Factoring als Kreditrisikoabsicherung

Kann Factoring die Liquidität eines Unternehmens verbessern? Eine wirtschaftliche Analyse


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorkommen und Anwendung in der Praxis

3 Funktionen des Factoring
3.1 Finanzierungsfunktion
3.2 Delkrederefunktion
3.3 Dienstleistungsfunktion

4 Ablauf

5 Factoringarten

6 Betriebswirtschaftliche Auswirkungen des Factorings
6.1 Positive Auswirkungen des Factorings
6.2 Auswirkungen auf den Cashflow
6.3 Auswirkungen auf die Bilanz
6.4 Strukturelle Auswirkungen
6.5 Einschränkungen und Nachteile

7 Fazit

Literaturverzeichnis.

Internetverzeichnis.

Abkürzungsverzeichnis

BFM – Bundesverband Factoring für den Mittelstand

Factor – Factoring-Institut

IHK – Industrie- und Handelskammer

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Factoring gehört heute zu den modernen Kreditsubstituten. Das Prinzip des Factorings geht jedoch auf die Babylonier zurück, die bereits vor mehr als 4.000 Jahren einen Vorläufer des heutigen Factorings praktizierten. Das Factoring, welches wir in der heutigen Form kennen, stammt aus der amerikanischen Wirtschaft und ist eine Methode der Absatzfinanzierung und Kreditrisikoabsicherung.1 Ein Unternehmen verkauft laufend seine kurzfristigen Forderungen aus Lieferung und Leistung an ein Factoring-Institut (Factor).2 Dabei schließt das Unternehmen einen Vertrag über den Ankauf von Forderungen oder gesamter Forderungsbündel überwiegend in Verbindung mit der Übernahme von weiteren Funkti-onen.3 Rechtlich handelt es sich um die Abtretung (Zession) von Forderungen von dem bisherigen Gläubiger auf einen neuen Gläubiger.4

Diese Arbeit thematisiert die Frage, ob und in welchem Maße Factoring genutzt werden kann, um die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens im Hinblick auf seine Liquidität zu verbessern. Im Zuge dessen wird sowohl auf das Vorkommen und die Anwendung in der Praxis eingegangen als auch auf die einzelnen Funktionen des Factorings. Es folgt die Darstellung eines beispielhaften Ablaufs mit den aufeinander folgenden Verfahrens-schritten. Anschließend werden die verschiedenen Ausgestaltungen von Factoring-verträgen beschrieben. Die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen werden im Anschluss thematisiert. Dieser Gliederungspunkt stellt sowohl positive als auch negative Aspekte sowie damit verbundene Auswirkungen auf Bilanz und Cash-Flow dar. Abschließend folgt in Auswertung der getroffenen Feststellungen die Beantwortung der eingangs gestellten Frage nach den Auswirkungen des Factorings auf die Unternehmensliquidität.

2 Vorkommen und Anwendung in der Praxis

Im Jahr 2016 wurde Factoring von rund 27.250 Firmen als Finanzierungsalternative genutzt. Rund 91 % der Nutzer stammte aus dem Segment der Kleinen und Mittleren Unternehmen.5 Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil von Factoring-nutzenden Unternehmen um 33,8%. Die Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes e. V. setzten 216,8 Milliarden Euro um. Damit lag die Factoring-Quote bei 6,9% gemessen im Verhältnis zum Brutto-inlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland.6 Factoring kommt nicht in allen Branchen zur Anwendung.7 Schwerpunktbranchen waren im Jahr 2016 Handel und Handelsvermittlung, die Herstellung von Metallerzeugnissen / Maschinenbau sowie der Bereich der Dienstleistungen.8 Einschränkungen in der Anwendung ergeben sich z. B. aus Forderungen des Factors, bzg. der Bonität und einem Mindestumsatz des Klienten oder aus der Möglichkeit des Factors, die Übernahme von Forderungen gegen einzelne Debitoren, z. B. wegen deren fehlender Bonität, zurück zu weisen.9

3 Funktionen des Factoring

Das Factoring zählt zu den umsatzkongruenten Unternehmensfinanzierungen.10 Forde-rungen aus Lieferung und Leistung gegen Kunden (Debitoren) werden an einen Factor verkauft. Der Factoringvertrag umfasst bis zu drei Funktionen.11

3.1 Finanzierungsfunktion

Wesentlich ist die Finanzierungsfunktion. Dabei werden Forderungen vom Zeitpunkt der Entstehung (der Lieferung und Leistung auf Ziel) bis zu ihrer Fälligkeit zwischenfinanziert. Der Factor begleicht Forderungen gegenüber Debitoren vor Fälligkeit zu 80 bis 90% der Forderungssumme.12 Der Restbetrag wird als sogenannter Sicherheitsabschlag einbe-halten13 und nach Begleichung der Forderung durch den Debitor an den Klienten aus-gezahlt.14 Einige Factoringunternehmen zahlen die Forderungssumme direkt bei Abtretung zu 100% aus.15 Werden die Debitoren über den Verkauf der Forderung informiert, handelt es sich um offenes Factoring. Die Begleichung der Forderung erfolgt dann direkt an den Factor.16 Beim stillen Factoring wird die Forderungsabtretung dem Debitor gegenüber nicht offen gelegt.17

