Die Gemäldegalerie Dresden, oder genauer die Gemäldegalerie Alte Meister, gehört heute zur Staatlichen Kunstsammlung Dresden. Gemeinsam mit der Porzellansammlung und dem Mathematisch-Physikalischen Salon ist sie im Zwinger mit dem sogenannten Semperbau untergebracht. Wie der Name bereits vermuten lässt, wurde er nach Plänen von Gottfried Semper zwischen 1847 bis 1855 gebaut. Diese Unterbringung im Galeriegebäude, dem Semperbau, ist bereits die dritte Beheimatung der Sammlung, deren Sammlungsschwerpunkte Hauptwerke der italienischen Renaissancemalerei wie Raffael, Giorgione, Tizian und Correggio, sowie kunsthistorisch bedeutende Werke altdeutscher und altniederländsicher Maler und auch Werke des 17. Jahrhunderts holländischer und flämischer Künstler, wie beispielsweise Rembrandt und seiner Schule beherbergen.
Der Bestand ist das Ergebnis einer Sammelleidenschaft, die auf zwei Kurfürsten in Sachsen zurückgeht: Friedrich August I. (reg. 1694-1733), genannt August der Starke und dessen Sohn August II. (reg. 1733-1763). Mit deren Ankauf- und Sammlungspolitik haben sich beispielsweise Hirth 1900 des im selben Jahr erschienenen Galeriekatalog, sowie Hans Posse 1937 und 1951 beschäftigt. Ebenso hat Katharina Pilz mit ihrem Beitrag in Bénédicte Savoys "Tempel der Kunst", erschienen 2006, der Sammlungsgeschichte, inklusive der wichtigsten Ankäufen bis 1815, Ankaufpolitik und dem Umfang und Charakter der Sammlung um 1800 einige informative und übersichtliche Abschnitte gewidmet. Sie bezieht sich hierbei auf die kurfürstliche Sammlung, die sich bis etwa 1745 im Residenzschloss und anschließend in dem eigens für die sich stark vergrößernde Sammlung umgebauten Stallgebäude befand.
Volker Plagemann hingegen widmet sich in den sechziger Jahren der Entstehung dessen, was auch noch in heutigem Verständnis das Museum per se ausmacht: Ein Gebäude zur Beherbergung und Ausstellung von Kunstsammlungen/-werken, zugänglich für ein Publikum mit Interesse, sei es professioneller Natur oder aus laienhaftem Erlebniswunsch.
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Die Vorläufer und Wurzeln der uns heute als Museum bekannten Aufbewahrungsräume, sind der königlichen Sammelleidenschaft des 16. Jahrhunderts zu verdanken. Damalige Herrscher stellten alles, was ihnen staunenswert, selt- oder wundersam und künstlerisch wertvoll erschien, in sogenannten Kunst- und Wunderkammern aus, welche sie nur für Auserwählte öffneten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zur Entstehung der Museen (allgemein) im 18. Jahrhundert
Sinn und Zweck, sowie Ansprüche an das Museum
Dresdner Gemäldegalerie. Von der privaten Sammlung zum öffentlichen Museum
Die programmatische Außengestaltung und - dekoration der Gemäldegalerie Dresden von Gottfried Semper
Nordfassade an der Theaterplatzseite
Südfassade Zwingerseite
Die Schmalseiten im Osten und Westen des Baus
Fazit
Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung der Dresdner Gemäldegalerie und beleuchtet deren kulturgeschichtliche Bedeutung für den Öffentlichkeitscharakter des Museums unter besonderer Berücksichtigung der architektonischen Baugeschichte und des ikonografischen Außenprogramms.
- Entwicklung des Museums vom privaten zur öffentlichen Institution im 18. und 19. Jahrhundert
- Planungs- und Baugeschichte des Semperbaus als öffentliches Museum
- Analyse der programmatischen Fassadendekoration von Gottfried Semper
- Ikonografie der Nord- und Südfassade sowie der Schmalseiten
- Verbindung von Kunstsammlung und architektonischem Ausdruck
Auszug aus dem Buch
Die Schmalseiten im Osten und Westen des Baus
Die Seitenfassaden im Osten ist in drei Längsachsen unterteilt (Abb. 82). Das erste Geschoss ist wie bei den Längsseiten und der westlichen Schmalseite durch simple Rundbögen gegliedert. Im zweiten Geschoss ist das mittlere Rundbogenfenster mit einem Dreiecksgiebel überbaut (Abb. 83). In den Zwickeln dieses Fensters finden sich die Figuren Faust (links) und Helena (rechts) (Abb. 84).
