Kommerzialisierung der Street-Art-Szene und die Reaktion des Künstlers Banksy


Hausarbeit, 2019
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Street Art
2.1.Was ist Street Art?
2.2.Vom Graffiti zur Street Art – Geschichtlicher Einblick
2.3.Was ist Graffiti?
2.4.Differenzierung von Street Art und Graffiti
2.4.1.Gemeinsamkeiten
2.4.2.Unterschiede
2.5.Variationen der Street Art
2.6.Street Art als illegale Kunst
2.7.Wer ist Schöpfer und wer Betrachter von Street Art?
2.8.Die Intention von Street Art

3.Kommerzialisierung von Street Art durch die Werbeindustrie
3.1.Warum wird Street Art von der Werbeindustrie genutzt?
3.2.Wie wird Street Art von der Werbeindustrie genutzt?
3.3.Die Reaktionen der Street-Art-Szene auf die Kommerzialisierung durch die Werbeindustrie
3.4.Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Werbung und Street Art

4.Die Reaktion Banksy‘s auf die Kommerzialisierung der Street Art Szene durch die Werbeindustrie
4.1.Banksy‘s Laufbahn als Street-Artist
4.2.Die Reaktion Banksy’s auf die steigende Kommerzialisierung der Street Art Szene

5.Fazit

6.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit soll die Beantwortung der Frage sein, wie der Artist Banksy auf die Kommerzialisierung der Street-Art-Szene durch die Werbeindustrie reagiert.

Dazu soll zunächst die Kunstform der Street Art näher vorgestellt und vom Graffiti abgegrenzt werden. Anschließend soll die Kommerzialisierung von Street Art durch die Werbeindustrie thematisiert werden. Dabei werden die Gründe und Möglichkeiten der Instrumentalisierung dieser Szene erläutert und wie diese darauf reagiert. Daran schließt eine Betrachtung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Werbung und Street Art an. Abschließend soll im letzten Kapitel der der bekannte Street-Art-Künstler Banksy und sein Umgang mit dieser Kommerzialisierung erläutert werden.

2. Street Art

Zu Beginn dieser Arbeit soll zunächst ein Überblick über das Thema Street Art gegeben werden. Dazu soll der Begriff zunächst erklärt und von Graffiti abgegrenzt werden. Danach sollen Variationen der Street Art und Aspekt der Illegalität beleuchtet und anschließend erklärt werden, wer die Akteure und Betrachter dieser Szene sind und warum Street Art überhaupt praktiziert wird.

2.1. Was ist Street Art?

Street Art beschreibt allgemein eine für jeden zugängliche künstlerische Ausdrucksform im öffentlichen Raum. Street-Art-Schaffende wollen dabei meist das öffentliche Straßenbild individuell mitgestalten, sich generell kreativ ausdrücken oder sogar einen Gegenpol zur kommerziellen Werbung bilden (vgl. Jakob 2009, S. 73). Der Begriff Urban Art grenzt sich dabei insofern ab, da er - im Gegensatz zur illegalen Street Art und Graffiti - die legale Form davon darstellt (vgl. Blanché 2016, S. 6). Die genaue Abgrenzung zu Graffiti soll aus Gründen der Übersicht erst in den drei nächsten Unterkapiteln dieser Arbeit vorgenommen werden.

Aufgrund der Illegalität von Street Art wollen die meisten KünstlerInnen anonym bleiben und arbeiten daher mit Pseudonymen. Um Aufmerksamkeit zu erregen, findet es in beiden Fällen an Orten statt, die zum alltäglichen Leben der Menschen gehören. Dadurch kommt es in diesem Raum zu einer Interaktion zwischen dem Werk, anderen physischen und visuellen Elementen und einem soziokulturellen Kontext. KünstlerIn, Werk, BetrachterIn und Ort werden so zu Handelnden (vgl. Wacławek 2012, S. 65, 96-98). Street Art reagiert oft auf aktuelle Anlässe, indem sie sich auf diese bezieht (vgl. Klee 2010, S. 117), ist seit dem Jahr 2000 eine Bewegung (vgl. Blanché 2015, S. 32) und entwickelt sich aufgrund der Kommerzialisierung durch die Werbebranche, dem Einzug in den Kunstmarkt oder der Verbreitung in neuen Medien stets weiter (vgl. Jakob 2014, S. 9).

