Der Europäische Emissionsrechtshandel ist ein umstrittenes Instrument. Er wird zum einen in den Himmel gelobt und als die Chance schlechthin beschrieben und im selben Atemzug von Kritikern als durchweg negativ und von Vorderrein zum Scheitern verurteilt missbilligt. Die Dringlichkeit etwas gegen den (anthropogen verursachten) Klimawandel zu unternehmen ist weitestgehend anerkannt, Emissionsrechtehandel hin- oder her. Die noch relativ junge globale Klimapolitik weist nur bedingt Erfolge auf und strahlt eher mit Misserfolgen und Überkalkulierungen.
Das Europäische Emissionshandelsystem wird vom Großteil der Befürworter als das mit Abstand wichtigste Klimaschutzinstrument innerhalb der EU betitelt und soll dafür sorgen, dass „die Treibhausgas-Emissionen der teilnehmenden Energiewirtschaft und energieintensiven Industrie reduziert werden“ (Umweltbundesamt 2015). Das wesentliche Merkmal des Abkommens beinhaltet die Vergabe sogenannter Emissionszertifikate, welche vergeben und verhandelt werden können. Diese beziehen sich auf den Kohlenstoffdioxidausstoß pro Tonne und können je nach marktwirtschaftlicher Lage preislich (stark) schwanken.
Das Projekt startete ursprünglich schon in den 1990er Jahren und wurde erst nach anfänglichen Schwierigkeiten im Rahmen des Protokolls von Kyoto zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, kurz Kyoto-Protokoll, festgelegt und umsetzungsfähig gemacht (Konstantin, P. 2013). Des Weiteren wurden drei Phasen für die Praxisphase beschlossen, die Pilotphase, Phase II, sowie Phase III (ibid.).
Im Rahmen dieser Studienarbeit wird zu Beginn die Historie, mitsamt Bedingungen und Geschehnissen, erläutert, welche zur Idee des Emissionsrechtehandels geführt hat. Anschließend wird sich näher mit den drei Phasen des Systems beschäftigt und im Nachhinein die Erfolge und die Grenzen aufgezeigt. Zum Schluss folgt ein Fazit sowie eine kurze Zukunftsprognose.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte
2.1 Kyoto-Protokoll
2.2 Greenhouse gases im Kyoto-Protokoll
3. Klimaschutzrechtliche Rahmenbedingungen
3.1 Das EU Emissionshandelssystem
3.2 Die Ebenen des EU-Emissionshandels
3.3 Prinzipielle Funktionsweise des Emissionshandels
3.4 CDM- und JI-Projekte
4. Die dritte Handelsperiode 2013-2020
4.1 zustellungsregeln für die dritte Handelsperiode
5. Reform des EU-EHS – aber richtig!
5.1 Überblick
5.2 Woher kommen die hohen Überschüsse an Zertifikaten?
5.3 Die Marktstabilitätsreserve
5.4 Preiskorridor und Emissionshandel in Reinform – Die besseren Alternativen?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das EU-Emissionshandelssystem als marktwirtschaftliches Instrument der Umweltpolitik, analysiert dessen historische Entwicklung sowie die strukturellen Herausforderungen und bewertet verschiedene Reformvorschläge zur Steigerung der Effektivität im Klimaschutz.
- Historische Entwicklung des Emissionshandels und das Kyoto-Protokoll
- Funktionsweise und Akteure des EU-Emissionshandelssystems (EU-EHS)
- Strukturänderungen in der dritten Handelsperiode (2013-2020)
- Ursachen für Zertifikatsüberschüsse und Preisverfälle
- Analyse von Reformansätzen wie der Marktstabilitätsreserve und Preiskorridoren
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Ebenen des EU-Emissionshandels.
Bei der Verwirklichung des Emissionshandelssystems werden drei verschiedene Ebenen unterschieden: Die EU-Ebene, die EU Mitgliedstaaten sowie zur Teilnahme an Emissionshandel verpflichtende Anlagen (Konstantin 2007: 91). Die Europäische Union gibt den Rahmen für den Emissionshandel vor. Dafür erstellt sie Kriterien, Richtlinien und Vorgaben und genehmigt und überprüft deren nationale Umsetzung (ibid.) (vgl. Erdmann & Zweifel 2008: 9f).. Die Hauptaufgabe der EU Mitgliedsstaaten ist die Vorgaben der Europäischen Union national umzusetzen, wie beispielsweise die der EU-Richtlinien, Erstellung der nationalen Allokationsplanes (NAP), Aufbau einer für den Emissionshandel zuständige Behörde sowie eines Registers und auch die periodische Berichterstattung an die EU (Konstantin 2007: 91).
