Freispielführung in der Krippe

Ausarbeitung zu einem Praxisbesuch


Praktikumsbericht / -arbeit, 2019

16 Seiten, Note: 2,7

Denton van Zan (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bisherige Erfahrungen
1.1 Stellung des Erziehers in der Gruppe
1.2 Eigene Erfahrungen
1.3 Schlussfolgerungen

2 Gedanken zum Erziehungsstil

3 Ablauf des Freispiels
3.1 Begrüßung
3.2 Ablauf und Räumlichkeiten
3.3 Aufräumen

4 Regeln

5 Gruppensituation und Schlussfolgerungen
5.1 Gruppensituation allgemein
5.2 Konflikte
5.3 Bewegungsmöglichkeiten
5.4 Schlussfolgerungen für die Freispielführung

6 Überlegungen zum Materialimpuls

7 Zusammenführung der Gesamtgruppe
7.1 geplanter Ablauf
7.2 neues Element

8 Literatur

1 Bisherige Erfahrungen

1.1 Stellung des Erziehers in der Gruppe

Die Kinder haben meine regelmäßige Anwesenheit in ihrem Gruppenraum erkannt und aus meiner Beobachtung heraus auch akzeptiert. Durch meine wöchentlichen Aktivitäten mit mehreren Kindern unserer und auch Kinder der zweiten Krippengruppe gelingt es mir leicht, die Kinder zu motivieren und mit ihnen gemeinsam meine in diesen Aktivitäten beabsichtigten Ziele spielerisch zu erreichen. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeiten liegt darin, meine Anleiterin und gleichzeitig Gruppenleiterin unserer Krippengruppe in ihren Tätigkeiten zu unterstützen und, wenn möglich, jede Woche eine Aktivität für die Kinder auszuarbeiten. Grundlegend führt sie das Freispiel, kurzzeitige, organisatorische Abwesenheiten werden durch eine weitere Kollegin und mich überbrückt.

Des Weiteren führe ich seit wenigen Wochen jeden Dienstag den Morgenkreis, welcher um 8:30 Uhr, direkt vor dem Frühstück, stattfindet. Dieser beginnt mit einem Gong, welcher den Kindern als Ritual mehrere Tätigkeiten vermittelt. Die Kinder, welche bereits eingewöhnt sind, wissen, dass mit dem Schlagen des Gongs das Aufräumen eingeleitet wird, sie danach auf ihre zwei Gruppen aufgeteilt werden und in den Gruppenräumen dann die Morgenkreise gehalten werden. Im Anschluss findet dann das gemeinsame Frühstück in den jeweiligen Gruppen statt.

1.2 Eigene Erfahrungen

In unserer Krippe wird die Freispielführung hauptsächlich durch die Anwesenheit der examinierten Fachkraft vor Ort geregelt. Meine Anleiterin ist morgens die Erste in unserer Einrichtung, wodurch sie aus logischen Gründen ab 7:30 Uhr (Öffnungszeit) für die Annahme der ersten Kinder und somit für Aufsicht und Freispielführung zuständig ist. Ab 7:30 Uhr sind dann in der Regel ein oder zwei weitere Kolleginnen vor Ort, wodurch diverse Tätigkeiten zeitgleich statt finden können. So bleibt Beispielsweise eine Fachkraft zur Annahme der folgenden Kinder im dafür vorgesehenen Gruppenraum, während sich die andere Fachkraft mit der Zubereitung des Frühstücktees oder des Snacks beschäftigen kann. Ich selbst bin an jedem meiner Praxistage ab 8:00 Uhr im Gruppenraum anwesend. Somit hat sich zum Zeitpunkt meines Eintreffens bereits ein Freispiel entwickelt und es ist mindestens eine Fachkraft vor Ort, wodurch ich an dieser Stelle normaler Weise nicht das Freispiel führe. In einzelnen Ausnahmefällen obliegt mir die Freispielführung, meist bei krankheitsbedingtem Personalmangel oder zum Beispiel wenn beide Kolleginnen Kinder zum eingewöhnen haben. Hier gelingt es mir, den Überblick zu behalten und Konflikte, welche nicht durch die Kinder selbst behoben werden können, zu schlichten.

1.3 Schlussfolgerungen

Auf Grund der oben aufgeführten Tatsachen bin ich jede Woche mindestens einmal, beim Zusammenführen der Kinder und anschließendem Morgenkreis, für den Ablauf des Freispiels beziehungsweise für dessen Unterbrechung zuständig. Da sich im Krippenalltag ständig Situationen ergeben, wie zum Beispiel das Wickeln eines Kindes, bin ich mehrfach am Tag damit beauftragt, das Freispiel der Kinder zu beobachten und zu führen, ohne dass dies wortwörtlich in einem Gespräch geklärt werden muss. Solch ein Gespräch halte ich selbst nicht immer für notwendig, da dies meist Zeit kostet und in den bisherigen Teams, in denen ich gearbeitet habe nicht von Nöten war.