2.2. Vom Graffiti zur Street Art – Geschichtlicher Einblick

Der Begriff Street Art wird von vielen Menschen mit dem Begriff Graffiti vertauscht oder gar gleichgesetzt. Beide Ausprägungen von Kunst im öffentlichen Raum sind allerdings als zwei eigenständige Disziplinen zu betrachten. Dennoch lässt sich auch konstatieren, dass sich die Street-Art-Kunst aus der des Graffitis entsprungen ist. Diese Entwicklung, die mit der Entstehungsgeschichte der Street Art einhergeht, soll hier kurz zusammengestellt werden.

Street Art bzw. Graffiti begann im Grunde genommen schon in den Höhlenmalereien der Urzeit, als die menschlichen Vorfahren mithilfe der Negativtechnik die Umrisse von Gegenständen mit Farbe umzeichneten und an den Wänden hinterließen, was an die Schablonentechnik beider Kunstformen erinnert (vgl. Jakob 2014, S. 10). In der Zeit des Römischen Reiches wurden politisch motivierte und kritische Parolen illegal an Stadtmauern geschrieben (Jakob 2009, S.75). Mitte bis Ende der 1960er begannen dann Menschen in New York mit dem Sprühen von sogenannten Signatur-Graffitis, die sowohl auf Buchstaben und Zahlen, als auch auf Namen beruhten. (vgl. Wacławek 2012, S. 10). Die Werke dieser rebellischen und unkommerziellen Straßenbewegung (Glaser 2017, S. 32; zit. n. Thiele/Taylor 1998, S. 132) entwickelte sich dann Anfang der 1970er Jahre zu Bildern, die zusätzliche Sinneszüge beinhalteten. Sprühzeichnungen gingen zum Beispiel spielerisch mit architektonischen Formen um und seigerten so die ästhetische Formen. Schon hier wurde aufgefordert, sich mit dem öffentlichen Raum auseinanderzusetzen (vgl. Klitzke/Schmidt 2009, S. 98). In den 1980er Jahren begann dann in Paris der Künstler Blek le Rat sogenannte Pochoirs (näheres dazu in Kapitel 2.5), deren Motiv Ratten waren, in der Stadt zu verbreiten (vgl. Wacławek 2012, S. 70). In dieser Zeit erfuhr Street Art einen ersten größeren Boom und wurde ab der Jahrtausendwende schließlich zu einer weltweiten Bewegung (vgl. Reinecke 2012, S. 15). Im Laufe der Zeit entwickelten sich variantenreiche Interpretationsformen, die weg von den Schriftzügen hin zu einer neuen Bildsprache, für die die Artists neue Materialien verwendeten, gingen (vgl. Glaser 2017, S. 37). Dabei etablierte sich der Begriff Street Art erst im Jahr 2005 im allgemeinen Sprachgebrauch, womit er dann nicht mehr für die klassische Straßenkunst, sondern umfassend für den weiteren Bereich visueller künstlerischer Arbeiten im öffentlichen Raum stand (vgl. Fitz 2012, S. 16). Zum Beginn des 21. Jahrhunderts setzte dann auch ein medialer Hype um Street Art ein, wobei Street Art anders, als zu dieser Zeit von den Medien erklärt, nach Klitzke und Schmidt kunsthistorisch kein völlig neues Phänomen ist, da sie „viele explizite und implizite Bezüge zu kunstgeschichtlichen Avantgarden, Bewegungen und Stilen“ (2009, S. 50) aufweist. Mittlerweile ist Street Art unbestreitbarer Bestandteil der urbanen Kultur in der ganzen Welt und verändert das Stadtbild vieler Großstädte (vgl. Fitz 2012, S. 15).

2.3. Was ist Graffiti?

Da sich Street Art also aus dem Graffiti deriviert und folglich die Entstehungsgeschichten beider Kunstausprägungen zusammenhängen, soll nun ein kurzer Überblick über die Begriffsetymologie und verschiedenen Techniken innerhalb der Graffiti-Szene, welche im Laufe der Arbeit immer wieder aufgegriffen werden, folgen.

