Ökonomische und kulturelle Aspekte der Manufakturen in Deutschland


Hausarbeit, 2002

18 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Begriffsklärung aus der Themenstellung
1.1 Begriff und Wesen der Manufaktur
1.2 Die dezentralisierte Manufaktur
1.3 Die zentralisierte Manufaktur

2. Abgrenzung der Manufaktur von Handwerk, Verlag und Fabrik

3. Bedeutung der Manufaktur als historischer Vorläufer für die
industrielle Produktion in kultureller und ökonomischer Hinsicht
3.1 kulturhistorische Aspekte
3.1.1 kulturelle Bedeutung der Manufaktur
3.1.2 Der Begriff des Gebrauchswertes im Zusammenhang mit der Kultur im Arbeitsprozeß
3.1.3 Herausbildung einer Bildungskultur
3.2 ökonomische Aspekte
3.2.1 Geldkapitalbildung und Kapitalakkumulation
3.2.2 Arbeitsteilung und Arbeitsproduktivität

4. Arbeitsweise der Neuwieder Möbelmanufaktur von
Abraham und David Roentgen (1753-1796)

5. Fazit

Literatur

Einleitung

„Kapital, Kultur, Arbeit, Fabrik“ sind im Sprachgebrauch alltägliche Ausdrücke, dessen Ursprung und Bedeutung im kulturellen wie im ökonomischen Zusammenhang diese Arbeit erläutern soll. Ich wende mich der Manufakturperiode in Deutschland zu und grenze das Thema zeitlich vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Ich möchte mit dieser Arbeit versuchen, einen Überblick über die Entwicklung der Manufakturen als historische Vorläufer für die industrielle Produktion zu geben. Ich werde auf eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Entwicklungsstufen zwischen den verschiedenen Wirtschaftsregionen verzichten, da dieses ein eigenes Thema darstellt, und nicht Gegenstand meiner Betrachtung sein soll.

Im ersten Abschnitt dieser Arbeit gehe ich speziell auf die Determinanten des Begriffes der Manufaktur ein.

Der zweite Abschnitt wird die Stellung der Manufaktur gegenüber den anderen Produktionsmethoden verdeutlichen.

Der Hauptteil dieser Arbeit besteht aus einem geteilten dritten Abschnitt, der sich mit den kulturellen und ökonomischen Zusammenhängen der Manufaktur im frühkapitalistischen Produktionsprozeß beschäftigt.

Anschließend werde ich im vierten Abschnitt, eine zusammenfassende Betrachtung der Arbeitsweise in der Neuwieder Möbelmanufaktur von Abraham und David Roentgen wiedergeben und mit einem Fazit abschließen.

Die Quellenlage zu diesem Thema bewies sich als recht umfangreich, so daß in Bezug auf Daten und statistische Erhebungen kein Mangel bestand. Desweiteren basiert diese Hausarbeit auf unterschiedlichen Veröffentlichungen der Sozial-, Wirtschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte, sowie aus Publikationen, die die Manufakturen einzelner Regionen näher schildern.

1. Begriffsklärung aus der Themenstellung

1.1 Begriff und Wesen der Manufaktur

In der Mitte des 18. Jahrhunderts kam neben dem handwerklichen Kleinbetrieb der zentralisierte Großbetrieb auf, der in einer geschlossenen Werkstätte eine große Zahl von Arbeitskräften beschäftigte und den Herstellungsprozeß durch differenzierte Produktionsmittel arbeitsteilig zerlegte.

Die Definition, die in der damaligen Literatur Verwendung findet, ist sehr uneinheitlich und keinesfalls unserem heutigen Verständnis gleichzusetzen, da die Begriffe Manufaktur und Fabrik im Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts dasselbe aussagen. Sie bezeichnen nämlich das Gewerbe im Allgemeinen, egal ob es sich dabei um den handwerklichen Kleinbetrieb, den Verlag oder einen zentralisierten Betrieb handelt.[1]

