Islamischer Staat.Theorie und Praktiken


Facharbeit (Schule), 2019
31 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Entstehung des „Islamischen Staats“
1.1 Was ist ein Dschihad?
1.2 Historischer Hintergrund
1.3 Definition eines Kalifats
1.4 Der Kalif des „Islamischen Staates“: Abu Bakr al-Baghdadi
1.5 Sunniten und Schiiten

2. Der Koran als Leitfaden des „Islamischen Staats“?
2.1 Inhalt des Korans
2.2 Wer darf den Koran interpretieren?
2.3 Wie blutrünstig ist der Koran?
2.4 Vergleich mit der Bibel
2.5 Auffassung von muslimischen Gläubigen

3. Tatsächliche Umsetzung
3.1 Welche finanziellen Mittel benutzt der IS?
3.2 Die Hierarchie im „Islamischen Staat“
3.3 Kann man den „Islamischen Staat“ wirklich als Staat betrachten?
3.3.1 Wie definiert sich ein Staat?
3.3.2 Ist der Islamische Staat ein Staat?
3.4 Aktuelle Lage des „Islamischen Staates“

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

Einleitung

Das Video der Hinrichtung des jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ging im Februar 2015 um die Welt. Der IS hatte al-Kasaesbeh im Dezember 2014 gefangengenommen, ihn in einen Käfig gesperrt und bei lebendigem Leib verbrannt. Das Video der Tat veröffentlichte der „Islamische Staat“ im Internet, die Reaktionen darauf waren enorm. Die Verbrennung ging zwar selbst vielen Sympathisanten der Miliz zu weit, dennoch hatte der IS erreicht, was er erreichen wollte: globale Aufmerksamkeit für die eigene Sache. Diese Aufmerksamkeit wurde und wird noch heute genutzt um Anhänger für ihre fanatische Ideologie und Ziele zu gewinnen.

Bei Nachrichten über den „Islamischen Staat“ fallen immer die Begriffe „Dschihad“, „Kalifat“, „Heiliger Krieg“. Doch was ist der „Islamische Staat“ und wie kann er mit dem Islam in Verbindung gebracht werden?

Der „Islamische Staat“, gebildet aus der Terrororganisation „al-Qaida“, ist eine aktive terroristische Miliz1, die vor allem in Syrien und im Irak aktiv ist, aber auch in Afghanistan, Ägypten, Nigeria, Ost-Afrika2. Der heutige „Islamische Staat“ wird als die bisher mächtigste, grausamste aber auch reichste Terrororganisation der Welt bezeichnet. Weiterhin bekennt sich der Islamische Staat auch zu zahlreichen Terroranschlägen in Europa wie zum Beispiel 2015 in Paris. Das Ziel der Bewegung ist die Errichtung eines staatsähnlichen „Kalifates“.

Aufgrund der Komplexität des Themas befasst sich diese Arbeit hauptsächlich mit dem „Islamischen Staat in Syrien und im Irak“ (ISIS). Die praktische Umsetzung des „Islamischen Staates“ wird mit der dahinterstehenden Theorie verglichen. Da nicht alle Fakten über den „Islamischen Staat“ bekannt sind beruht diese Hausarbeit auf dem derzeitigen Erkenntnisstand. Die hauptsächlichen verwendeten Materialien sind Zeitungsberichte und wissenschaftliche Arbeiten.

1. Entstehung des „Islamischen Staats“

1.1 Was ist ein Dschihad?

Wörtlich übersetzt bedeutet Dschihad3: Bemühung oder Anstrengung.4

Der Begriff Dschihad bezeichnet allgemein den Einsatz der Gläubigen für den Islam, wobei dieser Einsatz nicht von vornherein militärisch verstanden werden muss. Es gibt die Unterteilung in den großen und den kleinen Dschihad. Der große Dschihad ist der friedliche innere Kampf des Einzelnen, in dem er seine Begierden überwindet und den Verführungen, die ihn vom Pfad des rechten Glaubens abbringen können, widersteht. Hingegen ist der kleine Dschihad der nach außen gerichtete Kampf gegen Ungläubige; nur auf ihn trifft die gängige Übersetzung "heiliger Krieg" zu. Der kleine Dschihad wird oft als Legitimation für Terroranschläge und andere kriegerische Akte verwendet. Salafisten5 verbreiten die Ansicht, dass der Dschihad der sechste Grundpfeiler des Islams ist. Die anderen Grundpfeiler sind: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten, die soziale Pflichtabgabe und die Pilgerreise nach Mekka. Dadurch sei jeder Muslim verpflichtet seine „Glaubensbrüder“ militärisch zu unterstützen.6

