Die Selbstdarstellung des Kaisers Augustus

Am Beispiel des Augustusforum


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Forum Augustum
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
zum Augustusforum
2.2. Der Aufbau des Forums
2.3. Interpretation des Säulengangs

3. Der Tempel des Mars Ultor
3.1. Aussehen
3.2. Funktion
3.3. Interpretation des Giebelfeldes

4. Fazit

5. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach Julius Caesars Ermordung nahm dessen Adoptivsohn Oktavian das politische Erbe an und knüpfte an Caesars Vorhaben, die Stadt Rom neuzugestalten an. Mit der Unterstützung seiner Anhänger übertraf Oktavian die Bauten seines Gegners Antonius. Vor allem Oktavians Freund und Schwiegersohn M. Agrippa war im Bauwesen sehr aktiv, indem er beispielsweise neue Wasserversorgungssysteme einführte. Oktavian selbst ließ unter anderem auf dem Palatin einen neuen Apollotempel und auf dem Marsfeld die Porticus Octavia errichten und wurde nach dem Tod Anonius‘ immer aktiver: Er renovierte eine Vielzahl an Tempeln, baute ein Mausoleum von beeindruckender Größe, die Ara Pacis und letztendlich das Forum Augustum mit dem Tempel des Mars Ultor, das in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden soll. Kein anderer römischer Staatsmann investierte solche Unsummen an Geld in Bauwerke, die er neben der Sorge um das Volk zu politischen Propagandazwecken nutzte, als Augusts. Wie kein Zweiter verstand er es, sich selbst zu inszenieren, indem er unter dem Deckmantel der Republik seine Alleinherrschaft versteckte und sich dezent in den Vordergrund rückte. Dabei fand der Prinzeps ein geschicktes Gleichgewicht zwischen Selbstinszenierung und Zurückhaltung, welches er auch bei dem Bau seines eigenen Forums einhielt.1 Man findet heute das Augustusforum größtenteils freigelegt, was gerade Untersuchungen des Tempels Mars Ultor, auf dem der Fokus meiner Arbeit liegt, erleichtert.2 Im Folgenden soll der Fragestellung, auf welche Weise sich Augustus im Gebäudekomplex des Augustusforums selbst darstellte, nachgegangen werden. Zuerst wird hierfür für ein besseres Verständnis auf die antiken Hintergründe des Augustusforums eingegangen, im nächsten Schritt wird der Bau an sich und die Funktion des Tempels näher vorgestellt. Die wichtigsten Elemente des Bildprogramms Augustus‘ – wie der Tempelgiebel und die summi viri der Exedren und Portiken, werden hierbei gedeutet und mit Hilfe von Forschungsmeinungen diskutiert.

Es lässt sich zwar reichlich Forschungsliteratur über das Augustusforum finden, jedoch ist gerade die Thematik des Bildprogramms meines Erachtens nur unzulänglich abgedeckt. Neben Zankers Darstellungen3 gibt es immer noch wenige Publikationen in diesem Bereich. Erwähnenswert ist Joachim Ganzert4, der sich mit der Struktur des Tempels des Mars Ultor beschäftigt, der Berliner Ausstellungskatalog „Augustus und die verlorene Republik“5, in welchem man einige Beiträge zum Thema finden kann und der archäologische Führer Coarellis6, der zwar wenig zur Thematik meiner Arbeit aufweist, aber einen guten Überblick gibt.

Für die Quellenlage sind Ovid7, der über das Aussehen des Forums und Tempels schreibt, Sueton8 und Cassius Dio9, die beide auf die Funktion des Forums und Tempels eingehen und Augustus‘ Tatenbericht10 heranzuziehen. Man muss allerdings beachten, dass Ovid sehr poetisch und Augustus selbstverständlich subjektiv über das Augustusforum schreibt. Die Schilderungen von Sueton und Cassius Dio sind miteinander allerdings deckungsgleich.

Neben der Forschungsliteratur und den literarischen Quellen geben auch die archäologischen Quellen gerade für das Aussehen des Forums und Tempels für meine Arbeit großen Aufschluss und sollen ebenfalls an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

2. Das Forum Augustum

2.1. Geschichtlicher Hintergrund zum Augustusforum

Sueton schreibt über das Augustusforum, dass es Augustus‘ bedeutendstes Bauvorhaben in Rom gewesen sein soll11 und er es erbaut habe, da die bereits existierenden Foren – das Forum Romanum und das Forum Iulium, zu wenig Kapazität für die vielen Gerichtsverhandlungen gehabt hätten.12

