Wie kann man das Teamklima in einem Marketing-Team verbessern?

Ein erlebnis- und handlungsorientiertes Trainingskonzept für das Marketing Team einer fiktiven Hotelkette


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
44 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen der Erlebnispädagogik
2.1 Definition Erlebnispädagogik und handlungsorientiertes Lernen
2.2 Didaktik und Lernphasen
2.3 Reflexion
2.4 Transfer
2.5 Trainer
2.6 Kritik und Studien
2.7 Fazit

3. Theorieteil Teamklima
3.1 Grundlegende Definitionen
3.2 Teamrollen nach Belbin
3.3 Teamphasen nach Tuckman
3.4 Kommunikationsgrundlagen

4. Trainingskonzept zur Verbesserung des Teamklimas
4.1 Kurzportrait der fiktiven Hotelkette ‚Sunflair‘
4.2 Auftragsklärung und Bedarfsanalyse
4.3 Analyse der Teilnehmer
4.4 Zentrale Lernziele
4.5 Grobkonzept und Didaktik
4.6 Bewertung des Konzeptes

5. Erkenntnisse und Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Experiential Learning Cycle (Abstreiter et al., 2017, S.43)

Abbildung 2 - Komfortzonenmodell (Abstreiter et al., 2017, S.51)

Abbildung 3 - Johari-Fenster (Rohwedder, 2017, S.56)

Abbildung 4 - Eisbergmodell (Haller, 2018, S.39)

Abbildung 5 - Organigramm 'Sunflair'(eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 - Teamrollen nach Belbin (eigene Darstellung)

1. Einleitung

Menschen lieben Gewohnheiten und Routinen sowohl im beruflichen als auch im priva- ten Umfeld. Der Büroplatz sieht immer gleich aus, ist auf die gleiche Art und Weise sortiert und die täglichen Aufgaben ähneln sich. Die Komfortzone zu verlassen und neues zu erleben, fällt den Menschen oft schwer. Doch ohne neue Erlebnisse und Er- fahrungen, ist eine nachhaltige, persönliche Weiterentwicklung beinahe unmöglich. Die Menschen aus ihrer Komfortzone zu bewegen, ohne sie in Angst und Panik zu verset- zen und dann noch Erlebnisse forcieren, welche durch eine anschließende Reflexion zu Erkenntnissen werden, die das Verhalten und die Kompetenzen des Individuums weiterentwickeln, all das vereint die Erlebnispädagogik. Ihre Methoden greifen hierbei auf Übungen und Herausforderungen zurück, welche aus dem gewohnten Umfeld aus- brechen und in der freue Natur stattfinden. Hierdurch kann das Individuum über seine Grenzen hinauswachsen und sich selbst neu entdecken, sowie auch die langjährigen Kollegen in neuem Licht sehen. Bereits Konrad Adenauer erkannte die Wichtigkeit von neuen Erfahrungen. 1965 sagte Adenauer: „Die Erfahrungen sind wie die Samenkör- ner, aus denen die Klugheit emporwächst“ und er bringt das Ziel der Erlebnispädagogik somit auf den Punkt. Durch eine Kombination aus handlungsorientierten Methoden, welche das Individuum physisch fördern, und die Reflexion des Erlebnisses, welche die kognitive Leistung beanspruchen, wird der Mensch als Ganzes beansprucht. Bei reinen Lehrveranstaltungen gilt die kognitive Aufmerksamkeitsspanne als relativ gering, bei der Kombination mit psychischen Aktivitäten hingehen, bleibt der Teilnehmer aktiv und motiviert. Erlebnispädagogik besteht somit nicht nur aus Spielen, sondern hat tiefgrei- fenden, grundlegende Ansätze, die das Individuum in vielerlei Hinsicht fordern und Erkenntnisse herbeiführen können. (Michl, 2009; Landes & Steiner, 2013)

