Die Qualität des betrieblichen Arbeitsschutzes in unterschiedlichen Branchen und Regionen


Hausarbeit, 2019
31 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Belastungen der Arbeitnehmer
2.2 Maßnahmen des Arbeitgebers
2.3 Bedeutung des Arbeitsschutzes für Unternehmen
2.4 Unterschiede zwischen den Branchen
2.5 Zusammenfassung und Ableitung der zentralen Fragestellung
2.6 Begriffsbestimmung
2.6.1 Gesundheitsverhalten
2.6.2 Geschlechter- und Altersunterschiede
2.7 Branchengruppen: Landwirtschaft/ Produktion bzw. Dienstleistungen

3. Empirische Untersuchung
3.1 Stichprobenbeschreibung
3.2 Darstellung der (abhängigen) Variablen A301, A303 und A601
3.3 Inferenzstatistik der Branchengruppen
3.3.1 Häufigkeiten der Verantwortlichen (A301) in den Branchengruppen
3.3.2 Häufigkeiten des Betriebsrates (A303) in den Branchengruppen
3.3.3 Häufigkeiten der Gesundheitsförderung (A601 A-E) in den
Branchengruppen
3.4 Korrelation der Betriebsgröße mit Engagement für den
Gesundheitsschutz
3.5 Bestimmung der internen Konsistenz

4. Diskussionsteil

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Stichprobenverteilung des Datensatzes (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 2 Histogramm mit Normalverteilungskurve der Befragten (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 3 Prozentuale Verteilung der Befragten nach Branchengruppen (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 4 Prozentuale Verteilung der Befragten nach Branchengruppen (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 5 Anzahl der Mitarbeiter im Betrieb (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 6 Prozentuale Häufigkeiten der Variablen A301, A303 und A601 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 8 Anzahl der Beschäftigten sortiert nach Branchengruppen (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Test auf Normalverteilung (KS Test und SW Test) (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 2 SPSS-Ausgabe, Reliabilitätsanalyse, Zusammenfassung der Fallverarbeitung und Reliabilitätsstatistik mit Cronbachs-Alpha (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 3 SPSS-Ausgabe, Reliabilitätsanalyse, Item-Skala-Statistiken (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 4 Vergleich der Branchengruppen in Bezug zu den Variablen A 301 A-C (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 5 T-Test bei unabhängigen Stichproben Variabeln A301 A- C (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 6 Mittelwerte der Variabel A 303 im Vergleich der Branchengruppen (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 7 T-Test Variabel A 303 (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 8 Gruppenstatistik der Branchengruppen im Vergleich mit Variabeln A 61 A - E (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 9 T-Test der Variablen A 601 A-E (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 10 Korrelationen der Variablen A701 A bis D mit bra_gr (Quelle: Eigene Darstellung)

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die steigende Arbeitsbelastung führt zu immer mehr gesundheitlichen Risiken. Da- bei stellt die Erwerbstätigkeit die wichtigste Quelle zur Lebensunterhaltssicherung dar. Ebenso finanziert diese den deutschen Sozialstaat mit allen Sicherungssyste- men, die wiederum nicht nur den Einzelnen, sondern die gesamte Bevölkerung ver- sorgen. Erwerbstätig zu sein bedeutet materielle Vorteile durch ein regemäßiges Einkommen zu erhalten, aber auch einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen, die mit sozialem Ansehen einhergeht. Die Einbindung in feste Zeitstrukturen ermöglicht ein geregeltes Leben. Durch den demografischen Wandel kommt es gegenwärtig und noch verstärkt in der Zukunft zu einem Fachkräftemangel, der es notwendig macht, die einzelnen qualifizierten Arbeitskräfte möglichst lange in der Erwerbstätig- keit zu halten. Ziel dabei ist es, die arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken, die zur Er- werbsunfähigkeit führen können, zu minimieren oder sogar zu eliminieren. Dabei bestehen Belastungen am Arbeitsplatz nicht nur bei körperlicher Tätigkeit, sondern ebenso bei geistiger Anstrengung oder aus Gründen der Arbeitsorganisation, - umgebung oder aufgrund der sozialen Beziehungen. Als bewiesen anzusehen ist, dass eine Belastung, welche die individuelle Leistungsfähigkeit auf Dauer über- steigt, zu einer Überbeanspruchung eben dieser und zu gesundheitlichen Beein- trächtigungen führt. Die Konsequenz daraus sind Fehlzeiten, Berufskrankheiten, Ar- beitsunfähigkeit und vorzeitiger Renteneintritt, verbunden mit beträchtlich hohen be- trieblichen und gesellschaftlichen Folgekosten. Etwa 14% der Frauen und 20% der Männer empfinden ihre Arbeitsbedingungen als stark oder sehr stark gesundheits- gefährdend. Zudem werden Beeinträchtigungen im Betriebsklima im Vergleich zu anderen Arten von Belastungen von Frauen und Männer als besonders belastend wahrgenommen. Eben diese wahrgenommene Belastung durch die Arbeit variiert zwischen Branchen und Berufsgruppen (Kroll, et.al., 2011, S.2ff.).

