Schemaliteratur. Analse des Aufsatzes "Das Monstrum" von Hans Richard Brittnacher


Essay, 2019

6 Seiten


Leseprobe

1. Thema des Aufsatzes

Der Aufsatz Das Monstrum aus dem Buch Ästhetik des Horrors thematisiert sowohl die Entstehung und den geschichtlichen Werdegang des Gattungsnamens Monstrum als auch die Eigenschaften, die ein Monstrum ausmachen. Der Text durchläuft verschiedene Epochen und legt deren Einfluss auf den Werdegang des Monstrums dar. Des Weiteren wird die Anziehungskraft des Hässlichen begründet.

2. Hauptthesen des Aufsatzes

Der Aufsatz Das Monstrum beschäftigt sich mit verschiedenen Fragen. Zunächst wird die geschichtliche Entwicklung des Monstrums geklärt und auf die vielfältigen Erscheinungsformen eingegangen. Der Begriff Monstrum wird definiert und die Faszination der Leser dafür hinterfragt.

Den Einstieg in den literaturwissenschaftlichen Aufsatz findet man durch die drei Fragen zu Beginn. Was ist ein Monstrum? Wieso erhalten verschiedene Gestalten alle den Gattungsnamen des Monstrums, und was fasziniert den Leser an diesen Gestalten? Der Autor stellt zu Anfang eine Definition des Wortes ´Monstrum` vor. Diese Definition nutzt er dann, um seinen Argumentationsstrang mit der frühmenschheitlichen Tierverehrung chronologisch beginnen zu lassen. Er beginnt seine Argumentation beim Urmenschen und beendet sie in der Gegenwart.

Die Frage nach der Definition eines Monstrums klärt Brittnacher durch Gemeinsamkeiten und Unterschiede von nichtmenschlichen Gestalten und Menschen. Ihm zufolge besteht bei den „Wesen [Monstren] eine exzessive Abweichung von der Norm physischer Integrität.“1 Der körperliche Extremismus des Monsters beantwortet damit bereits die zweite vom Verfasser gestellte Frage, warum verschiedene Gestalten alle den Gattungsnamen des Monstrums erhalten können. Er erläutert aufbauend darauf, dass „das Maß der Abweichung von diesem Modell [dem Modell eines Idealkörpers] entelechialer [in sich selbst liegender] Vollkommenheit die singuläre Identität des Einzelnen bestimmt und sollte die Abweichung mehr als graduell sein, begreift man diese Abweichung als Deformation und das von ihr [von der Deformation] entstellte Wesen als Monstrum.“2 Je deutlicher ein Wesen von der Norm abweicht, desto eher wird es als Monstrum angesehen. Der Autor schließt aus dieser Erkenntnis, dass „das Monströse die prekäre Grenze zwischen Menschlichem und Nichtmenschlichem darstellt.“3

Daran anschließend erörtert Brittnacher verschiedene kulturgeschichtliche Traditionen. Frühmenschheitliche Tierverehrungen stellen den Ursprung des Monstrums dar. Dies begründet Brittnacher mit den Entschuldigungstänzen, welche die Verbundenheit von Mensch und Tier verdeutlichen. Das Monstrum, an dieser Stelle noch das Tier, spricht somit etwas im Urmenschen an. Der Mensch sieht im Monstrum nicht etwas Böses, sondern das Tier [Monstrum] ist Teil seiner Welt und seines Lebensstils.

Anschließend erläutert Brittnacher das Monstrum in verschiedenen Mythologien. Die alten Ägypter, Griechen und Römer besaßen unterschiedliche Götter, Kreaturen und Mischwesen in ihren Glaubensvorstellungen. Diese lösten bei der damaligen Bevölkerung sowohl Angst und Ehrfurcht als auch Zuneigung und Sicherheit aus. Diese Götter waren in der Lage sich in Tiere zu verwandeln, sodass sie die „Attribute einer besonderen Macht“4 erhielten. Diese Macht rührt nach Brittnacher aus beispielsweise dem Löwenhaupt oder einem Pferdeleib und war somit unerreichbar für einen Menschen.5 Das Löwenhaupt wurde dabei immer mit Stärke in Verbindung gebracht, welche sich sowohl auf geistige als auch körperliche Kraft bezieht. Zentauren und Sphingen [Kreaturen] besaßen ein dauerhaft anderes Aussehen und somit auch die Eigenschaften [Stärken], die sie ausmachten.

