Fast keine musikalische Gattung musste in der Musikgeschichte so viele Kontroversen, Diskussionen und öffentliche Streitschriften über sich ergehen lassen wie die Oper. Angefangen als Spektakel, welchem wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, bis hin zu öffentlichen Kontroversen, die im Laufe der Zeit mehrfache Opernreformen zur Folge hatten, stets darum bemüht die vollkommenste Oper zu definieren. Besonders der erste öffentlich ausgetragene Opernstreit Anfang des 17. Jahrhunderts trug zu den vielen Wandlungen der Oper in den nächsten Jahrhunderten bei.
Zu Beginn dieser Arbeit wird die Entstehung der italienischen Oper und die Entstehung der französischen Oper kurz und präzise in ihren wichtigsten Punkten erläutert, wobei Jean-Baptise Lully eine tragende Rolle bei der Entwicklung der französischen Oper spielt. Hauptaugenmerk liegt auf der Historie der Entwicklung der Opern in Frankreich und Italien bis ins 17. Jahrhundert. Im Anschluss daran wird der Opernstreit zwischen Francois Raguenet, der während seiner Italienreise die musikalische Schönheit und Ausdruckskraft der italienischen Oper kennenlernen durfte, und Jean Laurent Lecerf de la Viéville, der für die französische Oper plädiert, dargelegt. Des Weiteren werden weitere Äußerungen von Pierre d’Ortigue de Vaumorière hinzugezogen, da dieser schon vor Beginn des Opernstreits um einen Vergleich der beiden Opern bemüht war.
Abschließend soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit dieser Opernstreit Auswirkungen auf das musikalische Denken hatte und ob eine Reaktion darauf auch in Deutschland zu erkennen war.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Entstehung der Oper
2.1 Die Oper in Italien
2.2 Die Oper in Frankreich
2.2.1 Tragédie en musique
3.0 Der Opernstreit
4.0 Auswirkungen des Opernstreits auf das musikalische Denken/dt. Oper
5.0 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung der italienischen und französischen Oper im 17. Jahrhundert und analysiert den daraus resultierenden ersten öffentlichen Opernstreit. Dabei wird insbesondere der Einfluss der ästhetischen Kontroverse zwischen Francois Raguenet und Jean Laurent Lecerf de la Viéville auf das musikalische Denken und die spätere Entwicklung der Gattung betrachtet.
- Entstehung und Institutionalisierung der Oper in Italien und Frankreich
- Die Rolle von Jean-Baptiste Lully und die Entwicklung der Tragédie en musique
- Analyse der ästhetischen Argumente im Opernstreit um 1700
- Auswirkungen der Debatte auf kompositorische Stile und das Reflexionsvermögen über Musik
- Die Bedeutung von Reformdiskursen für die Entwicklung der europäischen Oper
Auszug aus dem Buch
3.0 Der Opernstreit
Durch den Opernstreit kurz nach 1700, angestiftet durch den Dilettanten Francois Raguenet, erlang die Oper Bekanntheit wie noch nie zuvor. Raguenet entwickelte auf seiner Italienreise eine Leidenschaft für die italienische Oper, woraufhin er 1702 einen Vergleich zwischen der französischen Oper und der italienischen Oper veröffentlichte.
Francois Raguenet sah in Italien ein Land, welches besiedelt von musikalischen Genies war. Dies könne, laut Raguenet, mitunter auch daraus resultieren, da die Musik den Kindern bereits in den Schulen allgegenwärtig gemacht wurde. Weiterhin führt er an:
„Die Italiener studieren die Musik nur ein einziges Mal, aber sie lernen sie in ihrer letzten Vollkommenheit: Die Franzosen studieren die Musik nur so eben hin und so müssen sie diese auch ihr ganzes Leben lang studieren.“
Besonders das italienische Duett bewunderte Raguenet für seine Gesangsstimmen, da die Komposition mehrere Stimmen aufwies, die alle gleichermaßen ausgearbeitet waren und jede in einer Diskantklausel schloss. Das französische Duett hingegen würde nur durch die Oberstimme brillieren.
