Die Bildsprache ist ein wichtiges Element der kunsttherapeutischen Arbeit. Besonders interessant ist hierbei die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut über die bildliche Gestaltung. Diese Arbeit widmet sich den dialogischen Verfahren in der Kunsttherapie, mit dem Schwerpunkt auf dem progressiv therapeutischen Spiegelbild in der Kunsttherapie. Anfangs werden verschiedene dialogische Verfahren kurz umrissen, dann geht Anna Köhler explizit auf das progressiv therapeutische Spiegelbild nach Benedetti ein und beschreibt die Vorgehensweise, Ziele und mögliche Anwendungsbereiche.
In einem gemeinsamen Bild oder einer Bilderserie von Therapeut und Patient kann der Therapeut einen Patienten ermutigen neues auszuprobieren und den Patienten aktivieren. Dabei gibt es verschiedene dialogische Vorgehensweisen. Es kann gemeinsam auf einem großen Blatt gleichzeitig oder nacheinander gestaltet werden. Patient und Therapeut können auch jeweils ein eigenes Bild gestalten und in einem weiteren gemeinsamen Bild die entstandenen Werke verbinden. Bei diesen Methoden ist es für den Therapeuten von großer Bedeutung, den Patienten nicht zu überfordern sondern auf seine Vorgaben behutsam einzugehen und ihm nach und nach neue Reize zu liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dialogische Verfahren in der Kunsttherapie
3. Das progressiv therapeutische Spiegelbild
3.1 Vorgehensweise/Setting
3.2 Ziele
3.3 Anwendungsbereiche
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung dialogischer Verfahren in der Kunsttherapie, mit einem spezifischen Fokus auf das „progressiv therapeutische Spiegelbild“ nach Gaetano Benedetti und Maurizio Peciccia als Methode zur therapeutischen Begleitung von Patienten.
- Grundlagen dialogischer Kunsttherapie
- Methodik des progressiv therapeutischen Spiegelbildes
- Die Rolle der therapeutischen Resonanz und Gegenübertragung
- Förderung der Ich-Kohärenz und Selbstbildentwicklung
- Anwendung bei schwer erreichbaren Patienten oder Psychosen
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorgehensweise / Setting
In der Methode des progressiv therapeutischen Spiegelbildes wird auf Transparentpapier gezeichnet. Patient und Therapeut zeichnen jeweils auf ein eigenes Blatt Transparentpapier. Anschließend werden die Blätter mit den entstandenen Bildern ausgetauscht und ein neues Transparentpapier wird über das Bild gelegt. Der Therapeut hat nun das Bild des Patienten unter seinem neuen Transparentpapier liegen und umgekehrt. Im Anschluss folgt der nächste Austausch und die nächste Zeichnung usw. Das Material der Farben ist dabei offen, es eignen sich jedoch schnell trocknende, feste Farben um einen flüssigen Ablauf zu gewährleisten und Pausen aufgrund der Trocknungszeit der Bilder zu vermeiden.
Es entstehen also zwei Bildreihen oder Bildgeschichten in denen jeweils jedes zweite Bild vom Patienten bzw. vom Therapeuten stammt. ,,Die jeweiligen Zeichnungen entstehen aus einer gegenseitigen Resonanz und beziehen sich dialogisch aufeinander. Gleichzeitig setzen sich die Bildgeschichten über freie Assoziationen im Moment des Zeichnens fort’’ (Meng, 2012, S. 86).
Der Therapeut kopiert die Bilder des Patienten auf dem Transparentpapier und verändert sie durch eigene Ideen und Lösungswege. Der Patient hat im nächsten Schritt, bei der nächsten Zeichnung die Möglichkeit die Veränderung anzunehmen oder auch wieder rückgängig zu machen, ohne dabei das Ursprungsbild zu verändern. Die Bilderserien die im Rahmen eines progressiv therapeutischen Spiegelbildes entstehen sind also auch gleichzeitig eine Dokumentation des Prozesses und können am Ende nebeneinander betrachtet werden. Dabei kann jede Bildreihe getrennt betrachtet werden aber auch eine Betrachtung der Bildreihen nebeneinander, in der die jeweils zeitgleich entstandenen Bilder gemeinsam betrachtet werden, kann sehr interessant sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Bildsprache in der kunsttherapeutischen Arbeit und motiviert die Beschäftigung mit dialogischen Verfahren durch Erfahrungen aus der Praxis.