Der bewaffnete Kampf (um muslimische Gebiete zu verteidigen) ist im Islam nur unter eng definierten Bedingungen zulässig. Religionsgelehrte müssen ihn ausdrücklich billigen. Führende Terroristen wie einst Osama bin Laden oder der Anführer des „Islamischen Staates“ Abu Bakr al-Baghdadi sind keine Rechtsgelehrten. Sie sind deshalb nicht befugt, einen gewaltsamen Dschihad auszurufen oder für ihn zu werben. Terrorismus, also die Ausübung schwerster Gewalttaten gegen Menschen und Einrichtungen, ist unter keinen Bedingungen mit den islamischen Normen vereinbar.7

1.2 Historischer Hintergrund

Die Ursprünge der gegenwärtigen dschihadistischen Organisationen im Nahen Osten lassen sich über mehrere aufeinander bezogenen Prozesse zurückverfolgen. Die extremste Erscheinungsform, der "Islamische Staat", ist als Reaktion auf die von den USA angeführten Angriffe auf den Irak und infolge der nachfolgenden Besatzung entstanden. Durch anarchistische8 Zustände und Menschenrechtsverletzungen konnten bewaffnete Kampfgruppen mit ihrer islamisch geprägten Befreiungs- oder Vergeltungsstrategie entstehen. In den verschiedenen Entwicklungsstufen sind bestimmte Führer an unterschiedlichen Orten in Erscheinung getreten, die zugleich jeweils eigene Generationen an dschihadistischen Kämpfern hervorbrachten und eigene ideologische Ideen verfolgten.9

Zu den Anführern der ersten Generation zählen Abdullah Azzam und Osama bin Laden, die zu Beginn die al-Qaida-Organisation gegründet haben. Al-Qaida war eine der ersten Organisation von Dschihadisten mit überregionaler Ausprägung. Der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi steht für die zweite Generation von Dschihadisten und er kämpfte für al-Qaida in Afghanistan. Durch seine Bekanntschaft mit bin Laden wird al-Zarqawi bin Ladens Mann für den Irak. Im Jahr 2003 trat al-Zarqawi im Irak als al-Qaida-Vertretung in Erscheinung. Nach dem Irak-Krieg im Jahr 2003 nennen sich al-Zarqawis Männer in „al-Qaida im Irak“ um. Al-Zarqawis Ziel hat sich mit der Zeit fortentwickelt: Von der ursprünglich anvisierten Befreiung des Iraks von der amerikanischen Besatzung hin zu der "Errichtung eines Islamischen Staates". Der Kampf al-Zarqawis richtete sich nun zu einem großen Teil gegen andere islamische Gruppierungen. Im Laufe der Zeit wurde deshalb immer fraglicher, ob die Gruppe um al-Zarqawi herum sich selbst noch als Untereinheit der al-Qaida verstand. Als die USA in den Irak einmarschieren, werden viele tausende Iraker plötzlich arbeitslos und schließen sich al-Zarqawi an. Im Jahr 2006 wird er durch eine US-Bombe getötet.

Sein Nachfolger Omar al-Baghdadi nennt den al-Qaida-Ableger in „Islamischer Staat im Irak“(ISI) um. Abu Omar al-Baghdadi wird im Jahr 2010 bei einem US-Luftangriff getötet. Sein Nachfolger ist der heute immer noch aktive IS-Kalif10 Abu Bakr al-Baghdadi.11 Mit Abu Bakr al-Baghdadi als neuen Anführer zielten die Kämpfe in erster Linie darauf ab, Boden zu gewinnen. Dem „Islamischen Staat im Irak“ ging es zunehmend um die Erlangung von Macht und Zugang zu lokalen Ressourcen. Damit richteten sie sich gegen alle anderen Gruppierungen, die in den entsprechenden Gebieten aktiv sind. Der ISI konzentrierte sich nun nicht mehr nur auf das irakische Territorium, sondern ging darüber hinaus, sodass auch Kämpfe auf syrischem Boden geführt wurden. Die Kämpfe zielten auf die Eroberung von Gebieten mit Öl- beziehungsweise Nahrungsressourcen ab oder auf Städte mit strategischer Bedeutung. Die Gruppe um al-Baghdadi nannte sich nun in „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) um. Al-Baghdadi erklärte schließlich den Krieg gegen alle dschihadistischen Kämpfer, die nicht die eigenen Vorstellungen teilten. Die Folge dieser Haltung ist, dass man dem Zusammenhalt mit anderen islamischen Bewegungen zur Bekämpfung des auswärtigen Feindes keine Bedeutung mehr beimessen wollte.12

