Juden in den USA und ihr Verhältnis zu Israel


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aktuelle Umfragedaten zur "American Jewish opinion"
2.1. Einstellungen zu Israel im Allgemeinen
2.2. Einstellungen zum Nahostkonflikt

3. Zionismus in den USA als "surrogate religion"

4. Der Konflikt um den Nahost-Friedensprozess

5. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

Die jüdische Diaspora in den Vereinigten Staaten von Amerika ist die größte der Welt. Nach Schätzungen der National Jewish Population Survey 2000-01 leben je nach Definition bis zu 5,2 Millionen Juden in den USA, und bis zu 6,7 Millionen Menschen in jüdischen Haushalten[1] – die amerikanischen Juden machen damit etwa ein Drittel der jüdischen Weltbevölkerung aus. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten sind sie nichtsdestotrotz freilich nur eine kleine Minderheit.

Ihre Präsenz manifestiert sich jedoch in einer Vielzahl von jüdischen Interessensverbänden. Diese Organisationen spiegeln auch die Heterogenität der US-amerikanischen Juden wieder: jede Richtung, von der Friedensbewegung bis zu ultra-konservativen und orthodoxen Vereinigungen, ist vertreten. Ein Anliegen, das den verschiedenen Verbänden – bei aller Unterschiedlichkeit –aber gemeinsam ist, ist die Unterstützung für den Staat Israel im weitesten Sinne. Die jüdische Gemeinde in den USA scheint, zumindest auf den ersten Blick, geeint durch einen "zionistische Grundkonsens".

Das Verhältnis der US-amerkanischen Juden zu Israel soll in der vorliegenden Arbeit nun aber genauer analysiert werden. Ausgehend von aktuellen Umfragedaten soll zunächst die Frage beantwortet werden inwieweit und vor allem auch warum die jüdische Diaspora in den Vereinigten Staaten und deren individuelle Mitglieder eine besondere Bindung zu Israel haben. Weiterhin soll auch beleuchtet werden, welche Rolle der Konflikt zwischen dem Staat Israel und den Palästinensern in diesem Verhältnis spielt und welche Auswirkungen diese Rolle mit sich bringt. In der Schlussbemerkung soll schließlich ein Fazit gezogen, sowie der Versuch eines Ausblicks auf mögliche zukünftige Entwicklungen unternommen werden.

Die Darstellung und Analyse stützt sich im Wesentlichen auf Veröffentlichungen jüdischer Autoren, die sich mehr oder weniger kritisch mit dem Phänomen des Zionismus in den USA befasst haben, auf aktuelle Artikel aus seriösen – auch aber nicht ausschließlich jüdischen – nordamerikanischen Zeitschriften und Zeitungen, sowie auf die Internetpräsenzen verschiedener US-jüdischer Organisationen.[2]

2. Aktuelle Umfragedaten zur "American Jewish Opinion"

Als Basis für spätere Ausführungen, sollen in diesem Kapitel einige Ergebnisse aus drei Studien zur Meinung der jüdischen Bevölkerung der USA – die jeweils Fragenkomplexe zum Thema "Israel" haben – zitiert werden. Dabei geht es zum einen um grundsätzliche Einstellungen und Meinungen zu Israel, und zum anderen um Fragen, die den Nahost-Friedensprozess im besonderen betreffen.

2.1. Einstellungen zu Israel im Allgemeinen

Das American Jewish Committe e (AJC) führt jährlich eine Survey of American Jewish Opinion durch, wobei 1000 US-Bürger, die sich selbst als Juden betrachten, telefonisch zu ihren Meinungen über verschiedene politische und soziale Themen befragt werden. Die Studie für das Jahr 2003 wurde von Ende November bis Mitte Dezember 2003 durchgeführt und ist, nach eigener Aussage, für die erwachsene jüdische Bevölkerung in den USA demographisch repräsentativ.[3]

Auf die Frage "How close do you feel to Israel?" antworteten 31% der Befragten mit "very close", 43% mit "fairly close", 12% mit "fairly distant" und 8% mit "very distant" – fast drei Viertel der Befragten fühlen sich also zumindest einigermaßen eng mit Israel verbunden. Dem Satz "Caring about Israel is a very important part of my being a Jew." stimmen 76% der Befragten zu, also ebenfalls etwa drei Viertel, nur 22% lehnen ihn ab. Allerdings nennen, im Rahmen eines anderen Fragenkomplexes zum Thema "Jewish Identity", nur 6% der Befragten "support for Israel" als wichtigsten Faktor ihrer jüdischen Identität – eine überraschend geringe Zahl, im Hinblick auf den weitgehenden Konsens der wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Zionismus, wie im nächsten Kapitel deutlich werden wird.