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, im Vergleich mit den in der Einleitung genannten Daten eine quantitative Datenanalyse des Datensatzes ZA5634_Arbeitnehemer:kurz.sav mit Hilfe von SPSS durchzuführen. Dieser Datensatz stammt aus einer Befragung von 5.512 in Deutschland Beschäftigten. Dabei soll die Qualität des Arbeitsschutzes in verschiedenen Branchen und Regionen beleuchtet werden und die Wichtigkeit des- sen reflektiert werden. Daraus sollte eine Übersicht entstehen, die verschiedene Ar- ten des Gesundheitsschutzes darstellen kann und zudem Zusammenhänge mit ver- schiedenen Faktoren bzw. Branchengruppen darstellen soll.

1.3 Aufbau der Arbeit

In der Einleitung wird darauf eingegangen, welchen Belastungen Arbeitnehmer un- terliegen und mit welchen Maßnahmen Arbeitgeber darauf reagieren können. An- schließend wird die aktuelle Bedeutung des Arbeitsschutzes für die Unternehmen dargestellt.

In dieser Arbeit soll es darum gehen, zum einen die wesentlichen Inhalte aus dem Material herauszuarbeiten und zu abstrahieren, zum anderen deren Häufigkeiten, Unterschiede und signifikanten Zusammenhänge darzustellen. Dazu wird zunächst eine Erläuterung des theoretischen Hintergrundes vorgenommen, welche alle we- sentlichen Punkte zum Verständnis der vorliegenden Arbeit erläutert.

Anschließend werden im empirischen Teil zunächst deskriptiv das Alter und die Ge- schlechterverteilung, sowie die Betriebsgrößen und die Branchenverteilung der Be- fragten dargestellt. Darauf folgt eine inferenzstatistische Untersuchung der Bra- chengruppen und eine Analyse der Frage, ob die unterschiedlichen Arten des En- gagements für den Gesundheitsschutz mit der Größe des Betriebs zusammenhän- gen. Zusammenfassend erfolgt eine Überprüfung der internen Konsistenz verschie- dener Variablen mit Hilfe von Cornbachs-Alpha.

Abschließend wird ein Diskussionsteil erstellt, in dem die bei der Analyse erhaltenen Ergebnisse vor dem Hintergrund der theoretischen Darstellungen und den daraus abgeleiteten Fragestellungen interpretiert werden. Die praktische Relevanz der Er- gebnisse wird im Fazit dargestellt.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Belastungen der Arbeitnehmer

In den letzten Jahrzehnten gab es eine deutliche Zunahme des Anteils an Beschäf- tigten, welche sich durch den psychosozialen Druck bei der Arbeit belastet fühlen. Nach Angaben der GEDA-Studie (2010) arbeiten 36% der Frauen und 44% der Männer häufig unter Termin- und/ oder Leistungsdruck. Etwa jeder fünfte Unfall von Erwachsenen am Arbeitsplatz kann auf eine Verursachung durch die Arbeitsbedin- gungen zurückgeführt werden. Die quantitativen und qualitativen Veränderungen der heutigen Zeit, welche einleitend bereits erwähnt worden sind, führen zu psychi- schen Belastungen der Arbeitnehmer. Das Gesundheitsrisiko steigt und ist am höchsten, wenn diese Belastungen eine bestimmte Qualität erreichen, welche indi- viduell für jeden Arbeitnehmer ist. Diese Gesundheitsrisiken äußern sich in Befin- dens- und Verhaltensbeeinträchtigungen, in psychosomatischen Beschwerden und Erkrankungen, unter anderem Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, erhöhten Fehlzeiten und Krankenstand, aber auch durch Mitarbeiterfluktuation und innerer Kündigung, verbunden mit Motivationsverlust (Rudow, 2010, S.8).

