Im Jahre 2000 wandte sich Robert Solow mit einigen Empfehlungen an die europäische und dabei speziell an die deutsche Beschäftigungspolitik. Er kritisierte vor allem eine zu einseitige Fokussierung auf politisch schwer durchsetzbare Lösungsvorschläge wie den Abbau von staatlichen Sozialleistungen und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Die Chancen, die sich auf einfacherem Wege durch Deregulierung der Güter- und Kapitalmärkte ergäben, würden demgegenüber sträflich vernachlässigt. Bereits durch eine Verbesserung des Risikokapitalangebots nach amerikanischem Vorbild könne eines der Hauptprobleme der Europäer, die Schaffung neuer Jobs, effektiv angegangen werden. In diesem Sinne befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Deregulierung auf Güter- und Kapitalmärkten und den damit einhergehenden Auswirkungen auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Sie beginnt mit einem kurzen Überblick über die gängigsten Argumetationen bezüglich der Beschäftigungswirkungen von Deregulierung. Anschließend wird beispielhaft die formalen Herleitung der zuvor beschriebenen Effekte durch Blanchard und Philippon dargestellt. Diese berücksichtigt auch die grundsätzliche Möglichkeit von negativen Auswirkungen durch Deregulierung auf die Beschäftigungssituation sowie die Rolle unvollständiger Information bei der Lohnfindung. Im abschließenden Ausblick stehen einige Überlegungen zur Politischen Ökonomie im Mittelpunkt, welche die Durchsetzbarkeit von Deregulierung betreffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschäftigungswirkungen der Gütermarktderegulierung
2.1. Monopolrenten und Löhne
2.2. Gütermärkte und Produktivität
3. Beschäftigungswirkungen der Kapitalmarktderegulierung
3.1. Quasi-Renten und Löhne
3.2. Kapitalmärkte und Innovation
4. Der Modellansatz von Blanchard / Philippon
4.1. Hypothese
4.2. Annahmen und Vereinfachungen
4.3. Herleitung der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung
4.4. Beschäftigungswirkung der Deregulierung
4.5. Empirische Evidenz
5. Ausblick / Überlegungen zur Politischen Ökonomie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Deregulierung von Güter- und Kapitalmärkten und der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Ziel ist es, mittels eines theoretischen Modells zu analysieren, ob und unter welchen Bedingungen marktorientierte Reformen zu einer Senkung der Arbeitslosigkeit beitragen können, wobei insbesondere die Rolle der Gewerkschaften und deren Anpassungsprozesse im Fokus stehen.
- Deregulierung von Gütermärkten und deren Einfluss auf Produzentenrenten sowie Lohnverhandlungen.
- Die Bedeutung von Kapitalmobilität und Quasi-Renten für die Beschäftigungsentwicklung.
- Formale Herleitung eines Modells zur gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung nach Blanchard und Philippon.
- Die Rolle von Lernprozessen und Erwartungen der Gewerkschaften bei der Lohnfindung.
- Polit-ökonomische Überlegungen zur Durchsetzbarkeit von Deregulierungsmaßnahmen.
Auszug aus dem Buch
4.2. Annahmen und Vereinfachungen
Das erstellte Modell basiert auf folgenden Annahmen und Vereinfachungen: Es wird von der Marktform des monopolistischen Wettbewerbs ausgegangen. Da die Auswirkungen von Deregulierung auf Gutermärkten vor allem in der Verringerung und damit einhergehenden Neuverteilung von Produzentenrenten vermutet werden, würde die Unterstellung von vollkommenem Wettbewerb nicht weit führen.
Es liegt keine perfekte Kapitalmobilität vor. Dies führt zu einem kurzfristig unelastischerem Kapitalangebot, von welchem etablierter Unternehmen in Form von „Quasi-Renten“ profitieren. Neu eintretende Unternehmen sind Nachteilen bei der Beschaffung von Kapital ausgesetzt. Durch Deregulierung und internationale Integration der Kapitalmärkte kann die Kapitalmobilität erhöht werden, was zu abnehmenden Quasi-Renten der Marktinsider führt.
