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Die raffinierte Inszenierung von literarischem Antisemitismus in "Jud Süß" von Wilhelm Hauff

Título: Die raffinierte Inszenierung von literarischem Antisemitismus in "Jud Süß" von Wilhelm Hauff

Trabajo Escrito , 2019 , 22 Páginas , Calificación: 1.3

Autor:in: Ning Chen (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Die Arbeit beruht auf dem aufkommenden Konzept des "literarischen Antisemitismus" und verwendet zugleich die Erzähltheorie für die Textanalyse, um die Gemeinsamkeit und Besonderheit zwischen der historischen Novelle "Jud Süß" von Wilhelm Hauff und dem allgemeinen Antisemitismus in der Literatur herauszufinden.

Die Novelle "Jud Süß" wurde 1927 veröffentlicht und basiert auf realen historischen Figuren. Sie bietet sich als ein paradigmatisches Beispiel für die Ermittlung des literarischen Antisemitismus an, da der Autor neben programmatischer Anwendung antijüdischer Klischees, spezifische rhetorische Mittel und narrative Strategien eingesetzt hat, damit sich die antisemitische Einstellung durchsetzen konnte.

Insofern ergeben sich Fragen zu der Raffiniertheit in "Jud Süß". Zu welchem Zweck hat der Autor den bewussten Zugriff auf die berühmte historische Figur Jud Süß Oppenheimer genommen? Wie rekonstruierte er diese Motivgeschichte?

Auf Grundlage dieser Fragestellungen wird in der Arbeit zunächst der Entstehungsgeschichte von Hauffs Novelle nachgegangen. Dabei versucht die Autorin, einen zeithistorischen Abriss zu liefern und zu beweisen, dass der Autor seinen Erzähltext zu jener Zeit nicht zufällig in Form einer Zeitungslektüre hervorbrachte.

Anschließend soll im Rahmen des literarischen Antisemitismus eine, sich eng an den Text haltende, Analyse durchgeführt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem organisatorischen Grundmuster, der Erzähltechnik und der projektiven Konstruktion von Menschen jüdischen Glaubens. Die Analyse soll insgesamt verdeutlichen, mit welchen Mitteln es dem Autor gelungen ist, die Leserschaft der Vergangenheit und der Gegenwart über seine antisemitische Anschauung hinwegzutäuschen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Forschungsstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Sozialgeschichtlicher Hintergrund der Novelle

3. Textbezogene Analyse

3.1 Dualistische Textkonstruktion – reduzierte Konfliktkomplexität

3.2 Narrative Kunstgriffe

3.2.1 Motivschiebung der Geschichte

3.2.2 Die lesermanipulierende Erzählerfigur

3.3 Funktion der Judenfiguren – stereotypisierende Figurengestaltungen als Fremde

3.3.1 Süß Oppenheimer

3.3.2 Lea Oppenheimer

3.3.3 Die Geschwister Oppenheimer – Judenkollektiv

4. Zur Wirkung der Novelle

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Wilhelm Hauffs Novelle „Jud Süß“ (1827) unter dem Aspekt des literarischen Antisemitismus, um aufzuzeigen, wie der Autor durch spezifische narrative Strategien und rhetorische Mittel ein antijüdisches Weltbild konstruiert und seine Leserschaft manipuliert. Die zentrale Forschungsfrage adressiert dabei, mit welchen Mitteln Hauff die historische Motivgeschichte um Joseph Süß Oppenheimer für seine antisemitische Ideologie instrumentalisiert hat.

  • Literarische Analyse von Antisemitismus-Konstruktionen in der Novelle
  • Einfluss des sozialgeschichtlichen Kontexts des 19. Jahrhunderts
  • Erzähltechnische Mittel zur Leserlenkung und Sympathielenkung
  • Projektive Konstruktion von Judenfiguren als kulturelles Fremdbild
  • Verbindung von politischem Umsturz und deutsch-jüdischer Identitätsfrage

Auszug aus dem Buch

3.1 Dualistische Textkonstruktion – reduzierte Konfliktkomplexität

Laut Martin Gubser manifestiert sich der antisemitische Gehalt mancher literarischen Texte bereits in deren binärer Grundstruktur. Gubser verwendet in diesem Zusammenhang den religiösen Begriff „Manichäismus“, der sich nicht nur um dualistische Modelle bemüht, sondern vielmehr auf moralische Maßstäbe angelegt ist, wonach das Böse erkennbar gemacht wird, „um das Gute nicht in Frage stellen zu müssen“.

Ähnlich wie anderen antisemitischen Texten liegt auch Hauffs „Jud Süß“ ein manichäisches Strukturprinzip zugrunde, was bedeutet, dass die Struktur innerhalb des Textes im Vergleich zur historischen Realität entscheidend reduziert wurde. Im Vordergrund der historischen Novelle steht der eklatante Streit zwischen den württembergischen Landständen und dem Herzog Karl Alexander, der das rückständige Herzogtum durch eine moderne absolutistische Herrschaft ersetzen wollte. Schon zum Auftakt der Erzählung steht der „durch einen eifrigen, oft asketischen Protestantismus“ tief geprägten württembergischen Landschaft die katholische Feierlichkeit und Lustbarkeit gegenüber. Die radikale Modernisierung, deren finanzielle Grundlage der jüdische Hoffaktor schuf, droht, aus der Sicht der konservativen Eliten, das Land zu verderben. Deshalb organisierten die hochrangigen Widerständler von Württemberg einen Staatsstreich gegen den Herzog. Die prekäre Konfliktlage verschwimmt jedoch im Verlauf der Weitererzählung und verwandelt sich offenkundig in einen Kampf gegen die jüdische Komplize, die angeblich für der Verfehlung des Herzogs haften soll. Der legitime Machthaber Herzog Karl Alexander, der faktisch mehrere Probleme verursachte, betritt allerdings als erzählende Instanz niemals das Geschehen. Im Volksmund wird, wie es Hauff inszeniert, der Herzog als Feldherr eher im positiven Sinne charakterisiert, auch wenn er sich nicht besonders für Politik interessiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Forschungsstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Novelle von Wilhelm Hauff sowie Definition der Forschungsfrage im Kontext des literarischen Antisemitismus.

