Inwieweit bedingen Aufmerksamkeits- und Legitimationsbedarf die Ausdifferenzierung des Medialisierungsgrads in gesellschaftlichen Teilsystemen?

Eine Vergleich zwischen den Teilsystemen Recht und Sport


Hausarbeit, 2016
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen und Abgrenzungen
2.1. Medialisierung
2.1.1. Funktionale Systemtheorie
2.1.2. Öffentlichkeit/Medien als Funktionssystem
2.1.3. Medienlogik und Anpassungsgründe
2.1.4. Einfache Medialisierung
2.1.5. Reflexive Medialisierung
2.1.6. Abgrenzung des Medialisierungsbegriffs

3. Vergleich einzelner Teilsysteme
3.1. Sport
3.1.1. Medialisierung des Sports
3.1.2. Aufmerksamkeitsbedarf im Sport
3.2. Recht
3.2.1. Medialisierung des Rechts
3.2.2. Legitimationsbedarf im Recht
3.3. Vergleich der beiden Teilsysteme

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Eidesstaatliche Erklärung

1. Einleitung

Bayern München! Der aktuelle deutsche Meister im Männerfußball dürfte wohl einem Großteil der Bevölkerung geläufig sein. Doch wer ist eigentlich Meister im Tischtennis geworden? Eine Frage, die wohl nur ein exklusives Fachpublikum beantworten kann. „Ein sportliches Ereignis, über das nicht berichtet wird, hat nicht stattgefunden.“ So beschreibt es Plothe in seiner Diplomarbeit zum „Showsport Bundesliga“ (Plothe, 1998, S. 8). Heißt im Umkehrschluss: Für den Sport scheint es wichtig sein, in den Medien präsent zu sein. Doch inwieweit gibt es innerhalb des Sports Unterschiede bei Medienpräsenz und Anpassungserscheinungen? Und inwieweit kann es sich das Funktionssystem Recht leisten, in dem Maße wie der Sport im medialen Fokus der Öffentlichkeit zu stehen?

Dieser Satz und die eben aufgeworfenen Fragen leiten daher perfekt auf das Hauptthema dieser Arbeit hin. Der Forschungsbereich der Medialisierung gewinnt in der Medien- und Kommunikationswissenschaft seit der Jahrtausendwende zunehmend an Bedeutung. In einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft weisen jedoch die verschiedenen Teilsysteme auch einen unterschiedlichen Grad an Medialisierung auf. Inwieweit ist es für Teilsysteme wünschenswert, nicht nur im Zentrum des Medieninteresses zu stehen, sondern dieses auch proaktiv zu bedienen? Im Laufe der Arbeit sollen hier zentrale Unterschiede herausgearbeitet werden – am Beispiel der Funktionssysteme Recht und Sport. Ausgehend von einer abgrenzenden und ausführlichen Begriffsarbeit zur „Medialisierung“ sollen zunächst Medialisierungstendenzen im Sport und im Recht dargestellt werden, ehe es später zu einer vergleichenden Analyse kommt, inwieweit der Bedarf an Aufmerksamkeit- und Legitimation den Grad der Medialisierung beeinflussen. Ein direkter Vergleich dieser beiden Systeme ist bisher in der Medialisierungsforschung, in der die Tendenz doch stark zur Erforschung des Funktionssystems Politik geht, noch nicht vorgekommen. Diese Arbeit kann daher als eine erste kleine Bestandsaufnahme in einem riesigen Themengebiet angesehen werden. Übrigens: Deutscher Meister im Tischtennis ist in diesem Jahr Borussia Düsseldorf geworden.