1.3 Definition eines Kalifats

Die Definition der Staatsform ,,Kalifat‘‘ birgt viel Interpretationsspielraum. Die bekannteste Vorstellung beinhaltet die Gleichstellung des Kalifen mit dem Propheten Mohammed und damit den Vorstand über die gesamte muslimische Bevölkerung. Ableiten kann man diese Vormachtstellung vom Tod Mohammeds und von den ersten vier Kalifen, die in direkter Verbindung zu Mohammed standen, jedoch nicht lange lebten. In der Zeit dieser vier Kalifen blühte der Islam auf und verbreitete sich über die Arabische Halbinsel13. Das Reich wuchs, sodass sich noch ein anderer Kalif neben Ali, dem letzten der vier Kalifen in Damaskus ausrufen ließ. Dieser berief sich auf „Abu Bakr“ den ersten der vier. Ali bekämpfte den anderen Kalifen, um sein Reich zu beschützen und zu bewahren. Dieser „Bürgerkrieg“ wurde nie beendet, sodass oftmals mehrere Kalifate parallel existierten.

Das Kalifat weist unter anderem viele Gemeinsamkeiten mit unserem Kaisertum auf. Die wohl größte davon ist die Legitimation durch Gott bzw. Allah. Da es nach den ersten vier Kalifen, fast immer mehrere Kalifate gab waren somit nicht alle Muslime Teil des gleichen Kalifates. Deswegen hat dieses System noch nie funktioniert14.

Am 29. Juni 2014 rief der IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi in Mossul das Kalifat aus. Damit ernannte er sich selbst zum Kalifen und beanspruchte die Führung aller Muslime, womit er den Grundstein für sein Ziel, die Errichtung eines Gottesstaates legte. Er nutzte damit die mit dem Begriff Kalifat verbundenen Vorstellungen der Blütezeit und Herrschaft des Islams aus, um seine Machtposition und die des „Islamischen Staates“ zu festigen15

Durch seinen Namen ,,Abu Bakr‘‘ verbindet er sein Kalifat mit den ersten vier Kalifen, die ,,rechtgeleiteten Kalifen‘‘16 und seinem sunnitischen Glauben17. Dadurch entsteht ein Widerspruch zwischen einem geeinten Islam, wie er bei den rechtgeleiteten Kalifen herrschte, und seiner Politik: Durch die Bekämpfung anderer Muslime, wie z.B. Schiiten, verstößt er allerdings gegen diesen Gedanken des Kalifats.18

1.4 Der Kalif des „Islamischen Staates“: Abu Bakr al-Baghdadi

Abu Bakr al-Baghdadi ist im Jahr 1971 im Irak geboren. Doch dies ist nicht sein richtiger Name, er gab sich diesen Namen selbst als Kampfnamen. Sein richtiger Name lautet "Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri". Er machte sein Abitur und studierte Koranwissenschaften. Nach seinem Studium arbeite er als Moscheeverwalter. Im Jahr 2003 schloss er sich der sunnitischen Widerstandsgruppe Ansar as-Sunna an. Ein Jahr später wurde er durch US-Streitkräfte verhaftet und bis Dezember 2004 im Camp Bucca festgehalten. Der Aufenthalt im Camp Bucca gilt als Wendepunkt in seinem Leben. Er wurde mit ehemaligen Offizieren der irakischen Armee unter Saddam Hussein festgenommen. Dieses Gefängnis ist bekannt für die Verbreitung von Hass gegen westliche Invasoren. Seine genaue Haftzeit ist nicht bekannt.

Im Jahr 2010 wurde Abu Omar al-Baghdadi durch US-Streitkräfte getötet, Abu Bakr al-Baghdadi wurde zu dem neuen Emir19 des „Islamischen Staats“ im Irak gewählt. Am 9. April 2013 rief al-Baghdadi den „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) aus.

