Die Definition von Besitz, sowie der Umgang mit diesem Eigentum sind gesetzlich eindeutig geregelt, so scheint es. Doch bei genauerer Betrachtung drängen sich Fragen auf. Was bedeutet es, Gewalt über eine Sache zu erwerben? Genügt es, diese Sache dafür in den Händen zu halten? Wie ist mit Dingen zu verfahren, die nicht haltbar oder greifbar sind? Was bedeutet es, Gewalt über eine Sache auszuüben? Bis zu welcher Grenze darf diese Gewalt ausgeübt werden und an welche Regeln ist das Ausüben dieser Gewalt gebunden?
Wie ist mit Eigentum zu verfahren, das nur als Nießbraucher, Pächter, Mieter etc., d.h. nur "zum Teil" besessen wird oder nur über eine gewisse Zeit? Welche Regeln sind zu beachten beim Umgang mit solch einem Eigentum? Wie weit reicht das "nach Belieben verfahren" und inwieweit ist es überhaupt möglich "andere von jeder Einwirkung aus[zu]schließen"? Diese Fragen versucht das Eigentumsschema von Schlager und Ostrom soweit möglich zu beantworten.
In ihrem Text "Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis" (1992) stellen die Autoren eine Eigentumsmatrix auf, anhand derer Personen gewisse Rechte und darauf aufbauend Regeln zugewiesen bekommen, je nach Position, die sie zum Eigentum einnehmen. Im Folgenden soll diese Theorie dargestellt werden. Anschließend wird versucht, diese Matrix an einem modernen Beispiel zu testen. In einem weiteren Abschnitt werden eventuelle Unstimmigkeiten zwischen Beispiel und Theorie analysiert und diese wird kritisch reflektiert. Ein Fazit schließt diese Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis (Schlager & Ostrom, 1992)
III. Das Fitnessstudio – Test der Eigentumsmatrix an einem modernen Beispiel
IV. Unstimmigkeiten zwischen Beispiel und Theorie? – Kritik an der Eigentumsmatrix
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Eigentumstheorie von Schlager und Ostrom (1992) auf ein modernes, alltägliches Beispiel: das Fitnessstudio. Dabei wird analysiert, wie sich die rechtlich fixierten De-Jure-Rechte der Mitglieder zu den in der Praxis entstehenden, informellen De-Facto-Rechten verhalten und ob die Theorie in der Lage ist, die im Fitnessstudio auftretenden Eigentums- und Nutzungsverhältnisse sowie die daraus resultierenden Anreizstrukturen adäquat abzubilden.
- Grundlagen der Eigentumsmatrix nach Schlager und Ostrom (1992)
- Differenzierung zwischen De-Jure- und De-Facto-Eigentumsrechten
- Empirische Analyse der Eigentumsverhältnisse in einem modernen Fitnessstudio
- Kritische Reflexion der theoretischen Konzepte in der Anwendungspraxis
Auszug aus dem Buch
III. Das Fitnessstudio – Test der Eigentumsmatrix an einem modernen Beispiel
Nachdem die Eigentumstheorie von Schlager und Ostrom nun dargestellt und deren Klassifizierungsmatrix erläutert ist, wird im Folgenden versucht, deren Überlegungen auf ein modernes und alltägliches Beispiel zu übertragen. Für diese Arbeit wird das Beispiel einer Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio gewählt. Welche Rechte kommen den Mitgliedern und den Mitarbeitern De Jure und De Facto dort zu und an welche Regeln halten sie sich? Wie verhalten sich De Jure und De Facto Rechten zueinander und welche Positionen nehmen die Mitglieder und die Mitarbeiter anhand ihrer Rechte und Regeln bzgl. des Eigentums (der Fitnessgeräte) ein? Wo überlappen oder ergänzen sich diese, oder konfligieren? Gibt es einen Punkt, an dem auch im Fitnessstudio De Facto Rechte wieder in Richtung der De Jure Rechte evolvieren? Diese Fragen sollen im kommenden Abschnitt beantwortet werden.
