Angesichts der einschneidenden Vorkommnisse wird im Rahmen dieser Seminararbeit zur Disposition gestellt, ob sich nach der sogenannten Somalia-Affäre ein Wandel in der nationalen Identität Kanadas feststellen lässt. Dabei wird dem Leser zunächst ein Einblick in ausgewählte UN-Einsätze Kanadas seit dem Ende des II. Weltkriegs gewährt, und, dem Forschungsthema entsprechend, detailliert auf den Konflikt im Suezkanal (1956) wie auch den Bürgerkrieg in Somalia (1993) eingegangen.
Des Weiteren werden im dritten Kapitel sämtliche Grundannahmen und Kernaussagen des Sozialkonstruktivismus, einer Theorie der Internationalen Beziehungen, resümiert und erklärt, um diese dann im Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit anhand einer theorienbasierten qualitativen Inhaltsanalyse auf Auszüge damaliger Parlamentsdebatten anzuwenden.
Schließlich werden im letzten Abschnitt dieser Seminararbeit die daraus erzielten Ergebnisse gegenübergestellt, durch ein Fazit zur durchgeführten Untersuchung abgerundet und in heutige wie ebenso zukünftige Chancen, Entwicklungen und Herausforderungen der kanadischen Außenpolitik ausgeblickt.
Als ein zentrales Element der nationalen Identität wie auch der Außenpolitik Kanadas zählt das sogenannte peace-keeping, also der Einsatz kanadischer Friedenstruppen in Krisengebieten, wie das Zitat des ehemaligen kanadischen Außen- und Premierministers Lester B. Pearson bei seiner Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 1957 für den maßgeblichen Beitrag zur Lösung der Suezkrise eindrucksvoll übermittelt.
In zahlreichen Missionen bewiesen sich kanadische UN-Blauhelmtruppen als stützendes Instrument, wenn es darum ging, einen Konflikt zu stillen, einen ausgehandelten Frieden langfristig zu sichern oder zusätzlich Menschen in Not zu helfen, sei es im Nahen Osten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn oder bei humanitären Aktionen in Asien und Afrika.
Seit dem letzten bedeutenden Einsatz mit kanadischer Beteiligung, und zwar 1993 in Somalia, wandelte sich jedoch das Bild der "Erfinder des peace-keeping", bei dem es während den offiziell von der UN beauftragten Missionen UNISOM I/II, entgegen der dort geltenden Einsatzregeln, zu massiven Verstößen und Gewaltakten vonseiten des kanadischen Militärs an der Zivilbevölkerung gekommen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgewählte peace-keeping – Missionen Kanadas
2.1 Suezkrise
2.2 Kanadische UN-Friedensmissionen von 1957 - 1992
2.3 Somalia–Affäre
2.4 Weitere Einsätze seit 1993
3. Theorie
3.1 Grundannahmen
3.2 Schlüsselbegriffe
4. Analyse ausgewählter Texte zur Suezkrise - Somalia-Affäre
4.1 Angewandte Methodik
4.2 Textauswahl & Inhaltsanalyse
5. Bewertung
5.1 Zusammenstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2 Kanadas Sicherheitsstrategie/Agenda
5.3 Vom peace-keeping zur Human Security Agenda
6. Resümee & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der nationalen Identität Kanadas im Kontext seiner Rolle als Friedensstifter, ausgehend von der positiven Wahrnehmung während der Suezkrise (1956) bis hin zur tiefen Erschütterung durch die Somalia-Affäre (1993), unter Anwendung sozialkonstruktivistischer Theorien.