Das Wort „Graffiti“ stammt vom griechischen Wort „graphein“ ab, entwickelte sich im italienischen Sprachraum zu „sgraffiare“ und bezieht sich auf eine Kratzputztechnik „Sgraffito“, mit der unter anderem Fassaden gestaltet worden sind (vgl. Fitz 2012, S. 23). Der daraus entstandene Begriff „Graffiti“ wird heute mit einer Form des Graffitis, nämlich dem „Style Writing/ Underground Graffiti“, verbunden (Blanché 2015, S. 32).

Das Sprühen von Graffitis bezeichnet eine Kunstbewegung, die in erster Linie von Jugendlichen begonnen und fortgeführt wird. Sie umfasst eine auf Signaturen basierte Bildsprache und eine in der Illegalität entstandene und immer noch so praktizierte Bildtradition (vgl. Wacławek 2012, S. 11).

Es gibt nach Wacławek drei Ausprägungen des Signatur-Graffitis, bei dem der/die WriterIn, also der/die Agierende, seine/ihre Identität, also den ausgewählten Writer-Namen, auf verschiedene Untergründe sprüht: Der tag, gibt den „(Spitz“)-Namen des/der WriterIn einfarbig wieder. Throw-Ups sind größere Versionen von tags, deren Umrisse oft aus Buchstaben bestehen, die gruppiert und manchmal mit einer anderen Farbe ausgefüllt werden und insgesamt wie auch der Tag relativ schnell auf Züge oder Wände gesprüht werden. Mit größerem Zeitaufwand rechnen muss man dahingegen beim Erstellen eines pieces (Abkürzung von „masterpieces“). Diese sind oft farbenprächtig, groß, kunstvoll und stilistisch anspruchsvoll (ebd., S. 12-18). Aufgrund der Tatsache, dass die Akteure illegal öffentliche Flächen besprühen oder bemalen, kann man Graffiti durchaus als Rebellion und politisches Medium anerkennen (vgl. Klee 2010, S. 118).

2.4. Differenzierung von Street Art und Graffiti

Im Folgenden soll kurz erläutert werden, was Street Art und Graffiti genau gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden. Dies ist für den folgenden Verlauf dieser Arbeit deshalb relevant, da insbesondere die unterschiedliche Intention und Ausführung der beiden Kunstformen darüber entscheidet, weshalb hauptsächlich die Werke von Street-Art-KünstlerInnen für Werbezwecke kommerzialisiert werden.

2.4.1.Gemeinsamkeiten

Neben der Tatsache, dass Street Art aus der Graffiti-Szene entstanden ist (siehe Kapitel 2.2), stehen beide Ausprägungen in einer „Wechselbeziehung mit den Objekten und Gebäuden einer Stadt, mit ihren kommerziellen Bildern und dem klassischen Kunstkanon“ (Wacławek 2012, S. 12). Die KünstlerInnen von Street Art und Graffiti haben beide die Inspiration, mit Hilfe der Sprühdose die Straßen des urbanen Raumes in eine offene und für alle zugängliche Galerie umzuwandeln. Dabei suchen sie den idealen Ort für ein Bild (vgl. Stahl 2012, S. 19). Außerdem sind beide Formen urbaner Kunst illegal, sodass die Artists häufig anonym agieren.

2.4.2. Unterschiede

Ein großer Unterschied von Street Art und Graffiti besteht in ihrer Funktion und Bedeutung: Graffitis schaffen Selbstbestätigung innerhalb eines Netzwerks von Eingeweihten, indem der/die Kunstschaffende sein/ihr Können präsentiert. Dabei möchte er/sie seine/n (virtuellen) Namen der Öffentlichkeit vorstellen und versucht deshalb, ihn an möglichst vielen und gefährlichen Orten zu verbreiten. Street Art kann dahingegen, obwohl auch sie den Artist repräsentiert, eine Vielzahl von Ideen satirisch, politisch, figurativ, gesellschaftskritisch, komisch und direkt zu allen Menschen kommunizieren, ohne dass dabei der Name des Artists im Vordergrund steht (vgl. Stahl 2012, S. 19). Des Weiteren sind die meisten Street Art Werke für Passanten verständlich und nicht störend, während Graffiti-Kunst auf die meisten Laien befremdlich wirkt und somit von vielen als Verschandelung des Stadtbildes angesehen wird. Dies hängt allerdings auch damit zusammen, dass Graffiti nur Eingeweihte und Street Art alle Menschen der Stadt ansprechen will. Street Art versucht zudem im Gegensatz zu Graffiti, eher zu interagieren, kritisieren und in aller Regel das Stadtbild zu verschönern, zu prägen und zu beleben als zu provozieren. Während ein/e Graffiti-WriterIn das Werk eines niedriger angesehenen KünstlersIn übermalen darf („Crossing“), ist dies in der Street-Art-Szene verpönt (vgl. Fitz 2012, S. 101). Einer der größten Unterschiede liegt zudem in der Gesellschafts- und Konsumkritik der Street Art, mit der sich Graffiti wenn überhaupt nicht primär beschäftigt.