2 Gedanken zum Erziehungsstil

Ich selbst habe seit Anfang der Ausbildung mit der strikten Eingliederung meines Erziehungsstils in eine der drei von Kurt Lewin formulierten Verhaltensweisen, autoritär, demokratisch oder laissez-faire, meine Schwierigkeiten. Auf Grund meines beruflichen Werdegangs vor der Erzieherausbildung war meine bisherige Einschätzung ein klar autoritäres Verhalten gegenüber den Kindern. Ich habe anfangs gerne und zu oft Regeln gesetzt, um so eine eigene Handlungssicherheit erlangen zu können. Gruppenkonstellationen waren durch mich strikt vorgegeben, beim Aufräumen der Sportgeräte nach unseren Turnstunden wurden sogar Freunde in unterschiedliche Gruppen eingeteilt, um so ein im Voraus von mir erwartetes „Herumalbern“ unterbinden zu können. Dieses Verhalten konnte ich in den vergangenen anderthalb Jahren dahingehend verändern, dass ich beim Einsatz von Regeln mit deutlich mehr Bedacht vorgehe. So sind viele der Regeln, welche oft im Affekt gestellt werden, zu allgemein formuliert ("Wir rennen nicht im Flur herum!"), es ist kein Grund für die Regel erkennbar ("Leg' das Auto jetzt hin!") oder es sind Regeln, welche ein mögliches Fehlverhalten der Kinder von Vornherein unterbinden sollen ("Wer raus möchte zieht Matschhosen an!"). Um so mehr Regeln den Kindern aber auferlegt werden, um so mehr Regeln gibt es auch für die pädagogischen Fachkräfte zu überwachen. Somit sind die Fachkräfte mehr damit beschäftigt Polizei zu spielen, anstatt mit den Kindern den Krippenalltag sinnvoll gestalten zu können. Ich konnte an mir selbst feststellen, dass ich jetzt meine Regeln den Kindern gegenüber begründe und nicht mehr einfach nur den Kindern vorsetze. Dies ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen dem autoritären und dem autoritativen Erziehungsstil. Weiterhin würde es im autoritären Erziehungsstil nicht die Wahlmöglichkeit geben, zum Beispiel zwischen einem Puzzle und dem Spiel mit Kapla- Steinen zu wählen, sondern hier würde klar bestimmt werden, welches Kind welcher Tätigkeit nachzugehen hat. Diese Wahlmöglichkeit ist im Bezug auf manche Aspekte im Krippenalltag nicht immer umzusetzen. So würde bei einigen Kindern auf die Frage: “Soll ich dir eine frische Windel machen?“ ein deutliches „Nein!“ geantwortet werden, was auf gar keinen Fall (vorausgesetzt die Windel ist voll) so belassen werden dürfte. In vielen Situationen ist also ein autoritäres Handeln, das heißt auf diese Situation angepasst, einem demokratischen Handeln vor zu ziehen, da das Kind im genannten Beispiel etwa die Konsequenzen seiner Entscheidung nicht einschätzen kann, nicht versteht und deswegen nicht tragen kann. Das sollte verstanden werden, wenn man sich ein Übergabegespräch am Nachmittag vorstellt, bei dem die Erzieherin der empörten Mutter antwortet: „Ich habe Ihren Sohn gegen 9:30 Uhr gefragt, ob ich Ihm eine frische Windel machen solle und er hat dies verneint!“ Schätzungsweise wäre dieses Gespräch an diesem Punkt nicht zu Ende, da die Mutter zu Recht über den Verbleib der schmutzigen Windel an ihrem Kind sehr erbost wäre. Kinder in diesem Alter haben noch nicht gelernt, was ihre Grundbedürfnisse sind und somit auch nicht, wie sie diese stillen können. Auch im häuslichen Alltag liegt es an den Eltern, die Bedürfnisse ihres Kindes zu entdecken und diese zu befriedigen. Diese Feinfühligkeit, eine Bereitschaft zum Erkennen eines Mangels und das Abstellen genau dessen, entscheidet wesentlich über die entstehende Bindung zwischen dem Erziehenden und dem Kind. Es spielt weniger eine Rolle, ob diese erziehende Person die Mutter, der Vater, die Oma oder ein Erzieher ist. Vielmehr ist es wichtig, dass das Bedürfnis zeitnah und ausreichend gestillt wird. In häuslichen Situationen klingt dies logisch, schließlich wird die Mutter ihren Säugling so lange an die Brust nehmen, bis dieser satt ist. Schwieriger stellt sich dies im Krippenalltag dar. Die Kinder bekommen eine zeitliche Struktur vorgesetzt, um ihnen Rituale, Struktur und einen festen Halt geben zu können. Zu diesen festgelegten Zeitpunkten besteht aber nicht immer das Bedürfnis, welches gerade prophylaktisch gestillt wird.