2. Definitionen und Abgrenzungen

Sowohl in den Kommunikations- als auch den Sozialwissenschaften gilt das Konzept der Medialisierung bislang als wenig erforscht. Erst seit der Jahrtausendwende - einhergehend mit immer rasanteren technischen Fortschritten der Medien- und Kommunikationstechnologie sowie der in Deutschland seit den 80er-Jahren herrschenden Privatisierung des Mediensystems - beschäftigen sich mehr und mehr Forscher mit dem Phänomen der sozialen Anpassung an und durch den Einfluss von (Massen-)Medien. Dies geschieht allenthalben in einer non-normativen Weise. Von einer einheitlichen Begriffsarbeit kann jedoch aktuell nicht die Rede sein. Zwischen englisch- und deutschsprachigen Forschungsbegriffen der „Mediatization“ (vgl. Couldry & Hepp 2013, Schulz, 2004), „Mediation“ (vgl. Strömback, 2004), „Mediatisierung“ (Kepplinger, 2008) und „Medialisierung“ (vgl. Marcinkowski & Steiner, 2010) besteht noch kein einheitlicher Leitbegriff . Im Folgenden soll daher ein für diese Arbeit elementares Begriffsverständnis von „Medialisierung“ erarbeitet werden, das sich basierend auf den kurz dargestellten Erkenntnissen zur Systemtheorie orientiert und sich von zu kurz gefassten oder lediglich die technische oder einseitige Entwicklung von Massenmedien betrachtenden Theorien abgrenzt.

2.1. Medialisierung

Peu á peu soll nun ein Begriffsverständnis des zentralsten Begriffs dieser Arbeit elaboriert werden – der Medialisierung. Stufenweise erfolgt der Aufbau dieses viel diskutierten und komplexen Begriffs, beginnend mit der funktionalen Systemtheorie, gefolgt von der Beschreibung von (Massen-)Medien als eigenes Funktionssystem. ehe Medienlogik und mögliche Anpassungsgründe an selbige erläutert werden und schließlich einfache und reflexive Medialisierung erklärt werden. Das Konstrukt „Medialisierung“ wird dann schließlich noch von anderen Medialisierungsverständnissen abgegrenzt.

2.1.1. Funktionale Systemtheorie

Die Basis der Medialisierungstheorie bilden die Ausführungen zur Systemtheorie von Niklas Luhmann. Im Zuge der Ausbildung einer immer komplexeren (Leistungs-)Gesellschaft, in der sowohl die Anzahl an verfügbaren, einen unmittelbar selbst betreffenden Optionen zunehmen, deren Halbwertszeit jedoch immer weiter abnimmt (z.B. Mode, Politik), können soziale Akteure die Komplexität einer Gesellschaft nicht mehr vollständig erfassen. Luhmann beschriebt dieses Phänomen wie folgt: „Komplexität (…) heißt Selektionszwang, Selektionszwang heißt Kontingenz und Kontingenz heißt Risiko.“ (Luhmann, 1988, S. 47). Daher kommt es zur Ausbildung von autopoietischen, also sich selbst bestimmenden, Funktionssystemen, die - je nach Autor - auch „gesellschaftliche Teilbereiche“ oder „gesellschaftliche Teilsysteme“ genannt werden. Diese Funktionssysteme definieren sich fortlaufend über Kommunikation in der Differenz zwischen dem System und ihrer Umwelt und sind operativ geschlossen gegenüber anderen Systemen. Sie sind dabei sowohl stratifikatorisch (ungleichartig, ungleichrangig, z.B. Ober- vs. Unterschicht), segmentär (gleichartig, gleichrangig, z.B. Familien) als auch funktional (ungleichartig, gleichrangig, z.B. Wissenschaft, Politik) aufgeteilt, das heißt jedes System hat seinen eigenen Blick auf die Gesellschaft. Was jedoch nicht bedeutet, dass Funktionssysteme mit beruflicher Arbeitsteilung gleichzusetzen sind (Schimank, 2007, S. 143). Funktionssysteme reduzieren dabei die Komplexität und gewährleisten gleichzeitig einen hohen Grad an Spezifizierung und Leistungsfähigkeit innerhalb einer modernen Gesellschaft, indem sie einen originären Beitrag zum Bestand der Gesellschaft leisten (Marcinkowski & Steiner, 2010, S. 59). Jedes Teilsystem bekommt dabei seine eigene Funktion innerhalb der Gesellschaft zugeschrieben. Alle Akteure innerhalb eines Teilsystems richten ihr Handeln nach sogenannten binären Codes aus (z.B. Macht/Nicht-Macht in der Politik). Binäre Codes können als primäre Selektionsregel innerhalb eines Systems angesehen werden. Zudem gewährleisten symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, dass auch unter Abwesenheit von (verbaler) Kommunikation die Teilsysteme sich erhalten und ihre Funktion innerhalb der Gesellschaft erfüllen können. Programme übersetzen die eher abstrakten Codes in konkrete Steuervorgaben für Akteure („Operationalisierung“) und sind gemeinsam mit den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien als sekundäre und tertiäre Selektionsregeln innerhalb eines Systems anzusehen (Marcinkowski & Steiner, 2010, S. 60).

