Diese hier vorgelegte Hausarbeit hat das Ziel, die Märchensammlung der Brüder Grimm, die „Kinder- und Hausmärchen“ (im Folgenden nur mehr KHM genannt), auf die in die Handlung auftretenden Heiligen zu untersuchen.
Aus gegenständiger Zielsetzung ergeben sich folgende Forschungsfragen: Wie werden Heilige im Märchen der Brüder Grimm dargestellt? Welche Rolle spielen diese Heiligen im Märchen? Wie ist ihr Vorkommen zu deuten? Welche Werte sind dadurch vermittelt? Ist es notwendig, solche christlichen Stoffe in Märchen zu lesen? Grundsätzlich gilt es herauszufinden, ob Märchen und christliche Erzählungen einander ausschließen, wie stark einzelne Märchen durch christlichen Einfluss verändert wurde und ob ferner ein Zusammenhang zwischen der Bearbeitung der Brüder Grimm in den Märchen zu erkennen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motivation und Fragestellung
1.2. Struktur der vorliegenden Hausarbeit
2. Theoretische Grundlage
2.1. Definition der literarischen Gattung - Märchen
2.2. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
2.3. Neumann: Märchen – einer der fünf Ströme im Meer des Erzählens
2.3. Mentales Probehandeln
2.4. Heilige
3. Analyse
3.1. Die heilige Maria
3.1.1. Reifungsgeschichte des Mädchens
3.2. Der heilige Petrus
3.2.1. Der heilige Petrus als Handlungsträger in KHM 81 Bruder Lustig
3.2.2. Bewacher der Himmelspforte
3.3. Weitere heilige Personen
3.4. Fazit
4. Funktionen der Heiligen in Märchen und dadurch vermittelte Werte
4.1. Grund des Vorkommens der Heiligen in Märchen
4.2. Märchen als Erziehungsmittel
4.2.1. Belohnung für Gute bzw. Bestrafung für Böse
4.2.2. Vermittelte christliche Tugend
4.3. Himmel – Hölle: Fokus auf „Hier“ und „Jetzt“
4.4. Fazit
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Heiligenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, um zu klären, wie diese christlichen Motive in die märchenhafte Handlung integriert sind und welche erzieherischen Werte sie vermitteln.
- Analyse der Darstellung und Funktionen christlicher Heiliger (z.B. Maria, Petrus, Georg) in ausgewählten KHM-Texten.
- Untersuchung der Märchen als "Erziehungsbuch" zur Vermittlung moralischer und christlicher Tugenden.
- Anwendung theoretischer Ansätze, insbesondere Michael Neumanns Konzept des "mentalen Probehandelns".
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen religiösen Motiven und der unterhaltenden, phantastischen Natur des Märchens.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Der heilige Petrus als Handlungsträger in KHM 81 Bruder Lustig
Ein aus dem Militärdienst ausscheidender Soldat begegnet dem heiligen Petrus dreimal auf Wanderschaft, der jedes Mal als einen armen Bettler verkleidet, und teilt seinen eigenen geringen Besitz mit ihm. Während des miteinander gemeinsamen Fortsetzen hat der heilige Petrus die schwere Krankheit eines Bauern geheilt und muss wegen der Bitte des Soldaten ein Lamm als Belohnung annehmen. In dieser Episode übernimmt der heilige Petrus die Rolle Christi, weil er hier den kranken Bauern mit übernatürlichen Kräften heilen kann.
[…] sie [Petrus und der Soldat] [kamen] an ein Bauerhaus und hörten darin gewaltig jammern und schreien, da gingen sie hinein, so lag der Mann darin auf den Tod krank und war nah am Verscheiden, und die Frau heulte und weinte ganz laut. „Laßt Euer Heulen und Weinen“, sprach der heil. Petrus, „ich will den Mann wieder gesund machen“, nahm eine Salbe aus der Tache und heilte den Kranken augenblicklich so daß er aufstehen konnte uns ganz gesund war. (KHM 81)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier werden die Motivation und Fragestellung dargelegt, wobei die Untersuchung des christlichen Einflusses und der Heiligenfiguren auf die Grimmschen Märchen fokussiert wird.
2. Theoretische Grundlage: Dieses Kapitel definiert den Märchenbegriff, beleuchtet die Sammeltätigkeit der Brüder Grimm und führt theoretische Konzepte wie das "mentale Probehandeln" nach Michael Neumann ein.
3. Analyse: Es erfolgt eine detaillierte textimmanente Interpretation von Märchen, in denen die heilige Maria oder der heilige Petrus als handelnde Figuren auftreten.
4. Funktionen der Heiligen in Märchen und dadurch vermittelte Werte: Dieses Kapitel diskutiert, warum Heilige vorkommen, wie Märchen als Erziehungsmittel fungieren und welche Rolle das Spannungsfeld Himmel-Hölle einnimmt.
5. Schlusswort: Zusammenfassend wird festgestellt, dass die Märchen der Brüder Grimm trotz ihrer christlichen Anleihen primär als Tugendbücher für Kinder zu verstehen sind, in denen Heilige keine realen Glaubenswahrheiten transportieren.
Schlüsselwörter
Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, Heilige, Marienkind, Bruder Lustig, mentales Probehandeln, christliche Tugenden, Erziehungsmittel, Volksmärchen, Literaturwissenschaft, Barmherzigkeit, Reifungsgeschichte, religiöse Motive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Präsenz und Funktion christlicher Heiliger in den Märchen der Brüder Grimm und analysiert deren Bedeutung für die moralische Erziehung in diesen Geschichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Heiligenfiguren (insbesondere Maria und Petrus), der Bedeutung von Reue und Sünde sowie der Erziehungsfunktion der Grimmschen Märchen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob die Märchen der Brüder Grimm ein religiöses Fundament haben oder ob Heilige lediglich als Handlungsträger für eine beispielgebende moralische Belehrung dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textimmanente Interpretation in Kombination mit einer anthropologischen Perspektive, basierend auf den Erzähltheorien von Michael Neumann.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse spezifischer Märchen (wie Marienkind und Bruder Lustig) und eine Diskussion über die erzieherische Funktion und christliche Tugenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Heiligenverehrung", "Reifungsprozesse", "moralische Belehrung", "christliche Motive" und "Grimmsche Märchen" beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rolle des heiligen Petrus von der der heiligen Maria?
Während die heilige Maria eng mit dem Thema der Reue und Sünde verknüpft ist, fungiert Petrus primär als Wächter der Himmelspforte oder als Begleiter Christi mit übernatürlichen Heilkräften.
Welche Bedeutung hat das Märchen "Marienkind" für die Untersuchung?
Marienkind dient als zentrales Beispiel, um die "Gehorsams- und Geduldsprüfung" sowie den notwendigen Prozess von Reue und Bekenntnis als Voraussetzung für das Überleben und den Erfolg darzustellen.
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- Xinbo Ma (Autor), 2019, Heilige in Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489314