Eigentumsverhältnisse in einem Fitnessstudio. Untersuchung der dortigen Rechte und Regeln

Basierend auf Schlager und Ostroms "Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis" (1992)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis (Schlager & Ostrom, 1992)

III. Das Fitnessstudio – Test der Eigentumsmatrix an einem modernen Beispiel

IV. Unstimmigkeiten zwischen Beispiel und Theorie? – Kritik an der Eigentumsmatrix

V. Fazit

VII. Anhang: Hausordnung: FIT STAR

VII. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Einleitung

„Der Besitz einer Sache wird durch die Erlangung der tatsächlichen Gewalt über die Sache erworben. Die Einigung des bisherigen Besitzers und des Erwerbers genügt zum Erwerb, wenn der Erwerber in der Lage ist, die Gewalt über die Sache auszuüben“ (Begriff Besitz nach § 854 BGB).

„Besitzt jemand eine Sache als Nießbraucher, Pfandgläubiger, Pächter, Mieter, Verwahrer oder in einem ähnlichen Verhältnis, vermöge dessen er einem anderen gegenüber auf Zeit zum Besitz berechtigt oder verpflichtet ist, so ist auch der andere Besitzer“ (Begriff mittelbarer Besitz nach § 868 BGB).

„Der Eigentümer einer Sache kann, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen“ (Eigentum nach § 903 BGB).

Die Definition von Besitz, sowie der Umgang mit diesem Eigentum sind gesetzlich eindeutig geregelt, so scheint es. Doch bei genauerer Betrachtung drängen sich Fragen auf. Was bedeutet es, Gewalt über eine Sache zu erwerben? Genügt es, diese Sache dafür in den Händen zu halten? Wie ist mit Dingen zu verfahren, die nicht haltbar oder greifbar sind? Was bedeutet es, Gewalt über eine Sache auszuüben? Bis zu welcher Grenze darf diese Gewalt ausgeübt werden und an welche Regeln ist das Ausüben dieser Gewalt gebunden? Wie ist mit Eigentum zu verfahren, das nur als Nießbraucher, Pächter, Mieter etc., d.h. nur „zum Teil“ besessen wird oder nur über eine gewisse Zeit? Welche Regeln sind zu beachten beim Umgang mit solch einem Eigentum? Wie weit reicht das „nach Belieben verfahren“ und inwieweit ist es überhaupt möglich „andere von jeder Einwirkung aus[zu]schließen“? Diese Fragen versucht das Eigentumsschema von Schlager und Ostrom soweit möglich zu beantworten. In ihrem Text „Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis” (1992) stellen die Autoren eine Eigentumsmatrix auf, anhand derer Personen gewisse Rechte und darauf aufbauend Regeln zugewiesen bekommen, je nach Position, die sie zum Eigentum einnehmen. Im Folgenden soll diese Theorie dargestellt werden. Anschließend wird versucht, diese Matrix an einem modernen Beispiel zu testen. In einem weiteren Abschnitt werden eventuelle Unstimmigkeiten zwischen Beispiel und Theorie analysiert und diese wird kritisch reflektiert. Ein Fazit schließt diese Arbeit ab.

II. Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis (Schlager & Ostrom, 1992)

Edella Schlager und Elinor Ostrom entwickeln in ihrem Artikel ein konzeptionelles Schema, mit dessen Hilfe Eigentumsrechts-Regime angeordnet werden können. Innerhalb dieses Schemas unterscheiden die Autoren zwischen Rechten von autorisierten Nutzern, Anspruchsstellern, Eigentümern und Besitzern. Anhand des Beispiels der Hummer-Industrie in Main illustrieren Schlager und Ostrom ihr Schema.

Zu Beginn ihres Artikels definieren die Autoren den Begriff des Allgemeinguts. Dieses kann entweder im Besitz einer Regierung oder einer Gemeinde sein oder aber von niemandem besessen werden (vgl. Schlager & Ostrom, 1992, S. 249). Für diesen Gemeinbesitz existieren verschiedene Regeln und Rechte, anhand derer bestimmt ist, wie mit dem Eigentum umzugehen ist: „Operational-Level Property Rights“ und „Collective-Choice-Level Property Rights“ (vgl. Kiser & Ostrom, 1982). Erstere beziehen sich auf Rechte, die physisch ausgeführt werden können, nämlich das Recht auf Gewährung von Zugang zum Eigentum sowie das Recht auf Aberkennung des Eigentums (vgl. ebd., 1992, S. 250).

„Collective-Choice-Level Property Rights“ beziehen sich hingegen in erster Linie auf gerichtlich ausführbare Rechte. Durch sie wird bestimmt, wer an der Formung und Definition von zukünftigen Rechten, die das Eigentum betreffen, beteiligt ist. Die Autoren unterscheiden hier zwischen einem Management-Recht, einem Exklusions-Recht sowie einem Eigentumsübertragungs-Recht:

„Management: The right to regulate internal use patterns and transform the resource by making improvements. Exclusion: The right to determine who will have an access right, and how that right may be transferred. Alienation: The right to sell or lease either or both of the above collective choice rights” (ebd., 1992, S. 251).