Funktionssysteme sind in hohem Maße abhängig von Entwicklungen aus ihrer Umwelt und mit diesen strukturell gekoppelt. Politische Entscheidungen wie zum Beispiel der „Brexit“ können wirtschaftliche Organisationen und Akteure durch aufkommende Handelshemmnisse wesentlich beeinflussen, das Erziehungs- und Wissenschaftssystem sind über Institutionen wie Schulen oder Universitäten miteinander gekoppelt, Politik wiederum basiert auf auf den im Recht verankerten demokratischen Grundsätzen, und so ließe sich diese Abhängigkeits-Kette beliebig fortführen (vgl. Schimank, 2007, S. 140, Schneider, 2009, S. 352).

2.1.2. Öffentlichkeit/Medien als Funktionssystem

Wichtig bei der Betrachtung der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft ist zudem die Tatsache, dass Medien auch als ein eigenes Funktionssystem beziehungsweise als wesentlicher Teil des Funktionssystems Öffentlichkeit zu betrachten sind (vgl. Gerhards & Neidhardt, 1991; Kohring, 2016). In der aktuellen Forschung herrschen zwei Theorien von Öffentlichkeit als Funktionssystem: Nach Gerhards & Neidhardt (1991) definiert sich Öffentlichkeit über den binären Code Aufmerksamkeit/Nicht-Aufmerksamkeit, während Kohring (2016) Öffentlichkeit über Mehrsystemzugehörigkeit definiert. Diese Theorien von Öffentlichkeit haben zwar keinen unabdingbaren Bezug zum Konzept der Medialisierung, sollen aber einführend verdeutlichen wie Medien innerhalb des Medialisierungs-Konzepts zu verstehen sind: Als eigenständige Vermittler zwischen den einzelnen Funktionssystemen, die das „Beobachtungssystem der Gesellschaft insgesamt darstellen, indem sie ein nach ihrer Rationalität selektiertes Bild der Gesellschaft zeichnen und dieses der Gesellschaft zur Selbstbeobachtung zurückfunken.“ (Gerhards, 1994, S. 87f.). So stellt auch Schulz fest, dass Medien den Kontakt zur sozialen Realität herstellen und den Menschen Zugang zu Abhandlungen ermöglichen, ohne dass diese mit eigenen Augen beobachtet werden können (Schulz, 2004, S. 91). Dadurch entwickelt sich eine Art Wechselbeziehung: Zum einen erhalten soziale Akteure durch den Vermittler Massenmedien immer Informationen zu diesen Abhandlungen, zum anderen wird durch die immer steigende Informationsflut die Komplexität aus den oben beschriebenen Gründen höher. In der Gesellschaft stellen die Medien somit einen wichtigen Vermittler („Mediator“) zwischen den einzelnen Funktionssystemen dar. Keineswegs ist es so, dass jedes Funktionssystem völlig autark arbeitet. Viel eher bedingen sich die Funktionssysteme durch ständige Inputs gegenseitig, wobei das andere System durch ausgebildete, spezielle Kommunikationen für seine Umwelt nicht vollends erfassbar ist. Die Grenzen zwischen System und Umwelt sind jedoch nicht als komplett starr zu bezeichnen. Bedingt durch die fortschreitende technische Weiterentwicklung nehmen die Massenmedien heute einen zentralen Part in der Gesellschaft ein, den sich die einzelnen Funktionssysteme - teilweise mehr, teilweise weniger - zu Nutze machen wollen, ja sogar müssen, wie man am Beispiel des Sports im nachfolgenden Teil dieser Arbeit erkennen kann. Dieser soziale Mechanismus, der damit mit der Anpassung an die Medienlogik einhergeht, soll im Folgenden näher thematisiert werden.

2.1.3. Medienlogik und Anpassungsgründe

Im Zuge des angesprochenen gesellschaftlichen Bedeutungsgewinns von Massenmedien, hoffen Forscher, einen Schlüssel zu tiefgründigen, weitreichenden und langfristigen Prozessen eines sozialen Wandels gefunden zu haben (Heinecke, 2014, S. 38; Marcinkowski & Steiner, 2010). Marcinkowski und Steiner haben drei Voraussetzungen formuliert, wonach gesellschaftliche Funktionssysteme Formen von Medialisierung ausprägen.

