Gegenstand dieser Arbeit ist das Überarbeiten im prozessorientierten Schreiben durch kooperative Schreibverfahren zur Förderung der Schreibkompetenz. Zunächst sollen Merkmale des Schreibens in Betracht gezogen werden, um anschließend den Begriff der Schreibkompetenz zu verstehen. Dann soll die Entwicklung der schreibdidaktischen Konzepte beleuchtet werden, um im Anschluss näher auf die prozessorientierte Schreibdidaktik überzuleiten. Daraufhin soll ein im Rahmen der prozessorientierten Schreibdidaktik bekanntes Schreibmodell aufgezeigt werden. Auf der Basis dieses Modells soll in Bezug auf den Prozess des Überarbeitens auf das kooperative Schreiben eingegangen werden.
Lesen und Schreiben sind voneinander abhängige Fähigkeiten und gehören zu den wichtigen Schlüsselkompetenzen für die Lebens- und Daseinsgestaltung in der Gesellschaft. Gute leserliche Texte entstehen durch einen planvollen Schreibprozess, der Zeit erfordert, um einen Text situations- und adressatengerecht zu produzieren. Unterschiedliche Studien und Befunde liegen vor, dass gerade bei Hauptschülerinnen und -schülern die Textproduktion Schwierigkeiten mit sich bringt, weshalb sie effektiver gefördert werden sollten, damit sie zukünftige Schreibsituationen adäquater bewältigen. Im Gegensatz zum Gymnasium ist der Anteil von Schülerinnen und Schülern (SuS) mit Migrationshintergrund in den Hauptschulen höher, weswegen im Deutschunterricht die Fähigkeiten im Schreiben vermittelt werden sollten, damit diese SuS nicht durch ein schlechteres Selbstkonzept im Fach Deutsch charakterisiert werden, was auch zu unmittelbar negativen Auswirkungen auf die schulischen Leistungen führt.
Die Fähigkeit zum Schreiben entwickelt sich in einem langen Prozess, der vom Schreibalter abhängt und durch den Schreibkontext beeinflusst wird. Im schulischen Schreiben dient das Schreiben dazu, individuelle Lernleistungen zu bewerten, den Lernerfolg aufzuzeigen und eine Lernkontrolle durchzuführen. Die Zielsetzungen zwischen dem Schreibunterricht und den anderen Fächern unterscheiden sich dadurch, dass beim erstgenannten das Schreiben als Lerngegenstand und beim letztgenannten als Lernmedium fungiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schreiben
3. Schreibkompetenz – Definition
4. Historische Entwicklung
5. Schreibprozess
6. Überarbeiten
7. Kooperatives Schreiben
8. Schreibkonferenz
9. Textlupe
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung und Umsetzung kooperativer Schreibverfahren zur Förderung der Schreibkompetenz bei Schülerinnen und Schülern zu untersuchen, wobei der Fokus insbesondere auf dem Prozess des Überarbeitens liegt.
- Grundlagen des Schreibens und Definition der Schreibkompetenz
- Entwicklung der prozessorientierten Schreibdidaktik
- Analyse des Schreibprozesses als Problemlöseprozess
- Funktionsweise und Vor- sowie Nachteile der Schreibkonferenz
- Einsatzmöglichkeiten und didaktische Vorteile der Textlupe
Auszug aus dem Buch
Textlupe
Die Textlupe ist ein kriterienorientiertes Verfahren zum schrittweisen kooperativen Schreiben (vgl. Köller, 2014; Becker-Mrotzek und Böttcher, 2005). Die Metapher Textlupe sagt anschaulich, worauf es ankommt: Die Aufmerksamkeit und das kontrollierende Lesen richten sich gezielt auf den geschriebenen Text, das Verfahren in seiner Gesamtheit ist vorstrukturiert, die auf Kooperation angelegten Fragen vermeiden unvorhersehbare und für Schreiber entmutigende Lesereaktionen von vornherein oder dämpfen sie zumindest (vgl. Baurmann, 2013).
Die „Textlupe“ ist eines der besonders intensiven und komplexen sowie effektivsten Verfahren beim planvollen Untersuchen und Überarbeiten.
