Aggression und Gewalt. Aggressionsfördernde Emotionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Emotionen als Aktivierungsmechanismen

3. Frustration, Ärger, Hass

4. Furcht und Angst

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit basiert auf dem Buch „Aggression und Gewalt“ von Klaus Wahl, welches in Form von Präsentationen im gleichnamigen Seminar ausführlich behandelt wurde. Klaus Wahl ist einer der führenden Aggressionsforscher in Deutschland und gibt in diesem Buch einen biologischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Überblick über den aktuellen Wissensstand zum Thema Aggression.

Was ist Aggression? Wie wird aus Aggression Gewalt? Welchen Einfluss haben dabei Geschlecht, Familie und Schule? Diesen und weiteren Fragen wird in Form von vielfältigen Studien von der Genetik und Gehirnforschung, bis hin zur Kriminologie, auf den Grund gegangen. Aggression ist Untersuchungsgegenstand vieler unterschiedlicher Disziplinen, wie zum Beispiel der Pädagogik, Soziologie, Entwicklungspsychologie und Biologie. Auch im Alltag spielt Aggression und vor allem Gewalt eine große Rolle. Klaus Wahls „Aggression und Gewalt“ ist ein interessantes und gut lesbares Lehrbuch, da der Begriff „Aggression“ aus biologischer, psychologischer und sozialer Sicht definiert wird, und somit bestens für Lernende oder Wissenschaftler der verschiedenen Disziplinen geeignet ist. Daher wird in dieser Arbeit keine allgemeine Definition von Aggression oder Gewalt gegeben, denn Ziel des Buches ist es, „einen aktuellen und interdisziplinären Überblick zu den Erscheinungsformen und Verursachungsebenen von Aggression und Gewalt zu geben“ (Wahl, S. 2 d. Vorwortes, o.p.).

Die folgende Hausarbeit behandelt hauptsächlich die aggressionsfördernden Emotionen, beispielsweise Mut, Furcht, Ärger, Empörung, Hass oder auch Lust, welche oft mit Aggression verbunden werden. Zunächst wird auf Emotionen als Aktivierungsmechanismen eingegangen und wie wichtig Emotionen für das evolutive Überleben sind. Daraufhin werden die Emotionen Frustration, Ärger, Hass und Furcht und Angst genauer untersucht. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse der vorigen Kapitel prägnant zusammengetragen.

2. Emotionen als Aktivierungsmechanismen

Emotionen haben eine enorme Bedeutung im Leben eines jeden Menschen. Sie beeinflussen, inspirieren und lenken den Menschen in vielerlei Hinsicht, dennoch ist es erstaunlich, dass ihnen bisher noch nicht viel Beachtung in der Wissenschaft gegeben wurde. Als Grundlage des menschlichen Verhaltens werden Vernunft, Verstand und Moral unterstellt, während Gefühle und Affekte nur als nebensächlich galten, obwohl klar ist, wie sehr Emotionen menschliche Verhaltensweisen verändern können, darunter natürlich auch die aggressive Emotion (vgl. Wahl, S. 72).

Emotionen können sich zum einen als kurzfristige Affekte bzw. Reaktionen auf aktuelle Auslöser oder zum anderen als Summe langfristiger Erfahrungen einstellen (vgl., ebd.). Wenn man annimmt, dass Aggression ein Bündel von adaptiven Mechanismen dafür bereitstellt, sich in der Umwelt durchzusetzen, dann sind Emotionen etwas funktional Verwandtes. Demnach ist die Hypothese von Charles Darwin, welche bereits 1872 aufgestellt wurde, von großer Wichtigkeit. Nach seiner Hypothese stellen Emotionen Überlebensmechanismen dar, die als Notfallreaktionen oder Signale fungieren. Zum Beispiel folgt auf drohende Gefahr die Emotion Furcht und diese wiederum veranlasst den Bedrohten zur Notfallreaktion: Flucht (vgl., ebd.).