„Bei uns hat gemeinhin die erste Oberstimme durch-aus Schönheit; aber die zweite kann nichts davon annehmen, weil sie gar zu tief herabsteigt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Kontroversität der Operngattung ein und stellt die Forschungsfragen bezüglich der Entwicklung der italienischen und französischen Oper sowie der Auswirkungen des Opernstreits.
2.0 Entstehung der Oper: Dieses Kapitel erläutert die kommerzielle Ausrichtung der italienischen Oper im 17. Jahrhundert sowie die Etablierung der französischen Oper unter dem Einfluss von Jean-Baptiste Lully.
2.1 Die Oper in Italien: Hier wird der Wandel der Oper zur Institution beschrieben, geprägt durch öffentliche Aufführungen, kommerzielle Strukturen und die Ausbildung von Rezitativ und Arie.
2.2 Die Oper in Frankreich: Der Fokus liegt auf der unter Ludwig XIV. entstandenen Oper, deren Entwicklung maßgeblich von Jean-Baptiste Lully beeinflusst und durch die Verknüpfung mit Ballett und Sprechtheater geprägt wurde.
2.2.1 Tragédie en musique: Es wird die musikalische Formensprache sowie das ästhetische Weltbild dieser Gattung analysiert, das sich durch Symmetrie und das „Wunderbare“ von der italienischen Oper abhebt.
3.0 Der Opernstreit: Das Kapitel detailliert die ästhetische Debatte zwischen Francois Raguenet und Jean Laurent Lecerf de la Viéville, die unterschiedliche Ideale der musikalischen Schönheit vertraten.
4.0 Auswirkungen des Opernstreits auf das musikalische Denken/dt. Oper: Hier werden die langfristigen Folgen der Kontroverse diskutiert, insbesondere die Etablierung von Stilvergleichen und die bewusste Reflexion über musikalische Gattungen.
5.0 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Opernstreit ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung des musikalischen Denkens war und eine kontinuierliche Reformkultur in der Musikgeschichte einleitete.
Schlüsselwörter
Operngeschichte, Opernstreit, Francois Raguenet, Jean Laurent Lecerf de la Viéville, Jean-Baptiste Lully, Tragédie en musique, italienische Oper, französische Oper, musikalisches Denken, Gattungsentwicklung, Musikästhetik, Reform, 17. Jahrhundert, Barock, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung der italienischen und französischen Oper im 17. Jahrhundert und dem darauf folgenden ersten großen öffentlichen Opernstreit um 1700.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der institutionelle Aufstieg der Oper, der Einfluss von Komponisten wie Lully und die ästhetische Debatte über die Vorzüge nationaler Musikstile.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie der Opernstreit das musikalische Denken prägte und ob sich Reaktionen darauf auch in der deutschen Musiklandschaft beobachten ließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-musikwissenschaftlichen Analyse von Quelltexten und Fachliteratur, um die Entwicklung der Operngattungen und die Argumentationsstrukturen des Opernstreits nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Entstehungsprozesse der italienischen und französischen Oper, die Tragédie en musique sowie die schriftlichen Kontroversen zwischen den Protagonisten Raguenet und Lecerf de la Viéville detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Opernstreit, ästhetische Reflexion, Gattungsentwicklung, Tragédie en musique und der Wandel des musikalischen Geschmacks im 17. und 18. Jahrhundert.
Warum spielt Jean-Baptiste Lully eine so zentrale Rolle für die französische Oper?
Lully hatte durch das königliche Privileg die exklusive Entscheidungsgewalt über die Pariser Opernaufführungen und prägte durch seine Kompositionen nachhaltig den Stil der französischen Oper.
Welche Bedeutung wird dem „vermischten Geschmack“ für die spätere Operngeschichte zugeschrieben?
Die Vermischung beider Stile – die Übernahme italienischer Arien-Kunstfertigkeit durch die Franzosen und die dramatische Reformierung der italienischen Oper – gilt als eine der bedeutendsten langfristigen Folgen des Opernstreits.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2018, Der Opernstreit. Entstehung und Auswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489104