Eine weitere Studie, die National Jewish Population Survey 2000-01 die im Auftrag und unter der Leitung der United Jewish Communities durchgeführt wurde, ist wesentlich ausführlicher und mit 4523 Befragten auch breiter angelegt, und ergibt demensprechend ein genaueres Bild der "Connections with Israel" der amerikanischen Juden – die Ergebnisse der Befragung datieren allerdings von August 2000 bis August 2001 und sind daher nur eingeschränkt aktuell, weil davon ausgegangen werden kann, dass die seitdem andauernde "Zweite Intifada" in Israel einen Einfluss auf die Daten hätte.[4]

Den Ergebnissen der Studie zufolge fühlen sich 63%, also etwa zwei Drittel der Befragten, "emotionally attached to Israel", sogar 72% sind der Auffassung, dass Juden in den USA und in Israel ein gemeinsames Schicksal teilen. Fast die Hälfte der Befragten – 45% – haben enge freundschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehungen zu Personen, die in Israel leben; 35% haben Israel bereits mindestens einmal und 20% mindestens zweimal besucht. Die Verbundenheit mit Israel variiert regional sehr stark und hängt darüber hinaus vor allem davon ab, wie sehr die Befragten institutionell in die jüdische Gemeinde eingebunden sind. Ein weiterer wichtiger Befund der Studie ist, dass sich die verschiedenen Indikatoren für das Merkmal "Connections with Israel" gegenseitig verstärken – es besteht ein starker positiver Zusammenhang zwischen Reisen und sozialen Beziehungen nach Israel auf der einen und der persönlichen Meinung zu Israel auf der anderen Seite.[5]

2.2. Einstellungen zum Nahost-Friedensprozess

Im Auftrag der US-jüdischen Friedensbewegung Americans for Peace Now und des Arab American Institute wurde – im Zusammenhang mit dem inoffiziellen Geneva Peace Accord – in einer im Oktober 2002 ausgeführten Umfrage eine Zufallsstichprobe von jeweils 500 jüdischen und arabischen US-Bürgern befragt zu ihren Meinungen über den Nahost-Friedensprozess und die Rolle der amerikanischen Regierung darin.[6]

Der Umfrage zufolge sind 85,5% der amerikanischen Juden der Meinung, dass "Palestinians have the right to live in a secure and independent state of their own", nur 8,4% widersprechen dieser Aussage. Verantwortlich gemacht für das Scheitern der Friedensverhandlungen in der Vergangenheit werden von den jüdischen Befragten zu 50,5% die Palästinenser, und 40,2% sind der Auffassung, dass beide Seiten zum Scheitern beigetragen haben. Den Genfer Friedensplan – der einen sicheren und unabhängigen palästinensischen Staat neben einem sicheren und unabhängigem Israel in den Grenzen von 1967, die Auflösung der meisten jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten, ein Recht der palästinensischen Flüchtlinge nur innhalb des neuen Palästinenser-Staates und Jerusalem als die gemeinsame Hauptstadt beider Staaten vorsieht – würden 51,7% der jüdischen Befragten unterstützen, eine Minderheit von 30,3% würde ihn ablehnen und 18% sind sich unsicher.[7]

Die aktuelleren Daten aus der Annual Survey of American Jewish Opinion des AJC zeichnen ein etwas weniger optimistisches Bild: demnach befürworten nur 54% der amerikanischen Juden in der derzeitigen Situation die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates und 41% lehnen dies ab, während eine überwältigende Mehrheit von 81% der Befragten der Aussage "The goal of the Arabs is not the return of occupied territories but rather the destruction of Israel" zustimmt. Auch die Aufgabe jüdischer Siedlungen im Westjordanland und eine gemeinsame Hauptstadt Jerusalem stoßen auf wenig bis gar keine Zustimmung. Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass 60% der Befragten die gegenwärtige Politik der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern befürworten, gegenüber 32% die sie ablehnen und sogar eine noch größere Mehrheit von 63% dem Satz "Regardless of their individual views on the peace negotiations with the Arabs, American Jews should support the policies of the duly elected government of Israel" zustimmen und nur 34% – also etwa ein Drittel der Befragten – diese absolut unkritische Haltung der israelischen Regierung gegenüber ablehnen.[8]

[...]


[1] Vgl. United Jewish Communities, "National Jewish Population Survey 2000-01 – Strength, Challenge and Diversity in the American Jewish Population", United Jewish Communities, Sep 2003, URL: http://www.ujc.org/njps/ [28.08.2004], S 2.

[2] NB: Aufgrund der hohen politischen Sensibilität, die das Thema naturgemäß mit sich bringt, wird bei der Argumentation in größerem Umfang als üblich auf wörtliche Zitate aus diesen Veröffentlichungen zurückgegriffen.

[3] Vgl. American Jewish Committee, "2003 Annual Survey of American Jewish Opinion", American Jewish Committee, Nov 25 – Dez 11, 2003, URL: http://www.ajc.org/inthemedia/publicationsprint.asp?did=1030 [13.09.2004].

[4] Vgl. United Jewish Communities, "Population Survey", S i-1 und S 11f.

[5] Vgl. United Jewish Communities, "Population Survey", S 22f.

[6] Vgl. Arab American Institute / Americans for Peace Now, "Survey of Jewish American and Arab American Opinion", Americans for Peace Now, Nov 21, 2002, URL:
http://www.peacenow.org/nia/pr/poll.pdf [13.09.2004], S 1.

[7] Vgl. Arab American Institute / Americans for Peace Now, "Survey", S 3.

[8] Vgl. American Jewish Committee, "2003 Annual Survey".

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Juden in den USA und ihr Verhältnis zu Israel
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Sozialwissenschaftliches Institut der WISO-Fakultät / Lehrstuhl für Auslandswissenschaften (Englischsprachige Kulturen))
Veranstaltung
Gesellschaft der USA
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V49006
ISBN (eBook)
9783638455596
ISBN (Buch)
9783638826846
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit über das Verhältnis US-amerikanischer Juden zu Israel
Schlagworte
Juden, Verhältnis, Israel, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Florian Seidl (Autor), 2004, Juden in den USA und ihr Verhältnis zu Israel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49006

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