Den anzustrebenden, demokratischen Erziehungsstil kann ich, bis auf situationsbedingte autoritäre Handlungen, zu einem sehr großen Teil an mir selbst erkennen. Einzelne Aspekte verwende ich bereits vermehrt im Alltag ohne weitere Probleme. Ich lasse die Kinder entscheiden, mit wem sie spielen möchten, die Wahl des Spielzeugs bleibt ihnen überlassen und auch ein Ziel ist nicht immer vorgegeben. Gebote und Verbote versuche ich, soweit möglich, ihnen angemessen zu erklären und gebe mich den Kindern gegenüber sehr konsequent, wenn es darum geht diese Gebote und Verbote einzuhalten und durchzusetzen. Durch diese Konsequenz wirke ich auf die Kinder „echt“, da ich mich nicht verstelle und sie lernen, dass die wenigen bestehenden Regeln eingehalten werden müssen, um ein angenehmes Miteinander zu ermöglichen.1

3 Ablauf des Freispiels

3.1 Begrüßung

Das Bringen der Kinder ist in unserem Hause ab 7:30 Uhr möglich und die Begrüßung erfolgt normaler Weise durch die jeweilige Bezugserzieherin. Dies ist einerseits dahingehend sehr wichtig, da die Kinder noch in einem sehr anfälligen Alter für unvorhergesehene Ereignisse sind, andererseits können so die von beiden Seiten erwünschten Tür- und Angelgespräche stattfinden. So kommt es vor, dass die Kinder aus einem für uns Erwachsene unerfindlichen Grund morgens nicht aus dem Bett gekommen sind, auf dem Weg zur Kita etwas nicht passte oder einfach das Übergangsobjekt, zum Beispiel der Kuschelhase, zu Hause vergessen wurde. Diese Informationen können für die Erzieher sehr wichtig sein. Um dem Kind solche eventuell auftretenden Unzulänglichkeiten schnellstmöglich nehmen zu können, wird großen Wert auf eine angenehme Umgebung ab der ersten Minute in der Krippe angestrebt. Nicht immer ist es möglich, dass die Bezugserzieherin des jeweiligen Kindes zum Zeitpunkt dessen Eintreffens vor Ort ist. Diese Umstände werden dadurch ausgeglichen, dass sich drei examinierte Fachkräfte im Wechsel um die Annahme kümmern, die übrigen Fachkräfte plus zwei bis drei Praktikanten (inklusive mir) halten sich überwiegend mit im Zimmer auf. Hierdurch wird gewährleistet, dass genügend Personen vor Ort sind, um alle Kinder ausreichend begrüßen zu können. Gleichzeitig wird jedoch darauf geachtet, dass die Zahl der anwesenden Personen nicht zu groß ist und die Kinder erschrickt.

Anfang Oktober des letzten Jahres wurde das „Bringritual“ geändert, da es am frühen Morgen zu einer sehr großen Ansammlung von Eltern in unserem Gruppenraum kam. Am Meisten war dies in den ersten Wochen des begonnenen Krippenjahres zu beobachten. Weiterhin zeigten Kinder, welche vor den Sommerferien sicher bei uns angekommen waren, plötzliches, unsicher gebundenes Verhalten ihren Eltern gegenüber. So war es zum Beispiel bei T. (3;2). Wenn er morgens gebracht wurde, überredete er seine Mutter jeden Tag aufs Neue zum ausgelassenen Spiel in den unterschiedlichsten Ecken unserer Räumlichkeiten. Dieses Spiel dauerte oft vom Bringen bis hin zum eigentlichen Gong zum Aufräumen. Und gegen jeglichen Versuch der Mutter, sich von T. zu lösen, wurde mit verbittertem und anhaltendem Weinen protestiert. Das brachte uns dazu, für die „Abgabe“ der Kinder die Eingangstür unseres Gruppenraumes festzulegen. Anfänglich wurde auch dies protestähnlich von Kindern wie T. boykottiert, es fand sich aber recht schnell eine Routine ein.

[...]


1 vgl. Hobmair, S. 220-231

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Freispielführung in der Krippe
Untertitel
Ausarbeitung zu einem Praxisbesuch
Note
2,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V490611
ISBN (eBook)
9783668990807
ISBN (Buch)
9783668990814
Sprache
Deutsch
Schlagworte
freispielführung, krippe, ausarbeitung, praxisbesuch
Arbeit zitieren
Denton van Zan (Autor), 2019, Freispielführung in der Krippe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490611

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