3.2 Delkrederefunktion

Mit der Übernahme der Delkrederefunktion durch den Factor übernimmt dieser das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Debitors.18 Üblich ist die Festlegung von Abnehmer- und Ankaufslimits für die Übernahme des Delkredererisiko. Übersteigt die Summe der Forde-rungen eines Debitors das Ankaufslimit, geht das Delkredererisiko auf den Klienten über. Ist das Abnehmerlimit ausgeschöpft, sind weitere Forderungen des Debitors erst wieder ankaufsfähig, wenn ein Teil der angekauften Forderungen beglichen wurde.19 Der Klient erhält damit auch aktuelle Informationen zur Bonität seiner Debitoren, von Be-deutung insbesondere im Hinblick auf künftige vertragliche Beziehungen.20 Übernimmt der Factor das Delkredererisiko, liegt echtes Factoring vor. Verbleibt das Risiko bei dem Klienten, handelt es sich um unechtes Factoring.21

3.3 Dienstleistungsfunktion

Die Dienstleistungsfunktion kann als dritte Funktion in einem Factoringvertrag vereinbart werden.22 Der Factor übernimmt in diesem Fall auch das Debitorenmanagement inklusive des Mahn- und Inkassowesens des Klienten und bewirkt damit eine administrative Entlas-tung auf Seiten des Klienten.23

4 Ablauf

Der grundsätzliche Ablauf des Factorings wird anhand des offenen Standard-Factorings dargestellt. Der Ablauf unterscheidet sich nach Vertragsgestaltung und Factoringgesell-schaft, sodass nur ein beispielhafter, nicht in jedem Fall repräsentativer Ablauf dargestellt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bevor der Factor einen Vertrag mit dem Klienten eingeht, überprüft er dessen Bonität. Auch die Debitoren werden einer fortlaufenden Bonitätsprüfung unterzogen24, wobei jedem Debitor ein Abnehmer- und ein Ankauflimit zugeordnet wird25, welche laufend angepasst werden.26 Sobald die Bonitätsprüfungen positiv abgeschlossen sind, kann der Factoringvertrag zwischen Factor und Klient abgeschlossen werden (1). Durch Erbringung einer Leistung des Klienten wird eine Forderung gegen den Debitoren begründet (2). Die Leistung kann sowohl eine Warenlieferung als auch eine Dienstleistung oder andere Leistung sein.27 Der Klient tritt die Forderung an den Factor ab (3), der dadurch Forderungsinhaber wird (3a). Mit der Lieferung erhält der Debitor die Abtretungserklärung an den Factor (4).28 Der Factor überweist vertragsgemäß, in der Regel unverzüglich, den vereinbarten Teil von 80-90% der Forderungssumme an den Klienten. Der Betrag steht oft bereits innerhalb von 24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden, zur Verfügung (5).29 Sobald der Debitor die Forde-rung fristgemäß beglichen hat (6), zahlt der Factor abschließend den als Sicherheitsbehalt einbehaltenen Restbetrag an den Klienten aus (6a).30

5 Factoringarten

Sind in einem Factoring-Vertrag alle drei genannten Funktionen enthalten, handelt es sich um Standard-Factoring oder Full-Service-Factoring.31 Im Inhouse-Factoring oder Bulk-Factoring werden vom Factor nur die Finanzierungs- und Delkrederefunktion übernommen. Das Debitorenmanagement verbleibt treuhänderisch für den Factor beim Factoring-Kunden.32 Durch den Erhalt des Debitorenmanagements bleibt der direkte Kontakt des Klienten zum Kunden bestehen.33 Beim Fälligkeitsfactoring wird eine Forderung durch den Factor erst bei Fälligkeit beglichen, so dass die Finanzierungsfunktion entfällt. Der Factoring-Kunde profitiert von der Delkrederefunktion und von der Übernahme des Debitorenmanagements.34 Neben den drei vorgenannten Standardvarianten des Factorings haben sich zahlreiche weitere Vertragsvarianten entwickelt, die unterschiedlichen Sachverhalten und Bedarfen Rechnung tragen.35 Factoring ist sowohl für den inländischen als auch den grenzüberschreitenden Geschäfts-verkehr geeignet. Nutzt ein inländisches Unternehmen als Exporteur den Dienst eines Factors in Deutschland für seine grenzüberschreitenden Geschäfte, handelt es sich um Export-Factoring. Beim Import-Factoring nutzt ein ausländisches Unternehmen die Dienste eines Factors in Deutschland für seine Importgeschäfte.36

6 Betriebswirtschaftliche Auswirkungen des Factorings

Die nachfolgende Auswertung beschränkt sich auf die Auswirkungen des offenen Standard-Factorings in den beteiligten Unternehmen.

