Seit mehr als 30 Jahren erfreuen sich handelbare Umweltzertifikate in der wissenschaftlichen Diskussion großer Beliebtheit. Die modelltheoretische Forschung verspricht für diesen marktwirtschaftlichen Politikansatz ein zielgenaues Erreichen umweltpolitischer Ziele bei gleichzeitiger Minimierung der dafür aufzubringenden gesellschaftlichen Kosten. Ein weiterer Schritt in Richtung Ausgleich zwischen ökonomischer und ökologischer Effizienz, zwischen wirtschafts- und umweltpolitischen Interessen scheint durch die Stärkung ökonomischer Anreize für die Reduktion von Emissionen möglich zu sein.
Trotz nachdrücklicher wissenschaftlicher Empfehlungen und praxisnaher Modellspezifikationen lassen sich weltweit allerdings nur sehr wenige Beispiele für Umsetzungsversuche finden, bis heute wird das umweltpolitische Geschehen von Abgaben- und Auflagenpolitik dominiert. Die positiven Erfahrungen einiger Projekte in den Vereinigten Staaten scheinen jedoch das Interesse vieler Entscheidungsträger geweckt zu haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Eigenschaften handelbarer Umweltzertifikate
2.1. Definition, Funktionsweise und Einordnung
2.2. Alternative Ausgestaltungsmöglichkeiten
2.2.1. Erstvergabeverfahren
2.2.2. Räumliche Differenzierung
2.2.3. Laufzeiten
2.2.4. Emissionskontrolle und Sanktionen
2.3. Eigenschaften des Zertifikatmarktes
3. Vergleich mit ordnungsrechtlichen Politikansätzen
3.1. Ökologische Zielgenauigkeit
3.2. Ökonomische Effizienz
3.3. Umwelttechnologischer Fortschritt
3.4. Zusammenfassung weiterer Argumente
4. Vergleich mit marktwirtschaftlichen Politikansätzen
4.1. Ökologische Zielgenauigkeit
4.2. Ökonomische Effizienz
4.3. Umwelttechnologischer Fortschritt
4.4. Zusammenfassung weiterer Argumente
5. Erfahrungen aus Umsetzungsversuchen
5.1. Überblick
5.2. Emissionshandelssysteme in den USA
5.2.1. US Lead Phasedown Tradable Permit Market
5.2.2. Das Acid-Rain-Programm
5.2.3. Das RECLAIM-Programm
5.3. Das Emissionshandelssystem in Dänemark
5.4. Das Emissionshandelssystem in Großbritannien
6. Ausblick
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die Arbeit untersucht die Funktionsweise sowie die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen von handelbaren Emissionszertifikaten. Ziel ist es, deren Eignung als umweltpolitisches Instrument durch Vergleiche mit ordnungsrechtlichen und anderen marktwirtschaftlichen Ansätzen sowie durch die Analyse empirischer Erfahrungen aus bisherigen Implementierungsprojekten zu bewerten.
- Grundlagen und Ausgestaltungsmöglichkeiten handelbarer Zertifikate
- Vergleich der Effizienz zwischen Zertifikatslösungen und staatlichen Auflagen
- Analyse der ökologischen Zielgenauigkeit gegenüber Steuern und Abgaben
- Dynamische Anreizwirkungen für umwelttechnologischen Fortschritt
- Praktische Erfolgsfaktoren und Lehren aus internationalen Umsetzungsbeispielen
Auszug aus dem Buch
2.3. Eigenschaften des Zertifikatmarktes
Um die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen eines Systems handelbarer Emissionsrechte einschätzen zu können, bedarf es einer Analyse des entstehenden Marktes für Umweltzertifikate. Im Folgenden wird auf diesem Markt von vollkommenem Wettbewerb ausgegangen. Dies hat zur Folge, dass der Zertifikatspreis und damit der Preis für einen bestimmten Emissionsumfang für alle Nachfrager gleich hoch ausfällt und eine Markträumung impliziert, das staatlich verknappte Angebot wird also durch die Reaktion des Preismechanismus in vollem Umfang nachgefragt.
