Serielles Arbeiten in der Kunsttherapie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Serielles Arbeiten – was ist das?

3. Potentiale des seriellen Arbeitens

4. Gefahren des seriellen Arbeitens

5. Wissenschaftlicher Hintergrund

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,,Bilder bringen sich gegenseitig hervor, indem ein fertiges Bild zu einem neuen Bild anregt – ähnlich wie sich neue Gedanken bilden.’’4 (S.40)

In diesem Arbeitsbuch soll das Thema ,,Serielles Arbeiten’’ beschrieben werden. Als serielles Arbeiten bezeichnet man Methoden, die mehrere Bilder, die schnell nacheinander oder als Erzählung gestaltet wurden, hervorbringen.

Karolina Breindl-Sarbia bezeichnet als serielle Arbeit zum Beispiel die Beschäftigung eines Patienten mit demselben Motiv über mehrere Therapiesitzungen hinweg. Auch das progressiv-therapeutische Spiegelbild nach Benedetti und Peciccia kann als serielle Methode bezeichnet werden.

In diesem Arbeitsbuch soll aber vor allem serielles Arbeiten in Anlehnung an das Messpainting, das von Gertraud Schottenloher nach Wolfgang Luthes Methode Creativity Mibilisation Technique (CMT) entwickelt wurde, beleuchtet werden.

2. Serielles Arbeiten – was ist das?

,,Das einzelne Bild ist wie ein Gedankensplitter und so reiht sich in der seriellen Bildform Gedanke an Gedanke wie Perlen auf einer Kette.’’4 (S.41)

Beim seriellen Arbeiten geht es vor allem darum möglichst schnell viele Einzelbilder zu gestalten die eine Serie ergeben. ,,Entscheidend ist [dabei] nicht das Einzelbild, vielmehr fügen sich die Bilder im Verlauf des therapeutischen Prozesses zu einem mehr oder weniger homogenen Werkkomplex, der in Form einer Bildergeschichte den therapeutischen Prozess des Patienten aufzeichnet.’’2 (S. 34)

In der Regel wird in einem festen Zeitrahmen, zum Beispiel 20 Minuten lang immer nach zwei Minuten das Blatt gewechselt. Durch die geregelten Zeiteinheiten wird ein fester, stabilisierender Rahmen gewährt. Durch die offene Aufgabenstellung ohne Thema wird aber dennoch eine Öffnung unterstützt. ,,Im künstlerischen wie auch im kunsttherapeutischen Prozesse gilt es, ein Maß zu finden zwischen Geschehen lassen und eingreifen, zwischen Auflösung und Form, zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Freiheit und Struktur.’’5 (S.1) Es ist sehr wichtig, das Gleichgewicht zwischen frei und geordnet zu halten. ,,Die relative Geschwindigkeit des Malens [verhindert], dass der Intellekt sich zu sehr einschaltet und dem spontanen Ausdruck in die Quere kommt. Es ist kaum Zeit, zu rationalisieren, zu kritisieren, zu vergleichen, zu überlegen, zu analysieren und was weiter mehr.’’1 (S. 87) Die Form wird hierbei durch die Gestik bestimmt. Wichtig bei dieser Methode ist auch, dass ,,der ästhetische Gesichtspunkt (...) [keine Rolle spielt] und die entstandenen Bilder (...) [nicht nach] ästhetischen Kriterien bewertet [werden]. Der entscheidende Faktor sind die Erfahrungen, die während des Malprozesses gewonnen werden.’’1 (S.85)

Man kann sich einfach ,,gehen lassen’’, sich frei fühlen und ohne störenden Gedanken gestalten. Einfach im Hier und Jetzt sein und abschalten. Serielles Arbeiten ,,soll in größtmöglicher Entspanntheit durchgeführt werden – ohne bildnerisches Ziel, ohne Einzelheiten zu beachten und ohne zu bewerten oder zu vergleichen. Intellekt und Stress sollten am Malprozess so wenig wie möglich beteiligt sein. Die Art der Aufmerksamkeit, die so entsteht, kann man als passive Konzentration bezeichnen.’’1 (S.86)

Die Methode ,,stützt sich fast ausschließlich auf den progressiven und gleichzeitig regressiven Prozess des spontanen Malens selbst, der in beständigem Fluss gehalten wird und in diesem Fließen sozusagen ein trockenes Flussbett mit Wasser füllt und von Schmutzansammlungen und Hindernissen reinigt, oder bei ,,Hochwasser’’ für entsprechende Ableitung sorgt.’’1 (S.84)

