Geld und Geschlecht - Bestimmt das Geschlechterverhältnis bzw. das Geschlecht den Umgang mit und das Verhältnis zu Geld?


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Die Natur des Geldes

Männer und Geld

Frauen und Geld

Geldverhalten und Geldverbrauch

Fazit

Einleitung

Bestimmt das Geschlechterverhältnis bzw. das Geschlecht den Umgang mit und das Verhältnis zu Geld? Um diese Fragestellung soll es in der vorliegenden Hausarbeit gehen. Ich bin der Meinung, das in einer Welt in der wir heute Leben, jene die von Globalisierung, Kapitalismus, Armut, Reichtum, Diskriminierung und Ungleichheit geprägt ist, das Verhältnis zwischen Geld und Geschlecht nicht außer acht gelassen werden sollte. In meiner Literaturanalyse fiel mir auf das es in dieser Richtung auf soziologischer Seite noch viel Nachholbedarf gibt. Ich stieß immer wieder auf die selben Autorinnen, welche sich mit dem Thema beschäftigen. Eine der wichtigsten ist Frau Dr.Birgitta Wrede[1]. Ihr Werk: Geld und Geschlecht“[2], spielt eine zentrale Schlüsselrolle in meiner Ausfertigung.

Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, ist es wichtig erst einmal einen gedanklichen Überblick über die Problematik zu bekommen. Geschlechtergerechtigkeit ist zwar juristisch institutionalisiert wie man im Grundgesetz der BRD[3] Art.3 Abs.2:“Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin:“, nachlesen kann, jedoch ist diese Norm in der Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, noch längst nicht zum Alltag geworden.

Alltag jedoch in unserer heutigen Zeit ist der Umgang mit Geld. Überall benötigt man Geld und andere Wertgegenstände um sein Überleben zu sichern beziehungsweise um seinen Lebensstandart zu erhalten oder zu erhöhen. Die Alltagswelt, das Alltagsleben der Menschen ist geprägt, man könnte sogar behaupten sie entsteht durch Geld (im 21.Jh). „Der Markt sowie das Geld sind allgegenwärtig“[4]. „Ökonomische Verhältnisse sind die ausschlaggebenden Triebkräfte für die Entwicklung einer Gesellschaft.“[5] Niemand der in einem nur etwas zivilisierten Land bzw. zivilisierten Gesellschaft lebt kann sich wirtschaftlichen Faktoren wie Konsum, Nachfrage, Produktion, Kosten, Preise oder Arbeit entziehen. Und all diese Dinge agieren unmittelbar durch und mit Geld. Warum ist diese Thematik wichtig für soziologische Geschlechterforschung? Gleichstellungspolitikerinnen und Feministinnen sparen das Thema doch aus und widmen sich lieber den ideellen statt materiellen Zielen der Frauenbewegung. Dadurch hat dies nicht dazu geführt das Thema Geld ins Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Frauen und Männern zu rücken. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ und „Lohn für Hausarbeit“ sind wichtige Grundfaktoren gleichstellungspolitischer Überzeugungen. Und darum ist es von großer Wichtigkeit das Thema Geld nicht zu vernachlässigen da, die eben genannten Forderungen eine der wichtigsten Faktoren weiblichen Selbstbestimmungsrechtes sind. Soziologische Ungleichheitsforschung trägt im wesentlichen dazu bei die immer noch großen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu erkennen, zu analysieren und dementsprechend Lösungen zu finden welche diesen Tatsache entgegenwirken.

Im folgenden werde ich die Thematik aus drei Blickwickeln betrachten. Das wäre zum ersten die Perspektive aus soziologisch historischer Betrachtungsweise. Es ist wichtig um Antworten auf gegenwärtige Probleme zu bekommen in die Vergangenheit zu blicken und zu analysieren wie sich das Verhältnis Geld und Geschlecht in den vergangenen Jahrhunderten unserer Geschichte entwickelte. Übergehend widme ich mich der Aussage „Männer und Geld“ sowie „Frauen und Geld“. Welche Bedeutung hat Geld für die einzelnen Geschlechter. Existieren Stereotype in dieser Hinsicht. Wie gehen die Gruppen mit Geld um und wie spiegelt sich dieser Umgang im Verhältnis zueinander wieder. Abschließend möchte ich das Geschriebene zusammenfassend in Kontext bringen und die durch diese Analyse gewonnene Erkenntnis meinerseits in einem Fazit darstellen.