Cicero beschreibt die neue Anlage zwar als eine Erweiterung des Forum Romanums 13, jedoch war das Augustusforum mit seiner über dreißig Meter hohen Mauer rings herum ein in sich geschlossener Komplex.14 In den res gestae erwähnt Augustus, er habe den Bau auf seinem Privatgrundstück errichtet15, was von Sueton bestätigt wird. Dieser fügt noch hinzu, dass Augustus von seinem ursprünglich größeren Bauprogramm verzichten musste, da er sonst umliegende Grundstücke enteignen gemusst und dies wiederum seinem Ansehen geschadet hätte.16 Finanziert wurde das Forum laut Augustus mit Geldern der Kriegsbeute17, was zusätzlich an den Eingängen deutlich wurde, denn dort hingen, wie Ovid berichtet, aus allen Ländern erbeutete Waffen.18

Bereits vor der Schlacht von Philippi gegen die Caesarmöder war Oktavian fest entschlossen, einen Tempel für den Rachegott Mars Ultor zu errichten.19 Die tatsächliche Anordnung des Tempelbaus fand allerdings erst im Frühsommer 20 v. Chr. statt, nachdem er die Feldzeichen der Römer von den Parthern zurückerobert hatte.20 Erst im Jahre 2 v. Chr. wurde der Mars-Ultor-Tempel schließlich eingeweiht.21

Das Augustusforum wurde am 1. August 2 v. Chr. eröffnet, an dem bedeutungsvollen Tag, an dem 30 v. Chr. Alexandrien eingenommen worden war und seitdem der innere Frieden als gesichert galt. Man wählte ganz bewusst dieses Datum aus, denn 40 Jahre zuvor wurden im gleichen Monat die Caesarmörder in der Schlacht bei Philippi geschlagen, aufgrund dessen ja unter anderem der Siegestempel des Rächers Mars Ultor erbaut wurde. Bereits vor der Eröffnung des Forums verlieh der Senat dem Prinzeps den ehrenvollen Titel pater patriae, der auf der Quadriga eingraviert wurde, die sich auf dem Forumsplatz befindet.22

Die Forumseröffnung wurde sehr feierlich gestaltet, indem Augustus für die Festspiele einen künstlichen See errichten ließ und Tierhetzen, Gladiatorenkämpfe und Trojaspiele organisierte.23

Genutzt wurde das Forum, wie man im Folgenden sehen wird, als ein Repräsentationsplatz des Prinzeps und seiner julischen Abstammung, jedoch gab es auch Raum für praktische Nutzen: Schul- und Verwaltungsbetrieb und das Gericht sollte darin untergebracht werden. Die verwinkelte Brandmauer, die den Gebäudekomplex vor Großstadtlärm schützte, war hierfür optimal.24

Außerdem sollte das Forum Aufgaben des capitolinischen Jupitertempels übernehmen. Im Mars-Ultor-Tempel sollten wichtige außenpolitische Entscheidungen getroffen, andere Herrscher in Empfang genommen und Opfer von Magistraten, die sich auf die Reise in eine Provinz begaben, dargereicht werden. Das Forum sollte demnach ein Zentrum für Heer, Reichsverwaltung und Außenpolitik werden.25

2.2. Der Aufbau des Forums

Das Augustusforum war ungefähr 125 Meter lang und 118 Meter breit und bestand aus einem länglichen Platz, der von zwei gedeckten Säulengängen eingerahmt war. In der Mitte des Platzes wurde die schon erwähnte Quadriga mit der Statue des Augustus aufgestellt. Durch die zentrale Lage bildete die Augustus-Statue schon rein optisch das Zentrum des Forums und stand erhöht auf einem Sockel, was sicherlich eine Überhöhung des Kaisers darstellte. Der Mars-Ultor-Tempel befand sich am nordöstlichen Ende des Platzes und hatte eine ganz klare Frontwirkung im Gesamtbild des Platzes.26 Auf der Höhe des Tempels öffneten sich die Portiken zu zwei großen Exedren. Hinter dem nördlichen Säulengang befand sich ein fast quadratischer Saal, dessen Böden und Wände mit kostbarem Marmor verkleidet waren.27 Man vermutet, dass darin eine Kolossalstatue des Augustus stand, da der hierfür passende Sockel noch erhalten ist.28

Der Haupteingang des Forums befand sich im Süden des Forums. Die zwei Nebeneingänge in der Höhe des Mars-Ultor-Tempels führten zu der höher gelegenen Subura.