1.1 Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist die Erarbeitung eines erlebnispädagogischen und handlungsorientier- ten Trainings, welches das Teamklima des Marketing-Teams der Hotelkette ‚Sunflair‘ verbessern soll. Es werden hierfür wichtige theoretisches Grundlagen der Erlebnispä- dagogik, menschlichen Kommunikation und des Teamgefüges erklärt. Anschließend folgt die Reflexion des Trainings.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei theoretische und einen praktischen Teil. In den Kapiteln zwei und drei, welche den theoretischen Teil abbilden, wird auf wichtige wissenschaftliche Grundlagen eingegangen, welche für das Training und die Thematik des Teamgefüges benötigt werden. Hierbei stehen wichtige Theorien, Modelle und Phasen zur Erlebnispädagogik, Teams und Kommunikation im Vordergrund. Anschlie- ßen folgt der praktische Teil der Arbeit, in welchem zunächst grundlegende Informatio- nen zur Hotelkette ‚Sunflair‘ und die Umstände geschildert werden. Es folgt die Be- darfsanalyse, die Definition der Ziele und die Schilderung der Didaktik, sowie der Ab- lauf des Trainings. Das Kapitel vier wird durch die Reflexion und Bewertung des Trai- ningsverlaufes abgeschlossen. Im fünften Kapitel sind Erkenntnisse und das Fazit der Autorin zusammengefasst.

Aus Vereinfachungsgründen wird auf eine Differenzierung zwischen der femininen und maskulinen Form sämtlicher Begriffe wie ‚Teilnehmer/-in‘, ‚Kollege/-in‘ verzichtet. Mas- kulinen Personenbezeichnungen gelten sinngemäß ebenso für Personen weiblichen Geschlechts.