Die Natur des Geldes

Die Forschung ist sich darin einig, dass die kulturelle Bedeutung des Geldes in seiner Fähigkeit liegt, eine zweite Natur zu erzeugen oder marxistisch ausgedrückt: ein gesellschaftlich vermitteltes Reproduktionsverhältnis zu schaffen. Sinn und Sein, Sexualität und Lust, Raum und Zeit, Leben und Tod, all dies lässt sich mit dem Medium Geld berechnen, erzeugen und speichern. Durch die Reduktion der Welt auf das Geld wird die Welt vermehrbar. Sie wächst mit dem wirtschaftlichem Wachstum. Diesen Wachstumsprozess kann man als Fortsetzung des Schöpfungsprozesses durch den Menschen bezeichnen. Durch diesen Prozess mit Hilfe eines Mittels das sich der Mensch selbst geschaffen hat, besteht eine große Anziehungskraft des Geldes. Diese Allmachtsphantasie geht einher mit der Aneignung und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Umwelt sowie mit der Annahme, die Fruchtbarkeit der Natur dem rationalen Denken zugänglich zu machen.

Bekanntermaßen hat sich die Börse den Stier[6] als Emblem für steigende Kurse gewählt. Dementsprechend bezeichnen sie die sogenannten „Bullen – Zertifikate“ die Wertpapiere, deren Kurs steigt. Die griechischen zwei Euro Münzen zeigen die Entführung der Europa auf dem Rücken des Stiers. Diese Symbolik verweist auf das Opfer, dem das Geld seine Entstehung verdankt.

Tatsächlich taucht das Rind, als Wertmesser zuerst in der sakralen Opferpraxis auf[7] und geht von dort aus allmählich als Zahlungsmittel in den privatwirtschaftlichen Verkehr über. Die antiken Tempel waren nicht nur Opferstätten, sondern ihnen oblag zugleich die Finanzverwaltung des Gemeinwesens.

Das althochdeutsche „gelt“ bedeutet Opfer und Vergeltung. Eindeutig der Opferpraxis entstammen auch die Vorläufer der Münze: Bratspieße und Doppeläxte, die zum Schlachten des Stiers gebraucht wurden und die später ihrem Besitzer beim gemeinsamen Opfermahl das Anrecht auf eine bestimmte Anzahl von Fleischteilen zusicherte. Die ersten Münzen wurden in der Mitte des 7. Jahrhundert in Lydien geprägt. Darüber hinaus verbindet Opfer und Geld das Prinzip der Stellvertretung. Das geopferte Rind steht stellvertretend für die Gemeinschaft der Opfernden: im Tausch für das Opfer erhält die Gemeinschaft den Schutz des Gottes. Was bedeutet jedoch Opfer. Nach Calasso[8] bringt das Opfer die Tatsache zum Bewusstsein dass das Leben (und die Kultur) nicht ohne Zerstörung und Tod möglich seien, denn: „Ohne Nahrung, also ohne Tötung, denn auch das Abschneiden einer Pflanze bedeutet Tötung, kann man nicht überleben“(Calasso, 19997: 194).

Zurück zum Stieropfer. Der Göttin wurden die Hoden der getöteten Stiere als Opfergabe dargebracht und in ihren natürlichen Behältern, in den Stierbeuteln, an das Kultbild[9] geheftet. Die Stierhoden enthielten den Lebenssaft und wurden der Göttin übergeben, um ihre lebensspendenden Kräfte anzuregen. In dieser Art des Opferkultes, welcher als Artemiskult[10] bezeichnet wird steht das Männliche für die Sterblichkeit, während das Weibliche die Fähigkeit Leben zu geben und zu nehmen symbolisiert. Mit der Kastration des Stieres, wie auch der Priester, steht nicht die sexuelle Potenz des Männlichen zur Disposition, sondern damit ist vielmehr der Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Verwundung ausgedrückt, das Wissen darum, dass die Entstehung des Lebens mit dem Sterben und das Überleben mit dem Töten untrennbar verbunden ist. Die Übergabe des Samens ist deshalb nicht als Zeugungsakt zu verstehen, da Artemis nach der Übergabe des Opfers immer noch als jungfräuliche Göttin und Lebensspenderin verstanden wird.