Als er am 29. Juni 2014 sein selbst erklärtes Kalifat ausruft, wird er nach Ansicht seiner Anhänger zum Befehlshaber der Muslime und oberster Führer des „Islamischen Staates“. Al-Baghdadi ist mittlerweile einer der meist gesuchtesten Menschen der Welt. Die USA haben eine Belohnung von 25 Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt. Von den Medien bekam al-Baghdadi den Ruf des gewaltsamsten Terroristen jemals. Persönlich ist er jedoch erst einmal, bei der Ausrufung seines Kalifates, in Erscheinung getreten.20

1.5 Sunniten und Schiiten

Sunniten und Schiiten sind zwei Glaubensströmungen aus dem Islam. Sie unterscheiden sich fast nicht voneinander, beide Gruppierungen leben nach dem Vorbild des Korans. Der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten liegt darin, dass sie jeweils einen anderen Nachfolger Mohammeds gutheißen.21 Dieses Problem entstand durch das Fehlen eines männlichen Nachfolger Mohammeds22. Sunniten folgen dem Gedanken der tribalen23 Nachfolge und Schiiten der genealogischen24 Nachfolge Mohammeds25.

Nach Mohammeds Tod unterstützten die Sunniten, den Stammesnachfolger von Abu Bakr, dem ersten Kalifen. Dieser war der unter Punkt 1.3 erwähnte, in Damaskus ausgerufene Kalif. Schiiten sehen Mohammeds Schwiegersohn und Vetter Ali, den letzten der vier „rechtgeleiteten Kalifen, als den rechtmäßigen Nachfolger“.

Der bei 1.3 erwähnte Bürgerkrieg spaltete den Islam in diese zwei Widersacher auf26. Mit circa 90 % bilden die Sunniten jedoch die klare Mehrheit unter den Moslems27. Die beiden Gruppen findet man oft vermischt und in Frieden lebend in islamisch geprägten Gebieten, oftmals sogar in der gleichen Familie. Zwischen manchen Schiiten und Sunniten gibt es aber Spannungen, wie im irakischen Bürgerkrieg ersichtlich war. Hier wollten radikal handelnde Muslime die alte Frage klären und führten den seit über 1000 Jahren vergangenen Krieg weiter, in dem der frühere „Islamische Staat“ (eine Vorstufe des heutigen IS) die radikal sunnitische Rolle einnahm und die „Volkskräfte“ die Schiitische. Auch heute ist der „Islamische Staat“ noch stark radikal sunnitisch geprägt28.

2. Der Koran als Leitfaden des „Islamischen Staats“?

2.1 Inhalt des Korans

Wörtlich aus dem arabischen übersetzt bedeutet Koran „Lesung“29 und ist die Heilige Schrift des Islams, welche die wörtliche Offenbarung Allahs an den Propheten Mohammed enthält. Aufgeteilt ist der Koran in 114 Kapitel (Suren), diese sind weiter in Verse unterteilt. Alle Suren richten sich an eine anonyme Person, die nach muslimischem Verständnis der Prophet Mohammed ist. Nach Muslimischen Glauben empfing der Prophet Mohammed den Koran etwa zwischen 610 und 632 nach Christus. Die Suren sind nicht nach Thema oder Datum sortiert, sondern nach der Länge der Suren. Es ist somit schwer den Koran zu verstehen, da durch die Durchmischungen keine chronologische Reihenfolge herrscht. Ein großes Thema im Koran ist das Leben im Dies und im Jenseits. Um ein gesundes Verhältnis zu Allah aufzubauen, wird die Wichtigkeit des Gebetes an vielen Stellen verdeutlicht. Weiterhin wird davor gewarnt die Rechte anderer zu verletzen.

Das Ziel des Menschen sollte sein, die Zufriedenheit im Islam zu finden. Ähnlich wie im Judentum wird eine Endzeitkatastrophe erwähnt, bei der über alle Menschen entschieden wird, ob sie das Paradies oder die Hölle verdienen. Um den Koran inhaltlich genauer zu verstehen muss man sich mit der religiösen und politischen Geschichte des frühen Islams beschäftigen30.