An dieser Stelle sei angemerkt, dass alle Rechte an gewisse Regeln gebunden sind, die es zu befolgen gilt, wenn man eben beschriebene Rechte hält und diese ausüben will. Es gilt demzufolge Rechte von Regeln zu unterscheiden, denn Regeln entstehen auf der Basis von Rechten und sind also keine Äquivalente. Für jedes Recht, das jemand hält, gibt es bestimmte Regeln, die die Umsetzung vorab definierter Handlungen benötigen, um überhaupt besagtes Recht ausführen zu können (vgl. Ostrom., 1976; Schlager & Ostrom, 1992, S. 250).

Die eben beschriebenen Rechte (das Recht auf Gewährung von Zugang zum Eigentum sowie das Recht auf Aberkennung des Eigentums, das Management-Recht für das Eigentum, das Exklusions- Recht vom Eigentum sowie das Eigentumsübertragungs-Recht) werden nicht alle in gleicher Weise zugestanden. Welches Recht ausgeführt werden darf, hängt von der Position der Person zum Eigentum ab, d.h. welche Stellung sie diesem gegenüber einnimmt. Schlager und Ostrom kategorisieren Personen anhand der Rechte, die sie bzgl. des Eigentums haben und unterscheiden so die Positionen des autorisierten Nutzers, des Anspruchsstellers, des Eigentümers sowie des Besitzers. Befindet sich die Person in der Position eines autorisierten Nutzers, so hält sie lediglich die „Operational-Level Property Rights“, d.h. das Recht auf Gewährung von Zugang zum Eigentum sowie das Recht auf Aberkennung des Eigentums. Als Anspruchssteller weiten sich die Rechte aus. Ein solcher hält neben den „Operational-Level Property Rights“ auch das Management-Recht für das Eigentum. Dem Eigentümer steht dazu noch das Recht auf Exklusion vom Eigentum zu. Letztlich hält der Besitzer alle „Operational-Level Property Rights“ und auch alle „Collective-Choice-Level Property Rights“:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. vgl. ebd., 1992, S. 252)

Die jeweiligen Eigentumsrechte sind unabhängig voneinander. Demzufolge ist es möglich das Recht auf Gewährung von Zugang zum Eigentum zu halten, das Recht auf Aberkennung des Eigentums jedoch nicht. Andererseits ist man automatisch im Besitz gewisser Rechte, wenn bereits einige Rechte zugestanden worden sind. So ist es bspw. nicht möglich, das Eigentum übertragen zu dürfen, ohne das Management-Recht für das Eigentum sowie das Exklusions-Recht vom Eigentum zu halten (vgl. ebd., 1992, S. 251f).

Die Herkunft besagter Rechte variiert. So können sie einerseits durch eine Regierung vollstreckt und durchgesetzt werden, die den Eigentumsnutzern deren Rechte explizit garantiert. In einem solchen Fall sprechen die Autoren von sogenannten „De Jure Property Rights“. Als De jure (lateinisch für „laut Gesetz“, „rechtlich betrachtet (nach geltendem Recht)“, „legal“, „offiziell“, „amtlich“) wird ein Umstand bezeichnet, der durch entsprechende Institutionen formal festgelegt ist. De Jure bezeichnet rechtliche Soll-Zustände (vgl. Duden, 2013). Werden De Jure Rechte angefochten, so können die Besitzer dieser Rechte davon ausgehen bei jener Anfechtung vom Gesetzt unterstützt zu werden. De Jure Rechte sind also offizielle, formale Rechte, die in der Praxis durchgesetzt und gegebenenfalls auch erzwungen werden können und denen somit Folge geleistet wird (vgl. Foldvari, 2017).

Eine andere Möglichkeit, wo diese Rechte ihren Ursprung finden, ist inmitten der Nutzer des Eigentums. Diese Rechte gleichen ungeschriebenen Gesetzen. Die Nutzer des Eigentums definieren ihre Rechte an besagtem Eigentum einerseits daran, wie sie es gewohnt sind, sich innerhalb ihrer Gemeinde zu verhalten und andererseits daran, welche sozialen Interaktionen sich am erfolgreichsten bewähren. Schlager und Ostrom nennen diese Rechte „De Facto Property Rights“. Mit De Facto (lateinisch für „nach Tatsachen“, „nach Lage der Dinge“, „in der Praxis“, „tatsächlich“) wird ein Umstand benannt, der als weit verbreitet und allgemein anerkannt gilt, auch wenn er nicht durch entsprechende Institutionen formal (als De Jure) festgelegt ist (vgl. Duden, 2013). De Facto Rechte werden folglich nicht gesetzlich unterstützt, aufgrund dessen sie eher angefochten werden und auch eher scheitern. De Facto Rechte zeigen sich als ausgeführte Praktiken und werden durch unterschiedliche Outcomes reflektiert (vgl. Foldvari, 2017).