Psychische Belastungen sind definiert und beschrieben in der DIN EN ISO Norm 10075. Darin ist beschrieben, dass psychische Belastungen die Gesamtheit aller er- fassbaren Einflüsse, die von außen auf einem Menschen zukommen beinhalten, so- fern sie auf ihn einwirken. Um Einflüsse zu einer Beanspruchung zu machen, müs- sen diese in Abhängigkeit zu den Voraussetzungen und der vorhandenen Resilienz des Individuums gesehen werden. Nicht jede psychische Belastung führt zu einer Erkrankung der Person. Als bewiesen gilt eine lebenslange Prävalenz für Neurosen von 64%, für depressive Symptome von 43,5% und für Magenbeschwerden von 37,5%. Ängste und phobische Zustände zeigen 26,5%, die restlichen 20,5% zeigen Verwahrlosungszüge der eigenen Person. Konstante Befunde zeigen sich außer- dem im Zusammenhang vom Betriebsklima und der Art des Krankenstandes (Häf- ner, et.al., 2004, S.7ff.).

2.2 Maßnahmen des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber hat in verschiedenen Bereichen des Unternehmens dafür Sorge zu tragen, dass die entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten werden. Diese sind durch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), welches seit August 1996 in der Bundesrepublik Deutschland gilt, geregelt. Das ArbSchG enthält die Vorgaben zur Sicherung und Verbesserung für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten. Zudem beschreibt es Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen, ar- beitsbedingten Gesundheitsgefahren und menschenrechtlichen Gestaltungen (Arb- SchG, §1-4, 2015).

Nach §5 Abs. 1ArbSchG verpflichtet sich der Arbeitgeber zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung. Dies bedeutet, dass eine Beurteilung der Gefährdung für die Arbeitnehmer ermittelt werden muss, aus der die entsprechenden Arbeits- schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Die Gefährdung bezieht sich dabei auf die Möglichkeit eines Schadens oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Die Ge- fährdungsbeurteilung erfolgt nach einem festgelegten Prozess (Kroll, et.al., 2017, S. 11ff.). Dazu gehören unter anderem die Gefährdungsbeurteilung, die Erteilung von Betriebsanweisungen, die Organisation der Ersten Hilfe und des Brandschutzes, sowie die sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung. Sofern vorhanden muss die Prüfung von Arbeitsmitteln erfolgen und die Überwachung bedürftiger An- lagen. Abhängig vom jeweiligen Unternehmen folgt daraus die Berücksichtigung spezieller Forderungen der jeweiligen Berufsgenossenschaft und das Regelwert des oben genannten ArbSchG, welches unter anderem den Arbeitsschutz für Jugendli- che und den Mutterschutz beinhaltet. Grundsätzlich gilt, dass der Unternehmer die grundlegende Verantwortung für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der Belegschaft trägt. Dazu gehört ebenfalls die Delegation dieser Verantwortung an betriebliche Vorgesetzte, sofern dies der Größe des Unternehmens entsprechend nicht vom Unternehmer persönlich gewährleistet werden kann (Rudow, 2010, S.5ff.).

Neben diesem arbeitsmedizinischen Arbeitsschutz ist es durchaus angebracht zu- nehmend auch arbeits- und organisationspsychologische Aspekte zu berücksichti- gen. Die Gesundheitsförderung in Betrieben ist durch die Ottawa-Charta im Jahre 1986 stark vorangetrieben worden und stellt eine Ergänzung des vorhandenen Ar- beitsschutzes dar. Darin enthalten sind Vorgaben für ein modernes Konzept des Ar- beits- und Gesundheitsschutzes welches vorsieht, dass die Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen verbessert werden sollten und die Mitarbeiterbeteiligung in Kombination mit der Stärkung persönlicher Kompetenzen erreicht werden soll. Des Weiteren wird explizit berücksichtigt, dass Arbeit nicht nur negative, sondern auch positive Auswirkungen haben kann, bspw. soziale Kontakte und Erfolge. Die betrieb- liche Gesundheitsförderung sollte entsprechend einerseits auf eine Verringerung der pathogenen Einflüsse achten, andererseits auf die Stärkung salutogener Ressour- cen (Häfner, 2004, S. 10ff.).