Grob gesagt kann man im Koran die Prozesse dieser Zeit erkennen, in denen sich zentralarabische Stämme vom Heidentum abwandten und dem typischen „arabischen Eingottglauben“ folgten. Zusammengefasst kann man sagen, dass der Koran das Verhältnis zwischen Allah und den Menschen und den Umgang mit den Mitmenschen behandelt31.

Der Koran wurde nach muslimischem Glauben von Allah auf die Erde herabgesandt und ist dadurch das direkte Wort Allahs. Somit ist der Koran die wörtliche Offenbarung Allahs und darf nach muslimischem Glauben weder historisch interpretiert, noch in seinen Aussagen hinterfragt werden32.

2.2 Wer darf den Koran interpretieren?

Die Frage wer den Koran überhaupt interpretieren darf führt zu Konflikten. Die meisten prominenten Geistlichen im Nahen Osten unterstehen staatlichen Institutionen, die der IS nicht anerkennt. Der IS wirft den Geistlichen daher vor sich nur den autoritären Herrschern zu beugen und den Koran nach deren Interessen zu interpretieren. Außerdem hält der „Islamische Staat“ eine Interpretation des Korans als eine Änderung von „Allahs Wille“, weshalb der Koran nur wörtlich verstanden werden darf. Dem IS wird jedoch vorgeworfen, dass eine Textstelle, die nicht im ursprünglichen Textzusammenhang steht, anders aufgenommen wird und somit auch einer Interpretation gleicht.33

Im Koran findet man fast zu jedem Thema etwas, zum Beispiel Mitgefühl und Hass oder Vergebung und Rache. Jede Partei wirft der anderen Gruppe dann vor, sich die für ihre Absichten passenden Themen herauszupicken. Beide Parteien handeln hier nicht nach muslimischen Grundsätzen.

Die Textstellen müssen immer im ganzen Textzusammenhang betrachtet werden und auch die Entstehungsumstände müssen berücksichtigt werden. Zusammengefasst darf niemand den Koran interpretieren, da der Koran genauso aufgefasst werden soll wie er geschrieben ist34.

2.3 Wie blutrünstig ist der Koran?

Im Koran gibt es viele Verse, der „Islamische Staat“ rechtfertigt hauptsächlich mit einem Vers seine Gräueltaten gegenüber „Ungläubigen“. Dieser Vers wird allgemein als „Schwertvers“ bezeichnet.

Der Vers befindet sich in Sure 9, 5: „Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, umzingelt sie, und lauert ihnen überall auf“. Der Vers wurde kurz vor Mohammeds Tod verfasst, während Mohammed gegen polytheistische35 Religionen kämpfte. Nach muslimischem Glauben kann es nur einen Gott geben. In der Vorgeschichte des Schwertverses werden nur diejenigen als „Heiden“ dargestellt, die eine Religion mit mehreren Göttern haben und den Islam mit nur einem Gott infrage stellen und bekämpfen. In der Fortsetzung heißt es dann: „Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen (Sure 9,5). Im Gesamtzusammenhang betrachtet bedeutet die Sure, dass Muslime gegen all jene kämpfen dürfen, welche die Ausbreitung des Islam verhindern möchten und kriegerisch gegen den Islam aktiv sind. Somit stellt der Schwertvers eine „Erlaubnis“ zur Selbstverteidigung dar und keine Aufforderung alle Andersgläubigen zu töten.

Im Koran gibt es außerdem ein Tötungsverbot: „Wer eine Seele ermordet soll sein wie einer, der die ganze Menschheit getötet hat“ (Sure 2, 257). Jedoch gibt es eine Einschränkung welche Gewalttaten gegenüber jemandem erlaubt, der selbst eine Gewalttat begangen hat. Weiterhin heißt es „ein Gläubiger darf keinen Gläubigen töten“. Nach der Auslegung ist ein Gläubiger nur gläubig wenn er die Ideologie des „Islamischen Staats“ vertritt. Diese Hintertür verwendet der „Islamische Staat“, sie argumentieren, dass ein „falscher“ Glaube auch eine Sünde ist. Außerdem heißt es auch, dass der, welcher sich nach seiner Sünde umkehrt und sich bessert, dem kehrt sich auch Allah zu. Der Koran ist also ein Buch, in dem Gewalt vorkommt jedoch kein gewaltverherrlichendes Buch, da zumeist bei einer Einsicht des „Schuldigen“ von der Strafe abgesehen wird. Außerdem rufen die meisten Stellen nicht direkt zur Gewalt auf sondern „umschiffen“ diese Stellen und lassen viel Interpretationsraum offen.36

[...]