Neuere Theorien zeigen, dass Emotionen Begleiterscheinungen von Auseinandersetzung des Menschen mit dem gesellschaftlichen Leben stellen und somit für das evolutive Leben wichtig sind: Zuallererst sind Emotionen wie Freude, Verliebtsein und gefühlsmäßige Bindung von zentraler Bedeutung für die Partnerfindung und die Reproduktion des Menschen. Weiterhin wird der Rang in einer hierarchischen Gesellschaft durch Unterlegenheitsgefühle, Machtgefühle oder Ängstlichkeit errungen und verteidigt. Überlebensnotwendige Territorien werden mit Emotionen wie Neid oder Kontrollverlust verteidigt. Außerdem gehören Menschen meistens Gruppen an, die von Emotionen wie Zugehörigkeitsgefühl, Antipathien, Hass gegenüber Fremdgruppen oder Furcht vor Kritik begleitet werden. Auch Trennungen gehören zum menschlichen Leben und Überleben dazu, was durch die Emotion Trauer ausgedrückt wird (vgl., ebd.). Dies sind die grundlegenden Emotionen für soziales Leben und können direkt oder indirekt zu Aggressionen motivieren oder diese auch hemmen. Eine besondere Rolle bei der Auslösung von Aggression spielt zum einen der Anblick eines überlegenen Feindes, was zu Furcht und Angst führt, und zum anderen auch der Anblick eines unterlegenen Feindes, was Ärger, Wut und Hass auslösen kann und ebenfalls zu Aggressionen führen (vgl., ebd., S.73).

Solche emotionalen Prozesse sind auch im Gehirn nachweisbar und messbar: Zink et al. (2008) untersuchten mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (MRT) messbare Reaktionen im Gehirn der Versuchspersonen auf stabile bzw. instabile soziale Hierarchien. Beide Situationen lösten bei den Probanden Aktivitäten in den Hirnsystemen für Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Kognitionen aus (präfrontaler Cortex). Bei instabiler Hierarchie wurden zusätzlich Aktivitäten in den Regionen für emotionale Prozesse (Amygdala), soziale Kognition (medialer präfrontaler Cortex) und Verhaltensbereitschaft gemessen. Somit wurden von Rangunsicherheiten neurale Mechanismen für emotionale Reaktionen produziert und die Motivation zu entsprechendem Verhalten (vgl., ebd.). Um diese Versuchsreihe genauer zu verstehen, folgt nun ein Schaubild der bereits genannten Ereignisse:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fest steht, dass Emotionen psychophysische Mechanismen darstellen, die entweder durch eine aktuelle Situation oder ein Objekt ausgelöst werden oder auch als Summe langfristiger Erfahrungen.

Nach der Dauer unterscheidet man zum einen zwischen sehr kurzen und unbewusst angebahnten Affekten, wie beispielweise eine Schreckreaktion, und relativ kurz andauernden Emotionen, die auch als subjektive, bewusste Gefühle erlebt werden. Zum anderen gibt es eine Unterscheidung zwischen längerfristigen Stimmungen, wie beispielweise in einer Trauer- oder Depressionsphase, und dauerhaften Temperamenten, die bereits in der Kindheit beginnen (vgl. ebd., S. 73). Natürlich können Emotionen auch die Wahrnehmung beeinflussen und prägen (oft unbewusst) kognitive Überlegungen bei der Motivation von Handlungen, vor allem wenn die rationale Abwägung von Mitteln und Zwecken eintritt. Andererseits können auch Kognitionen die Emotionen beeinflussen. Als gutes Beispiel dient hierzu die Übernahme emotional getönter Vorurteile seines sozialen Umfeldes über bestimmte Menschengruppen (vgl. ebd.).

Einige der kurzfristigen Reiz- Reaktions- Zusammenhänge werden auch oft mit Stress umschrieben: Sie lösen physiologische Prozesse aus (Cortisol-, Adrenalinausschüttung), um den Körper und die Psyche auf die adäquate Reaktion vorzubereiten. Welche Verhaltensreaktion im Endeffekt entsteht hängt von weiteren Faktoren ab, wie zum Beispiel Temperament der Person, Gemütslage, Frustration, vorausgegangene Provokation und Erwartungen und Folgen (vgl. ebd.). Als langfristige Wirkungen von emotionalen Erfahrungen gelten unter anderem Kinder, die in einem emotional negativen Familienklima aufwachsen oder dauerhaft Wut, Angst, Furcht und Trauer verspüren, da sie von ihren Eltern gedemütigt oder geschlagen werden. Diese Kinder haben dann, im Gegensatz zu Kindern, die in einem friedlicheren Umfeld aufwachsen, ein größeres Risiko, später selbst aggressiv zu werden (vgl. ebd., S. 74). Daher wird auch aktuell in der neuropsychologischen Forschung mehr auf Emotionen als Bindeglied zwischen den Umgebungsbedingungen und den adaptiven Reaktionen eingegangen, was sich jedoch auch als schwierig erweist, da diese Reaktionen wiederum von der Interpretation der jeweiligen sehr individuellen Situation abhängen (vgl. ebd.).