Opfer, Kastration und Stierkopf findet man auch im sogenannten Mithraskult, welcher nur Männern zugänglich war und hauptsächlich bei Soldaten und Kaufleuten Anklang fand. Der Mythraskult gehört ebenfalls zu den wichtigsten Mysterien der Antike ist jedoch wesentlich jünger als der Kult der Artemis. Diese Art von Religion stammt aus Persien[11] erlebte jedoch seine größte Verbreitung im Römischen Reich und wurde ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. zur Staatsreligion ernannt.

Die Tötung des Stiers, aus dem einstmals die Welt entstanden sein soll, bilden das Zentrum dieses Mysteriums. Als Sonnengott war Mithras zugleich der Stiertöter. Der Stier wird getötet und kastriert, anschließend wird sein Samen in einem Mischkrug aufgefangen. Dieser Mischkrug steigt zum Mond, von wo aus er gereinigt und mit neuem Leben gefüllt als Fruchtbarkeitsspender zur Erde zurückkehrt. Der Schwanz des Tieres verwandelt sich in die erste, den Ackerbau begründete Kornähre. Der sterbende und kastrierte Stier gebärt neues Leben, ihm und nicht der weiblichen Muttergottheit verdankt sich die Entstehung der Welt.

Christina von Braun hat darauf hingewiesen das diese im Stieropfer dargestellte Schöpfungsphantasie nicht auf sexueller, sondern auf geistiger Fruchtbarkeit beruht[12]. Man kann dies dem zufolge als eine männlichen Selbstzeugung betrachten. Bettina Mathes[13] ist der Ansicht dass das Ideal geistiger Fruchtbarkeit das Ideal der Gemeinschaftsbildung erzeuge, welches sich nicht primär auf ein verwandtschaftliches (biologisch), sondern auf ein geistiges Band beruft.

[...]


[1] Fr. Dr. Birgitta Wrede ist Forscherin beim interdisziplinären Frauenforschungszentrum (IFF) der Universität Bielefeld.

[2] Wrede, Brigitta (2003): Geld und Geschlecht – Tabus, Paradoxien, Ideologien. Opladen: Leske + Budrich.

[3] Grundgesetz der BRD. Textausgabe. Stand: Juli 2004. Bundeszentrale für politische Bildung.

[4] Aussage von Prof. Zimmermann (WS04/05). TU Dresden.

[5] Karl Marx

[6] englisch: bull

[7] im antiken Griechenland

[8] Calasso, Robert (1997)

[9] Statuette der Göttin

[10] Artemis galt als jungfräuliche Göttin und Lebensspenderin; Kult stammt aus Kleinasien (8.Jh. v. Chr.)

[11] seit dem 2.Jh. v. Chr.

[12] „Im Mithras Kult wird ein zentrales Opfersymbol der Fruchtbarkeitskulte aufgegriffen und neu gedeutet; an die Stelle des Kultes der magma mater tritt ein Kult des Männlichen begleitet von einem neuen Kult der Fruchtbarkeit, der einerseits den Untergang des Männlichen als sexuelles Fruchtbarkeitssymbol beinhaltet, andererseits aber den Aufstieg eines neuen Bildes von Fruchtbarkeit beinhaltet, das geistige Fruchtbarkeit besagt“ (Braun 2001:219).

[13] Bettina Mathes, Vom Stieropfer zum Börsentier. Die Fruchtbarkeit des Geldes. In: Birgitta Wrede. Geld und Geschlecht. Leske + Budrich. 2003. Opladen (S.14)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Geld und Geschlecht - Bestimmt das Geschlechterverhältnis bzw. das Geschlecht den Umgang mit und das Verhältnis zu Geld?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,1
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V48919
ISBN (eBook)
9783638454940
ISBN (Buch)
9783638746007
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geld, Geschlecht, Bestimmt, Geschlechterverhältnis, Geschlecht, Umgang, Verhältnis, Geld, Proseminar
Arbeit zitieren
Erik Buder (Autor), 2005, Geld und Geschlecht - Bestimmt das Geschlechterverhältnis bzw. das Geschlecht den Umgang mit und das Verhältnis zu Geld?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48919

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