2. Theoretische Grundlagen der Erlebnispädagogik

2.1 Definition Erlebnispädagogik und handlungsorientiertes Lernen

Die Erlebnispädagogik wurde bisher, trotz ihrer heutige Anerkennung und Nutzung in den verschiedensten Bereichen der Pädagogik und des Trainings, nicht einheitlich definiert. In ihrer Methodik ist sie unter dem handlungsorientieren Lernen eingegliedert. Darunter ist eine Lernmethode zu verstehen, welche die Teilnehmer in die Handlung mit einbezieht, wodurch der Lernprozess aktiv erlebt wird, statt bei reinen kognitiven bzw. frontal ausgerichteten Leineinheiten. (Abstreiter et al., 2017) Elementare Merk- male der Erlebnispädagogik sind unter anderem die Nutzung der Natur als Lernumfeld, die Durchführung von physischen Aktivitäten, die die Teilnehmer vor persönliche phy- sische, psychische und soziale Herausforderungen stellt, sowie die Durchführung von Spielen und Aufgaben in einer Gruppe. (Michl, 2009) Geschichtlich findet man die Grundlagen der Erlebnispädagogik bei den Philosophen Rousseau (1712-1787) und Thoreau (1817-1862), welche die Natur in der Rolle der Erziehung thematisierten. In der Niederschrift Rousseaus ‚Emile oder über die Erziehung‘, beschreibt Rousseau, dass Lernen im Kindesalter nicht nur essenziell ist, sondern dass dies durch Erlebnisse und über die menschlichen Sinne erfolgt. (Kurilla, 2013) Thoureau, welcher zwei Jahre zum Zweck der Selbstfindung in einer selbstgebauten Hütte im Wald lebte und seine Erfahrungen in einem Buch festhielt, sieht als beeinflussende Faktoren der Erziehung die Natur und die Kultur des Menschen. (Negri 2010) Kurt Hahn (1886–1974) beo- bachtete zu seiner Zeit die Problematik des Desinteresses der Gesellschaft sowie den zunehmenden Verlust physischer Fähigkeiten, fehlende Impulsivität und Nachlässig- keit. Mit seinem Konzept der Erlebnistherapie, welches als direkter Vorreiter der Erleb- nispädagogik gilt, wollte er diese Problematiken eindämmen und wiederherstellen. (Westphal, 2014) Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Erlebnispädagogik zunächst hauptsächlich in der Jugendarbeit und Heimerziehung angewandt und hat sich mittler- weile im pädagogischen Umfeld etabliert.(Michl, 2009) Im Alltag wird die Abendteuer- oder Freizeitpädagogik oft als Synonym der Erlebnispädagogik verwendet, welche zwar gewisse Elemente wie die physische Aktion, gemeinsam haben, dennoch grund- verschiedenen sind. In der Erlebnispädagogik ist ein ausgeglichenes Zusammenspiel von Erlebnis, der Überschreitung eigener Grenzen und der anschließenden Reflexion fundamental. (Hansen, 2010) Der Begriff ‚Erlebnis‘ ist psychologischer Herkunft und beschreibt die Verarbeitung eines Reizes von außen, welcher durch ein Zusammen- spiel von der individuellen und somit subjektiven Wahrnehmung, bisherigen Wissen und der derzeitigen Stimmung zu einem Eindruck gewandelt wird. Der Mensch macht so aus einem Ereignis ein individuelles Erlebnis welches wiederum in der Summe mit weiteren Erlebnissen zu einer Erfahrung wird. Aus dieser Erfahrung können dann Er- kenntnisse werden, die für die Person nachhaltig abrufbar sind. Der Erlebnispädagoge setzt hier an und hat die Aufgabe das Ereignis zu einem Erlebnis zu machen, welches durch Reflexion und dem Transfer in den Alltag der Person, diese zu einer Persönlich- keitsentwicklung oder Verhaltensveränderung verhilft. Grundlage hierfür ist ein richti- ges Verhältnis von der Bereitstellung des Ereignisses, der Reflexion und Verarbeitung diesen. (Michl, 2009) Die Erlebnispädagogik besteht somit aus einem Ereignis, der Reflexion dieser Ereignisse und dem Transfer in den Alltag. (Negri, 2010) Die Schwie- rigkeit für den Erlebnispädagogen liegt in der nicht Vorhersehbarkeit des Lerneffektes für den Teilnehmer als Individuum. In der Pädagogik spricht man hierbei von einem Technologiedefizit. Durch das subjektive Erleben des Individuums kann der Trainer zwar die Richtung des Lernziels planen und dies thematisieren, jedoch zieht jeder Teil- nehmer seine individuellen Erkenntnisse aus dem erlebten und reflektierten Ereignis. (Zirfas, 2017) Dies macht auch die Unterscheidung des Abenteuers vom Erlebnis. Ein