Zum einen muss den Akteuren innerhalb des Systems die bloße Existenz von Massenmedien bewusst sein, um sich auf diese einstellen zu können.

Zweitens muss es eine Logik geben, wonach Medien ihre Operationsweise ausrichten. Damit meinen die Autoren Routinen und Gewohnheiten, nach denen Medien beziehungsweise deren Schaffende und Organisationen handeln. Hier kommt vor allem zum Tragen, wie (Art der Berichterstattung: Sensationalisierung, Dramatisierung, Personalisierung, Framing, Polarisierung, Simpifizierung, Visualisierung), womit (Themenpräferenzen der Rezipienten: kurze Dauer, räumliche/politische/kulturelle Nähe zum Betrachter, Überraschungswert, Konflikte, Schaden, ungewöhnliche Erfolge und Leistungen, Kriminalität, Prominenz), wann (Einhaltung von Deadlines im Printjournalismus, keine zeitliche Begrenzung im Online-Journalismus, wiederkehrende Rhythmen), wo (Kanäle: Digital, Print, Social Media) und warum (Profitmaximierung nach dem binären Code des Funktionssystems Wirtschaft, in dem Medien-„Unternehmen“ zu verorten sind, Schaffung von Arbeitsplätzen, gesetzlich legitimierte staatsferne Beobachterrolle) die Medienlogik gekennzeichnet ist (Heinecke, 2014, S. 52; Meyen, 2014, S. 381).

Drittens müssen Funktionssysteme einen strukturbedingten Bedarf an medialer und öffentlicher Aufmerksamkeit aufweisen, den sie versuchen, durch Medialisierungsprozesse zu decken (Heinecke, 2014, S. 44; Marcinkowski & Steiner, 2010, S. 55). Inwieweit ein Bedarf an Aufmerksamkeit besteht und welchen Einfluss er auf den Medialisierungsgrad eines gesellschaftlichen Teilsystems hat, soll im Lauf der Arbeit anhand des Beispiels der Systeme Sport und Recht noch näher untersucht werden.

Die Anpassung an die eben beschriebenen Handlungslogik der Medien wird gemeinhin also als „Medialisierung“ bezeichnet. Jedoch kann man selbige noch in zwei weitere Unterkategorien - die einfache und reflexive Medialisierung - unterteilen, die im Folgenden näher erläutert werden.

2.1.4. Einfache Medialisierung

Bei der „einfachen Medialisierung“ handelt es sich um eine reaktive Anpassung der Funktionssysteme, deren Organisationen oder Akteure an die Handlungslogik der Medien. Das Bild oder die Themen einer Gesellschaft, welche durch die Medien vorgegeben werden, werden entsprechend über- und angenommen. Ein gutes Beispiel hierfür wäre die Studie zum „Agenda-Setting“. In dieser fanden McCombs & Shaw bereits 1972 heraus, dass die Themen, zu denen von den Medien am meisten und prominentesten berichtet wird, auch für handelnde Akteure innerhalb der Teilsysteme auf der Wichtigkeits-Agenda tendenziell immer weiter oben stehen (vgl. McCombs & Shaw, 1972). Es ist zudem anzunehmen, dass sich dies für Teilsysteme mit einem hohen Medialisierungsgrad auch in einem stärkeren Maße so verhält. So lässt im Teilsystem Sport derzeit die Berichterstattung von Fußball-Europameisterschaft, Wimbledon oder Olympia beispielsweise die Fußball-Bundesliga oder komplette Randsportarten in den Hintergrund rücken, während für Politik und Wirtschaft der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union („Brexit“) beispielsweise die Flüchtlingsproblematik auf der Themen-Agenda zumindest temporär verdrängt hat. Einfache Medialisierung ist jedoch nicht nur mit Themen verbunden, sondern auch mit Prominenz. Für viele Personen ist mediale Prominenz daher „der Mittel zum Weg“, um es an die Spitze zu schaffen. Dadurch, dass die Medien quasi Themen beziehungsweise deren Wichtigkeit in die Gesellschaft hineindrücken, spricht man hier zudem von der „Push-Theorie“ (Marcinkowski & Steiner, 2010, S. 72).

