In dieser Arbeit soll die Genese, d.h. die Entwicklung des Holodomorbegriffs in der deutschsprachigen Literatur, auf die Ukraine bezogen, nachgezeichnet werden. Die Literaturauswahl umfasst hierbei nicht nur originär auf Deutsch erschienene Werke, sondern beinhaltet auch Werke welche in die Deutsche Sprache übersetzt wurden. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in der Folge keine Suche nach Schuldigen oder einem Schuldigen am Holodomor erfolgen soll. Des Weiteren muss teilweise auf eine in die Tiefe gehende Darstellung, zu Gunsten einer auf Vollständigkeit wertlegenden Darstellung, aufgrund von Formatauflagen verzichtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Holodomor – Einige Fakten
3. Die Rezeption in der Zeit des Stattfindens
4. Bearbeitung ab Mitte/Ende der 80er Jahre
5. Mögliche Erklärungen für die Nichtbearbeitung in der geschichtswissenschaftlichen Literatur, im Zeitraum ab Mitte der 30er Jahre bis Mitte/Ende der 80er Jahre
6. Aktuelle Russisch-Ukrainische Rezeption, im Kontext ihrer bilateralen Beziehungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Genese des Begriffs „Holodomor“ innerhalb der deutschsprachigen Literatur. Ziel ist es, die wissenschaftliche und öffentliche Wahrnehmung der Hungerkatastrophe in der Ukraine von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart nachzuzeichnen, ohne dabei eine individuelle Schuldzuweisung vorzunehmen.
- Etymologie und historische Einordnung des Holodomors
- Rezeption der Ereignisse während der 1930er Jahre im internationalen Kontext
- Wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas ab den späten 1980er Jahren
- Gründe für die langjährige Leerstelle in der geschichtswissenschaftlichen Literatur
- Politische Instrumentalisierung und bilaterale Spannungen zwischen Russland und der Ukraine
Auszug aus dem Buch
Die Rezeption in der Zeit des Stattfindens
Für die Darstellung der Rezeption in der Zeit des Stattfindens wurde durch mich eine Auswahl der näher zu beleuchtenden Beteiligten getroffen. Vorgestellt werden die Sowjetführung, der Völkerbund und partiell die Wahrnehmung im Ausland.
Die Sowjetführung unter der Regie Stalins war über die Vorgänge des Holodomor informiert und versuchte den Hunger oder wenigstens die Ausmaße der Hungerkatastrophe aktiv vor dem Ausland zu verbergen bzw. zu verleugnen.
Beispielzitat für das interne Wissen über den Hunger: „Es ist kategorisch verboten, daß irgendeine Organisation die Fälle von Ödemen und Tod infolge des Hungers registriert außer den Organen der OGPU“ 9
Beispielzitat für den internen Versuch des Verbergens vor dem Ausland: „Genosse Balyc`kyi beauftragen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Übermittlung von Informationen über die Hungersnot im Dorf Staroŝvedskoe ins Ausland unmöglich zu machen.“ 10
Beispiel für das öffentliche Verleugnen vor dem Ausland. (hier Völkerbund) „In der UdSSR gebe es keine Hungersnot“ 11
Der im neutralen Genf ansässige Völkerbund wurde spätestens im September 1933 über den Holodomor informiert.12 Nach zwei Sitzungen erklärte dieser aber, auf Drängen der Sowjetunion, ihrer Verbündeten aber auch Frankreichs, seine Nichtzuständigkeit und leitete die Problematik an das Rote Kreuz weiter.13
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Genese des Holodomorbegriffs in der deutschsprachigen Literatur zu erfassen und grenzt den methodischen Rahmen ab.
2. Holodomor – Einige Fakten: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung des Begriffs „Holodomor“, datiert das Ereignis zeitlich und benennt die betroffenen geografischen Regionen sowie die geschätzten Opferzahlen.
3. Die Rezeption in der Zeit des Stattfindens: Der Abschnitt beleuchtet, wie die Sowjetführung die Katastrophe aktiv vertuschte und wie internationale Akteure wie der Völkerbund oder westliche Staaten darauf reagierten.
4. Bearbeitung ab Mitte/Ende der 80er Jahre: Dieses Kapitel beschreibt den wissenschaftlichen Wendepunkt in den 1980er Jahren, als durch Werke wie das von Robert Conquest die Blockade in der Erforschung der Thematik aufgebrochen wurde.
5. Mögliche Erklärungen für die Nichtbearbeitung in der geschichtswissenschaftlichen Literatur, im Zeitraum ab Mitte der 30er Jahre bis Mitte/Ende der 80er Jahre: Hier werden Ursachen für die jahrzehntelange Auslassung des Themas in der Forschung analysiert, darunter sowjetische Propaganda und geopolitische Interessen.
6. Aktuelle Russisch-Ukrainische Rezeption, im Kontext ihrer bilateralen Beziehungen: Das Abschlusskapitel behandelt die heutigen diplomatischen Konflikte zwischen Russland und der Ukraine bezüglich der Anerkennung des Holodomors als Genozid.
Schlüsselwörter
Holodomor, Ukraine, Sowjetunion, Hungersnot, Stalinismus, Genozid, Geschichtswissenschaft, Rezeption, Erinnerungspolitik, Völkerbund, Totalitarismus, Osteuropa, Aufarbeitung, Perestroika, Historische Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Etablierung des Begriffs „Holodomor“ innerhalb der deutschsprachigen Literatur und wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Faktenlage zur Hungerkatastrophe, die Vertuschungsstrategien der Sowjetunion, die wissenschaftliche Erforschung ab den späten 80ern sowie die moderne politische Instrumentalisierung des Themas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie sich das Wissen und der Diskurs über den Holodomor in der deutschsprachigen Forschung über die Jahrzehnte hinweg verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung relevanter Literatur, Dokumente und zeitgenössischer Berichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rezeption während der Ereignisse in den 1930er Jahren, die Zäsur durch wissenschaftliche Publikationen in den 1980er Jahren und die aktuellen diplomatischen Spannungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Holodomor, Ukraine, Genozid, Sowjetunion und Erinnerungspolitik charakterisieren.
Warum wurde das Thema so lange in der Literatur nicht bearbeitet?
Die Arbeit identifiziert als Gründe die bewusste „Mauer des Schweigens“ durch die Sowjetführung, die Verdeckung durch andere Katastrophen und die politische Zurückhaltung westlicher Staaten.
Wie bewertet die aktuelle ukrainische Führung den Holodomor?
Das ukrainische Parlament stuft die Hungerkatastrophe offiziell als Genozid an den Ukrainern ein, was zu erheblichen bilateralen Spannungen mit der Russischen Föderation führt.
- Arbeit zitieren
- Kilian Norden (Autor:in), 2009, Die Genese des heutigen Holodomorbegriffs in der deutschsprachigen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489488