Der NAP gilt als vielerlei Hinsicht als Kernstück des Emissionshandels. Jeder Mitgliedsstaat hat die Aufgabe für jede Handelsperiode einen zu erstellen und diese von der EU genehmigen zu lasen. In den NAP’s wird u.a. die Gesamtmenge der zuzuteilenden Emissionsrechte und die Zuteilungsmodalitäten „für die zur Teilnahme verpflichtenden Anlagen festgelegt“ (ibid.). Diese basieren allerdings auf den nationalen Zusagen des EU-Burden Sharings, also der EU Lastverteilung gemäß des Kyoto-Protokolls. Fortführend wird auf Basis der genehmigten Regelungen in den einzelnen NAP’s eine Aufteilung, bzw. eine Zuordnung der künftige CO2 Reduktionspflichten, des verfügbaren Emissionsbudgets zwischen den Teilnehmern durchgeführt (ibid.). Die dafür zuständige Institution ermittelt die Menge an Emissionsberechtigungen, die dem zur Partizipation verpflichtendem Anlagen pro Handelsperiode zur Verfügung steht. In Deutschland ist die zuständige Behörde die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) und werden in jährlich gleichen Tranchen an die Unternehmen ausgegeben sowie in sogenannten Emissionsregistern verwaltet. Dieses Register ist eine nationale Datenbank mit „Konten“ für die teilnehmenden Märkte und darin erfolgt die Auflistung von Vergabe , Übertragung, Besitz und Löschung der Berechtigungen. In der gesamten EU sind ca. 11.400 Anlagen zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet und stellen ca. 46% der CO2-Emissionen der EU dar. (ibid.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Emissionshandels als zentrales, jedoch umstrittenes Instrument der europäischen Klimapolitik und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Entstehungsgeschichte: Dieses Kapitel erläutert die Genese des Emissionshandels ausgehend vom Kyoto-Protokoll und thematisiert die Rolle der verschiedenen Treibhausgase.
3. Klimaschutzrechtliche Rahmenbedingungen: Hier werden das EU-Emissionshandelssystem, seine institutionellen Ebenen sowie die prinzipielle Funktionsweise und die projektbasierten Mechanismen CDM und JI dargelegt.
4. Die dritte Handelsperiode 2013-2020: Das Kapitel behandelt die grundlegenden Neuerungen der dritten Handelsperiode, insbesondere die stärkere Harmonisierung auf EU-Ebene und veränderte Zuteilungsregeln.
5. Reform des EU-EHS – aber richtig!: Dieser Abschnitt analysiert die Problematik der niedrigen Zertifikatspreise und diskutiert verschiedene Reformvorschläge, wie die Marktstabilitätsreserve und Preiskorridore.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das EU-EHS ein wertvolles Instrument bleibt, jedoch weiterentwickelt werden muss, um langfristig ökologisch und ökonomisch effektiv zu wirken.
Schlüsselwörter
Emissionsrechtehandel, EU-EHS, Kyoto-Protokoll, Klimaschutz, Zertifikate, Treibhausgase, CO2-Äquivalent, Marktstabilitätsreserve, CDM, JI-Projekte, Allokationsplan, Emissionsreduktion, Klimapolitik, Energiegeographie, Preisverfall
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem EU-Emissionshandelssystem als umstrittenem, aber zentralem marktwirtschaftlichem Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen innerhalb der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Entwicklung des Kyoto-Protokolls, die institutionellen Rahmenbedingungen des EU-EHS, die spezifischen Änderungen der dritten Handelsperiode sowie die aktuelle Debatte um Reformmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Erfolge und Grenzen des Emissionshandels kritisch aufzuzeigen und zu bewerten, wie das System optimiert werden kann, um eine effektive Emissionsminderung sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die aktuelle wissenschaftliche Publikationen, offizielle Dokumente der EU und relevante Diskussionsbeiträge wirtschaftswissenschaftlicher Institute zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen, eine Analyse der dritten Handelsperiode mit ihren Zuteilungsregeln sowie eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Ursachen für Zertifikatsüberschüsse und möglichen Reformoptionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Emissionsrechtehandel, CO2-Äquivalent, Marktstabilitätsreserve, Allokationsplan, Treibhauswirksamkeit und die Flexibilitätsmechanismen CDM sowie JI.
Welche Rolle spielt die Marktstabilitätsreserve bei der Reform des EHS?
Sie soll als regelbasierter Mechanismus dienen, um die Auktionsmengen an Zertifikaten je nach aktueller Marktsituation anzupassen und somit zur Stabilisierung des Preises und zur Reduktion von Überschüssen beizutragen.
Warum reicht der Emissionshandel laut Fazit nicht als alleiniges Preissystem aus?
Der Autor argumentiert, dass das EHS als Mengensystem konzipiert ist. Da der Preis aufgrund von Zertifikatsüberschüssen stark fallen kann, entstehen für Unternehmen kaum Anreize zur Innovation, weshalb politische Eingriffe für eine langfristige Wirksamkeit notwendig sind.
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- InkTeach19 (Autor), 2015, Emissionsrechtehandel. Erfolge und Grenzen eines marktwirtschaftlichen Instruments der Umweltpolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489461