2. Dialogische Verfahren in der Kunsttherapie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Methoden des gemeinsamen Gestaltens und stellt deren therapeutisches Potenzial zur Aktivierung und Kontaktaufnahme dar.
3. Das progressiv therapeutische Spiegelbild: Das Kapitel führt in das spezifische Verfahren nach Benedetti und Peciccia ein, welches gestalterische und psychoanalytische Ansätze auf Transparentpapier verbindet.
3.1 Vorgehensweise/Setting: Hier wird der konkrete technische Ablauf der Bildüberlagerung und des Austauschs sowie die Bedeutung der Materialwahl erläutert.
3.2 Ziele: Dieser Abschnitt thematisiert die Förderung der Vertrauensbasis, die Balance zwischen Nähe und Distanz sowie die angestrebte Positivierung des Patientenbildes.
3.3 Anwendungsbereiche: Das Kapitel beschreibt den Einsatz der Methode bei isolierten Patienten sowie Menschen mit schizophrenen Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen zur Stabilisierung des Ichs.
Schlüsselwörter
Kunsttherapie, Dialogische Verfahren, Progressiv therapeutisches Spiegelbild, Transparentpapier, therapeutische Beziehung, Selbstbild, Psychoanalyse, Resonanz, Bilderserie, Ich-Kohärenz, Non-verbale Kommunikation, Übertragung, Gegenübertragung, Psychose, Kreativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz des „progressiv therapeutischen Spiegelbildes“ als dialogische Methode in der Kunsttherapie, um Patienten in ihrem Ausdruck und ihrer Selbstfindung zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der therapeutische Dialog durch Bilder, die Bedeutung von Spiegelungsprozessen, die Integration von Selbstanteilen und die Anwendung non-verbaler Techniken bei schwer erreichbaren Patienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch das gemeinsame Zeichnen auf Transparentpapier ein Prozess der therapeutischen Positivierung angestoßen wird, der Patienten hilft, ein stabiles Selbstbild zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung klinischer Konzepte der Kunsttherapie, insbesondere der Ansätze von Gaetano Benedetti und Maurizio Peciccia.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst allgemeine dialogische Verfahren vorgestellt und anschließend das spezifische Setting, die Ziele sowie die Anwendungsbereiche des progressiv therapeutischen Spiegelbildes detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kunsttherapie, Dialogische Verfahren, Progressiv therapeutisches Spiegelbild, Selbstbild und Psychoanalyse.
Warum wird in diesem speziellen Verfahren Transparentpapier verwendet?
Das Transparentpapier ermöglicht es, das Bild des Patienten direkt zu überlagern, wodurch der Therapeut Veränderungen vornehmen kann, ohne das Originalbild des Patienten zu zerstören oder zu verändern.
Wie trägt das Verfahren zur „Positivierung“ des Patienten bei?
Durch die behutsame Intervention des Therapeuten im Bildprozess können abgespaltene oder negative Selbstanteile integriert und in einen stimmigeren, positiven Gesamtzusammenhang gebracht werden.
Inwiefern hilft die Methode bei Patienten mit Psychosen?
Bei Psychosen kann das Spiegelbild durch die Gegenübertragung des Therapeuten eine stabilisierende Wirkung haben und dem Patienten helfen, ein durch psychotische Prozesse verloren gegangenes Selbstbild neu zu formen.
- Citar trabajo
- Anna Köhler (Autor), 2016, Die Bildsprache in der kunsttherapeutischen Arbeit. Analyse des progressiv therapeutischen Spiegelbildes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490102