2.3 Bedeutung des Arbeitsschutzes für Unternehmen

Zunächst einmal bedeutet der Arbeitsschutz für ein Unternehmen einen finanziellen Gewinn. Durch die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) inklusive Präventionsmaßnahmen und Gesundheitsförderung für die Mitar- beiter kommt es nachweislich zu betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Verbesserungen. Betriebswirtschaftlich in dem Sinne, dass die Senkung des Kran- kenstandes im Unternehmen zu einer Erniedrigung der finanziellen Verlustrate durch Krankheitstage führt. Angenommen das Unternehmen verfügt über 100 Mitar- beiter; ein Tag Arbeitsunfähigkeit (AU) kostet den Arbeitsgeber 250 € und der Kran- kenstand der Belegschaft liegt bei 8% pro Jahr, also 1840 Ausfalltagen pro Jahr. Al- lein die Senkung um 1% dieses Krankheitsstandes senkt die Ausfalltage um 230 auf 1.610 Tage und demnach 57.500€ / Jahr (230 x 250 €) weniger Verlust. Volkswirt- schaftlich besteht in Deutschland das Problem, dass die Kosten, die durch Unfälle und Erkrankungen geschehen aufgrund des Sozialsystems von der Gesellschaft aufgefangen werden müssen. Des Weiteren hemmen unzureichende Arbeits- schutzmaßnahmen das Unternehmen auch in dem Sinne, dass Arbeitskräfte kündi- gen oder keine neuen eingestellt werden können, da sich niemand für eine risikobe- haftete Stelle bewerben möchte (Rudow, 2010 S. 25f.).

2.4 Unterschiede zwischen den Branchen

Signifikante Unterschiede zeigen sich in der Form der Erkrankungen der Arbeitneh- mer. Es konnte in Großbetrieben ein signifikanter Erkrankungsgipfel von Magener- krankungen, welche auf Stress zurückgeführt werden, bei 12% der Belegschaft mit einem Altersgipfel um das 30.Lebensjahr festgestellt werden. Bei Mitarbeitern mit Wechselschicht, Lokführern, Raupenfahrern, Rangierern und Büroangestellten gab es keine Häufung an Magenerkrankungen. Eine Erhöhung weisen Angestellte, Vor- arbeiter, Vorgesetzte (Meister, Abteilungsleiter, usw.), sowie Akkordarbeiter auf. Zu- grunde liegt dabei die spezifische Belastung der einzelnen Gruppen, sowie die durch die Entwicklung bedingte immer häufiger auftretende Schichtarbeit. Letzteres führt zu Müdigkeit, Schlaf- und Appetitstörungen, sowie gastrointestinalen und kar- diovaskulären Erkrankungen. Diese physischen Erkrankungen werden durch psy- chische Erkrankungen erweitert, welche unter Anderem aus dem erschwerten Auf- rechterhalten von sozialen Kontakten zur Umwelt resultieren.

2.5 Zusammenfassung und Ableitung der zentralen Fragestellung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein nachhaltiger Arbeitsschutz in al- len Branchen unumgänglich erscheint. Des Weiteren sollten Beschäftigte nicht nur vor Gefahrensituationen geschützt werden, welche die physischen Verletzungen be- treffen, sondern ein ganzheitlicher gesundheitlicher Schutz ist erforderlich. Die For- schung belegt, dass sowohl psychische, als auch physische Belastungen der Ar- beitnehmer ein großes Problem in der heutigen Gesellschaft darstellen, mit wach- sender Tendenz. Einen wichtigen Einflussfaktor bildet dabei die Branche, in der die Arbeitnehmer tätig sind. Der Dienstleistungssektor verzeichnet dabei mehr psychi- sche Krankenstände, Beschäftigte im Verkehrs- und Nachrichtengewerbe eher phy- sische. Bezogen auf den Einfluss demographischer Faktoren tendieren Frauen mehr dazu präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen zu akzeptieren und anzunehmen, wohingegen sich im Laufe des Alters auch Männer diesen annehmen. Präventive Maßnahmen sollten je nach Branche und Betrieb individuell durch das eigene betriebliche Gesundheitsmanagement mit den Mitarbeitern abgestimmt und initiiert werden, um eine nachhaltige Prävention zu erreichen (ebd. bereits verwen- deten Quellen, s.o.).

Aus den dargestellten wissenschaftlichen Aspekten ergeben sich folgende zentrale Fragestellungen:

1. Existieren in Bezug auf die verschiedenen Arbeitsschutzmaßnahmen signifikante Unterschiede in den untersuchten Branchengruppen?
2. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Arten des Engagements für den Ge- sundheitsschutz von Seiten der Mitarbeiter und der Größe des Betriebs?
3. Kann mithilfe der vorliegenden Befragung ein Gesamtwert des Engagements für das Gesundheitsverhalten der Arbeitnehmer ermittelt werden?