2. Sozialgeschichtlicher Hintergrund der Novelle: Darstellung des zeitgenössischen Diskurses um die Judenemanzipation und die Suche nach nationaler Identität im 19. Jahrhundert.

3. Textbezogene Analyse: Untersuchung der narrativen Strukturen, Erzählstrategien und Figurengestaltung innerhalb der Novelle.

3.1 Dualistische Textkonstruktion – reduzierte Konfliktkomplexität: Analyse des manichäischen Strukturprinzips und der Vereinfachung historischer Konflikte im Text.

3.2 Narrative Kunstgriffe: Erläuterung der erzählerischen Mittel, die zur Steuerung der Rezeptionswirkung eingesetzt werden.

3.2.1 Motivschiebung der Geschichte: Untersuchung der funktionalen Rolle von Süß Oppenheimer als spannungserzeugendes Element jenseits der historischen Fakten.

3.2.2 Die lesermanipulierende Erzählerfigur: Analyse der auktorialen Erzählweise und der gezielten Lenkung von Sympathie und Antipathie.

3.3 Funktion der Judenfiguren – stereotypisierende Figurengestaltungen als Fremde: Untersuchung der Darstellung jüdischer Figuren als Antagonisten im Sinne eines kulturellen Stereotyps.

3.3.1 Süß Oppenheimer: Charakterisierung von Süß als „gefährlicher Jude“ durch projektive Zuschreibungen.

3.3.2 Lea Oppenheimer: Analyse der Rolle Leas als „schöne Jüdin“ und ihr tragisches Schicksal im Kontext der gesellschaftlichen Ausgrenzung.

3.3.3 Die Geschwister Oppenheimer – Judenkollektiv: Analyse der Geschwister als eine durch jüdisches Bewusstsein geprägte, exkludierte Gruppe.

4. Zur Wirkung der Novelle: Zusammenfassende Analyse der politischen Intention hinter Hauffs Werk und der warnenden Funktion für die zeitgenössische Leserschaft.

5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung des Werks als literarisches Beispiel für den Frühantisemitismus.

Schlüsselwörter

Wilhelm Hauff, Jud Süß, literarischer Antisemitismus, Judenfeindschaft, Judenemanzipation, Erzähltheorie, Stereotypisierung, Joseph Süß Oppenheimer, Nation, Identität, Exklusion, Literaturgeschichte, Ideologie, Motivgeschichte, Antisemitismusforschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Wilhelm Hauffs Novelle „Jud Süß“ hinsichtlich der literarischen Umsetzung antisemitischer Klischees und Narrative, um aufzuzeigen, wie diese zur Zeit der frühen Judenemanzipation funktionierten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Erzählstruktur, der sozialgeschichtlichen Einbettung der Novelle, der stereotypen Charakterisierung jüdischer Figuren sowie der gezielten Leserlenkung durch den Erzähler.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Hauffs Novelle keine objektive historische Schilderung ist, sondern durch narrative Strategien gezielt eine antisemitische Anschauung konstruiert und die Leserschaft zur Exklusion von Juden motiviert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textbezogene literaturwissenschaftliche Analyse, die Methoden der Erzähltheorie sowie der interdisziplinären Antisemitismusforschung kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des dualistischen Strukturprinzips, eine Analyse narrativer Kunstgriffe, eine Untersuchung der Figurengestaltung und eine Reflexion über die Wirkung der Novelle auf das zeitgenössische Publikum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem literarischer Antisemitismus, Judenemanzipation, Stereotypisierung, Erzählstrategien, nationale Identität und Ausgrenzung.

Welche Funktion hat die Figur der Lea Oppenheimer im Text?

Lea dient als „schöne Jüdin“ zur Verstärkung des negativen Bildes, indem ihr tragisches Schicksal die Unmöglichkeit der deutsch-jüdischen Integration verdeutlichen soll.

Wie manipuliert der Erzähler die Leserschaft?

Durch die Einbindung von auktorialen Urteilen und die gezielte Steuerung der Innensicht der Protagonisten werden Leser unwillkürlich dazu verleitet, die parteiische Sicht der „Patrioten“ zu übernehmen.

Final del extracto de 22 páginas  - subir

Detalles

Título
Die raffinierte Inszenierung von literarischem Antisemitismus in "Jud Süß" von Wilhelm Hauff
Universidad
Free University of Berlin
Calificación
1.3
Autor
Ning Chen (Autor)
Año de publicación
2019
Páginas
22
No. de catálogo
V490246
ISBN (Ebook)
9783668978645
ISBN (Libro)
9783668978652
Idioma
Alemán
Etiqueta
inszenierung antisemitismus wilhelm hauff
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Ning Chen (Autor), 2019, Die raffinierte Inszenierung von literarischem Antisemitismus in "Jud Süß" von Wilhelm Hauff, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490246
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