Die Differenzierung zwischen De Jure und De Facto Rechten ist essentiell, um zu verstehen, wie bei Betrachtung der internationalen Ebene in den jeweiligen Regionen oder Ländern unterschiedliche sozioökonomische Ergebnisse / Erfolge / Resultate zustande kommen (vgl. Feld & Voigt, 2003; Pande und Udry, 2006; Voigt 2013).

De Jure und De Facto Rechte überlappen oft, ergänzen sich gegenseitig oder befinden sich einstweilen im Widerstreit zueinander (vgl. Schlager & Ostrom., 1992, S. 254f).

„Different bundles of property rights, whether they are de facto or de jure, affect the incentives individuals face, the types of actions they take, and the outcomes they achieve” (ebd., 1992, S. 256).

De Facto und De Jure Rechte beeinflussen zudem die Anreize der Individuen, wenn es um Investitionen in das jeweilige Eigentum geht. Demzufolge haben Besitzer stärkere Anreize in ihr Eigentum zu investieren, als andere Nutzer, die nicht das Recht der Eigentumsübertragung halten.

Indem Besitzer ihre „Collective-Choice-Level Property Rights“ verkaufen, sind sie in der Lage, von ihren Investitionen zu profitieren.

Genauso wie Besitzer, so sind auch Eigentümer sehr an Investitionen in das Eigentum interessiert, da sie entscheiden dürfen, wer Zugang zum Eigentum erhält und wer nicht oder wer letztlich von den Investitionen profitieren soll.

Anspruchssteller und autorisierte Nutzer hingegen investieren mit geringerer Wahrscheinlichkeit in das Eigentum. Beide Positionen können nicht sicher sein, dass sie tatsächlich von ihren Investitionen profitieren werden (ebd., 1992, S. 256f).

Eben beschriebene Theorie verdeutlichen Schlager und Ostrom letztlich an einem Beispiel. Sie betrachten die Eigentumsverhältnisse innerhalb der Fischerdörfer rund um die Stadt Main in den USA und vergleichen die Dörfer in Nord-Main mit denen in Süd-Main.

Die Regierung von Main vergab Hummerfang-Genehmigungen an alle Fischer mit gewissen Lizenzen. Diese Genehmigungen machten die Fischer De Jure zu autorisierten Nutzern, d.h. ihre Rechte wurden vom Gesetzt unterstützt. Da durch eben diese De Jure Rechte nicht ausreichend geregelt war, wer wo fischen darf, wie gefischt werden darf usw., entwickelten die Fischer zusätzlich untereinander De Facto Rechte, die eben jene Konfliktherde lösen sollten. Die Fischer etablierten Management-Rechte für den Fischergrund. Sollten diese Rechte umgangen werden, drohten Sanktionen durch andere Fischer. Auf diese Weise waren die Fischer von Main zwar nach wie vor De Jure nur autorisierte Nutzer, De Facto aber wurden sie zu Eigentümern.

Durch den technischen Fortschritt wurde jedoch der Kontext für die etablierten De Facto Rechte so verändert, dass diese in Nord-Main nicht länger aufrecht gehalten werden konnten. Da es durch neue Motorboote nun möglich war, auch weiter draußen zu fischen, waren die Fischer von Nord- Main dazu gezwungen, auch andere Fischer in „ihrem“ Gebiet zu dulden. Auf diese Weise entwickelte sich das geschaffene De Facto System näher in Richtung des De Jure Systems.

In Süd-Main hingegen blieben die De Facto Rechte weitgehend bestehen. Die dortigen Umweltbedingungen unterschieden sich von denen in Nord-Main so sehr, dass der technische Fortschritt keine Veränderung der De Facto Rechte zur Folge hatte. Aufgrund weniger großflächiger Gewässer konnte auch mit Motorbooten nicht weiter draußen gefischt werden, als ohne. Die De Facto Rechte galten weiterhin und entwickelten sich nicht wie in Nord-Main in Richtung der De Jure Rechte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Eigentumsverhältnisse in einem Fitnessstudio. Untersuchung der dortigen Rechte und Regeln
Untertitel
Basierend auf Schlager und Ostroms "Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis" (1992)
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V489752
ISBN (eBook)
9783668996601
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eigentumsverhältnisse, conceptual, resources, natural, regimes, property-rights, ostroms, schlager, basierend, regeln, rechte, untersuchung, fitnessstudio, analysis
Arbeit zitieren
Julia Zuber (Autor), 2017, Eigentumsverhältnisse in einem Fitnessstudio. Untersuchung der dortigen Rechte und Regeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489752

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eigentumsverhältnisse in einem Fitnessstudio. Untersuchung der dortigen Rechte und Regeln


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden