Welche Chancen und Risiken ergeben sich für die traditionellen Geschäftsmodelle von Banken durch den Markteintritt von FinTechs?


Bachelorarbeit, 2018
57 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Problemstellung
1.1 Aktualitat des Themas
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Gang der Untersuchung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Universalbanken
2.1.1 Drei-Saulen-Struktur
2.1.2 Das Geschaftsmodell einer Sparkasse
2.1.3 Auswirkungen der Finanzkrise auf das deutsche Bankwesen
2.2 FinTech
2.2.1 Definition
2.2.2 Geschaftsbereich

3. Veranderungen im Marktumfeld
3.1 Einfluss der Digitalisierung
3.2 FinTech-Markt in Deutschland
3.3 Praxisbeispiel PayPal
3.3.1 Untemehmensgeschichte
3.3.2 Bedienung und Produktmerkmale
3.3.3 Geschaftsmodell
3.3.4 Auswirkungen auf das Geschaftsmodell von Kreditinstituten

4. SWOT-Analyse fur das Geschaftsmodell von traditionellen Kreditinstituten
4.1 Starken und Schwachen von Kreditinstituten
4.2 Chancen und Risiken durch FinTechs
4.3 Zusammenfassende Matrixdarstellung
4.4 Handlungsempfehlung fur Kreditinstitute

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bankengruppen in Deutschland

Abbildung 2: Sparkassen-Finanzkonzept

Abbildung 3: Technologische Anwendungsgebiete von FinTech-Untemehmen

Abbildung 4: Ubersicht der FinTech-Untemehmen nach Geschaftsbereichen

Abbildung 5: Anzahl FinTech-Neugrundungen seit

Abbildung 6: Ubersicht der FinTech-Untemehmen nach Geschaftsbereichen

Abbildung 7: Firmenlogo PayPal

Abbildung 8: Anmelde- und Startseite derPayPal-App

Abbildung 9: MoneyPool PayPal

Abbildung 10: Leistungskennzahlen fur das Geschaftsjahr

Abbildung 11: iZettle Kartenlesegerat

Abbildung 12: Entwicklung des EZB-Leitzinses

Abbildung 13: Ranking nach Investitionen in die Strategic im letzten Geschaftsjahr35 Abbildung 14: Ergebnisse der SWOT-Analyse

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Digital is the main reason just over half of the Fortune 500 companies have disappeared since the year 2000.”

-Pierre Nanterme1

1. Problemstellung

In diesem Kapitel wird zunachst das Thema vorgestellt. AnschlieBend wird die zentrale Fragestellung dieser Arbeit formuliert und die weitere Vorgehensweise naher erlautert.

1.1 Aktualitat des Themas

Die Digitalisierung hat innerhalb eines Jahrzehnts zu massiven Veranderungen im Alltag wie auch in der Wirtschaft gefuhrt, die nachhaltig unser Leben beeinflussen. Der Struk- turwandel durch die Digitalisierung ist gegenwartig und wird unsere Gesellschaft noch starker verandern. Der Strukturwandel zwingt auch Unternehmen dazu, sich umzustellen. Diese brauchen in Zukunft mehr digitale Losungen, um den neuen Anforderungen unse- rer Gesellschaft und insbesondere der Konsumenten gerecht zu werden.2 Diese Entwick- lung ist hierzulande auch unter dem Begriff „Industrie 4.0“ bekannt geworden, dass den weitreichenden Wandel des wirtschaftlichen Umfeldes umfasst.3

Wie tiefgreifend die Auswirkungen der Digitalisierung auf einzelne Branchen sein kon- nen, zeigt ein Beispiel aus dem Einzelhandel. Vor nicht allzu langer Zeit fand der Konsum ausschlieBlich im stationaren Einzelhandel statt, also beispielsweise im Ladengeschaft um die Ecke. In der heutigen Zeit mussen sich immer mehr Einzelhandler aus dem Ge- schaft zuruckziehen und nur sehr wenige verdienen dauerhaft Uberschusse. Die Digitali­sierung fuhrt zu einer stetigen Verlagerung der Handelsumsatze vom stationaren Einzel­handel in das Onlinegeschaft.4 Somit besteht bei einer nicht erfolgten Umstellung an die veranderten Anforderungen des Marktes die Gefahr, vom Markt verdrangt zu werden.5

Das Beispiel verdeutlicht ebenfalls, dass durch die Digitalisierung neue Chancen entste- hen.

Daruber hinaus sind die Auswirkungen der Digitalisierung in der Finanzindustrie spurbar. Die Anzahl der beleghaften Uberweisungsauftrage haben sich deutlich reduziert und wer- den in Zukunft noch weiter an Relevanz verlieren. Zahlreiche Kunden setzen vermehrt auf neue digitale Technologien und tatigen ihre Bankgeschafte bereits mobil.6 Jungstes Beispiel dafur ist der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard. Das Untemehmen profi- tiert vom Trend zum bargeldlosen Bezahlen. Die Wirecard AG ist, gemessen am Borsen- wert, erstmals mehr wert als die Deutsche Bank und wird ab Ende September 2018, die Commerzbank im DAX7 ersetzen.8

Die Wirecard AG ist ein bekanntes Beispiel fur ein Finanztechnologieunternehmen, kurz FinTech genannt. FinTechs haben sich auf benutzerfreundliche Losungen fur Smartpho­nes und Tablets in Form von Apps und webbasierten Anwendungen spezialisiert. Der Nutzungsbereich dieser Anwendungen liegt beispielsweise im Zahlungsverkehr, der Geldanlage oder dem Kreditgeschaft.9 Demnach sind FinTechs Untemehmungen, die Fi- nanzdienstleistungen entwickeln und anbieten. Ihre Dienste werden immer bekannter und beliebter. Gleichzeitig betreten sie Geschaftsfelder, die traditionell von Banken und Spar- kassen beherrscht werden.10

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Die Digitalisierung fuhrt auch in der Bankenbranche zu gravierenden Veranderungen. Im Rahmen dieser Arbeit soil untersucht werden, welche Auswirkungen fur traditionelle Banken durch den Markteintritt von FinTechs bestehen.

Die vorliegende Arbeit betrachtet den Finanzplatz in Deutschland. Das Geschaftsmodell von Banken, primar von Sparkassen, wird dabei genauer betrachtet. Ferner werden neben deutschen FinTechs auch auslandische FinTech-Untemehmen betrachtet, die hierzulande

Geschafte betreiben. Hierbei wird der Fokus auf dem amerikanischen Online-Bezahl- dienstleister PayPal liegen.

1.3 Gang der Untersuchung

Neben der Einleitung gliedert sich die Arbeit in vier weitere Teile mit folgenden inhaltli- chen Betrachtungen:

Das zweite Kapitel setzt sich mit den theoretischen Grundlagen auseinander. Dabei wird zu Beginn das deutsche Bankensystem vorgestellt und das Geschaftsmodell von Univer- salbanken betrachtet. Im Anschluss werden FinTechs naher beschrieben und definiert. Auch werden die Handlungsfelder dieser Unternehmen veranschaulicht.

Im dritten Kapitel wird der FinTech-Markt in Deutschland dargestellt, um einen umfas- senden Uberblick uber die aktuelle Situation zu vermitteln. AnschlieBend wird ein Pra- xisbeispiel aufgefuhrt. In diesem wird der amerikanische Online-Bezahldienstleister PayPal exemplarisch vorgestellt und analysiert. Zum Ende des Kapitels wird betrachtet, ob das Geschaftsmodell potentielle Auswirkungen auf etablierte Kreditinstitute hat.

Das vierte Kapitel veranschaulicht die Starken und Schwachen von Universalbanken. Auch werden die Chancen und Risiken fur traditionelle Kreditinstitute durch den Markt- eintritt von FinTechs beurteilt. Es werden die Kernkompetenzen beider Geschaftsmodelle herausgearbeitet und verglichen. Des Weiteren werden die Ergebnisse aus der internen und extemen Analyse in Form einer Matrix des SWOT-Modells dargestellt. Im Anschluss werden Handlungsempfehlungen fur traditionelle Banken formuliert. Diese sollen die Antwort auf die Frage liefern, wie traditionelle Kreditinstitute strategisch mit FinTechs umgehen sollten.

Im letzten Abschnitt werden die zentralen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und die Problemstellung reflektiert. Dies bildet die Grundlage fur ein abschlieBendes Fa- zit und eine Prognose fur die Zukunft.

2. Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel wird das deutsche Bankensystem vorgestellt. AnschlieBend wird das Geschaftsmodell von Sparkassen naher beschrieben und analysiert. Hierbei wird auch das Sparkassen-Finanzkonzept erlautert. Zum Ende des Kapitels wird die Entstehung der Fi- nanzkrise erklart und mogliche Auswirkungen auf den Bankensektor betrachtet.

2.1 Universalbanken

Nach §1 KWG definieren sich Kreditinstitute danach, ob sie gewerbsmaBige Bankge- schafte betreiben. Zu diesen zahlen unter anderem das Einlagengeschaft, das Kreditge- schaft und das Depotgeschaft. Ferner definiert das KWG Finanzdienstleistungsunterneh- men, die keine Kreditinstitute darstellen. Diese erbringen Leistungen wie zum Beispiel Anlagenberatungen oder Abschlussvermittlungen.11

Universalbanken sind Kreditinstitute, die grundsatzlich alle ublichen Bankdienstleistun- gen anbieten. Dazu gehoren beispielsweise die Einlagen,- Kredit- und Effektengeschafte sowie der Zahlungsverkehr. Spezialkreditinstitute sind Banken die auf wenige Arten von Bankdienstleistungen spezialisiert sind, wie zum Beispiel die KfW (Kreditanstalt fur Wiederaufbau) oder Bausparkassen.12

Das Universalbankensystem unterscheidet sich vom Trennbankensystem der angelsach- sischen Lander wie beispielsweise Frankreich oder England, welche eine Trennung des kommerziellen Bankgeschafts vom Investment-Banking vomehmen. Wahrend das kom- merzielle Bankgeschaft das Einlagen- und Kreditgeschaft sowie den Zahlungsverkehr und den Geld- und Devisenhandel umfasst, ist das Investment-Banking durch eine Kapi- talmarkt- und Wertpapierorientierung gekennzeichnet.13

Universalbanken sind eine wichtige Finanzierungsquelle fur mittelstandische Unterneh- men und Privatpersonen. Fur die Volkswirtschaft in Deutschland ist das deutsche Ban- kenwesen unverzichtbar. Dabei agieren Banken als Finanzintermediare14 zwischen dem Finanzmarkt und den Marktteilnehmem. Das Vertrauen der Kunden in den deutschen Bankensektor nimmt eine entscheidende Rolle ein.15

2.1.1 Drei-Saulen-Struktur

In der Literatur wird deutsche Bankensystem in drei verschiedenen Sektoren unterteilt.16 Zu den offentlich-rechtlichen Kreditinstituten zahlen Sparkassen und Landesbanken. Sie unterliegen einer Kommune oder dem Landkreis ihres Geschaftsgebietes. Sie sollen die Vermogensbildung und die Kreditversorgung der Burger in ihrem Geschaftsgebiet sicher- stellen. Nach §6 des Sparkassengesetzes sind Sparkassen zur Gemeinnutzigkeit verpflich- tet. Femer ist aufgrund des Regionalprinzips das Geschaftsgebiet von Sparkassen auf ein bestimmtes Gebietbegrenzt.17 18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bankengruppen in Deutschland18

Der Genossenschaftssektor ist die zweite Saule des deutschen Bankensystems. Genos- senschaftsinstitute wie Volks- und Raiffeisenbanken definieren sich uber die Mitglied- schaft ihrer Kunden und tragen als Rechtsform die eingetragene Genossenschaft (eG). Dabei profitieren die Kunden vom wirtschaftlichen Erfolg der Bank und konnen bei gewissen Entscheidungen der Bank mitbestimmen. Wie bei den offentlich-rechtlichen Untemehmen steht auch hier die Gewinnerzielungsabsicht nicht im Vordergrund.19

Zudem gibt es noch den privaten Kreditbankensektor. Zu diesem Sektor zahlen GroBban- ken wie beispielsweise die Deutsche Bank oder Commerzbank. Daruber hinaus gehoren auch Regionalbanken, Privatbankiers sowie Zweigstellen auslandischer Banken zu die­sem Sektor. Sie verfolgen das Ziel der Gewinnmaximierung. Dabei ist das Geschaftsge- biet nicht regional beschrankt.20

2.1.2 Das Geschaftsmodell einer Sparkasse

Vor rund 200 Jahren begann die Entstehung der Sparkassen. Die dezentral ausgerichteten Institute bieten grundsatzlich alle Bankgeschafte fur jedermann an.21 Der Schwerpunkt liegt auf der Hereinnahme von Spareinlagen und der Vergabe von mittel- bis langfristigen Krediten. Sparkassen haben ein stark ausgepragtes Filialnetz und sind sowohl in Stadten als auch in landlichen Regionen vertreten. Das Privatkundengeschaft ist fur sie wichtig und damit verbunden die personliche und filialgebundene Beratung.22 23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sparkassen-Finanzkonzept23

Um die unterschiedlichen Bedurfnisse der Kunden zu analysieren, verwenden Sparkassen die abgebildete Bedurfnispyramide. Sie ist ursprunglich von Abraham Maslow24 entwi- ckelt und ist speziell fur Finanzprodukte ausgelegt. Das Modell nach Maslow beschreibt die Bedurfnisse der Menschen ausgehend davon, dass diese hierarchisch gestaffelt sind und stufenweise angestrebt werden.25

Die obere Abbildung veranschaulicht auf der ersten Stufe der Pyramide die Kontoverbin- dung als Grundbedurfnis fur Finanzprodukte. Ohne eine Kontoverbindung konnen Men­schen heutzutage nicht mehr auskommen, da Zahlungen elektronisch ausgefuhrt werden.

Auf der nachsten Stufe wird das Bedurfnis nach Sicherheit durch verschiedene Versiche- rungen gewahrleistet. Das konnen beispielsweise Sachversicherungen sein, wie etwa eine Hausrats- oder Haftpflichtversicherung, die vor groBen Verlusten bei Schaden oder Dieb- stahl schutzen sollen.26 Aber auch Personenversicherungen, wie zum Beispiel eine Be- rufsunfahigkeitsversicherung konnen zur Absicherung gewisser Risiken beitragen.27

Auf der dritten Stufe sorgen Finanzanlagen oder Immobilienfinanzierungen dafur, dass die Moglichkeit des Erwerbs von Eigentum besteht oder wichtige Anschaffungen in der Zukunft getatigt werden konnen. Kreditinstitute bieten die Moglichkeit zur Kreditauf- nahme, um das geplante Vorhaben umzusetzen. Zudem hat sich der staatlich geforderte Bausparvertrag als Sparform sehr verbreitet.28

Der Baustein Altersvorsorge dient zur Bildung von Altersrucklagen, um die gesetzliche Grundabsicherung zu erganzen. Eine bekannte Sparform fur die Altersvorsorge ist die Riester-Rente, die ebenfalls staatlich gefordert wird.

Auf der hochsten Stufe geht es um das stetige Wachstum und den langfristen Erhalt des Vermogens. Dazu zahlt auch der Wunsch des Kunden nach einem individuell abgestimm- ten Produkt im Bereich der Geldanlage.29

Um das Geschaftsmodell der Sparkassen zu beschreiben, ist es zuallererst erforderlich, den Begriff zu definieren. Ein Geschaftsmodell ist ein Konzept, dessen Ziel es ist, einen Mehrwert fur den Kunden zu erzeugen und einen Ertrag zu sichern.30 Das Geschaftsmo­dell der Sparkasse basiert darauf, den Kunden grundsatzlich alle Bankgeschafte aus einer Hand anzubieten. Durch die gesamte Abdeckung hat der Kunde mehrere Vorteile. Zum einen hat dieser einen gesamten Uberblick uber seine eigenen Finanzen. Die Sparkasse kann ihn aufgrund vorhandener Informationen individuell und ganzheitlich beraten. Zum anderen lassen sich Kostenvorteile mit dem Abschluss mehrerer Finanzprodukte beim gleichen Institut realisieren.31 Der Bedarf an Zahlungsverkehr, Absicherung, Finanzie- rung und Altersvorsorge wird befriedigt. Zudem haben Kunden zu den Offnungszeiten der Bank einen personlichen Ansprechpartner vor Ort.

Bei der Betrachtung des Geschaftsmodells ist auch die Ertragsdimension sehr bedeutsam. Dabei bildet die Grundlage der Geschaftstatigkeit von Banken die sogenannte Fristen- transformation. Banken konnen kurzfristige Einlagen der Kunden langerfristig auslei- hen.32 Dieser Tatbestand stellt einen VerstoB gegen die goldene Bankregel dar. Aufgrund langjahriger Bankerfahrung ist innerhalb gewisser Grenzen eine Abweichung von dieser Regel moglich, da selbst bei taglich zur Verfugung stehenden Geldern ein bestimmter Bodensatz auf dem Konto verbleibt.33

Banken erbringen Leistungen, die am Markt nachgefragt werden. Die Entgelte fur diese Marktleistungen werden als Erlose bezeichnet. Bankleistungen lassen sich in Betriebser- lose und Werterlose einteilen. Zu den Betriebserlosen zahlen beispielsweise Provisions- ertrage durch die Vermittlung von Wertpapieren oder Versicherungen. Fur die Vermitt- lung erhalt die Bank Provisionen von Kooperationspartnern. Auch Entgelte aus dem Zah­lungsverkehr, Kontogebuhren sowie Bearbeitungsgebuhren fur Kredite zahlen zu Be­triebserlosen. Zu den Werterlosen zahlen Zinserlose aus Krediten sowie Zins- und Divi- dendenerlose aus Geldanlagen der Bank.34

Im Zuge der Digitalisierung hat sich das Kundenverhalten gravierend verandert. In Bezug auf Finanzprodukte verlangen Konsumenten heutzutage eine hohere Transparenz. Diese informieren sich verstarkt online oder mobil uber Preise und Zinsen. Das klassische Fili- algeschaft weist zunehmend rucklaufige Zahlen aus, da Konsumenten Finanzentschei- dungen ohne Bankberatung treffen.35 Banken und Sparkassen haben diese Veranderun- gen wahrgenommen. Die Reaktion auf diese Veranderungen erfolgte bisher nur bedingt durch beispielsweise flexiblere Offnungszeiten, oder Online-Beratungen. Allerdings er- fordert die Digitalisierung das konsequente Hinterfragen des heutigen Vertriebsmodells ausgehend vom Kunden, den Aufbau neuer digitaler Prozesse und die Vorbereitung der Organisation auf den Wandel der Kundenanforderungen.36

2.1.3 Auswirkungen der Finanzkrise auf das deutsche Bankwesen

Die Finanzkrise aus dem Jahr 2008 brachte Banken weltweit in finanzielle Schwierigkei- ten. Ausgangspunkt dieser globalen Finanz- und Wirtschaftskrise waren der Absturz der Immobilienpreise und der Anstieg der Hypothekenzinsen. Zahlreiche Familienhaushalte und Untemehmen gerieten in die Zahlungsunfahigkeit. Vor dem Ausbruch der Immobi- lienkrise, die auch als Subprime-Krise bezeichnet wird, wurden Kredite zum Kauf von Wohneigentum vermittelt. Dabei richteten sich diese Immobilienkredite vomehmlich an Menschen mit geringer Bonitat und geringem Einkommen. Die Kredite wurden von den Banken in strukturierte Wertpapiere gebundelt und an andere Banken und institutionelle Anleger weltweit verkauft. In Deutschland wurden diese strukturierten Wertpapiere eben- falls gekauft, da die Risiken nicht erkannt wurden. Die Kredite waren mit variablen Zins- satzen ausgestattet, so dass sie im Zuge der Krise stark anstiegen und nicht mehr zuruck- gezahlt werden konnten. Folglich reduzierten sich die Immobilienwerte und viele Hauser mussten zwangsversteigert werden. Zahlreiche Banken nahmen zum Teil so hohe Ab- schreibungen vor, dass sie Insolvenz anmeldeten. Infolgedessen gerieten immer mehr Banken und Untemehmen unter Liquiditatsschwierigkeiten, so dass sich aus einer Fi­nanzkrise eine globale Weltwirtschaftskrise entwickelte.37

Um den Bankensektor zu stabilisieren, sind hohere regulatorische Anforderungen einge- fuhrt worden, wie zum Beispiel die Veroffentlichung des Regelwerks fur Basel III. Die in 2010 eingefuhrte RegulierungsmaBnahme sieht vor, dass Banken ihre Eigenkapital- quote38 erhohen, um mogliche Verluste aus dem Geschaftsbetrieb auszugleichen. Dadurch soil auch die finanzielle Stabilitat erhoht und die Abhangigkeit von Fremdkapi- talgebem reduziert werden. Zudem sind Banken verpflichtet, den Eigenhandel zu redu- zieren, um sich starker auf das traditionelle Bankgeschaft zu konzentrieren.39

Aufgrund der Finanzkrise haben Banken ihr Geschaftsmodell an die gestiegenen regula- torischen Anforderungen anpassen mussen. Auf der einen Seite fuhren diese Regulie- rungsvorschriften zu einer Stabilitat des Finanzsektors, auf der anderen Seite erschweren sie die Geschaftstatigkeit von etablierten Banken. Diese konnen wegen der gestiegenen Vorschriften nur langsam auf innovative Veranderungen im Bankensektor reagieren.40

2.2 FinTech

In diesem Kapitel wird der Begriff FinTech definiert und beschrieben. Im Bereich des Finanzsektors werden im Anschluss einzelne Geschaftsfelder von FinTechs vorgestellt und genauer erklart.

2.2.1 Definition

Die Digitalisierung ermoglicht die Veranderung von Prozessen, Produkten und Dienst- leistungen aufgrund modemer Internettechnologien. Angesichts dieser Entwicklungen wurde der massive Aufstieg von FinTechs beschleunigt. Dabei sind FinTechs uberwie- gend kleine, junge Start-Ups41, die digitale Technologien im Bereich der Finanzindustrie anbieten.42

Der Begriff FinTech ist eine Kurzform fur den Sammelbegriff Finanzdienstleistungen und setzt sich aus den beiden Begriffen Financial Services und Technology zusammen.43 Eine einheitliche Definition besteht nicht, da die Geschaftsmodelle sehr unterschiedlich ausgelegt sind. Grundsatzlich sind mit der Bezeichnung FinTechs Unternehmen gemeint, die innovative und technologische Losungen anhand von Produkten und Dienstleistungen anbieten und uberwiegend keine Banklizenz besitzen.44

FinTech-Untemehmen bedienen Markte, die vorher nicht oder nur teilweise bedient wur- den. Sie heben sich von traditionellen Finanzdienstleistem ab, in dem sie App-basierte Anwendungen anbieten, die stark kundenorientiert ausgerichtet sind.45 Dabei konzentrie- ren sie sich auf einzelne Wertschopfungsprozesse von Banken und bieten Produkte ge- zielt an. Insbesondere beschranken sie sich auf Bereiche ohne hohe regulatorische Anfor- derungen. Sie bieten moderne Dienste auf digitalen Kanalen an, die den Kundennutzen erhohen. Die Dienste sind einfach bedienbar, schnell und unkompliziert. Der Fokus liegt auf Effizienzsteigerung und der Automatisierung bestehender Prozesse.46 Effi- zienzsteigerungen sind hauptsachlich auf die Personalisierung von Prozessen zuruckzu- fuhren. Zudem senken sich die Transaktionskosten fur Konsumenten durch den Wegfall von Zwischenhandlem, so dass Marktleistungen attraktiv angeboten werden konnen.47

Die einzelnen Dienstleistungen werden im Business-to-Consumer (B2C) als auch im Bu- siness-to-Business (B2B) Bereich angeboten.48 FinTechs, die ihren Fokus auf B2B legen, unterhalten direkte Geschaftsbeziehungen zu Geschaftskunden, wie zum Beispiel Selbst- standige oder Unternehmen. FinTech-Unternehmen die auf ein B2C-Konzept setzen, un­terhalten Geschaftsbeziehungen zu direkten Privatpersonen, wie etwa Konsumenten oder Kunden.49

FinTech-Unternehmen sind oft dort angesiedelt, wo eine gute und Starke Wirtschaft herrscht und Wagniskapital leicht zuganglich ist.50 Unter Wagniskapital versteht man in der Literatur ein Investment, das unter Verlustrisiko zur Finanzierung eines jungen Un- temehmens eingesetzt wird. Somit besteht das Risiko des Verlustes, aber auch die Chance ein Vielfaches der ursprunglichen Investition bei einem Verkauf zuruckzuerhalten.51

Nahezu alle FinTech-Unternehmen sind auf Wagniskapital angewiesen, da sie andernfalls ihre innovativen Ideen ohne finanzielle Mittel nicht realisieren konnen.52 53

2.2.2 Geschaftsbereich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Technologische Anwendungsgebiete von FinTech-Unternehmen53

Fur FinTech-Unternehmen gibt es tatsachlich zahlreiche Moglichkeiten der Klassifizie- rung. Grundsatzlich werden in der oberen Abbildung vier Anwendungsbereiche betrach- tet, die fur den Finanzsektor von groBerer Relevanz sind.

Das erste dargestellte Segment ist der Zahlungsverkehr. FinTech-Unternehmen, die Zah- lungsverkehrslosungen anbieten, schaffen Altemativen zu klassischen Instrumenten tra- ditioneller Kreditinstitute. Der Schwerpunkt sind mobile Zahlungslosungen fur Endge- rate.54 Daruber hinaus bieten FinTechs auch Losungen fur Kryptowahrungen oder Micro­Payments an. Zahlungsdienstleister, die sich auf Micro-Payments spezialisiert haben, bie­ten Onlinezahlungen in Kleinbetragen an. Kleinbetrage lassen sich schnell und benutzer- freundlich abrechnen.55 Zudem werden erganzend zum Girokonto E-Money Losungen angeboten. E-Money wird durch die EZB als eine auf einem Medium elektronisch ge- speicherte Werteinheit definiert. Dabei werden zwei Formen des elektronischen Geldes unterschieden. Eine Form sind kartengestutzte Produkte, fur die der Anwender eine Vo- rauszahlung leisten muss. Eine andere Form des E-Geldes umfasst softwaregestutzte Produkte. Bei dieser Variante wird der entsprechende Wert in einer Cloud gespeichert und nicht an ein Speichermedium gebunden.56

Blockchain automatisiert Leistungen von Finanzunternehmen und bietet diese schneller und sicherer an.57 Ein Beispiel ist das elektronische Zahlungssystem, welches vollstandig auf einem dezentralen System beruht und zwischengeschaltete Dritte ausschlieBt. Die Struktur dieser Anwendung gleicht den Eigenschaften von Bargeld, allerdings in digitaler Form. Bitcoins ist eine bekannte Wahrungseinheit, die auch als Kryptowahrung bezeich- net wird. Transaktionen lassen sich ohne eine bestehende Infrastruktur von Kreditinstitu- ten durchfuhren.58

Unter dem Bereich Geldanlage oder Trading fallen FinTechs, deren Geschaftsmodell auf die Vermogensverwaltung, der Vermogensanlage oder der Beratung basieren. Des Wei- teren sind unter anderem Social Trading, Robo-Advice, Personal Financial Management oder Anlange und Banking Unterkategorien des Bereichs Geldanlage und Trading. Robo- Advice ist beispielsweise ein Werkzeug, das dem Anleger eine Onlinevermogensverwal- tung zu gunstigen Konditionen verspricht. Anlagestrategien basieren auf Algorithmen, bei denen auf die menschliche Interaktion ganz verzichtet wird.

Social Trading ubertragt das Leader-Follower-Prinzip sozialer Netzwerke auf Handels- plattformen und kombiniert die Anlagestrategie von privaten Tradem und professionellen Vermogensverwaltern.59 Somit sind Anleger aufgrund dieser Kombination aus Borsen- handel und sozialem Netzwerk nicht mehr auf hoch bezahlte Berater und Vermogensver- walter angewiesen.60 Zudem konnen Nutzer vom Kollektivwissen profitieren, was die Chancen an den Wertpapiermarkten insbesondere fur unerfahrene Handler fordert.61 Ein Beispiel fur eine bekannte Social Trading Plattform ist Ayondo.

[...]


1 Geschaftsfuhrer Accenture (Untemehmensberatung).

2 Vgl.Wittpahl (2017), S.5-6.

3 Vgl.Wachtel (2015), S. 1.

4 Vgl. Fend und Hofmann, 2018, S. 255-259.

5 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 12-13.

6 Vgl. Alt und Puschmann (2016), S. 36-40.

7 Deutscher Aktienindex, derjeweils die 30 groBten und umsatzstarksten Untemehmen umfasst.

8 Vgl. Spiegel Online, 2018, online im Internet.

9 Vgl.Dapp (2014), S. 5.

10 Tiberius und Rasche (2017), S. 1-8.

11 Vgl. Ettmann etal. (2011), S. 14.

12 Vgl.Amely (2011), S. 152.

13 Vgl.Ettmannetal (2011), S. 13.

14 Finanzintermediare, wie etwa Banken oder Sparkassen, vermitteln Einlagen der Kapitalgeber in Form von Krediten an die Kapitalnehmer (Vgl. Gischer et al., 2012, S. 7 und 8).

15 Vgl. Steinmann (2013), S. 7-8.

16 Vgl. Steinmann (2013) S. 9.

17 Vgl. Behrund Schmidt (2015), S. 1.

18 Eigene Darstellung in Anlehnung an Ettmann et al. (2011), S.12.

19 Vgl. Behr und Schmidt (2015), S. 12-13.

20 Vgl. Behr und Schmidt (2015), S. 5.

21 Vgl. Deeken und Specht (2017), S. 19.

22 Vgl. Behr und Schmidt (2015), S. 10-12

23 Eigene Darstellung in Anlehnung an den Sparkassen-Finanzkonzept der Sparkasse Dortmund.

24 War ein US-amerikanischer Psychologe (1908-1970).

25 Vgl. Jackson und Marks (1999), S. 421 ff.

26 Vgl. Prack und Czerwionka (2015), S. 42.

27 Vgl. Prack und Czerwionka, (2015), S. 118.

28 Vgl. Prack und Czerwionka, (2015), S. 106.

29 Vgl. o.V. (2018a), online im Internet.

30 Vgl. Amit und Zott (2001), S.493.

31 Vgl. Ettmann et al. (2011), S. 14.

32 Vgl. Entrop und Memmel (2012), S.26.

33 Vgl.Amely (2011), S. 62.

34 Vgl. o.V. (2018b), online im Internet.

35 Vgl. Conrad und Rosch (2018), S.l.

36 Vgl. Brock und Bieberstein (2015), S. 62-63.

37 Vgl. Seel (2013), S. 33 f.

38 Verhaltnis zwischen Eigen- und Gesamtkapital (Vgl. Nickenig, S. 23).

39 Vgl. Seel (2013), S. 65.

40 Vgl. Bohnke und Rolfes (2018), S. 11.

41 Der Begriff Start-Up beschreibt ein kurzlich gegrundetes Unternehmen.

42 Vgl. Klus etal. (2018), S. 1.

43 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 2.

44 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 27.

45 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 31-32.

46 Vgl. Homuf und Dorfleitner (2016), S.4.

47 Vgl.Lietal. (2017),S.3.

48 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 2.

49 Vgl. Gegner et al (2017), S.7.

50 Vgl. Bomer und Maxin (2018), S. 6.

51 Vgl. Grunderszene (2018), online im Internet.

52 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 167-168.

53 Eigene Darstellung in Anlehnung an Tiberius und Rasche (2017), S. 2.

54 Unter Mobile Payment bezeichnet ein elektronisches Verfahren fur die Abwicklung von Bezahlvorgangen (Vgl., Kaymaz, 2011, S. 20).

55 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2018a), online im Internet.

56 Vgl. Wachtel (2015), S. 13.

57 Vgl. Moring et al. (2018), S.3.

58 Vgl. Rosenberger (2018), S. 1-3.

59 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 190.

60 Vgl. Tiberius und Rasche (2017), S. 29.

61 Vgl.Wachtel (2015),S.19.

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Details

Titel
Welche Chancen und Risiken ergeben sich für die traditionellen Geschäftsmodelle von Banken durch den Markteintritt von FinTechs?
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
57
Katalognummer
V489995
ISBN (eBook)
9783668977471
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, chancen, risiken, geschäftsmodelle, banken, markteintritt, fintechs
Arbeit zitieren
Patrick Mutlu (Autor), 2018, Welche Chancen und Risiken ergeben sich für die traditionellen Geschäftsmodelle von Banken durch den Markteintritt von FinTechs?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489995

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