Arbeit verursacht Stress. Das ist ungesund und belastend für den jeweiligen Angestellten. Denn chronischer Stress kann Herz-Kreislauf-Probleme, Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, psychosomatische Erkrankungen sowie psychische Störungen hervorrufen. So verursacht Stress umgekehrt auch eine Reihe direkter und indirekter Kosten für ein Unternehmen.
Wie können Unternehmen den Stress und Leistungsdruck unter den Mitarbeitern reduzieren? Sind Arbeitnehmer mit mehr Selbstständigkeit weniger gestresst? Oder erhöht Autonomie das Stressempfinden vielmehr? Oxana Shestak untersucht den Zusammenhang zwischen Autonomie in der Arbeit und arbeitsbedingtem Stress.
Dazu stellt sie die aktuelle Stresslage in der deutschen Arbeitswelt vor und geht auf mögliche Ursachen für den Stress ein. Shestak klärt so, unter welchen Rahmenbedingungen und welche Art von Autonomie in der Erwerbsarbeit vor belastenden Arbeitsanforderungen schützen kann und wann sie selbst das Stressrisiko erhöht.
Aus dem Inhalt:
- Mitarbeitermotivation;
- Mitarbeiterbindung;
- Mitarbeiterführung;
- Burnout;
- Mitarbeitergesundheit
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zwei Seiten der Erwerbsarbeit
3 Befunde zum Stress- und Krankheitsgeschehen in der deutschen Arbeitswelt
4 Die Ursachen für den kollektiven Stressanstieg
5 Theoretische Grundlagen
5.1 Pathogenetische und salutogenetische Ansätze
5.2 Begriffe aus der Belastungsforschung
5.3 Ressourcen
5.4 Autonomie
5.5 Stress
6 Autonomie in der Arbeit und arbeitsbedingter Stress
6.1 Modelle zum Zusammenhang
7 Empirische Befunde zum Zusammenhang
8 Gestaltung der Arbeitsbedingungen
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Autonomie von Erwerbstätigen und dem Auftreten von arbeitsbedingtem Stress. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Autonomie als Ressource fungiert, die Stress mindern kann, oder ob sie unter bestimmten Bedingungen selbst zum Stressauslöser wird.
- Aktuelle Stresslage in der deutschen Arbeitswelt und deren Ursachen
- Theoretische Abgrenzung von Begriffen wie Belastung, Beanspruchung und Stress
- Analyse der Wirkung von Autonomie auf das Stressgeschehen
- Empirische Überprüfung von Modellen (z.B. Anforderungs-Kontroll-Modell)
- Gestaltungsmöglichkeiten von Arbeitsbedingungen zur Gesundheitsförderung
Auszug aus dem Buch
5.5 Stress
Im Unterschied zu den Begriffen aus der Belastungsforschung, gibt es bei den Stressdefinitionen große Differenzen. Häufig tauchen dabei Begriffe wie Stressor und Stressreaktion auf, die auf unterschiedliche Weise definiert und mit dem Stress-Begriff kombiniert werden. Es kann eine Gruppierung in drei Modellarten vorgenommen werden, in welchen Stress als Umwelt, als Auswirkung oder als Interaktion bzw. Prozess zwischen diesen Ebenen begriffen wird (Gerlmaier 2002: 90 f. Richter & Hacker 2008: 15). Klassifiziert kann es aber auch danach werden, ob diese drei Begriffe als wertneutral, negativ oder positiv angesehen werden (Gerlmaier 2002: 87).
Stimulus- bzw. reizorientierte Modelle setzen Stress einer Belastung gleich: Als einen beliebigen äußeren Einflussfaktor, der auf den Menschen eine Wirkung ausübt, ohne dabei auf Bewertungs- und Bewältigungsprozesse einzugehen. Negativer Stress wie ein kritisches und einschneidendes Ereignis im Leben wird dabei als ein Stressor bezeichnet (Gerlmaier 2002: 90; Richter & Hacker 2008: 15 f.).
