Nach Julius Caesars Ermordung nahm dessen Adoptivsohn Oktavian das politische Erbe an und knüpfte an Caesars Vorhaben, die Stadt Rom neuzugestalten an. Mit der Unterstützung seiner Anhänger übertraf Oktavian die Bauten seines Gegners Antonius. Vor allem Oktavians Freund und Schwiegersohn M. Agrippa war im Bauwesen sehr aktiv, indem er beispielsweise neue Wasserversorgungssysteme einführte. Oktavian selbst ließ unter anderem auf dem Palatin einen neuen Apollotempel und auf dem Marsfeld die Porticus Octavia errichten und wurde nach dem Tod Anonius‘ immer aktiver: Er renovierte eine Vielzahl an Tempeln, baute ein Mausoleum von beeindruckender Größe, die Ara Pacis und letztendlich das Forum Augustum mit dem Tempel des Mars Ultor, das in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden soll. Kein anderer römischer Staatsmann investierte solche Unsummen an Geld in Bauwerke, die er neben der Sorge um das Volk zu politischen Propagandazwecken nutzte, als Augusts. Wie kein Zweiter verstand er es, sich selbst zu inszenieren, indem er unter dem Deckmantel der Republik seine Alleinherrschaft versteckte und sich dezent in den Vordergrund rückte. Dabei fand der Prinzeps ein geschicktes Gleichgewicht zwischen Selbstinszenierung und Zurückhaltung, welches er auch bei dem Bau seines eigenen Forums einhielt. Man findet heute das Augustusforum größtenteils freigelegt, was gerade Untersuchungen des Tempels Mars Ultor, auf dem der Fokus meiner Arbeit liegt, erleichtert. Im Folgenden soll der Fragestellung, auf welche Weise sich Augustus im Gebäudekomplex des Augustusforums selbst darstellte, nachgegangen werden. Zuerst wird hierfür für ein besseres Verständnis auf die antiken Hintergründe des Augustusforums eingegangen, im nächsten Schritt wird der Bau an sich und die Funktion des Tempels näher vorgestellt. Die wichtigsten Elemente des Bildprogramms Augustus‘ – wie der Tempelgiebel und die summi viri der Exedren und Portiken, werden hierbei gedeutet und mit Hilfe von Forschungsmeinungen diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Forum Augustum
2.1. Geschichtlicher Hintergrund zum Augustusforum
2.2. Der Aufbau des Forums
2.3. Interpretation des Säulengangs
3. Der Tempel des Mars Ultor
3.1. Aussehen
3.2. Funktion
3.3. Interpretation des Giebelfeldes
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Kaiser Augustus den Gebäudekomplex des Augustusforums nutzte, um sich selbst und seine Herrschaft politisch zu inszenieren. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Bildprogramms, der architektonischen Gestaltung sowie der symbolischen Bedeutung des Forums und des darin integrierten Tempels des Mars Ultor als Instrument der Machtdarstellung.
- Historischer Hintergrund und Entstehungsgeschichte des Augustusforums
- Struktureller Aufbau und architektonische Wirkung des Komplexes
- Bedeutung und Funktion des Tempels des Mars Ultor als politisches Zentrum
- Symbolik des Bildprogramms: Die Rolle der summi viri und der julischen Abstammung
- Kaiserliche Selbstdarstellung als Prinzipatspropaganda
Auszug aus dem Buch
2.3. Interpretation des Säulengangs
Bevor im nächsten Kapitel auf den Mars-Ultor-Tempel näher eingegangen wird, müssen die überdachten Portiken und Exedren genauer betrachtet werden, denn diese sind für Augustus‘ Selbstdarstellung ganz besonders bedeutend. In ihnen befanden sich nämlich überlebensgroße Statuen, welche die historischen und mythischen Heldengrößen Roms darstellten. In den Nischen waren Statuen zu sehen, die mythische Größen und berühmte Staatsmänner, die sogenannten summi viri, darstellten. Am Sockel jeder Statue waren zwei Inschriftentafeln befestigt. Auf der einen standen Name und cursus honorum der jeweiligen Person und auf der anderen ein Elogium, welches über besondere Taten und Verdienste Auskunft gab. Mit den ausgewählten Statuen konnte Augustus eine kontinuierliche Abfolge der Julier, von welchen er abstammte, seit Aeneas präsentieren. Dadurch, dass die Statuen der julischen Familie, der summi viri und der Persönlichkeiten aus der römischen Geschichte zusammen in einer Reihe standen, konnte eine enge Verbundenheit Augustus‘ und der julischen Dynastie mit dem Staat ausgedrückt werden.