Obwohl Street Art aus der Graffiti-Szene entstanden ist, erkennt man zwar einige Gemeinsamkeiten, doch genau so auch signifikante Unterschiede beider Ausprägungen.

2.5. Variationen der Street Art

In der Street Art Szene gibt es viele Variationen, wie KünstlerInnen ihre Werke an Wänden, Böden oder Gegenständen anbringen können. Dazu sollen die meisten Techniken benannt und die am weitesten verbreiteten zusätzlich kurz beschrieben werden. Diese Erklärungen sollen mit Beispielbildern verdeutlicht werden. Hierbei werde ich mich auf die Werke von Jakob (2014, S. 14, 36, 74, 130), Wacławek (2012, S. 32,72) und Klitzke/Schmidt (2009, S. 78, 80, 83) beziehen.

1) Bei Stencils ( auch: Pochoirs/Schablonengraffiti/Stencil Art) werden Schablonen werden in der Regel aus Pappe, Kunststoff oder laminiertem Papier, Metall oder Holz angefertigt und besprüht, wodurch ein Motiv entsteht, das sich auch für eine häufige Wiederholung eignen kann. Dabei werden selten Texte gesprüht, wenn überhaupt nur Abkürzungen im Werk selbst oder vom Artist. Sie entstanden in den 1970er Jahren in Paris und werden zum Beispiel oft von den beiden bekannten Street Art Künstlern Blek le rat und Banksy verwendet.

2) Beim direkten Farbauftrag wird die Farbe mit Pinseln, Spraydosen oder Textmarkern und ohne weitere Hilfsmittel auf den Untergrund aufgetragen. Diese Technik benötigt oft viel Zeit und Ruhe, weshalb der Ort des Auftragens entscheidend ist. Daher wird die Leistung eines Artists oft sehr anerkannt, wenn er es schafft, ein anmutendes Werk an einem repräsentativen Ort des öffentlichen Geschehens sehr schnell anbringen kann. Diese Technik der Street Art ist die wahrscheinlich am engsten verwandte mit der klassischen Malerei und gleichzeitig die im Graffiti wohl gängigste Form.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stencil Direkter Farbauftrag

3) Paste-Ups beschreiben mit Kleister oder Leim aufgezogene Plakate beliebiger Größe. Diese können zumeist auch wieder rückstandsfrei entfernt werden. Größere Paste-Ups werden mit Siebdruck oder Schablonen hergestellt, kleinere ausgedruckt oder direkt von Hand gezeichnet. Da allerdings auch kommerzielle Plakate im urbanen Raum weit verbreitet sind, müssen sich die KünstlerInnen etwas Besonderes einfallen lassen, um unter ihnen aufzufallen.

4) Bei Cut-Outs wird das eigentliche Werk aus seiner Papierumrahmung ausgeschnitten, wodurch völlig neue Möglichkeiten der Platzierung auf den jeweiligen Untergrundflächen entstehen. Cut-Outs sind im Grunde genommen ausgeschnittene Paste-Ups, wobei dabei durch die vorgegebene Rechtwinkligkeit eine Integration in die Umgebung schwerer fallen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Paste-Up Cut-Out

5) Roll-Ons sind großflächige Schriftzüge, die mittels Malerrolle und Farbeimer direkt auf die Wände aufgetragen werden. Während beim Graffiti mit Hilfe dieser Technik, vom Dach des zu bemalenden Gebäudes kopfüber bemalt werden kann, dienen Roll-Ons in der Street Art Szene oft nur zur Vorbereitung des Hintergrunds. Die Roll-On Methode ist zudem nicht besonders kostenaufwändig.