1 militärischer Verband

2 https://www.lpb-bw.de/islamischer-staat.html(20.05.2019)

3 Englisch: Jihad.

4 https://dict.leo.org/englisch-deutsch/Dschihad (06.02.2019)

5 Salafismus = Rückbesinnung auf die Vorfahren / Wiederherstellung alter Muster

6 https://www.antworten-auf-salafismus.de/salafismus/jihad-dschihad/index.php (06.02.2019)

7 https://www.deutschlandfunk.de/der-dschihad-der-heilige-krieg.724.de.html?dram:article_id=97298 (06.02.2019)

8 Anarchie = Herschaftslosigkeit

9 http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/202373/der-islamische-staat-interne-struktur-und-strategie (15.04.2019)

10 Nachfolger des Propheten Mohammeds, religiöse und politische Führung der islamischen Gemeinde (siehe 1.3 und 1.4)

11 https://www.tagesspiegel.de/kultur/arabisch-islamische-geschichte-die-rueckwaertsgewandte- utopie-der-is-milizen/10374892-2.html (22.04.2019)

12 Reuter, Christoph: Die schwarze Macht. Der „Islamische Staat“ und die Strategen des Terrors, Bonn 2015.

13 https://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/geschichte-des-kalifats-vom-ideal-des-weisen-herrschers-im-islam/21092950.html

14 https://blog.zeit.de/radikale-ansichten/2014/06/30/bedeutet-die-ausrufung-des-kalifats-durch-isis/(23.04.2019)

15 https://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/geschichte-des-kalifats-vom-ideal-des-weisen-herrschers-im-islam/21092950.html (20.04.2019)

16 http://www.verfassungsschutz-bw.de/,Lde/Startseite/Arbeitsfelder/Abu+Bakr+AL_BAGHDADI_+Anfuehrer+und+_Kalif_+des+_Islamischen+Staats_(23.04.2019)

17 Siehe bei 1.5

18 https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/islam-lexikon/21488/kalifat (20.04.2019)

19 Emir = Befehlshaber

20 https://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-usa-erhoehen-kopfgeld-auf-is-anfuehrer-baghdadi-a-1126340.html (21.05.2019)

21 https://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-alles-wichtige-zum-is-a-1042664.html#sponfakt=11 (15.04.2019)

22 https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/islam-lexikon/21488/kalifat(23.04.2019)

23 Innerhalb des Stammes

24 Vom gleichen Blut

25 https://www.br.de/alphalernen/faecher/religion-und-ethik/islam-glaubensrichtungen-religion-100.html(23.04.2019)

26 https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/der-konflikt-zwischen-schiiten-und-sunniten-100.html(28.04.2019)

27 https://www.sueddeutsche.de/politik/islam-was-schiiten-und-sunniten-trennt-1.840806(28.04.2019)

28 https://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/mossul-irak-armee-befreiung-islamischer-staat-luftangriffe-usa/seite-2(28.04.2019)

29 Wörtlich aus dem arabischen: “Lesung“

30 https://zeltmacher.eu/koran/ (17.03.2019)

31 http://www.islamundkoran.net/de/welche-themen-werden-im-koran-besonders-angesprochen-2/ (22.04.2019)

32 https://www.zeit.de/2019/02/islam-koran-unterdrueckung-frauen-gewalt (24.04.2019)

33 https://www.alrahman.de/beitrag/darf-ich-den-koran-selbst-interpretieren/ (07.05.2019)

34 https://www.zeit.de/2016/42/hamed-abdel-samad-der-koran/seite-2 (21.05.2019)

35 „Vielgötterei“ Religionen, die mehrere Götter anbeten

36 https://www.journal21.ch/der-islam-eine-blutruenstige-religion (07.05.2019)

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Islamischer Staat.Theorie und Praktiken
Note
1,5
Autor
Jahr
2019
Seiten
31
Katalognummer
V489684
ISBN (eBook)
9783668955660
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamischer Staat, IS, Hausarbeit, theorie, Praxis
Arbeit zitieren
Tf Kv (Autor), 2019, Islamischer Staat.Theorie und Praktiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489684

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