- Identitätswandel durch UN-Friedensmissionen
- Vergleichende Analyse der Suezkrise und Somalia-Affäre
- Anwendung sozialkonstruktivistischer Analysebegriffe
- Einfluss militärischer Einsätze auf das nationale Selbstbild
- Neuausrichtung kanadischer Sicherheitsstrategien
Auszug aus dem Buch
Somalia-Affäre
Die Kampfhandlungen und Plünderungen führten zu einer Verschlechterung der Versorgungslage bis hin zur Hungersnot im Süden Somalias, die schätzungsweise 300.000 bis 500.000 Menschen das Leben kostete. Betroffen waren vor allem die sesshaft-bäuerlichen, politisch und militärisch schwachen Bewohner der Region, die zwischen die Fronten gerieten und sich kaum gegen Plünderungen und die Zerstörung ihrer landwirtschaftlichen Infrastruktur wehren konnten.
Die Hungersnot erhielt ab etwa Mitte 1992 Aufmerksamkeit in den internationalen Medien. Im selben Jahr beschlossen die Vereinten Nationen die Entsendung der UNOSOM-Mission, die zunächst einen Waffenstillstand zwischen den verfeindeten Gruppierungen überwachen sollte.
Als Teil dieser UN-Friedensmission beteiligte sich ebenso Kanada daran und schickte von Beginn an seine Truppen in das Krisengebiet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsthema ein, welches den Wandel der kanadischen Identität von der „Peace-keeping-Nation“ nach der Suezkrise bis zur Somalia-Affäre thematisiert.
2. Ausgewählte peace-keeping – Missionen Kanadas: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über ausgewählte UN-Einsätze Kanadas mit besonderem Fokus auf die Suezkrise und die Somalia-Affäre.
3. Theorie: Hier werden die sozialkonstruktivistischen Grundlagen dargelegt und die für die Analyse zentralen Schlüsselbegriffe wie „master narratives“ definiert.
4. Analyse ausgewählter Texte zur Suezkrise - Somalia-Affäre: Der methodische Teil beschreibt die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring auf Parlamentsdebatten und Dokumente.
5. Bewertung: In diesem Kapitel werden die Untersuchungsergebnisse zusammengeführt, auf die Theorie angewandt und die neue sicherheitspolitische Ausrichtung Kanadas diskutiert.
6. Resümee & Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftige kanadische Außen- und Verteidigungspolitik.
Schlüsselwörter
Kanada, Außenpolitik, Peace-keeping, Suezkrise, Somalia-Affäre, Nationale Identität, Sozialkonstruktivismus, Vereinte Nationen, Friedensmission, Human Security, Master narratives, Militäreinsätze, Identitätswandel, Sicherheitsstrategie, Konfliktbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Wandel des kanadischen Selbstbildes als „Friedensnation“ unter dem Einfluss bedeutender militärischer Auslandseinsätze im 20. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von UN-Friedensmissionen, der theoretischen Identitätsforschung und der kritischen Reflexion militärischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die Somalia-Affäre zu einer messbaren Veränderung in der nationalen Identität und der außenpolitischen Haltung Kanadas geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommt die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring zur Anwendung, um Texte auf Tonalitäten und politische Positionen hin auszuwerten.
Was ist der Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Missionen, eine theoretische Rahmung durch den Sozialkonstruktivismus und eine systematische Textanalyse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die „Meistererzählungen“ (master narratives), „gesellschaftliche Triumphe“ (chosen glories) und „gesellschaftliche Niederlagen“ (chosen traumas).
Welche Rolle spielt die Suezkrise für das kanadische Selbstverständnis?
Sie gilt als Gründungsmoment der modernen UN-Friedensmissionen und als positiver Beitrag zum kanadischen Selbstverständnis, den die Arbeit als „chosen glory“ klassifiziert.
Warum wird die Somalia-Affäre als Wendepunkt betrachtet?
Aufgrund von Berichten über Gewaltakte und Missstände innerhalb der kanadischen Truppen erschütterte der Einsatz das Ideal des integren „Blauhelmsoldaten“ und schwächte das nationale Vertrauen massiv.
- Citation du texte
- Alexander Schneider (Auteur), 2016, Der Wandel der nationalen Identität Kanadas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489697