Wie der Bildungsbericht aufzeigt, weisen Studienberechtigte aus nicht akademischen Elternhäusern insbesondere aus finanziellen Gründen nach wie vor eine geringere Studierneigung auf, selbst wenn sie nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz berechtigt sind, ein Studiendarlehen zu beziehen. Da dies jedoch stets mit einer Verschuldung einhergeht, könnte ein duales Studium aufgrund der weit verbreiteten Ausbildungsvergütung insbesondere für Studienberechtigte aus nicht akademischen Elternhäusern eine attraktive Alternative zu einem regulären Studium darstellen. Diesem Gedanken folgend lautet meine zu untersuchende Forschungsfrage, inwiefern duale Studiengänge zu einer Senkung der Bildungsungleichheit in Deutschland beitragen.
Hierfür zeige ich zunächst auf, wodurch sich das duale Studium im Vergleich zu einer regulären Hochschulausbildung auszeichnet (2.). Darauf aufbauend lege ich sowohl mit der Wert-Erwartungs- als auch der Attraction-Selection-Attrition-Theorie Ansätze dar, mit deren Hilfe ich Hypothesen dazu formuliere, für welche Studienberechtigten ein duales Studium besonders attraktiv erscheint (3.)..Diese werden anschließend anhand verschiedener empirischer Befunde überprüft und die Ergebnisse miteinander in Beziehung gesetzt (4.). Daraufhin fasse ich die gesammelten Erkenntnisse zusammen (5.) und zeige mittels eines Ausblicks (6.) abschließend bestehende Forschungslücken zum dualen Studium und dessen Auswirkungen auf die Bildungsungleichheit auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakteristika des dualen Studiums
3 Theorie
3.1 Wert-Erwartungstheorie
3.2 Attraction-Selection-Attrition-Theorie
4 Empirie
5 Fazit
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, inwiefern duale Studiengänge in Deutschland einen Beitrag zur Senkung der Bildungsungleichheit leisten können. Dabei wird analysiert, ob diese Studienform insbesondere für Studierende aus nicht-akademischen oder bildungsfernen Elternhäusern eine attraktive Alternative zum regulären Studium darstellt.
- Analyse der Charakteristika und Strukturen dualer Studiengänge
- Theoretische Fundierung durch Wert-Erwartungstheorie und ASA-Theorie
- Empirische Überprüfung der Studienwahlmotive und Zugangsvoraussetzungen
- Bewertung der Rolle dualer Angebote bei der Förderung von Bildungsaufsteigern
- Identifikation von Forschungsdefiziten im Bereich der dualen Hochschulbildung
Auszug aus dem Buch
3.1. Wert-Erwartungstheorie
Ebenso wie bei anderen Theorien zur Entstehung von Bildungsungleichheit ist das Ziel von Essers Modell zu erklären, warum Kinder aus niedrigen sozialen Schichten seltener als solche höherer sozialer Schichten weiterführende Bildungswege einschlagen (Esser 1999: 266). Mittels zweier Gleichungen drückt der Autor (Esser 1999: 267) den Abwägungsprozess bei der Bildungsentscheidung aus, wobei die Variable EU in beiden Fällen für den Erwartungsnutzen steht. Die Entscheidung für einen Verzicht auf weiterführende Bildung codiert Esser mit An und die Entscheidung dafür mit Ab, sodass EU(An) den Erwartungsnutzen für keine weiterführende Bildung und EU(Ab) für weiterführende Bildung wiedergibt.
In beiden Fällen bezeichnet die Variable c die Wahrscheinlichkeit eines drohenden Statusverlustes (-SV). Bei einem Verzicht auf weitere Bildung spielen dem Autor zufolge ausschließlich diese beiden Variablen eine Rolle. Bei einem weiterführenden Bildungsweg hingegen müssen jedoch weitere Einflussfaktoren mit einbezogen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der weitere Bildungsweg erfolgreich abgeschlossen wird, drückt Esser mit der Variable p aus. Die entsprechende Gegenwahrscheinlichkeit entspricht der Differenz (1-p). Der Wert, der dem weiteren Bildungsweg zugemessen wird, ist mit U codiert, und die entstehenden Kosten mit C.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den allgemeinen Wachstumstrend des deutschen Hochschulsystems und das steigende Interesse an praxisnahen Formaten wie dem dualen Studium vor dem Hintergrund bestehender Bildungsungleichheit.
2 Charakteristika des dualen Studiums: Dieses Kapitel definiert die strukturellen Merkmale dualer Studiengänge, wie die Verbindung von Theorie und Praxis sowie die Rolle der Unternehmen bei der Auswahl der Studierenden.
3 Theorie: Es werden mit der Wert-Erwartungstheorie und der Attraction-Selection-Attrition-Theorie zwei soziologische Ansätze vorgestellt, die als Grundlage für die Hypothesenbildung dienen.
4 Empirie: Das Kapitel prüft anhand verschiedener Längsschnittstudien und Befragungsdaten, ob duale Studiengänge tatsächlich eine höhere Attraktivität für bildungsfernere Schichten besitzen und welche Unterschiede in den Zugangsvoraussetzungen bestehen.
5 Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass duale Studiengänge bisher nur bedingt als Instrument zur Reduzierung der Bildungsungleichheit dienen können, da sie eher bereits studienaffine Gruppen anziehen.
6 Ausblick: Der Ausblick identifiziert Forschungslücken, wie etwa die Bedeutung soziodemografischer Merkmale oder die Langzeitperspektive der Absolventen nach dem Bachelorabschluss.
Schlüsselwörter
Duales Studium, Bildungsungleichheit, Wert-Erwartungstheorie, Attraction-Selection-Attrition-Theorie, Studienwahlmotive, Hochschulzugangsberechtigung, Bildungsaufsteiger, Praxisorientierung, Fachhochschulen, Berufsakademien, Sozioökonomischer Status, Bildungsbeteiligung, Sekundarschulsystem, Studienorganisation, Bildungsentscheidung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob duale Studiengänge eine effektive Maßnahme darstellen, um bestehende Bildungsungleichheiten in Deutschland abzubauen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Charakteristika dualer Studiengänge, die theoretischen Ursachen von Bildungsentscheidungen und die empirische Überprüfung der sozialen Zusammensetzung von Studierenden in dualen Formaten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern tragen duale Studiengänge zu einer Senkung der Bildungsungleichheit in Deutschland bei?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine theoretische Hypothesenbildung auf Basis soziologischer Modelle durch und überprüft diese anschließend anhand einer Sekundärdatenanalyse vorliegender empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung mittels Essers Wert-Erwartungstheorie und Schneiders ASA-Theorie sowie die empirische Auswertung zur sozialen Herkunft, zu Motiven und zu Noten von dual Studierenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie duales Studium, Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Studienwahlmotive und Bildungsentscheidungen.
Was besagt die Attraction-Selection-Attrition-Theorie in diesem Kontext?
Die Theorie besagt, dass sich Personen eher für Organisationen oder Studienformate entscheiden, zu denen sie eine Passung wahrnehmen, und Unternehmen wiederum gezielt die ihnen am geeignetsten erscheinenden Bewerber auswählen.
Warum wird im Fazit von einer "begrenzten Reduzierung" der Ungleichheit gesprochen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass duale Studiengänge primär von Personen gewählt werden, die ohnehin ein Studium geplant hätten, anstatt gezielt bildungsfremde Schichten zu erschließen.
- Arbeit zitieren
- Max Schmidt (Autor:in), 2017, Duales Studium in Deutschland. Ein Weg zur Senkung der Bildungsungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489144