Im Gegensatz zur Schreibkonferenz arbeiten die SuS hier schriftlich in Kleingruppen und mithilfe eines systematisch vorstrukturierten Kommentar- bzw. Beurteilungsbogens, der als Textlupe dient. Jeder Schüler der Gruppe erhält den Text eines Mitschülers bzw. einer Mitschülerin in getippter Form sowie die Textlupe und trägt in die Spalten seine / ihre Eindrücke und Beobachtungen, Vorschläge und Angebote zur Hilfe bei der Überarbeitung ein. Die auf Kooperation angelegten Fragen und Impulse beachten die Regeln des Feedbacks: In der ersten Regel wird die Arbeit gewürdigt. Die SuS lernen, das Positive auszusprechen, was wesentlich schwieriger ist, als negative Kritik zu formulieren. In der zweiten Spalte zeigt der Leser sein Interesse. Seine Fragen dokumentieren seine Nähe zum Text. Er notiert, was ihm auffällt, was ihn stört. In der dritten Spalte muss er sich ganz auf den Text einlassen, d. h., der Leser muss konstruktiv tätig werden, Vorschläge sogar schriftlich formulieren und damit punktuell in die Rolle des Schreibers wechseln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz von Schreibkompetenz als Schlüsselqualifikation und stellt das Ziel der Examensklausur vor, Überarbeitungsprozesse durch kooperative Verfahren zu fördern.
Schreiben: Dieses Kapitel betrachtet das Schreiben als kulturelle Tätigkeit und komplexe sprachliche Handlung, die über die bloße motorische Schriftproduktion hinausgeht.
Schreibkompetenz – Definition: Hier wird Schreibkompetenz als Bündel aus kognitiven, motivationalen und sozialen Fähigkeiten definiert, die für den Schreibprozess erforderlich sind.
Historische Entwicklung: Das Kapitel skizziert den Wandel schreibdidaktischer Ansätze von traditionellen Aufsatzformen hin zu einer modernen, prozessorientierten Schreibdidaktik.
Schreibprozess: Der Schreibprozess wird als ein rekursives Problemlöseverfahren beschrieben, das Phasen wie Planen, Formulieren und Überarbeiten umfasst.
Überarbeiten: Hier wird zwischen dem bloßen Berichtigen von Fehlern und dem inhaltlich-strukturellen Überarbeiten von Texten zur Steigerung der Qualität unterschieden.
Kooperatives Schreiben: Dieses Kapitel definiert teambasiertes Schreiben als motivierende Lernaufgabe, die Rezeptions- und Überarbeitungskompetenzen stärkt.
Schreibkonferenz: Es wird das mündliche Verfahren vorgestellt, bei dem Schüler sich gegenseitig Texte präsentieren und konstruktives Feedback geben.
Textlupe: Dieses Kapitel beschreibt das schriftlich strukturierte Verfahren der Textlupe, das durch Beurteilungsbögen gezielte Überarbeitungsprozesse unterstützt.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass kooperative Methoden die Schreibkompetenz fördern, sofern sie in einen motivierenden Schreibanlass eingebettet sind.
Schlüsselwörter
Schreibkompetenz, Schreibprozess, Überarbeiten, Kooperatives Schreiben, Schreibdidaktik, Schreibkonferenz, Textlupe, Textproduktion, Schreibmotivation, Problemlöseprozess, Feedback, Schriftsprache, Aufsatzdidaktik, Metakognition, Schüler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Förderung der Schreibkompetenz von Schülern durch den gezielten Einsatz kooperativer Verfahren im Deutschunterricht, insbesondere mit Fokus auf den Überarbeitungsprozess.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik des Schreibens, der Analyse des Schreibprozesses, verschiedenen Modellen der Textüberarbeitung sowie dem kooperativen Lernen im Klassenverband.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schüler durch Methoden wie Schreibkonferenzen und die Textlupe zu planvollen, überarbeitenden Schreibern entwickelt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit einschlägiger schreibdidaktischer Fachliteratur, um die Vor- und Nachteile der gewählten Schreibverfahren zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zum Schreiben und zur Schreibkompetenz, historische Einordnungen und eine detaillierte Analyse der Verfahren Schreibkonferenz und Textlupe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Schreibkompetenz, Schreibprozess, Überarbeiten, Kooperatives Schreiben sowie die spezifischen Methoden Schreibkonferenz und Textlupe.
Warum wird das Überarbeiten als eigenständige Phase betrachtet?
Da das Überarbeiten die Textqualität als Ganzes betrifft und eine zielbewusste Auseinandersetzung mit dem Inhalt erfordert, ist es mehr als nur eine Korrektur von Rechtschreibfehlern.
Was unterscheidet die Schreibkonferenz von der Textlupe?
Die Schreibkonferenz ist ein mündliches, diskursives Verfahren in der Gruppe, während die Textlupe durch einen schriftlichen, vorstrukturierten Beurteilungsbogen eine intensivere und differenziertere Reflexion ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Hülya Karadag (Autor:in), 2016, Das Überarbeiten im prozessorientierten Schreiben durch kooperative Schreibverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490918