Abendteuer ist ein Ereignis mit nichtgeplantem und offenem Ausgang, bei welchem die Hindernisse vorher nicht planbar sind. Ein Ereignis im Rahmen der Erlebnispädagogik hingegen wird von einem Trainer bzw. Erlebnispädagogen genau geplant und beglei- tet. Ein richtig geplantes Spiel oder Ereignis der Erlebnispädagogik ist immer ökolo- gisch weist eine geringe Unfallwahrscheinlichkeit vor. (Michl, 2009) Die Spiele bzw. Aufgaben im Rahmen von erlebnispädagogischen und handlungsorientierten Semina- ren erhöhen durch ihre physische Aktivität die Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Zudem wird der Teilnehmer aktiv in den Lernprozess eingebunden, wodurch sich der Lernef- fekt erhöht. (Michl, 2009) Eigenständiges Handeln und das Reagieren auf Situationen außerhalb der Komfortzone eröffnen den Individuen neue und alternative Handlungs- spielräume, da sie die Möglichkeit haben unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entdecken und zu nutzen. (Abstreiter et al., 2017) Wichtig ist hierbei, dass Heraus- forderungen gemeistert werden müssen, welche den Teilnehmer aus seiner Komfort- zone holen, diesen jedoch nicht in Angst-oder Panikzustände versetzen. Durch das (erfolgreiche) selbstständige agieren außerhalb der Komfortzone kann das Selbstwert- gefühl und das Selbstvertrauen gestärkt werden. (Mastalerz & Brünner, 2013) Es ist wichtig dass diese Grenzerfahrungen für die Teilnehmer eines Trainings nicht zu sub- jektiv empfundenen bedrohlichen Situationen werden, da die Angst und Panik auslösen wodurch der Lernprozess aufgrund der Ur-reaktionen Kampf oder Flucht, blockiert wird. (Kurilla, 2013; Landes & Steiner, 2013; Stemmler et al., 2014) Wie schnell ein Teilnehmer sich bedroht fühlt und sich dadurch quer stellt hängt auch von der Stim- mung in der Gruppe ab. Eine vertraute und entspannte Grundstimmung sollte von Be- ginn an gefördert werden. Da erlebnispädagogische Trainings in Gruppen stattfinden dient zur Unterstützung der Teilnehmer und nutzt das Gruppenpotential, welches als Beschleuniger für Veränderung gilt. Zudem kann durch gemeinsames Handeln als Gruppe oder innerhalb eines Seminares das Gruppen- oder auch Teamklima und der Zusammenhalt gestärkt werden. Die Förderung der sozialen Kompetenzen ist ein ebenfalls wichtiges Ziel der Erlebnispädagogik und ein positiver Nebeneffekt des Gruppentrainings. (Freigang et al., 2018) Auch Ökologische Aspekte werden im Be- reich der Erlebnispädagogik thematisiert. Das Handeln in der Natur ist dank Rousseau und Thoreau ein wichtiges Element und bietet eine abwechslungsreiche und effiziente Lernumgebung. Die Vorteile der Natur sind vielfältig – durch den Umgebungswechsel, bspw. vom Büro in den Wald, verschwimmen die Hierarchien und die Teilnehmer wer- den entspannter. Dadurch werden optimale Voraussetzungen für einen lernförderlichen und vertrauten Umgang miteinander geschaffen. Außerhalb der alltäglichen Umgebung und unter freiem Himmel können Emotionen leichter gezeigt werden und die Kommu- nikation dadurch verschiedene Phasen erreichen – bspw. von lockeren und fröhlichen Gesprächen über tiefgehende Diskussionen bis hin zu einem Austausch über individu- elle Befindlichkeiten im Teamgefüge. (Michl, 2009) Im Rahmen von betrieblichen Trai- nings, zu speziellen Problematiken, finden erlebnispädagogische Trainings vermehrt auch in Räumen und nicht zwangsweise in der Natur statt. Dies wirkt sich bei einer zielorientierten Planung durch den Trainer nicht zwangsweise negativ auf den Lernef- fekt aus. (Negri, 2010) Die handlungsorientierten Methoden, denen sich die Erlebnis- pädagogik bedient, sind keinesfalls nur Outdoorspiele oder künstliche Anlagen wie Hochseilgärten und Barfußparks, sondern umfassen bspw. auch Planspiele, Sozio- drama und Improvisationstheater. Abgesehen von der gewählten Methode, welchem vom Lernziel abhängt, geht es bei handlungsorientierten Methoden um nonverbale Aspekte, Emotionen und ein aktives auseinandersetzen mit der Problematik, Situation oder den eigenen Gefühlen. Jedes Individuum nimmt aus dem gleichen Spiel eine an- dere Erkenntnis mit, die es später auch nutzen kann. (Ameln & Kramer, 2016)