Vereinfachend wird von kollektiven Lohnverhandlungen ausgegangen, die auf der Ebene einzelner Unternehmen stattfinden. Gewerkschaften besitzen ein Lohnsetzungsmonopol, die Beschäftigungsmenge wird nicht verhandelt und von den Unternehmen als Reaktion auf den Lohn bestimmt. Die Gewerkschaften maximieren ihre Lohnsumme (Nominallohn multipliziert mit der Beschäftigungsmenge), indem sie einen entsprechenden Lohn unter Berücksichtigung der Reaktion des Unternehmens wählen. Sie sind also einem trade-off zwischen hohen Löhnen und hoher Beschäftigung ausgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Kritik von Robert Solow an der europäischen Beschäftigungspolitik ein und erläutert den Fokus auf Güter- und Kapitalmarktderegulierung.
2. Beschäftigungswirkungen der Gütermarktderegulierung: Es wird analysiert, wie ein verstärkter Wettbewerb durch den Abbau von Marktzutrittsschranken Produzentenrenten verringert und den Gewerkschaften Anreize zu moderateren Lohnforderungen bietet.
3. Beschäftigungswirkungen der Kapitalmarktderegulierung: Hier wird untersucht, wie eine Erhöhung der Kapitalmobilität Quasi-Renten mindert und welche Bedeutung dies für die Innovationsfähigkeit und die Schaffung neuer Arbeitsplätze hat.
4. Der Modellansatz von Blanchard / Philippon: Dieses Kernkapitel formalisiert die Wirkungsmechanismen, wobei insbesondere die Rolle von Gewerkschaften und deren Anpassungs- bzw. Lernprozess im Mittelpunkt steht.
5. Ausblick / Überlegungen zur Politischen Ökonomie: Das Kapitel reflektiert die politische Durchsetzbarkeit von Deregulierungsmaßnahmen angesichts ungleicher Betroffenheit der Akteure.
Schlüsselwörter
Deregulierung, Gütermärkte, Kapitalmärkte, Beschäftigungstheorie, Arbeitslosigkeit, Gewerkschaften, Monopolrenten, Quasi-Renten, Lohnfindung, Kapitalmobilität, Wettbewerb, Blanchard, Philippon, Wirtschaftsstruktur, Reformpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert theoretisch, wie die Deregulierung von Güter- und Kapitalmärkten die Arbeitslosigkeit beeinflussen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf Wettbewerbsintensität, Kapitalmobilität, Lohnverhandlungsmacht der Gewerkschaften und die Auswirkungen auf die Beschäftigungsmenge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum Deregulierung trotz theoretisch positiver Anreize oft verzögerte oder unterschiedliche Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit in verschiedenen Ländern hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein formales Modell von Blanchard und Philippon sowie Methoden der komparativen Statik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der formalen Herleitung des Zusammenhangs zwischen Marktstruktur, Lohnsetzung und Beschäftigung sowie der empirischen Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Deregulierung, Beschäftigungstheorie, Monopolrenten, Kapitalmobilität und Gewerkschaften.
Wie reagieren Gewerkschaften auf eine Deregulierung der Gütermärkte?
Laut Modell müssen sie ihre Lohnforderungen an die sinkenden Verteilungsspielräume anpassen, was langfristig zu höherer Beschäftigung führen kann.
Warum kann eine Deregulierung kurzfristig die Arbeitslosigkeit erhöhen?
Aufgrund von Informationsdefiziten können Gewerkschaften die neue Marktlage falsch einschätzen, was zu einer verzögerten Lohnanpassung und somit vorübergehend sinkender Beschäftigung führen kann.
Welche Rolle spielt die „Leontief-Annahme“ im Modell?
Die Leontief-Annahme vereinfacht den Produktionsprozess dahingehend, dass Arbeit und Kapital im Verhältnis 1:1 komplementär eingesetzt werden, was die Analyse der Aggregation erleichtert.
- Quote paper
- Jan Kluck (Author), 2003, Die Deregulierung von Güter- und Finanzmärkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49093