Seit etwa der zweiten Hälfte der 90er Jahre wird in der Politik wieder verstärkt auf die Konzeption der „Wissensgesellschaft“ zurückgegriffen, um den nationalen multinationalen und neuerdings den Auswirkungen der
Globalisierung Ausdruck zu verleihen. Dabei handelt es sich, wie auch schon bei den Konzepten der Medien-, Informations-, Risiko-, oder Netzwerkgesellschaft etc. um den Versuch den sozialen Wandel mittels einer Zielgröße klarzustellen. Das bereits in den 60er und 70er Jahren vorgeschlagene Konzept soll im Gegensatz zum Terminus „Informationsgesellschaft“ die Gegenwartsgesellschaft nicht ausschließlich über ihre technologische Basis definieren, sondern auch sozialen Auswirkungen der Globalisierung gerecht werden. Weniger klar ist allerdings, was tatsächlich unter einer „Wissensgesellschaft“ zu verstehen ist und von welcher Gesellschaft sie sich unterscheiden soll. Mit guten Gründen kann gefragt werden, ob eine Gesellschaft durch Wissen definiert werden kann, obwohl noch nie eine Gesellschaft ohne Wissen auskam und auskommen wird. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem Begriff um nichts anderes handelt, als um ein wohlklingendes Schlagwort, mit dem allerlei unterschiedliche Faktoren und Entwicklungen zusammengefasst werden.
Ziel der Arbeit ist es Klarheit hinter den Begriff „Wissensgesellschaft“ zu bringen. Zunächst sollen die Kernbegriffe erfasst werden. Anschließend werden die frühen und aktuellen Konzepte der „Wissensgesellschaft“ in ihren wichtigsten Aussagen vorgestellt und miteinander verglichen. Daraufhin wird die Frage von Bedeutung sein , worin sich die „Wissensgesellschaft“ von der industriellen Gesellschaft unterscheidet. Nachdem im Folgenden die Paradigmen des gesellschaftlichen Wandels erwähnt wurden, sollen in Anschluss an Kübler unter der Prämisse „Wissensgesellschaft“ einige Trends verschiedener gesellschaftlicher Segmente aufgegriffen werden. Die Arbeit endet in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff „Wissensgesellschaft“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Annäherung an das Phänomen „Wissensgesellschaft“
a. Typisierung des Wissens
b. Definitionen der Gesellschaft
3. Definitionen der „Wissensgesellschaft“
a. Definitionen der 60er und 70er Jahre
b. Aktuelle Definitionen
4. Paradigmen der „Wissensgesellschaft“
a. Wissensklüfte
b. Wissensmanagement
c. Nichtwissen in der Wissensgesellschaft
5. Von der Industrie in die Wissensgesellschaft
6. Trends und Segmente der „Wissensgesellschaft“
a. Wirtschaft
b. Politik
c. Kultur
d. Bildung
7. Fazit: „Wissensgesellschaft“ vs. „wissensbasierte Ökonomie“
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, Klarheit hinter den oft vage verwendeten Begriff der „Wissensgesellschaft“ zu bringen, dessen theoretische Fundierung kritisch zu beleuchten und ihn von der industriellen Gesellschaft abzugrenzen.
- Historische Entstehung und Bedeutungswandel des Begriffs „Wissensgesellschaft“.
- Vergleich klassischer (60er/70er Jahre) und aktueller Definitionen.
- Analyse zentraler Paradigmen wie Wissensmanagement, Wissensklüfte und Nichtwissen.
- Untersuchung gesellschaftlicher Trends in Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Status quo und der Zukunftsperspektive einer globalen Wissensgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
a. Wissensmanagement
Immer wieder wird verkündet, dass sich die Verdopplungszeit für wissenschaftliches Wissen stetig verkürzt. Im Moment solle diese zwischen drei und fünf Jahren liegen. Obwohl diese Ansicht mehr als kritisch zu betrachten ist, liegt auf der Hand, dass durch die Ausbreitung des Internets immer mehr Menschen Zugriff auf Informationen jeglicher Art bekommen. Dennoch handelt es sich bei diesen nicht selten um „Informationsmüll“ oder „Informationsschrott“. Es besteht bei vielen Inhalten das Problem den Gehalt oder die Glaubwürdigkeit zu prüfen. So bedeute mehr Information oftmals nur größere Konfusion. Dies ist ein Aspekt, der dem Wissen eher abträglich erscheint. Deshalb fordern einige Initiativen zum verstärkten Wissensmanagement auf. Unter diesem Gesichtspunkt fand auch 1999 in München das Symposium „Envisioning Knowledge“ statt, auf dem es um den Zusammenhang der neuen Medien und Wissen ging. Das Internet würde die Art und Bedeutung unseres Wissens radikal verändern. Wichtig sei nicht mehr die Ansammlung von Wissen, sondern die Weiterentwicklung einschlägiger Techniken zum Wissensmanagement. Das neue Paradigma unseres Zeitalters laute „pictorial turn“.