2.2 Didaktik und Lernphasen

Auch wenn es in der Erlebnispädagogik nicht direkt um die Vermittlung von (Fach-) Wissen geht, sondern der Fokus auf der Persönlichkeitsentwicklung und dem Ausbau der sozialen Kompetenzen liegt, ist es sinnvoll Grundlagen der Didaktik zu kennen. Trainer bzw. Erlebnispädagogen können sich unter anderem die drei Dimensionen des Planens von Siebert (2006) zu Nutze machen. Diese sind die Planung und gezielte Auswahl an geeignete Inhalten, materialen, Methoden in Bezug auf die Lernzeiten und –orte, eine Sammlung an alternativen Methoden, falls die Gruppe bereits ein Grund- wissen besitzt oder gewisse Lernmethoden wünscht, sowie die Vorbereitung auf unge- plante Ereignisse während dem Training, wie bspw. unerwartete Reaktionen auf Auf- gaben oder Themen oder (Verbesserungs-) Vorschläge der Teilnehmer. (Negri, 2010) Bei der Vielzahl didaktischer Ansätze, ist für den Bereich der Erlebnispädagogik vor allem die subjektive Didaktik nach Edmund Kösel relevant. Kösels Theorie besagt in Kurzfassung und vereinfachter Art, dass jedes Individuum eine andere und eigene Art zu Lernen hat. Diese individuelle Lernstruktur, welche viele Einflussfaktoren hat, macht die genauer Vorhersage und Planbarkeit des Lernzieles auf das Individuum bezogen schwierig. Der Trainer sollte nach dieser Theorie den Teilnehmer bezüglich des Lern- prozesses aus dessen Perspektive betrachten. Er muss ein Lernumfeld schaffen, wel- ches auf den Teilnehmer abgestimmt ist und diesen intrinsisch motiviert. Jemand der nicht lernen möchte und sich innerlich blockiert, ist auch nicht bereit etwas Neues auf- zunehmen und sich anzueignen. (Heckmair & Michl, 2013) Die Wahrnehmung des Menschen bzw. das Konstrukt der Wirklichkeit basiert auf individuellen Erfahrungen und Erlebnissen. Es ist die Entscheidung des Individuums, ob bereits gelernte über- schrieben wird und auf neue Weise gelernt wird, oder das altbewährte bestehen bleibt. Der Unterschied zum fachlichen Wissen, welches man durch repetitive Übungen oder Lesen erlernt und handlungsorientiertem Lernen liegt darin, dass der Einbezug der Teilnehmer die emotionalen Netzwerke im Gehirn aktivieren. Durch die anschließende Reflexion, bei welcher der Teilnehmer das Erlebte noch einmal durchdenkt und sich fragt wie er sich dabei Gefühlt hat, aktivieren neben den emotionalen auch die kogniti- ven Netzwerke im Gehirn. Menschen lernen am besten, wenn das Thema für sie sinn- voll erscheint und interessant ist. Dies liegt an einer Kopplung von bereits erlerntem mit der jeweiligen Lernsituation und den dadurch entstandenen Gefühlen. Die Bewältigung von Herausforderungen durch aktives Handeln gilt als nachhaltigste Art des Lernens und setzt eine intrinsische Motivation voraus, welche als Katalysator fungiert. Men- schen die Dinge tun oder lernen sollen, in denen sie keinen Sinn sehen oder keinen Bezug dazu haben, verankern diese nicht dauerhaft. (Negri, 2010) Empfindet ein Teil- nehmer einen ausgeglichenen Zustand von Herausforderung und seinen eigenen Fä- higkeiten diese zu bewältigen, so kann ein Flow Erlebnis für diesen entstehen. Eine Person im Flow Zustand empfindet positive Gefühle und ist intrinsisch motiviert. In die- sem Zustand wird oft die Zeit vergessen und das Individuum ist in die Tätigkeit vertieft und hochkonzentriert. (Blickhan, 2015; Heckmair & Michl, 2013)