6) Murals (auch bekannt als Fassadenmalerei) sind große Wandbilder. Aufgrund ihrer oft enormen Größe sind Murals meiste legale Auftragsarbeiten, die insgesamt aufgrund ihrer Größe und der erschwerten Anbringung auch recht kostenspielig sein können. Die Roll-On Methode eignet sich für das Ausfüllen der großen Fläche am besten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Roll On Mural

7) Sticker-Art beschäftigt sich mit der Veränderung von Aufklebern des öffentlichen Raumes. Beschriftete Sticker, beispielsweise von Postlieferdiensten, werden bemalt und sollen damit die Passanten auf die Präsenz der beeinflussenden Wirkung der Massenmedien aufmerksam machen. Dieser Effekt der Sticker wurde allerdings ebenfalls von der Industrie entdeckt und dahingehend ausgenutzt, dass auch kommerzielle Aufkleber im öffentlichen Raum zu sehen sind

8) Tape Art bezeichnet das Aufkleben von Klebestreifen auf einem Untergrund. Dazu kann der Artist Tapes in unterschiedlichen Farben und Größen und mit unterschiedlichen Aufdrücken verwenden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sticker-Art Tape Art

9) Als Collage bezeichnet man das Aneinanderkleben von Teile unterschiedlicher (Werbe-) Plakate und als Décollage das Abreißen von übereinander klebenden (Werbe-) Plakaten an bestimmten Stellen. Bei beiden Methoden können dadurch völlig skurrile Bilder entstehen.

10) Knitting meint das Einfassen von Gegenständen mit (bunter) Strickware. Hierbei werden einheitliche Objekte mit gehäkelten oder gestrickten Hüllen versehen, was einen Dialog zwischen einer traditionelle weiblichen Praktik und einer traditionell männlichen Vorgehensweise herstellt. Gleichzeitig ist Knitting eine sehr auffällige Technik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Collage Knitting

11) Ad-Busting heißt das Verändern von Werbeplakaten. Es zeigt das häufige Ziel der Street Art auf, sich gegen Werbung zu richten.

12) Installation von (3D)-Objekten werden entweder an einem anderen Ort als der der Anbringung vorgefertigt und dann erst installiert oder entstehen direkt am ausgewählten Ort. Hierbei gibt es bei der Umsetzung und dem Material keine Grenzen, sodass auch mehrere Objekte ein Ganzes bilden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ad-Busting Installation von 3D-Objekten

Nachdem nun die bekanntesten Varianten von Street-Art-Kunst aufgezeigt und mit Beispielbildern veranschaulicht worden sind, sollen nun weitere weniger populäre Varianten aufgezählt und mit einer Kurzerklärung versehen werden. Aus Platzgründen sollen hier allerdings keine Bilder angeführt werden.

13) Beim Chipping werden Oberflächen fragmentiert.

14) Als TileBoard beschreibt man ein auf stabilem Trägermaterial aufgebrachtes Kunstwerk.

15) Kreidezeichnungen sind Zeichnungen mit Kreide auf Wänden oder Boden. Da diese allerdings meist den Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, was eine geringe Lebensdauer bedeutet, und an eine kindliche Beschäftigung erinnern, werden sie eher selten in der Street Art verwendet.

16) Folierung meint das Anbringen und/oder Entwickeln von Gegensätzen im Straßenraum mit Frischhaltefolie, sowie Installation oder Umbauten in einer vom Artist ausgewählten Umgebung.

17) LED/Beamerprojektion: LED-Lämpchen werden als Installation angebracht, wobei durch Beamen große Bilder entstehen können, ohne dass dabei der Untergrund beschädigt wird.

18) Beim Kacheln werden mit einem Motiv versehene Kacheln mit Kleber an Wänden befestigt.

2.6. Street Art als illegale Kunst

Street Art (und Graffiti) gilt als illegale Form urbaner Kunst, wenn sie nicht kommerzialisiert und auftragsgegeben ist. Da die Illegalität fester Bestandteil der Street-Art-Szene ist und meines Erachtens zum Verständnis der Thematik erläutert werden soll, wird nun näher beleuchtet, wie die KünstlerInnen das Verbot empfinden, ohne aufgrund des Umfangs dieser Arbeit intensiv auf diese Thematik einzugehen und zu werten.