Zeitgenössische Autoren definieren Fabrik und Manufaktur anhand der verwendeten Materialien. So beschreibt Marperger die Fabrik als ein Gewerbe, welches mit harten Materialien wie Eisen, Stahl, Kupfer oder Messing arbeitet und die Manufaktur nur mit weichen Stoffen wie Seide und Wolle.[2] Hübner präzisiert diese Definition dadurch, daß er die Fabrik allein auf die Verarbeitung von Metallwaren beschränkt.[3]

Rolland dagegen differenziert die Begriffe mit Hilfe der eingesetzten Produktions-hilfsmittel. Fabriken setzen demnach Wasserkraft als Hilfskraft ein.[4]

Bei der Verwendung aller Definitionen muß bedacht werden, daß die Fabrik nach dem heutigen Verständnis, in der Maschinen die menschliche Arbeitskraft entlasten, beziehungsweise ersetzen, bis Ende des 18. Jahrhunderts nicht existiert hat.[5]

Der Begriff der Manufaktur ist lateinisch abgeleitet von manus „die Hand“ oder von manufactum, d.h. mit der Hand gemacht, und beschreibt eine Form der Fertigung, in der die Produkte einen handwerklichen Ursprung haben. Die verschiedenen Betriebsysteme, die im 18. Jahrhundert als Manufaktur galten vereinen vor allem das Handwerk und unterscheiden sich lediglich in der Art und Weise der Produktionsstätte. Die im Zuge des Merkantilismus entstandene Betriebsform des zentralisierten Großbetriebs entspricht am ehesten unserem heutigen Verständnis der Manufaktur.[6]

Die Manufaktur stellte in ihrem Wesen die Zerlegung des Arbeitsprozesses bei vollständiger Beibehaltung der handwerklichen Grundlage dar, in der die Arbeitsqualifikation im zunftlerischen Sinn durch die Beherrschung eines begrenzten Produktionsprozesses ersetzt wurde. Die Arbeitsqualifikation stellte nunmehr die größtmögliche Präzision in der Beherrschung eines einzelnen Handgriffes dar, in der die Arbeitskraft aber durch seine individuelle Qualifikation das Produkt künstlerisch verfeinern konnte.[7]

1.2 Die dezentralisierte Manufaktur

Wenn man die marxistische Geschichtswissenschaft zur näheren Betrachtungsweise der Manufaktur heranzieht, so stößt man unweigerlich auf eine Differenzierung des Manufakturbegriffes. Die dezentralisierte Manufaktur stellt dabei eine Mischform von Verlag und Manufaktur dar, in der den relativ wenigen Manufakturarbeitern eine erheblich größere Anzahl von Heimarbeitern gegenüberstand.[8]

Aus dem dargestellten quantitativen Verhältnis zwischen Heimarbeitern und Manufakturarbeitern stößt man in der Literatur auch auf den Begriff des „gemischten Verlages“.[9]

1.3 Die zentralisierte Manufaktur

Um eine nähere Betrachtungsweise der Manufakturperiode in Deutschland anzustellen, konzentriere ich mich auf den Begriff der zentralisierten Manufaktur, mit dem ich den gewerblichen Großbetrieb mit vorherrschender Handarbeit verbinde, der durch eine mehr oder minder vorangetriebene Arbeitsteilung von fest beschäftigten Arbeitskräften besteht.[10]

2. Abgrenzung der Manufaktur von Handwerk, Verlag und Fabrik

Zum besseren Verständnis des Manufakturbegriffes möchte ich die Manufaktur gegenüber den anderen Betriebsformen abgrenzen.

Am deutlichsten wird der Unterschied zum Handwerk in der Betriebsgröße der Manufaktur. Während im Handwerk die Meister in den Städten in der Regel bis zu 3 Gesellen anstellten[11], zeichnete sich die Manufaktur durch eine große Anzahl von dauerhaft Beschäftigten aus. Ein anderes bedeutendes Merkmal ist die innerbetriebliche Arbeitsteilung der Manufaktur, welche den Arbeitsprozeß in Hinblick auf die Herstellung der Produkte kennzeichnete.