Ein Modell, welches die Didaktik der Erlebnispädagogik verdeutlicht, ist das AERT Mo- dell. AERT ist das Akronym von Anreiz, Erlebnis, Reflexion und Transfer, welche die Schritte des Modells wiederspiegeln. Der hinter dem Wort Anreiz versteht sich die intrinsische Motivation des Teilenehmers, welche der Trainer durch Anreize fördern kann. Die Grundstimmung der Teilnehmer sollte erwartungsvoll und positiv sein und nicht ängstlich auf das was sie erwartet. Der Trainer kann Ängste nehmen und Span- nung aufbauen. Es folgt dann das Erlebnis, welches gut geplant und mit dem Lernziel abgestimmt sein muss. Nach dem Erlebnis ist die Reflexion ein wichtiger Punkt. Wäh- rend manche sich über das erlebte verbal austauschen möchten, gibt es auch Teil- nehmer die ihre eigene Art der Verarbeitung und Reflexion haben. Der letzte Punkt ist der Transfer, welcher in dieser Arbeit unter dem Punkt 2.5 genauer betrachtet wird. (Westphal, 2014; Michl, 2009) Der Experiential Learning Cycle wurde 1984 von David Kolb erstellt und kann auf ein spezielles Problem angewandt werden oder als lebens- langes Lernkonzept betrachtet werden. Der erfahrungsbasierte Lernzyklus nach Kolb setzt sich aus vier Phasen zusammen: Erlebnisse durch Herausforderungen, Beobach- tung und Reflexion, Verallgemeinerung – Ereignis zu Erfahrung machen, die abstrakte Begriffsbildung und anschließend die Anwendung des gelernten bzw. das aktive Expe- rimentieren. Der Lernzyklus ähnelt mehr einer Spirale statt einem Kreislauf, welcher sich immer auf der gleichen Ebene bewegt. Bei jedem Zyklusdurchlauf dreht sich Spi- rale, durch die neuen Erkenntnisse und die damit verbundene Weiterentwicklung des Individuums, nach oben. Nach Kolb gibt es keinen festen Startpunkt im Zyklus und auch kein definiertes Ende, der Lernprozess kann von jedem Schritt aus starten. Kolb hat zudem Lernstile herausgearbeitet, welche mit den einzelnen Schritten seines Lern- zyklus verbunden sind und jeweils Stärken und Schwächen in Bezug auf die anderen Schritte vorweisen. Diese sind in Abbildung 1 bei der jeweiligen Zyklusphase ange- ordnet. (Abstreiter et al., 2017; Michl, 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Experiential Learning Cycle (Abstreiter et al., 2017, S.43)

1997 erarbeiteten Luckner und Nadler das Komfortzonen- der auch Lernzonenmodell. In diesem findet man auch einen handlungsorientierten Ansatz der Erlebnispädagogik wieder. Wie in Kapitel 2.1 beschrieben, ist es wichtig, dass der Teilnehmer sich zwar aus seiner Komfortzone heraus bewegt und eine Grenzerfahrung macht, jedoch nicht in Panik oder Angst verfällt. Dies thematisieren auch Luckner und Nadler (Abbildung 2). Die Komfortzone spiegelt das altbekannte wieder, die bietet Sicherheit, das Indivi- duum ist entspannt. Die Lernzone umschließt die Komfortzone der Bequemlichkeit und spiegelt unerwartetes, nicht planbares und unsicheres wieder. Hier liegen die Heraus- forderungen und Probleme die bewältigt werden müssen. In der Lernzone entwickelt das Individuum sich weiter, in dem es sich an Neues heranwagt, Risiken eingeht und Chancen wahrnimmt. Der Grat zwischen der Lern- und der Panikzone ist bei jedem Individuum verschieden und sollte nicht überschritten werden. Sobald der Teilnehmer in Panik oder Angst verfällt, fokussiert der Körper sich auf die Urinstinkte Flucht oder Kampf. Der ganze Körper ist in Alarmbereitschaft und Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, welche die Aufnahmefähigkeit des Menschen senken. (Abstreiter et al., 2017; Hansen, 2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Komfortzonenmodell (Abstreiter et al., 2017, S.51)