6.1 Positive Auswirkungen des Factorings

Die Übernahme des Debitorenmanagements durch den Factor entlastet das Unternehmen von Verwaltungsaufgaben und damit um Fixkosten.37 Der Klient profitiert vom Fachwissen des Factors. Er erhält aktuelle Auskünfte zu der Bonität seiner Debitoren.38 Des Weiteren kann der Factor statistische Daten zu den Debitoren liefern, u.a. zum Auftragsvolumen und zur Debitorenlaufzeit. Dadurch wird eine intensivere Fokussierung des Unternehmens auf Kunden mit kurzen Debitorenlaufzeiten und höherem Auftragsvolumen möglich. Die Auswertung gibt auch Aufschluss über Produkte, die bis dato einen geringeren Kundenstock aufweisen und kann Überlegungen anregen, ein Produkt vom Markt zu nehmen oder durch Werbemaßnahmen dessen Absatz zu verbessern.39 Vorteilhaft ist außerdem die Möglichkeit für ein Unternehmen, seinen Debitoren längere Zahlungsfristen anbieten zu können, ohne selbst lange auf den Ausgleich der Forderung warten zu müssen. Die Einräumung längerer Zahlungsziele ist häufig die Voraussetzung, um überhaupt am internationalen Handel teilnehmen zu können. Daraus folgt, dass Facto-ring die Erschließung neuer Märkte und damit Absatzsteigerungen indirekt fördern kann.40

6.2 Auswirkungen auf den Cashflow

Eine direkte und sofortige Auswirkung von Factoring auf die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens ist die unmittelbare Verbesserung der Unternehmensliquidität. Die Außen-stände von Unternehmen sind gebundenes Kapital, welches nicht für unternehmerische Aktivitäten zur Verfügung steht.41 Die neu erlangte Liquidität kann dazu genutzt werden, eigene Kreditoren zu bezahlen oder selbst Lieferskonti der eigenen Verbindlichkeiten auszunutzen.42

[...]


1 Vgl. Nordwest Factoring & Service GmbH (2014), 1. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

2 Vgl. Bleis, Christian (2012), S. 119.

3 Vgl. Pernsteiner, Helmut & Andeßner, René (2014), S. 62.

4 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 b), 2. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

5 Vgl. Deutscher Factoring Verband e. V. (2017 a), 1. und 2. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

6 Vgl. Deutscher Factoring Verband e. V. (2017 a), 1. und 2. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

7 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 e), 6. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

8 Vgl. Deutscher Factoring Verband ( Hrsg. ) (2017), S. 9.

9 Vgl. förderland (2017), rechte Seite, 3. Box, 8. Punkt (siehe Internetverzeichnis).

10 Vgl. Deutscher Factoring Verband e. V. (2017 c), 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

11 Vgl. Bleis, Christian (2015), S. 230.

12 Vgl. BFM (2017 c), 1. Abschnitt, 1. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

13 Vgl. Bleis, Christian (2015), S. 230.

14 Vgl. Inkassoportal (2017), 2. Abschnitt, 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

15 Vgl. Svea Ekonomi (2017), 2. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

16 Vgl. Röhrenbacher, Hans (2008), S. 224.

17 Vgl. BFM (2017 c), 2. Abschnitt, 8. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

18 Vgl. Rehkugler, Heinz (2007), S. 279.

19 Vgl. förderland (2017), 8. Abschnitt, 3. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

20 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 c), 4. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

21 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 d), 2. Abschnitt, 1. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

22 Vgl. Pernsteiner, Helmut & Andeßner, René (2014), S. 62.

23 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 c), 5. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

24 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 c), 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

25 Vgl. förderland (2017), 8. Abschnitt, 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

26 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 c), 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis)

27 Vgl. BFM (2017 c), 2. Abschnitt, 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

28 Vgl. Bleis, Christian (2015), S. 230.

29 Vgl. BFM (2017 c), 2. Abschnitt, 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

30 Vgl. Inkassoportal (2017), 2. Abschnitt, 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

31 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 d), 1. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

32 Vgl. ebenda, 2. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

33 Vgl. BNP Paribas Factor (2017), 1. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

34 Vgl. BFM (2017 c), 2. Abschnitt, 6. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

35 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 d), 4. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

36 Vgl. BFM (2017 c), 2. Abschnitt, 7. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

37 Vgl. BFM (2017 c), 1. Abschnitt, 3. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

38 Vgl. Wende, Jens (2017), 5. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

39 Vgl. IHK Frankfurt a. Main (2017), 6. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

40 Vgl. Wende, Jens (2017), 3. Abschnitt (siehe Internetverzeichnis).

41 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. (2017 d), 14. Absatz (siehe Internetverzeichnis).

42 Vgl. Normann, Thorsten (2014), S. 127.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Factoring als Kreditrisikoabsicherung
Untertitel
Kann Factoring die Liquidität eines Unternehmens verbessern? Eine wirtschaftliche Analyse
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V490198
ISBN (eBook)
9783668976665
Sprache
Deutsch
Schlagworte
factoring, kreditrisikoabsicherung, kann, liquidität, unternehmens, eine, analyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Factoring als Kreditrisikoabsicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490198

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