Im weiteren Verlauf seiner Argumentationskette beschreibt Brittnacher den Einfluss des Christentums in die Begriffsgebung des Monströsen. „Diese Religion dämonisierte die heidnischen Naturgottheiten und reduzierte sie auf ihre Äußerlichkeiten.“6 Das Christentum lässt keine Hybridwesen in seinem Glauben zu und stellt die früheren tierischen Attribute, die einst Weisheit und Überlegenheit symbolisierten, als Götzenbilder und satanische Parusie dar.7 Erst das Christentum stellt das Monströse als gefährlich und unnatürlich dar.

Erst Jahrhunderte später kam es zu einem erneuten Aufleben des Interesses am Monströsen. Die Renaissance konnte an der ästhetische Faszination des Monströsen anknüpfen. Die Entdeckung der fremden Welt, anderer Planeten und anderer Menschen sowie deren Sitten und Gebräuche führten nach Brittnacher dazu, dass „das Monstrum an der Grenze zum Unbekannten und am Ende der Welt entdeckt werden konnten.“8 Dies spiegelt sich auch in den Weltkarten der damaligen Zeit wieder, in der unbekannte Flächen mit Fabelwesen markiert wurden.

In der Zeit der Aufklärung verschwindet das Monstrum fast vollständig aus der Literatur. Es passt nicht zum rationalen Denken. Brittnacher schreibt: „Das Monstrum hat in der Aufklärung keinen Platz“9. Nur der Vampir überdauert die Zeit der Aufklärung.

Brittnacher schlussfolgert, dass mit dem Darwinismus und der Evolutionstheorie ein bedeutsamer Schritt auch für das Monströse getätigt wurde. Mit der Tatsache, dass der Mensch zur Klasse der Säugetiere gehört, veränderte sich das Denken der Menschen und die Natur gewann an Bedeutung. Der Autor begründet damit die Selbstverständlichkeit des Monstrums. „Der Darwinismus machte das Monstrum nach seiner langen Abwesenheit im Bereich der Ästhetik wieder attraktiv.“10

Brittnachers Ergebnis ist, dass das Monstrum vor allem wegen der Exklusivität seines physischen Daseins die Quelle für Horror und Faszination zugleich ist. Das Monstrum ist trotz seines körperlichen Extremismus ein in sich geschlossenes Phänomen und macht dem Menschen klar, dass er trotz seiner Intelligenz, biologisch anfällig und seiner Umwelt wehrlos ausgesetzt ist.11 Dies beantwortet auch die Frage zur Faszination des Lesers. Der Autor beendet seine Argumentation mit der Hochzeit des Monstrums durch die Überholung von Monstren „der zweiten Generation, […] den Cyborgs und künstlichen Intelligenzen.“12

[...]


1 Brittnacher, Hans Richard: „Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.183

2 vgl. Brittnacher, Hans Richard: „Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.184

3 Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.184

4 Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.186

5 vgl. Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.186

6 Brittnacher, Hans Richard: „Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.188

7 vgl. Brittnacher, Hans Richard: „Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.188

8 Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.189

9 Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.194

10 Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.197

11 vgl. Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.197

12 Brittnacher, Hans Richard: „ Ästhetik des Horrors.“ 1994 S.198

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Schemaliteratur. Analse des Aufsatzes "Das Monstrum" von Hans Richard Brittnacher
Autor
Jahr
2019
Seiten
6
Katalognummer
V489578
ISBN (eBook)
9783668974449
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schemaliteratur, analse, aufsatzes, monstrum, hans, richard, brittnacher
Arbeit zitieren
David Odenthal (Autor), 2019, Schemaliteratur. Analse des Aufsatzes "Das Monstrum" von Hans Richard Brittnacher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489578

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