Für die betroffenen Unternehmen entstehen nun bei einem Schadstoffausstoß Kosten durch den Kauf von Zertifikaten in entsprechendem Umfang und zu gegebenen Marktpreisen. Diese können durch Emissionsreduktionen verringert werden, welche wiederum sogenannte Emissionsvermeidungskosten mit sich bringen. Aus dem Kostenminimierungskalkül ergibt sich nun folgende Abwägungsentscheidung zwischen dem Zertifikats-Kaufpreis P und den Grenzvermeidungskosten GVK: Ist P kleiner als die dem dazugehörigen Emissionsumfang entsprechenden GVK, lohnt es sich für das Unternehmen, Zertifikate in entsprechendem Umfang zu erwerben, da der Preis der Verschmutzung geringer ist als die Kosten ihrer Vermeidung. Gilt jedoch P > GVK, so ist die Vermeidungsanstrengung einer Emission billiger als der Erwerb der entsprechenden Rechte, das Unternehmen sich wird folglich für die kostengünstigere Alternative entscheiden und den Ausstoß reduzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der handelbaren Umweltzertifikate und Darlegung der Zielsetzung sowie des methodischen Vorgehens der Seminararbeit.
2. Grundlegende Eigenschaften handelbarer Umweltzertifikate: Erläuterung der Funktionsweise, der Ausgestaltungsmöglichkeiten wie Erstvergabe und Laufzeiten sowie der ökonomischen Grundlagen des Zertifikatmarktes.
3. Vergleich mit ordnungsrechtlichen Politikansätzen: Gegenüberstellung von Zertifikatslösungen und Auflagenpolitik hinsichtlich ihrer ökologischen Zielgenauigkeit, ökonomischen Effizienz und Anreizwirkung für technologischen Fortschritt.
4. Vergleich mit marktwirtschaftlichen Politikansätzen: Analyse der Unterschiede zwischen mengenbasierten Zertifikaten und preisbasierten Abgabensystemen bei der Erreichung umweltpolitischer Ziele.
5. Erfahrungen aus Umsetzungsversuchen: Detaillierte Betrachtung praktischer Emissionshandelssysteme, insbesondere in den USA, Dänemark und Großbritannien, um theoretische Erkenntnisse mit der Empirie zu verknüpfen.
6. Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale von Zertifikaten und Einschätzung der künftigen Rolle dieses Instruments in der deutschen und internationalen Klimapolitik.
Schlüsselwörter
Umweltzertifikate, Emissionshandel, Umweltpolitik, Ökonomische Effizienz, Grenzvermeidungskosten, Emissionsrechte, Marktbasierte Instrumente, Umweltökonomie, Zertifikatspreis, Grandfathering, Klimapolitik, Emissionsreduktion, Acid-Rain-Programm, RECLAIM-Programm, Ressourcenallokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob handelbare Umweltzertifikate ein effektives und effizientes Instrument der Umweltpolitik darstellen, um Schadstoffemissionen zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Zertifikatsmärkte, den Instrumentenvergleich mit Auflagen und Steuern sowie die Auswertung praktischer Fallbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Beleuchtung der ökonomischen und ökologischen Auswirkungen einer Einführung von Emissionszertifikaten im Vergleich zu alternativen politischen Steuerungsinstrumenten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse des Zertifikatmarktes unter Annahme vollkommenen Wettbewerbs durchgeführt, ergänzt durch eine vergleichende und empirische Auswertung existierender Handelssysteme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Zertifikatseigenschaften, den systematischen Vergleich mit Ordnungsrecht und Abgaben sowie die Darstellung internationaler Projekterfahrungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Umweltzertifikate, ökonomische Effizienz, Grenzvermeidungskosten, Emissionsrechte und der Vergleich zwischen marktbasierten und ordnungsrechtlichen Ansätzen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Erstvergabeverfahren eine so große Rolle?
Die Wahl zwischen Versteigerung und kostenloser Zuteilung (Grandfathering) beeinflusst die Wettbewerbssituation und die Akzeptanz des Systems bei der betroffenen Industrie, obwohl sie bei vollkommenem Wettbewerb das reine Marktergebnis nicht verändert.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich des technologischen Fortschritts?
Die Arbeit zeigt, dass hohe Zertifikatspreise Anreize für Innovationen schaffen, jedoch durch den technischen Fortschritt sinkende Grenzvermeidungskosten zu fallenden Preisen führen können, was den Investitionsanreiz dynamisch abschwächt, sofern keine Anpassung der Zertifikatsmenge erfolgt.
- Quote paper
- Jan Kluck (Author), 2003, Sind handelbare Umweltzertifikate ein adäquates umweltpolitisches Instrument?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49096