2.6 Begriffsbestimmung

2.6.1 Gesundheitsverhalten

Es gibt zahlreiche Theorien des Gesundheitsverhaltens. Zentral und nützlich er- scheinen die Kriterien über die Selbstwirksamkeitserwartung auf Grundlage von ge- sundheitspsychologischen Aspekten, aber auch verschiedene Modelle und Theo- rien, laut denen das Zusammenwirken einzelner Einflussfaktoren und ein Kriterium beschrieben werden erscheinen sinnvoll. Insgesamt stellt das Gesundheitsverhalten derartige Verhaltensweisen dar, die die Gesundheit fördern, sowie Schäden und Einschränkungen durch entsprechendes Verhalten vermeiden. Dazu gehören be- stimmte gesundheitsfördernde Maßnahmen und Verhaltensweisen, wie eine aus- gewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität genauso, wie die Inan- spruchnahme von arbeitsplatzbedingten Präventionsmaßnahmen und Gesundheits- förderungsmaßnahmen. Auch die Unterlassung bestimmter Verhaltensweisen, wie Suchtverhalten und andere, die die Gesundheit gefährden gilt als Gesundheitsver- halten in positiver Sichtweise. Das Gesundheitsverhalten lässt sich durch verschie- dene Variablen, Motive, Determinanten und Konstrukte erklären und vorhersagen, deren nähere Erläuterung den Rahmen der vorliegenden Hausarbeit übersteigen würde (Lippke & Renneberg, 2006,S36ff. & Rütten, et.al., 2005, S.7 & Hofmann, 2010, S.6ff.).

2.6.2 Geschlechter- und Altersunterschiede

Im Hinblick auf das Gesundheitsverhalten sind Männer gegenüber den Frauen deut- lich in ihrer Lebenserwartung verkürzt. Diese ist um ca. 6,5 Jahre kürzer. Vor allem die kardiovaskuläre Mortalitätsrate, aber auch der Bereich der Onkologie und die verhaltensspezifische Mortalität durch Unfälle, Suizide, etc. ist bei Männern signifi- kant höher, als bei Frauen. In den letzten Jahren hat sich in Bezug auf die Männer- gesundheit viel getan. Aus Studien geht hervor, dass die Basis für eine hohe Le- benserwartung bereits in der Jugend gelegt wird, d.h. vor dem 20. Lebensjahr. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass gerade für die jungen Erwachsenen viel durch verhaltens- und umweltbezogene Einflüsse modifiziert werden kann. Insgesamt ist diese Altersgruppe als verbesserungswürdig anzusehen. Wohingegen die Alters- gruppe der 30 bis 60-jährigen durchaus eine Verbesserung zeigen. Dies kann durch die Annahme der Vorsorgeangebote, aber auch durch die zunehmende Akzeptanz von Fitnessangeboten belegt werden. Männer sind hinsichtlich des Risikoverhaltens deutlich gefährdeter als Frauen. Hinsichtlich des BMI weisen deutlich mehr Männer eine Erhöhung auf als Frauen. Der Grund hierfür ist falsches Ess- und Bewegungs- verhalten. Einige Untersuchungen stellen allerdings den Einfluss der geschlechts- spezifischen Hormonsituation als Erklärung für das Risikoverhalten besonders jun- ger Männer dar. Auch das Suchtverhalten ist bei den Männern ausgeprägter, als bei den Frauen. Insgesamt lässt sich dadurch festhalten, dass Frauen besser auf Ge- sundheitsvorsorgeprogramme ansprechen und mehr auf sich achten. Allerdings liegt die Gewichtung in der Betrachtung der geschlechtsspezifischen Mortalität immer zugunsten der Betonung der Lebenserwartung. Es scheint eine Ausrichtung auf die Lebensqualität sinnvoller. Diese scheint je nach Lebensalter oder -phase zu variie- ren und ist geschlechtsspezifischen Einflüssen unterworfen. Einige Untersuchungen zeigen bereits, dass eine höhere Zufriedenheit auch mit Risikoverhalten zu einer subjektiv höheren Lebensqualität bei niedriger Lebenserwartung führt. Die Konse- quenzen dieser Untersuchung sollten allerdings individuell auslegbar bleiben (Rutz & Klotz, 2007, S. 367ff. & Lürßen, et.al., 2015, S. 20ff.).