Allgemein wirkte das Forum durch seine verschiedenen Baumaterialien, die aus dem gesamten Reich stammten, sehr prunkvoll und edel, wodurch allein schon die Macht des Prinzeps, so etwas beschaffen zu können, herausgestrichen wurde.29 Auf die historischen Zeitgenossen hatte das Augustusforum ebenfalls eine Wirkung: Plinius der Ältere beispielsweise zählt das Forum zu eines der schönsten Bauten der Welt.30

2.3. Interpretation des Säulengangs

Bevor im nächsten Kapitel auf den Mars-Ultor-Tempel näher eingegangen wird, müssen die überdachten Portiken und Exedren genauer betrachtet werden, denn diese sind für Augustus‘ Selbstdarstellung ganz besonders bedeutend. In ihnen befanden sich nämlich überlebensgroße Statuen, welche die historischen und mythischen Heldengrößen Roms darstellten. In den Nischen waren Statuen zu sehen, die mythische Größen und berühmte Staatsmänner, die sogenannten summi viri, darstellten. Am Sockel jeder Statue waren zwei Inschriftentafeln befestigt. Auf der einen standen Name und cursus honorum der jeweiligen Person und auf der anderen ein Elogium, welches über besondere Taten und Verdienste Auskunft gab.31 Mit den ausgewählten Statuen konnte Augustus eine kontinuierliche Abfolge der Julier, von welchen er abstammte, seit Aeneas präsentieren.32 Dadurch, dass die Statuen der julischen Familie, der summi viri und der Persönlichkeiten aus der römischen Geschichte zusammen in einer Reihe standen, konnte eine enge Verbundenheit Augustus‘ und der julischen Dynastie mit dem Staat ausgedrückt werden.33

[...]


1 Vgl. zu diesem Abschnitt: Zanker, Paul: Forum Augustum. Das Bildprogramm, in: Monumenta artis antiquae (Bd.2) hg. v. Erika Simon, Tübingen 1970.

2 Vgl. Zanker, Bildprogramm, S. 6.

3 Zanker, Paul: Forum Augustum. Das Bildprogramm. Tübingen 1970. Ebenso Zanker, Paul: Augustus und die Macht der Bilder. München 1990.

4 Ganzert, Joachim: Im Allerheiligsten des Augustusforums. Fokus „Oikumenischer Akkulturation“. Mainz 2000.

5 Augustus und die verlorene Republik. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Berlin, 7. Juni-14. August 1988. Berlin, Mainz 1988.

6 Coarelli, Filippo: Rom. Ein archäologischer Führer. Freiburg, Basel, Wien 1975.

7 Ov. fast. V, 545-598. Zur Kultbildgruppe im Mars Ultor Tempel: Ov. trist. II, 295.

8 Suet. Aug. 29,1 und 31,5.

9 Cass. Dio 55, 10, 2-5.

10 RGDA, 29.

11 Suet. Aug. 29,1: publica opera plurima extruxit, e quibus vel praecipua: forum cum aede Martis Ultoris, templum Apollinis in Palatio, aedem Tonantis Iuovis in Capitolio.

12 Suet. Aug. 29,1: fori extruendi causa fuit hominum et iudiciorum multitudo, quae videbatur non sufficientibus duobus etiam tertio indigere; itaque festinatius necdum perfecta Martis aede publicatum est cautumque, ut separatim in eo publica iudicia et sortitiones iudicum fierent.

13 Cic. Att. 4, 17 (zitiert aus: Ganzert, Augustusforum, S. 116, Anm. 64).

14 Vgl. Ganzert: Augustusforum, S. 45 f.

15 RGDA, 21: in privato solo Martis Ultoris templum forumque Augustum ex manibiis fecis.

16 Vgl. Suet. Aug. 56,2.

17 Vgl. RGDA, 21.

18 Vgl. Ov. fast. V, 561-564.

19 Vgl. Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. S. 98 f.

20 Vgl. Schäfer, Thomas: Spolia et signa. Baupolitik und Reichskultur nach dem Parthererfolg des Augustus, in: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, 1. Philologisch-historische Klasse Nr. 2 (1998), S. 7.

21 Vgl. Ganzert: Der Mars-Ultor-Tempel auf dem Augustusforum in Rom, S. 293.

22 Vgl. Zanker: Forum Augustum. Das Bildprogramm, S. 25.

23 Vgl. Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 152 f.

24 Vgl. Zanker: Forum Augustum, S. 7.

25 Vgl. Zankder: Forum Augustum, S. 24.

26 Vgl. Kienast, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch, Darmstadt 1999, S. 206.

27 Vgl. Zanker: Forum Augustum, S. 10-12.

28 Vgl. Coarelli: Rom, S. 109.

29 Es wurden beispielsweise verschiedene Marmorsorten (cipollino, giallo antico und africano) verwendet. Vgl. hierfür Zanker: Forum Augustum, S. 10-12.

30 Vgl. Plin. nat. hist. 36, 24, 102; Zanker: Bildprogramm, S. 12.

31 Vgl. Zanker: Forum Augustum, S. 15.

32 Vgl. Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 213.

33 Vgl. Zanker: Bildprogramm, S. 14-18.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Selbstdarstellung des Kaisers Augustus
Untertitel
Am Beispiel des Augustusforum
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,7
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V489441
ISBN (eBook)
9783668959545
ISBN (Buch)
9783668959552
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstdarstellung, kaisers, augustus, beispiel, augustusforum
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Selbstdarstellung des Kaisers Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489441

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