2.1.5. Reflexive Medialisierung

Des Weiteren gibt es noch die „Pull-Theorie“, die als Modell zur Veranschaulichung von reflexiver Medialisierung existiert (Marcinkowski & Steiner, 2010, S. 72). Hier läuft die Einflussbeziehung zwischen Medien und gesellschaftlichem Teilsystem genau umgekehrt ab. Die Funktionssysteme passen sich so, wie es für sie Sinn macht, an die Logik der Medien an (Heinecke, 2014, S. 45). Dies dient als eine Form des Leistungszugriffs der Funktionssysteme auf das Funktionssystem der Medien (Marcinkowski & Steiner, 2009, S. 11). Dieser Leistungszugriff kann als Medienwirkung zweiter Ordnung beschrieben werden. Medienwirkung erster Ordnung besagt, dass Medien in psychologischer Weise Wirkungen nach sich ziehen. Medienwirkung zweiter Ordnung ergibt sich aus dem angepassten Verhalten der Medienwirkung erster Ordnung. Man unterstellt seiner Umwelt quasi, auf Medieninhalte in gewisser Art und Weise zu reagieren und gestaltet diese entsprechend - hier spricht man vom sogenannten „Presumed Media Influence“ (Gunther & Storey, 2003, S. 199; Heinecke, 2014, S. 45).

Meyen sieht dies ähnlich und stützt sich hierbei auf die Voraussetzung eines ausdifferenzierten Mediensystems und formuliert dadurch zwei Annahmen: Zum einen sind sich Menschen den Medienwirkungen erster Ordnung durchaus bewusst, zum anderen wird dadurch das Handeln nach der Medienwirkung zweiter Ordnung beeinflusst. Dies geschieht sowohl auf Mikro- als auch auf Meso- und Makro-Ebene. Auf der Mikroebene passen handelnde Akteure ihre Strategien an die Handlungslogik der Massenmedien an. Auf Mesoebene schichten sie Ressourcen um (in der Regel durch Herausbildung einer PR-Abteilung innerhalb der Organisationen, Verbände oder Unternehmen) und auf Makroebene werden die Programme von Funktionssystemen abgeändert, beispielsweise das Anwenden weniger komplexer Methoden in der Wissenschaft, um nach der Medienlogik Inhalte simpler darstellen zu können und sich damit attraktiver für Berichterstattung durch Massenmedien zu machen (vgl. Meyen, 2014, S. 377ff). Die Anpassung seitens der Funktionssysteme an die Medienlogik erfolgt damit inter- beziehungsweise proaktiv. Interaktiv beschreibt die Verhaltensweise während des Medienkontakts, also beispielsweise in einer TV-Show oder während eines Interviews mit einem Zeitungsjournalisten, in denen Politiker bewusst Dinge sagen oder Themen ansprechen können, die dann weitere Anschlusskommunikationen in Form eines weiteren Artikels oder Beitrags zu dieser Aussage oder Diskussionen in sozialen Netzwerkmedien nach sich ziehen können. Bei der proaktiven Verhaltensweise findet das „medialisierte“ Verhalten bereits vor dem entsprechenden Medienbericht statt. Als Beispiel könnte hier vor allem PR-Abteilungen dienen, die das Management der Kommunikationsbeziehungen zu seiner Umwelt durch eigenständige Themensetzung versuchen zu decken – in der Hoffnung, dass Nachrichtenmedien auf diese unter anderem aufgrund geringerem Rechercheaufwand oder Kosten zurückgreifen.

Interessant sind zudem die Ausführungen von Gunther & Storey (2003) zum bereits oben angesprochenen „Presumed Media Influence“.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Inwieweit bedingen Aufmerksamkeits- und Legitimationsbedarf die Ausdifferenzierung des Medialisierungsgrads in gesellschaftlichen Teilsystemen?
Untertitel
Eine Vergleich zwischen den Teilsystemen Recht und Sport
Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V490568
ISBN (eBook)
9783668975002
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwieweit, recht, vergleich, eine, teilsystemen, medialisierungsgrads, ausdifferenzierung, legitimationsbedarf, aufmerksamkeits-, sport
Arbeit zitieren
Philipp Durillo Quiros (Autor), 2016, Inwieweit bedingen Aufmerksamkeits- und Legitimationsbedarf die Ausdifferenzierung des Medialisierungsgrads in gesellschaftlichen Teilsystemen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490568

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