2.7 Branchengruppen: Landwirtschaft/ Produktion bzw. Dienstleistungen

Das BGF, das Institut für betriebliche Gesundheitsförderung berechnete im Jahr 2017 den Krankenstand im Branchenvergleich. In dieser Erhebung wird deutlich, dass der höchste Krankenstand in der öffentlichen Verwaltung besteht, da dort die Beschäftigten zwischen Personalknappheit und wachsenden, sich stark wandelnden Aufgaben aufgerieben werden. Allerdings sind diese Erhebungen mit dem Hinter- grundwissen des Durchschnittsalters der Branchen zu betrachten. Die öffentliche Verwaltung hat demnach, genau wie die Metallindustrie und der Verkehr/Lagerei, ein hohes Durchschnittsalter mit entsprechend höheren Krankenständen. Die Dienstleistungsbranchen, wie Information/Kommunikation, Finanzen/Versicherung, Einzelhandel, etc. weisen ein niedriges Durchschnittsalter mit niedrigerem Kranken- stand auf. Der Krankenstand im öffentlichen Dienst liegt bei 7,39% im Jahr 2015, bei einem Durchschnittsalter von ca. 44 Jahren. Im Vergleich liegt der Sektor der Dienstleistungen bei 3,74% Gesamtkrankenstand im Jahr 2015, allerdings bei ei- nem Durchschnittsalter von ca. 37 Jahren (BGF, 2017, o.S.).

Besonders hoch, mit 43% stehen Dienstleistungsberufe, wie Kreditinstitute, Versi- cherungen, aber auch Mitarbeiter in den Branchen Verkehr, Nachrichten und Tele- kommunikation unter Zeit- und Leistungsdruck. Am häufigsten, mit 84% wurde dafür eine zu enge Personaldecke verantwortlich gemacht. Die durchgeführte Betriebsrä- tebefragung von BARGEME/WSI zeigt, dass die körperliche Belastung vor allem in der Verkehrs- und Nachrichtenbranche ebenfalls enorm angestiegen ist und diese mit 38% am häufigsten betroffen sind. Ursächlich dafür sind die Arbeitsbedingungen der rasant wachsenden Speditionsbetriebe und des öffentlichen Nahverkehrs. Aber auch im Handel sind vermehrt körperliche Belastungen, mit 28% festzuhalten. Wei- testgehend einheitlich in allen Branchen und Arbeitsgebieten erscheint die Zunahme psychischer Belastungen mit 75% Prozent. Im Bereich der Banken und Versiche- rungen überdurchschnittlich oft, welche der Branche der Dienstleistungen zugeord- net werden (Ahlers, 2010, S.6ff.).

3. Empirische Untersuchung

3.1 Stichprobenbeschreibung

Der vorgegebene Datensatz ZA5634_Arbeitnehmer_kur.sav, die gekürzte Version aus Sommer & Schmitt (2012) beschreibt eine Betriebs- und Beschäftigtenbefra- gung 2011 im Rahmen der Dachevaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeits- schutzstrategie (GDA). Die Befragung enthält in ihrer vorliegenden gekürzten Form 69 Items von ursprünglich 5.512 Befragten. Die Kürzung des Datensatzes besteht dahingehend, dass 16 Befragte aus dem Datensatz entfernt worden sind, welche die Frage 201 (Beschäftigungsumfang) und/oder die Frage A206 (Art des Arbeits- platzes) nicht beantwortet hatten. Die empirische Untersuchung wird demnach mit 5.496 Befragten durchgeführt. Das Alter der Befragten umfasst eine Spannweite von 14 bis 79 Jahren mit einem Mittelwert von 44,2 Jahren. Die Geschlechterverteilung ist zum Vorteil der Frauen, mit 55,7% (n= 3062) ausgelegt. Mit 44,3% nahmen 2.434 Männer an der Befragung teil. Die konkrete Altersverteilung in Beziehung zur Ge- schlechterverteilung ist in Abbildung 1, der Alterspyramide visualisiert.

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Details

Titel
Die Qualität des betrieblichen Arbeitsschutzes in unterschiedlichen Branchen und Regionen
Hochschule
SRH Fernhochschule
Autor
Jahr
2019
Seiten
31
Katalognummer
V490606
ISBN (eBook)
9783668978706
Sprache
Deutsch
Schlagworte
qualität, arbeitsschutzes, branchen, regionen
Arbeit zitieren
Melanie Barthel (Autor), 2019, Die Qualität des betrieblichen Arbeitsschutzes in unterschiedlichen Branchen und Regionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490606

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