2.3 Reflexion

Eine Reflexion des Erlebten gilt als Grundvoraussetzung für den späteren Transfer in die alltägliche Umgebung des Individuums. Reflexion bedeutet, dass der Teilnehmer das Ereignis noch einmal auf sich wirken lässt, wiedergibt was er erlebt und dabei ge- fühlt hat. Durch die erneute kognitive Auseinandersetzung mit dem Ereignis, wird dies neu bewertet und gegebenenfalls neue Aspekte erkannt, welche während der Hand- lung nicht wahrgenommen wurden. Dieser kognitive Prozess macht es möglich, dass aus einem Erlebnis eine Erfahrung und daraus wiederum eine Erkenntnis wird, welche sich langfristig auf das Verhalten des Individuums auswirken kann. Die Aufgabe des Erlebnispädagogen liegt darin, durch Reflexionsmethoden aus dem Erlebnis einen langfristigen Lernerfolg zu machen. Ob dies erfolgreich ist, kann oft erst nach Wochen oder Monaten erkannt werden, da gelerntes im Schlaf verarbeitet und wiederholt wird und es oft Zeit braucht, bis Erkenntnisse und AHA Effekte entstehen. (Hansen, 2010) Die drei bekanntesten Reflexionsmodelle der Erlebnispädagogik, welche aber auch oft unter der Kategorie ‚Transfer‘ beschrieben werden, sind ‚The Mountains Speak for Themselves‘, ‚Outward Bound Plus‘ und das ‚metaphorische Modell‘. The Mountains Speak for Themselves‘, wurde bereits von Kurt Hahn in seiner Erlebnistherapie ver- wendet. Wie der Name des Modells schon impliziert, geht es darum dass das heraus- fordernde Ereignis, welches der Trainer zuvor geplant hat, eine so starke Wirkung hat, dass es keiner weiteren Unterstützung in Bezug auf die Reflexion und den Transfer bedarf. Laut Hahn ist die Bedeutsamkeit der Aufgabe bzw. der Natur als Lehrerin groß genug. Der Erlebnispädagoge muss für die richtig Durchführung und das Verständnis, sowie die Sicherheit der Aufgabe sorgen. Eine Reflexion wird von ihm nicht forciert, da der Fokus auf den Gesprächen während der Übung lag und in Handlungen. In vielen Studien wurde die positive Wirkung der Natur auf den Menschen belegt und reicht in dieser Methode als pädagogische Maßnahme aus, um eine Persönlichkeitsentwicklung bei den Teilnehmern zu bewirken. (Michl, 2009; Negri, 2010)

Beim Outward Bound plus Modell reicht allein das Ereignis nicht aus, um das erlebnis- pädagogische Training erfolgreich abzuschließen. Hierbei erfolgt nach dem Ereignis die Reflexion, in Form der verbalen Wiedergabe des erlebten und einer daraus folgen- den Diskussion, wobei auch der Transfer zum Alltag in den Fokus rückt. Durch die Re- flexion wird das Erlebte aufgearbeitet und dem Teilnehmer bewusst gemacht, wodurch die Brücke zum Transfer gebaut wird. Die Methoden der Reflexion können unterschied- lich sein und aus den Bereichen verschiedener Therapien oder Meditationsrichtungen kommen. Nicht selten werden zur Nachhaltigkeit der Lerneffekte des Trainings beim Outward Bound Plus Modell Folgeveranstaltungen organisiert, welche die Thematiken erneut aufgreifen und so eine langfristige Persönlichkeitsentwicklung oder Verhaltens- änderungen fördern. (Negri, 2010)

Das dritte bekannte und wichtige Modell der Prozessbegleitung in der Erlebnispädago- gik ist das metaphorische Modell. Die Aufgabe bzw. das erlebnispädagogische Trai- ning hat hier den Bezug zum Alltag der Teilnehmer im Fokus. Um dies zu erreichen müssen die (Lern-) Ziele im Vorhinein definiert und veranschaulicht werden. Das Fun- dament für ein erfolgreiches Training wird somit vor dem eigentlichen Ereignis geschaf- fen, wodurch die Planung des gesamten Trainings unter Beachtung der Isomorphie stattfindet. Die Strukturgleichheit des Ereignisses zum Alltag der Teilnehmer, die Ernsthaftigkeit der Aufgabe, die Beachtung der unterschiedlichen Lernstile der Teil- nehmer und das Methodenwissen des Trainers, welches fachlich, technisch und päda- gogisch tiefgehend sein sollte, stehen bei der Planung im Fokus. (Michl, 2009; Negri, 2010)