Eine entgegengesetzte Ansicht wird in den reaktionsorientierten Konzepten vertreten. Hier steht die Reaktion des Organismus im Mittelpunkt, die unabhängig von den auf sie einwirkenden Faktoren betrachtet wird und die immer in einer gleichen Weise verläuft. In diesem Ansatz entspricht Stress, hier auch als Stressreaktion bezeichnet, einer Beanspruchung, und ein Stressor einer Belastung. Die Grundlagen für diese Annahmen machte Selye, auf den auch die Unterscheidung von „gutem“ und „schlechtem“ Stress zurückgeht (Gerlmaier 2002: 90; Dragano 2007: 74; Richter & Hacker 2008: 18 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel identifiziert den Stressanstieg in der modernen Arbeitswelt als zentrales Problem und leitet die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Autonomie und arbeitsbedingtem Stress ab.
2 Zwei Seiten der Erwerbsarbeit: Hier wird dargelegt, dass Arbeit zwar grundlegende Funktionen erfüllt, aber gleichzeitig einen bedeutenden potenziellen Stressauslöser darstellt.
3 Befunde zum Stress- und Krankheitsgeschehen in der deutschen Arbeitswelt: Dieses Kapitel dokumentiert den Anstieg von arbeitsbedingten psychischen Belastungen und deren gesundheitliche Konsequenzen in Deutschland.
4 Die Ursachen für den kollektiven Stressanstieg: Hier werden ökonomische und technologische Wandlungsprozesse sowie veränderte Managementkonzepte als Treiber für den Stressanstieg analysiert.
5 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Belastungs- und Stressforschung und führt Autonomie als externe Ressource ein.
6 Autonomie in der Arbeit und arbeitsbedingter Stress: Hier wird der Einfluss von Autonomie als Mediator oder Moderator diskutiert und die Unterscheidung in inhaltliche und organisatorische Autonomie vorgenommen.
7 Empirische Befunde zum Zusammenhang: Dieses Kapitel prüft die theoretischen Hypothesen anhand existierender Studien und belegt weitgehend die Schutzfunktion von Autonomie.
8 Gestaltung der Arbeitsbedingungen: Hier werden Rahmenbedingungen für eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung abgeleitet, die ein angemessenes Maß an Autonomie erfordert.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Autonomie bei angemessener Ausgestaltung das Potenzial hat, vor arbeitsbedingten Stressoren zu schützen.
Schlüsselwörter
Autonomie, Arbeitsstress, Stressoren, Belastungsforschung, Arbeitsgestaltung, Gesundheitsförderung, Anforderungs-Kontroll-Modell, psychische Belastung, Fehlbeanspruchung, Handlungsspielraum, Salutogenese, Gratifikationskrisen, Wissensarbeit, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Grad der Autonomie, über den Erwerbstätige verfügen, und ihrem individuellen Stresserleben am Arbeitsplatz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Stressforschung, die Auswirkungen des ökonomischen Strukturwandels auf die Arbeitswelt sowie die Rolle von Autonomie als Schutzfaktor oder potenzieller Stressor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu klären, ob Autonomie in der Arbeit stressreduzierend wirkt oder ob sie unter bestimmten Umständen, etwa bei zu hoher Verantwortung ohne adäquate Strukturen, selbst Stress auslösen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse sowie eine Zusammenfassung und Auswertung empirischer Studien, um die aufgestellten Hypothesen zu überprüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung (Stress, Autonomie, Belastung), die Analyse von Erklärungsmodellen (z.B. Anforderungs-Kontroll-Modell) und die empirische Überprüfung dieser Modelle anhand bestehender Forschungsliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Autonomie, Arbeitsstress, Handlungsspielraum, psychische Belastung, Ressourcen und Arbeitsgestaltung.
Was unterscheidet inhaltliche von organisatorischer Autonomie?
Organisatorische Autonomie bezieht sich auf Spielräume bei der Arbeitsplanung und -einteilung, während inhaltliche Autonomie die eigenständige inhaltliche Bewältigung von Arbeitsaufgaben und die damit verbundene Verantwortung umfasst.
Unter welchen Bedingungen kann Autonomie selbst zum Stressor werden?
Autonomie kann zum Stressor werden, wenn die Spielräume zu groß sind, klare Strukturen fehlen, hohe Verantwortung mit unklaren Zielvorgaben einhergeht oder der Erwerbstätige über zu wenige andere Ressourcen verfügt.
- Arbeit zitieren
- Oxana Shestak (Autor:in), 2019, Autonomie bei der Arbeit. Weniger Arbeitsstress durch mehr Selbstbestimmung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489173