Wissensmanagement ist aber noch bedeutungsvoller im Hinblick auf die ökonomische Anwendung. Mittels systematischer Lenkung und Gestaltung von Wissensprozessen soll es Unternehmen künftig gelingen, auf den strukturell und kulturell unterschiedlichen Märkten flexibel Produkte anzubieten, Bedarfe zu entdecken, Markstrategien und Absatzkonzepte zu entwickeln sowie Problemlösungen und Innovationen initiieren zu können. Eine besondere Stellung nehmen hierbei, neben vorrangig strukturellen und betriebswirtschaftlichen Faktoren, wiederum die Informationstechnologien (Computer; Internet und Intranet, Datenbanken, Expertensysteme) ein, mit denen es gelingen soll, Wissen objektiviert abzuspeichern und unter möglichst vielen Prämissen verfügbar zu halten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Konzept der Wissensgesellschaft im Kontext des sozialen Wandels und der Globalisierung und formuliert das Ziel, diesen Begriff kritisch zu hinterfragen.
2. Begriffliche Annäherung an das Phänomen „Wissensgesellschaft“: Dieses Kapitel liefert eine notwendige Präzisierung der Kernbegriffe „Wissen“ und „Gesellschaft“ und führt eine Typisierung des Wissensbegriffs ein.
3. Definitionen der „Wissensgesellschaft“: Hier werden historische Definitionen aus den 60er/70er Jahren modernen Sichtweisen gegenübergestellt, um den Bedeutungswandel und die heutige Relevanz zu verdeutlichen.
4. Paradigmen der „Wissensgesellschaft“: Das Kapitel beleuchtet drei zentrale Aspekte: die instrumentelle Generierung verwertbaren Wissens (Wissensmanagement), die Problematik ungleicher Wissensverteilung (Wissensklüfte) und den Umgang mit Nichtwissen.
5. Von der Industrie in die Wissensgesellschaft: Es wird der Wandel von der industriellen zur nachindustriellen Gesellschaft anhand soziologischer Ansätze nachgezeichnet, wobei Wissen als neue zentrale Produktivkraft im Fokus steht.
6. Trends und Segmente der „Wissensgesellschaft“: Eine exemplarische Analyse zeigt, wie sich die „Wissensgesellschaft“ auf die Bereiche Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung auswirkt und welche Ambivalenzen sich dort zeigen.
7. Fazit: „Wissensgesellschaft“ vs. „wissensbasierte Ökonomie“: Das Fazit fasst die kritischen Befunde zusammen und stellt die These auf, dass eine globale Wissensgesellschaft nicht realisiert ist, wohl aber eine wissensbasierte multinationale Ökonomie.
Schlüsselwörter
Wissensgesellschaft, Wissensmanagement, Informationsgesellschaft, Globalisierung, digital divide, Wissensklüfte, Nichtwissen, postindustrielle Gesellschaft, soziale Ungleichheit, Innovation, ökonomische Verwertbarkeit, Wissensökonomie, Strukturwandel, Bildung, moderne Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Begriff der „Wissensgesellschaft“ als politischem Schlagwort und wissenschaftlichem Konzept, untersucht dessen Entstehungsgeschichte und analysiert kritisch, inwieweit die damit verbundenen Zukunftsprognosen zutreffen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die begriffliche Klärung von Wissen und Gesellschaft, die theoretische Einbettung in soziologische Kontexte, die Rolle von Wissensmanagement und digitalen Klüften sowie die Auswirkungen des Wandels auf Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Klarheit hinter den Begriff „Wissensgesellschaft“ zu bringen, die Konzepte der 60er Jahre von aktuellen Debatten abzugrenzen und die gesellschaftliche Realität kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Publikation verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und literaturgestützte Analyse, die auf soziologischen Traditionslinien (u.a. Systemtheorie, kritische Theorie) und der Auswertung bestehender Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Annäherung, einen Vergleich historischer und aktueller Definitionen, die Erörterung zentraler Paradigmen sowie eine Analyse spezifischer gesellschaftlicher Segmente unter dem Einfluss von Wissensbasierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wissensgesellschaft, Globalisierung, digitale Spaltung, Wissensmanagement und postindustrielle Gesellschaft charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die heutige Debatte von jener der 60er und 70er Jahre?
Die Autorin hebt hervor, dass heutige Ansätze weniger auf nationalstaatliche Planung setzen, sondern die Schattenseiten wie Risiken, Fragilitäten und Nichtwissen stärker betonen als die positivistischen Zukunftsvisionen der frühen Jahre.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Thema „Wissensgesellschaft“?
Das Fazit lautet, dass eine tatsächliche globale Wissensgesellschaft, in der Wissen alle Bereiche durchdringt, nicht existiert. Stattdessen wird die Entstehung einer globalen, wissensbasierten Ökonomie konstatiert, die jedoch primär kapitalistischen Effizienz- und Produktivitätslogiken folgt.
- Citation du texte
- Enrico Kloth (Auteur), 2005, Wissensgesellschaft - ante portas?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49054