Die meisten der zuvor gezeigten Werke werden als illegale Tätigkeit gewertet. So gilt etwa das illegale Anbringen von Graffiti juristisch als Sachbeschädigung nach §303 Abs.1 StGB und kann mit einer Freiheits- und/oder Geldstrafe geahnt werden (Klee 2010, S. 69). Dieser Gesetzesbeschluss wird seit jeher von den Akteuren unterschiedlich aufgefasst. Während die eine Seite aufgrund des Geheimnisvollen, der Anonymität und des Spaßes willen die Illegalität ihrer Aktivitäten nicht weiter stört, finden andere wiederum Graffiti und Street Art als legale Aktivität ebenso sinnvoll, da sie unter anderem einem Artist zu einer erfolgreichen Karriere verhelfen können (vgl. Wacławek 2012, S. 55). Generell ist den KünstlerInnen in der Regel auch bewusst, dass sie in ihrer Arbeit gegen das Gesetz verstoßen. Dabei ist es ihnen aber nach Stahl (2012) oftmals unbekannt oder egal, dass sie dabei auch eine wichtige gesellschaftliche Grenze der Tabuverletzung übertreten (S. 63).

2.7. Wer ist Schöpfer und wer Betrachter von Street Art?

Die Menschen, die sich Street-Art-Kunstwerke anschauen, sind nicht unbedingt die üblichen KunstbetrachterInnen, sondern Passanten. Dies ist den KünstlerInnen allerdings auch bewusst und von ihnen so beabsichtigt. Da Passanten die Straße eigentlich nicht als Freiluftgalerie begreifen, geht es bei Street Art in erster Linie darum, inmitten der vielen kommerziellen Werbung, Aufmerksamkeit auf ihre Kunstwerke zu ziehen (Blanché 2012, S. 12). Aufgrund dessen, dass die UrheberInnen in aller Regel anonym sind, kann man meist keine Aussagen bezüglich ihrer praktischen Ausbildung und ihren Kenntnissen von etablierter Kunst treffen. KünstlerInnen agieren also wie Phantome (vgl. Stahl 2012, S. 62), was auch auf den Street Art Künstler Banksy zutrifft, der im Verlauf der Arbeit noch näher thematisiert werden soll.

2.8. Die Intention von Street Art

Street Art wird von vielen als Kunstform des Widerstandes angesehen, da sie das Bild, was von den Menschen in einer Stadt gesehen und konsumiert werden soll, verändern will. Sie „stellt dabei die etablierte Kunstszene, die Konsumkultur und die Mediengesellschaft in Frage, während sie gleichzeitig für Meinungs- und Redefreiheit eintritt und häufig soziale Verantwortung propagiert“ (Wacławek 2012, S. 96).

Weitere Gründe für die illegale Kunstform sind oftmals der Nervenkitzel, das Risiko, die Grenzüberwindung und die Teilhabe an einer Art Geheimbund (vgl. ebd., S. 54). Auch die Umgestaltung des öffentlichen Raumes weg von Stereotypie, Langeweile, Ersetzbarkeit, Kontrollierbarkeit und Monotonie sowie die Infragestellung der oft hingenommenen Einschränkungen des öffentlichen Raumes sind weitere Motivationsaspekte (Jakob 2014, S. 89). Diese Gründe müssen dabei für Street Art KünstlerInnen so anregend sein, dass sie durch die entstehende Sachbeschädigung vorsätzlich in den Konflikt mit staatlichen Institutionen treten. Aus dieser Perspektive kann Street Art also als niederschwellige Optionen der politischen Teilhabe oder des politischen Protests verstanden werden (vgl. Klee 2010, S. 118).

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Kommerzialisierung der Street-Art-Szene und die Reaktion des Künstlers Banksy
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Grundschulbildung)
Veranstaltung
Ästhetische Bildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
31
Katalognummer
V490475
ISBN (eBook)
9783668981324
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Banksy, Ästhetische Bildung, Street-Art, Kommerzialisierung, Kunst
Arbeit zitieren
Philipp Bickar (Autor), 2019, Kommerzialisierung der Street-Art-Szene und die Reaktion des Künstlers Banksy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490475

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