Die drei Modelle ‚The Mountain Speaks For Themselves‘ ‚Outward Bound plus‘ und das‚ metaphorische Modell‘ unterscheiden sich für den Trainer hinsichtlich des subjek- tiven Eingreifens in den Lernprozess der Teilnehmer. Beim ersten Modell liegt seine Hauptaufgabe in der Auswahl und Vorbereitung des Ereignisses, Reflexion und Trans- fer muss er nicht weiter einsteuern. Beim metaphorischen Modell hat der Trainer mehr Wirkungsfreiraum und kann die Teilnehmer gezielter subjektiv steuern, sofern dies notwendig ist. (Abstreiter et al., 2017)

Da die Erlebnispädagogik die Persönlichkeitsentwicklung im Fokus hat, ist das Johari Fenster eine beliebte Methodik, die Differenzen zwischen Fremd- und Selbstbild auf- deckt. Diese Differenz wird als ‚blinder Fleck‘ bezeichnet, da dem Individuum ein ge- wisser Teil seines Wirkens nach außen hin nicht bewusst ist. Deckt sich das Selbstbild mit dem Fremdbild, ist dies eine gute Grundlage für eine reibungslose und erfolgreiche Kommunikation mit anderen Menschen. Für jeden Kommunikationspartner wird ein eigenes Johari-Fenster erstellt, da jede Kommunikation auf einer anderen Ebene des Miteinanders verläuft. In Abbildung 3 ist die Aufteilung des Johari Fensters in vier Be- reiche zu sehen. Teil A, der den Bereich des freien Handelns darstellt, beinhaltet das was man über sich preisgeben möchte, hier deckt sich das Selbst- und Fremdbild. Wächst das Vertrauen zum Kommunikationspartner, so vergrößert sich dieser Bereich. Der Bereich B stellt den blinden Fleck dar. Hierunter fallen bspw. Angewohnheiten, die der Kommunikationspartner wahrnimmt, dem Individuum selbst jedoch nicht bewusst sind. Der blinde Fleck sollte für eine optimale Kommunikation sehr klein sein. Durch konstruktives Feedback, welches vom Individuum auch angenommen werden muss, kann der blinde Fleck verkleinert werden. Neben dem blinden Fleck gibt es den Be- reich C, über welchen nur das Individuum Bescheid weiß. Hier versteckt es Teile von sich vor seinem Kommunikationspartner, die es nicht nach außen hin teilen möchte. Der letzte Bereich D, ist dem Individuum sowie auch seinem Kommunikationspartner unbewusst und unbekannt. Hier verbergen sich Talente und Begabungen, welche nur schwer erkannt werden können. Steht das Individuum vor Herausforderungen oder probiert neue Dinge aus, kann es durch Zufall auf solche Begabungen stoßen. Das Johari-Fenster kann in jedem Rahmen von Coachings und Trainings verwendet wer- den, ohne dass es viel Aufwand und Materialien bedarf. Doch auch seine Wirksamkeit macht es zu einem beliebten Tool in diesen Bereichen. (Abstreiter et al., 2017; Heck- mair & Michl, 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 - Johari-Fenster (Rohwedder, 2017, S.56)

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Details

Titel
Wie kann man das Teamklima in einem Marketing-Team verbessern?
Untertitel
Ein erlebnis- und handlungsorientiertes Trainingskonzept für das Marketing Team einer fiktiven Hotelkette
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
44
Katalognummer
V490368
ISBN (eBook)
9783668978683
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Training Trainingskonzept Team Teamentwicklung Teamklima Belbin Tuckman Hotel
Arbeit zitieren
Franziska Kühn (Autor), 2019, Wie kann man das Teamklima in einem Marketing-Team verbessern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490368

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