Dieses Merkmal kennzeichnete aber auch den Verlag, weshalb die Überlegung zur Abgrenzung eher in der Organisation der Arbeitsteilung zu sehen ist. Der Verlag stellt gegenüber der Manufaktur einen dezentralisierten Großbetrieb dar, in dem die Produktion in getrennten Werkstätten stattfindet und die Fertigerzeugnisse über einen Mittelsmann, den Verleger, zum Konsumenten gelangen.[12]

Während die Anfänge der zentralisierten Manufaktur im 18. Jahrhundert zu finden sind, verzeichnete die italienische Seidenindustrie bereits im 14. Jahrhundert mehrere Betriebe in Lucca, Genua und Venedig, die Seidenstoffe für die wohlhabende Bevölkerung in Europa produzierten, wodurch sich eine Klasse von Verlegern bildete, die die Organisation des Absatzes übernahmen.[13]

Der Verlag stellt gegenüber dem Handwerk eine auf den Absatz spezialisierte Gewerbeform dar, in der die Erzeugnisse denen des Handwerks entsprechen. Somit wird auch der Unterschied von Verlag und zentralisierter Manufaktur durch die räumliche Komponente deutlich, da oftmals die Verleger auf dem Lande produzieren ließen, und nicht wie die Manufaktur in einem Großbetrieb.[14]

Betrachtet man aber die Fabrik, so wird die Differenzierung zur Manufaktur etwas schwieriger, da die Zergliederung der Arbeitsprozesse gleichbedeutend mit denen der Manufaktur ist. Als Grundlage einer Abgrenzung zur Manufaktur, ist die Motorisierung und Mechanisierung als Grundlage der Herstellung der Produkte zu sehen. „Die Handwerkliche Grundlage der Manufakturarbeit bewirkte, daß noch immer die physische Kraft und die Geschicklichkeit des Arbeiters das Tempo seiner Arbeit bestimmten“[15]. „Eine mit der Hand angetriebene Arbeitsmaschine stellt somit noch nicht den Manufakturbegriff in Frage“[16]. Wo soll die Untersuchung also ansetzen? Nimmt man zum Beispiel die in der Textilindustrie mit Wasser betriebenen Maschinen, so ist die Motorisierung sehr stark vorangeschritten. Da aber in vielen Teilen des Rheinlandes zu bestimmten Jahreszeiten die Wasserkraft nicht ausreichte, wurde dieses Defizit teilweise mit menschlicher und tierischer Arbeitskraft kompensiert.[17] Durch die unterstützende Hilfe von Maschinen läßt sich so eher ein fabrikähnlicher Betrieb definieren. In einem voll motorisierten Betrieb würde ein Mangel an maschineller Arbeitskraft die Produktion zum Stillstand bringen. Um das Wesen der Fabrik näher zu ergründen, ist die Erfindung der Dampfmaschine von Bedeutung, da sie eine gleichmäßige Antriebskraft lieferte und somit den Unterschied zwischen Manufaktur und Fabrik näher bringt, da in der Manufaktur wenn überhaupt nur von menschlicher Arbeitskraft angetriebene Maschinen zum Einsatz kamen.

[...]


[1] Vgl. Kulischer, S. 146

[2] Vgl. Marperger, S. 75

[3] Vgl. Seiler, S. 190

[4] Vgl. Kulischer, S. 148

[5] Vgl. Kulischer, S.146

[6] Vgl. Kermann, S. 78

[7] Vgl. Borkenau, S. 7

[8] Vgl. Forberger, S. 36

[9] Vgl. Zimmern, Sp. 6741

[10] Vgl. Reuter, S. 4

[11] Vgl. Puscher, S. 53ff

[12] Vgl. Kulischer, S. 113

[13] Vgl. Kulischer, S. 117

[14] Vgl. Kulischer, S. 125

[15] Krüger, S. 292

[16] Kermann, S. 81

[17] Vgl. Kermann, S. 81

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ökonomische und kulturelle Aspekte der Manufakturen in Deutschland
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)  (HWP)
Veranstaltung
Interdisziplinärer Grundkurs der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP)
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V4893
ISBN (eBook)
9783638129848
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Manufaktur Industrialisierung Kultur Wirtschaft
Arbeit zitieren
Thomas Galsterer (Autor), 2002, Ökonomische und kulturelle Aspekte der Manufakturen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4893

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