert die Ich-Erzählerin Doris und ihre Versuche, durch soziale Aufstiegsphantasien und Konsum eine Identität als ‚Neue Frau‘ zu finden, was jedoch an den gesellschaftlichen Realitäten scheitert.

7. Lulu als ‚Neue Frau‘?: Diese Untersuchung betrachtet die Transformation Lulus in filmischen und theatralen Adaptionen hin zur Figur der ‚Neuen Frau‘ und hinterfragt die Gültigkeit dieser Kategorisierung.

8. Pierrot-Kostüm versus Feh - eine abschließende Betrachtung: Das Schlusskapitel vergleicht die symbolischen Gegenstände Pierrot-Kostüm und Pelzmantel (Feh) als rote Fäden der jeweiligen Lebenswege und zieht ein Fazit über die Konstruktion weiblicher Identität.

Schlüsselwörter

Frauenbild, Jahrhundertwende, Weimarer Republik, Femme fatale, Neue Frau, Frank Wedekind, Irmgard Keun, Lulu, Doris, männlicher Blick, Projektionsfläche, Emanzipation, Geschlechterrollen, Neue Sachlichkeit, Identitätskonstruktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit vergleicht literarische Frauenfiguren der Jahrhundertwende und der Weimarer Republik, um zu verstehen, wie Weiblichkeit in diesen Epochen durch literarische und mediale Diskurse konstruiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind der Wandel des Frauenbildes, die Rolle des Mannes als Beobachter und Schöpfer weiblicher Identitäten, die Auswirkungen sozioökonomischer Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg sowie die Bedeutung von Mode und Konsum.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, in welcher Hinsicht die Protagonistinnen Lulu und Doris als Verkörperungen spezifischer Frauenbilder ihrer Zeit dienen und wie sich der weibliche Blick von der männlichen Konstruktion unterscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die beiden Werke vergleicht, Regieanweisungen und zeitgenössische Literaturtheorien miteinbezieht sowie den historischen Kontext als Interpretationsgrundlage nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Werke, die Definitionen der Femme fatale und der Neuen Frau, sowie die spezifischen Charakteristika und Schicksale von Lulu und Doris im Spannungsfeld ihrer Umwelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Frauenbild, Femme fatale, Neue Frau, männlicher Blick, Projektionsfläche, Emanzipation und Geschlechterrollen.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Mannes in Bezug auf Lulu und Doris?

Lulu wird von Männern als eine Art leere Hülle betrachtet, auf die sie ihre eigenen Wünsche und Ängste projizieren, während Doris den Einfluss der Männer durch ihre eigene, wenn auch begrenzte, Perspektive als Ich-Erzählerin bewertet.

Welche Rolle spielen die Symbole des Pierrot-Kostüms und des Pelzmantels?

Sie fungieren als rote Fäden und Symbole für den sozialen Status und die Identität der Protagonistinnen, wobei sie den Auf- bzw. Abstieg innerhalb der jeweiligen Gesellschaftsschichten repräsentieren.

Inwiefern beeinflusst das Genre die Darstellung der Protagonistinnen?

Als Bühnenfigur im Drama bleibt Lulu dem Leser durch eine gewisse Distanz fremd und als Projektionsfläche erhalten, während der Roman durch die Ich-Perspektive von Doris einen intimeren Einblick in das Innenleben und die reflektierte Naivität der Figur gewährt.

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Details

Title
Frauenbilder - zur Konstruktion des Weiblichen in Frank Wedekinds 'Lulu' und Irmgard Keuns 'Das kunstseidene Mädchen'
College
University of Constance
Grade
1,3
Author
Katrin Gutberlet (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V48829
ISBN (eBook)
9783638454216
ISBN (Book)
9783656246879
Language
German
Tags
Frauenbilder Konstruktion Weiblichen Frank Wedekinds Lulu Irmgard Keuns Mädchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Gutberlet (Author), 2004, Frauenbilder - zur Konstruktion des Weiblichen in Frank Wedekinds 'Lulu' und Irmgard Keuns 'Das kunstseidene Mädchen', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48829
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