Die bedeutendsten Statuen befanden sich allerdings in den beiden Exedren. In der südlichen Exedra befanden sich die Könige von Alba Longa, Aeneas und die Julier, von welchen Augustus abstammte und in der nödlichen Exedra Romulus, der von den summi viri Roms umgeben war. Die bewusst gewählte Komposition der gegenüberstehenden Statuen des Aeneas und des Romulus ist besonders interessant. Die beiden Helden standen sich nämlich genau auf der Höhe des Giebels, auf dessen Front in großen Lettern der Name Augustus geschrieben stand, gegenüber. Dadurch konnte sich Augustus dezent mit den Helden in Verbindung stellen, ohne selbst bildlich zu erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die politische Baupolitik des Oktavian/Augustus ein und definiert die Fragestellung bezüglich der Selbstdarstellung des Kaisers durch das Augustusforum.
2. Das Forum Augustum: Dieses Kapitel behandelt den historischen Kontext, den baulichen Aufbau des Forums als geschlossenen Komplex sowie die Bedeutung der Portiken für die Repräsentation.
3. Der Tempel des Mars Ultor: Hier werden das architektonische Aussehen, die religiös-politische Funktion des Tempels und die symbolische Deutung des Giebelfeldes detailliert analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Augustus das Forum als effektives Instrument der Principatspropaganda nutzte, um sich als Mittelpunkt der römischen Macht und des Sakralen zu inszenieren.
Schlüsselwörter
Augustus, Augustusforum, Mars Ultor, Rom, Prinzipat, Selbstdarstellung, Bildprogramm, summi viri, Architektur, Propaganda, julische Familie, Tempelbau, Antike, Politische Inszenierung, Machtdarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Selbstdarstellung des Kaisers Augustus anhand der architektonischen und ikonographischen Gestaltung seines Forums in Rom.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Baupolitik des Augustus, die symbolische Funktion des Mars-Ultor-Tempels sowie die Bedeutung des statuarischen Bildprogramms für die dynastische Legitimierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Augustus durch eine geschickte Kombination aus Architektur und Bildsprache seine Alleinherrschaft dezent im öffentlichen Raum inszenierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische und archäologische Analyse von Bauwerken und Bildprogrammen unter Einbeziehung antiker literarischer Quellen und moderner Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den geschichtlichen Hintergrund des Forums, den Aufbau der Portiken und Exedren, das Aussehen und die Funktion des Marstempels sowie die symbolische Bedeutung der Giebelfiguren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Augustusforum, Prinzipatspropaganda, summi viri, Selbstdarstellung und Mars Ultor charakterisiert.
Warum war das Datum der Forumseröffnung am 1. August von besonderer Bedeutung?
Das Datum wurde bewusst gewählt, da an diesem Tag 40 Jahre zuvor die Schlacht bei Philippi gegen die Caesarmörder stattfand und es zudem das Datum der Einnahme Alexandriens war.
Welche Funktion hatten die summi viri im Kontext des Forums?
Die Statuen der summi viri dienten dazu, Augustus in eine kontinuierliche Reihe bedeutender historischer Persönlichkeiten und Helden Roms zu stellen, um seine Abstammung und Legitimität zu unterstreichen.
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- Anonym (Autor), 2014, Die Selbstdarstellung des Kaisers Augustus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489441