Auch ein Fitnessstudio ist in diesem Sinne ein Allgemeingut. Es handelt sich um einen Raum, der öffentlich nutzbar ist, sich jedoch in privatem Besitz befindet (vgl. Berding et Al., 2007, S.95). Daher besteht auch Grund zur Annahme, dass ein Raum wie das Fitnessstudio, das scheinbar öffentlich nutzbar ist, nicht ausschließlich öffentlichen Regeln und Gesetzen unterliegt (vgl. Berding et Al. 2007, S.95). Wie sich zeigt, existieren für das Fitnessstudio Regeln und Rechte, anhand derer bestimmt ist, wie mit den dortigen Geräten umzugehen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die gesetzliche Definition von Besitz und Eigentum ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, das Eigentumsschema von Schlager und Ostrom an einem Fitnessstudio zu testen.
II. Property-Rights Regimes and Natural Resources: A Conceptual Analysis (Schlager & Ostrom, 1992): Dieses Kapitel erläutert das konzeptionelle Schema von Schlager und Ostrom sowie die Unterscheidung zwischen De-Jure- und De-Facto-Rechten anhand der Hummer-Industrie in Main.
III. Das Fitnessstudio – Test der Eigentumsmatrix an einem modernen Beispiel: Hier wird die Theorie auf eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio übertragen, um die dortigen Eigentumsverhältnisse und die Diskrepanz zwischen vertraglichen Regelungen und gelebter Praxis zu untersuchen.
IV. Unstimmigkeiten zwischen Beispiel und Theorie? – Kritik an der Eigentumsmatrix: Das Kapitel identifiziert Schwachstellen in der Theorie, da die Eigentumspositionen im Fitnessstudio nicht deckungsgleich mit den Annahmen von Schlager und Ostrom sind.
V. Fazit: Das Fazit schließt die Arbeit ab, indem es die Anwendbarkeit des Grundschemas würdigt, aber auf die Notwendigkeit einer kontextabhängigen Betrachtung der Eigentumspositionen hinweist.
Schlüsselwörter
Eigentumsmatrix, Schlager und Ostrom, De Jure, De Facto, Eigentumsrechte, Fitnessstudio, Nutzungsrechte, Operational-Level Property Rights, Collective-Choice-Level Property Rights, Gemeingut, Anreize, Institutionelle Arrangements, Hausordnung, Eigentumsübertragung, Soziologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eigentums- und Nutzungsverhältnisse in einem Fitnessstudio auf Basis der theoretischen Eigentumsmatrix von Schlager und Ostrom.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von De-Jure- und De-Facto-Rechten, der Analyse von Regelwerken (Hausordnung) und dem Vergleich von theoretischen Modellen mit der täglichen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die Theorie von Schlager und Ostrom auf ein modernes, alltägliches Beispiel wie ein Fitnessstudio übertragbar ist und wo sich Lücken im theoretischen Erklärungsansatz zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine theoretische Analyse der Eigentumsrechte durchgeführt, die durch eine fallbasierte Anwendung auf ein Fitnessstudio (FIT STAR) illustriert und kritisch reflektiert wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Theorie, die Anwendung auf das Fitnessstudio, die Analyse von Konflikten zwischen vertraglichen und gelebten Regeln sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Eigentumsmatrix, De-Jure-Rechte, De-Facto-Rechte, Fitnessstudio, Eigentumsrechte, Gemeingut und institutionelle Anreize.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen De-Jure- und De-Facto-Rechten im Fitnessstudio?
Diese Unterscheidung ist notwendig, da Mitglieder in der Praxis oft eigenmächtig Rechte ausüben (z.B. Gerätebesetzung), die ihren vertraglich (De Jure) festgelegten Rechten als autorisierte Nutzer widersprechen.
Welches zentrale Ergebnis liefert die Arbeit hinsichtlich der Anwendbarkeit der Theorie?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Modell zwar ein gutes Grundschema bietet, jedoch je nach Fallbeispiel die Rechte unterschiedlich stark ausfallen oder entfallen können, was eine genauere Betrachtung des Kontextes erfordert.
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- Julia Zuber (Author), 2017, Eigentumsverhältnisse in einem Fitnessstudio. Untersuchung der dortigen Rechte und Regeln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489752