Das serielle Arbeiten ermöglicht das Erleben einer großen Palette an schnell wechselnden Gefühlen und verbindet unterschiedliche Lebensgefühle, die nacheinander auftreten miteinander. Um diese schnellen Eindrücke zu ordnen und zu verarbeiten bietet es sich an, die entstandenen Serien in einem Buch, Leporello oder Ähnlichem weiter zu bearbeiten und zu ordnen. Natürlich ist es auch wichtig, dass der Therapeut gegebenenfalls helfen kann, das Erlebte zu reflektieren.

3. Potentiale des seriellen Arbeitens

,,Die Kunsttherapie ist ein bildorientiertes Verfahren, das – in Ergänzung zur Gesprächspsychotherapie – bildhaftes Denken befördert, welches aus einer visuellen Perspektive heraus der Wiederaneignung verloren gegangener Gefühls-, Wahrnehmungs- und Bewusstseinsleistungen dient.’’2 (S.26) Das serielle Arbeiten unterstützt diese Wiederaneignung durch den schnellen bildnerischen Prozess, ,,der den Einfluss von Verstand und Kritik während des Malens möglichst ausschalten möchte, so dass der Malende zu seinem ursprünglichen Ausdruckspotential zurückfinden kann. Auf dem Wege dorthin lösen sich Blockierungen auf, die bisher einer freien Entfaltung der Kreativität im Wege standen.’’6 (S. 245)

,,Der Prozess ist ein Experiment mit sich selbst. Er holt tiefe, bisher unzugängliche Bilder aus dem Unbewussten, eröffnet neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und erweitert das kreative Potential.’’6 (S.245) So können zum Beispiel auch Vorurteile aus dem Kunstunterricht oder die Anforderung, dass man etwas künstlerisch wertvolles schaffen muss reduziert werden. Die Angst Leistung erbringen zu müssen wird gemindert. ,,Die Methode ist eine praktische Technik, mentale Blockaden oder andere funktionale Störungen zu überwinden, zu vermindern oder auszuschalten, Sie potenziert und stimuliert die psychophysiologische Selbststeuerung des Gehirns.’’7 (S.61)

,,Die gemalten Bilder verlangen nach weiteren Bildantworten.’’2 (S.26) So entsteht ein künstlerischer ,,Flow’’ und der Druck wird gemindert, ,,denn serielles Arbeiten wirkt wie ein Impulsgeber für ein Denken in Bildern.’’3 (S.220) ,, Es ist ein Prozess, der das Selbstvertrauen stärkt, hilft, Hemmungen und Blockierungen abzubauen und Bereiche der Imagination und der Intuition zu öffnen.’’1 (S.98)

Das serielle Arbeiten beinhaltet ,,ein selbstreflexives Moment.’’3 (S.220) ,,Es erfüllt einen Herzenswunsch: sich selbst zu erkennen und zu akzeptieren als der, der man wirklich ist. Dieser Prozess ist Teil des großen Gemäldes unseres Lebens. In diesem Prozess steht man für sich selbst, allein, in der Mitte der Schöpfung. Alles, was man in diesem kreativen Akt erlebt, überträgt sich von selbst auf andere Bereiche des Lebens.’’6 (S.245) ,,Je spontaner dieser Prozess geschieht, um so mehr werden dadurch die eigenen psychischen Selbstregulierungs- und Selbstheilungskräfte aktiviert.’’6 (S.248) ,,Die bislang ,,eingefrorenen’’ Erinnerungen und Gefühle [werden] ,,ausgeleitet’’ bzw. neutralisiert und die damit verbundenen Blockaden aufgelöst. An ihre Stelle treten Schaffenskraft und Schöpferfreude. Dieser Prozess stärkt Kreativität, Vitalität und Selbstvertrauen.’’6 (S.252)

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Serielles Arbeiten in der Kunsttherapie
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V490095
ISBN (eBook)
9783668988101
ISBN (Buch)
9783668988118
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Serielles Arbeiten, Kunsttherapie, Flow, Schottenloher, Unterbewusst
Arbeit zitieren
Anna Köhler (Autor), 2015, Serielles Arbeiten in der Kunsttherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490095

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