Weiterhin treten Diskussionen auf, ob Emotion und Kognition stets gekoppelt vorkämen. Zwischen den beiden Prozessen gibt es vielfache Interaktionen, jedoch stimmt Klaus Wahl letztendlich dem Autor Panksepp (2003) zu, für den die Basisaffekte, wie Furcht, eher zu den evolvierten Gegebenheiten (Entwicklung im Zuge der Evolution) gehören als zu den durch Lebenserfahrung auftauchenden Phänomenen (vgl. ebd.). Weiterhin meint er, affektive und kognitive Bewusstseinsformen seien im Gehirn recht unterschiedlich organisiert, wobei die affektiven Formen aus den unteren Regionen stammen. Daher zieht er eine Metapher von Bownds (1999, S. 29) heran: „The rambling internal narrative of our thought is like a swimmer in the sea of emotions.“

3. Frustration, Ärger, Hass

Im folgenden Kapitel wird auf einige Forschungsergebnisse zu den Emotionen Frustration, Ärger und Hass näher eingegangen. Dazu wurde bereits in den 1920er Jahren ein Versuch von Tamara Dembo, einer Schülerin des Psychologen Kurt Lewin gestartet, in dem die Versuchspersonen absichtlich durch schwierige Aufgaben frustriert wurden, um der Entstehung des Ärgers auf die Spur zu kommen. Die Reaktionen fielen meist in aggressiver oder deprimierter und grübelnder Weise aus (vgl. Wahl, S. 74). Im Jahre 1939 wurde von der Yale-Wissenschaftlergruppe von John Dollard et al. (1970), ohne Vorwissen über das Experiment von Dembo, die klassische Frustrations-Aggressions-Theorie aufgestellt, die zunächst auf der Annahme beruht, es gäbe eine uneingeschränkte Verbindung einer auf Frustration stets folgende Aggression. Frustration galt als Störung einer zielgerichteten Aktivität und Aggression als verletzendes Verhalten. Diese Annahme der Theorie musste jedoch revidiert werden, da nicht jede Frustration zu Aggression führte und nicht jede Aggression auf Frustration zurückrufbar war, wie Dembos Versuch bereits bestätigt. Denn Frustration kann auch Ängste und Rückzug zur Folge haben (vgl. ebd.). Daher beschreibt Berkowitz (1962) ein emotionales Bindeglied: Seiner Meinung nach muss Frustration zu Ärger führen, dieser motiviert wiederum zu Aggression. Der entstandene Ärger kann sich dabei auf verschiedene Anlässe beziehen und die Folgen sind meist wahrscheinlich, aber nicht zwingend! Dies ist wiederum abhängig von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen und Reaktionsmustern (vgl. ebd.). Am Beispiel des Straßenverkehrs kann man die Begriffe state aggression und trait aggression näher ausführen: state aggression ist die Aggression im situativen Zustand, z. B. ein Fahrer, der aggressiv wird, weil ihm ein anderer den Weg abgeschnitten hat. Trait aggression wiederum ist die Aggression als persönliche Eigenschaft, also ein Fahrer, der sich generell immer aggressiv im Straßenverkehr verhält (vgl. ebd., S. 75). An dieser Stelle wurde im Seminar ein Video („Frauentausch: Andreas rastet aus“) vorgestellt, der einen Mann namens Andreas zeigt, der offensichtlich zur letzteren Gruppe von Menschen gehört und Aggression eine persönliche Eigenschaft seinerseits darstellt. Andreas rastet bereits bei wenig Kritik vollkommen aus, wird laut, fast gewalttätig und kann sich kaum beherrschen. Die Frage kommt auf, wieso ein Mensch sich plötzlich so aggressiv verhält und sich kaum unter Kontrolle halten kann. Als Antwort hierzu könnte die Theorie nach Schmidtke et al. (2002) dienen: Lebensgeschichtlich lange Perioden von Demütigung, Ausgrenzung, Frustration und Ärger können zu Aufstauphänomenen führen, die sich explosiv in heftiger Aggression entladen. Als Beispiel werden Amokläufer herangezogen, die meist sozial isoliert leben und sich unter anderem dadurch ausgegrenzt, gedemütigt oder zurückgewiesen fühlen (vgl. Wahl, S. 75).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Aggression und Gewalt. Aggressionsfördernde Emotionen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V488864
ISBN (eBook)
9783668947641
ISBN (Buch)
9783668947658
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aggression, gewalt, aggressionsfördernde, emotionen
Arbeit zitieren
Nicky Jan (Autor), 2016, Aggression und Gewalt. Aggressionsfördernde Emotionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/488864

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