Helena und Faust mögen für die Verbindung von antiker und germanischer Tradition stehen. Im zweiten Teil der Faust Tragödie von Goethe, die 1832 nur wenige Jahre vor Beginn der Entwürfe zur Außendekoration der Dresdener Galerie erschienen war, begibt sich Faust auf eine Reise durch die Zeit. Dabei wird Faust mit der griechischen Helena, dem Sinnbild der Schönheit in der Antike, verheiratet. Das Produkt ihres Zusammenseins ist der gemeinsame Sohn namens Euphorion, der, zu einem leidenschaftlichen jungen Mann heranwächst. Mit ihm veranschaulicht Goethe, wie es zum herausragenden literarischen Schaffen der Klassik kam, nämlich durch eine Rückbesinnung der deutschen Kunst auf die Antike.
Im Halbgeschoss darüber finden sich über den beiden äußeren Fenstern je ein Medaillon. das linke Medaillon zeigt eine Allegorie der Germania(Abb. 85), das rechte Medaillon die Allegorie der Italia (Abb. 86).
Die Schmalseite im Westen in Richtung Zwingerteich ist ähnlich der Ostseite strukturiert. Drei Längsachsen, das erste Geschoss durch drei Rundbogen strukturiert. Im zweiten Geschoss sind die Bogenzwickel des mittleren der drei Rundbogenfenster mit mythologischen Figuren dekoriert. Amor lehnt im linken Zwickel und blickt Psyche an, die sich im rechten Zwickel befindet (Abb. 89 u. 90). In den Medaillons über ihnen befinden sich die Personifikationen Hellas und Roma (Abb. 87 u.88).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Zielsetzung erläutert, das Museum als Bildgedächtnis und öffentlichen Raum zu betrachten, mit Fokus auf der Dresdner Gemäldegalerie als einem bedeutenden Beispiel der Museumsgeschichte.
Zur Entstehung der Museen (allgemein) im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel behandelt den Übergang privater fürstlicher Sammlungen zu öffentlich zugänglichen Museen und die ideengeschichtliche Einbettung der Museumsarchitektur.
Sinn und Zweck, sowie Ansprüche an das Museum: Hier werden historische und moderne Definitionen von Museen sowie deren gesellschaftliche Aufgaben und der Anspruch an eine repräsentative Architektur dargelegt.
Dresdner Gemäldegalerie. Von der privaten Sammlung zum öffentlichen Museum: Das Kapitel schildert die spezifische Planungs- und Baugeschichte der Galerie unter König Friedrich August II. und die architektonischen Herausforderungen.
Die programmatische Außengestaltung und - dekoration der Gemäldegalerie Dresden von Gottfried Semper: Eine detaillierte Analyse der ikonografischen Bedeutung der Fassadenelemente und Bildprogramme am Semperbau.
Nordfassade an der Theaterplatzseite: Fokus auf die antike und mythologische Symbolik sowie die Darstellung von Künstlern und Musen an der Nordseite des Gebäudes.
Südfassade Zwingerseite: Untersuchung der christlich-ikonografischen Motive, der alttestamentarischen Figuren und der Beziehung des Baus zum Zwinger.
Die Schmalseiten im Osten und Westen des Baus: Beschreibung der allegorischen Darstellungen und literarischen Bezüge an den Ost- und Westfassaden.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Dresdner Gemäldegalerie als gelungene Verschmelzung von Bauwerk und Inhalt sowie deren Rolle als kulturelle Institution für die Nation.
Schlüsselwörter
Dresdner Gemäldegalerie, Gottfried Semper, Museumsgeschichte, Architekturgeschichte, Ikonografie, Semperbau, Sammlungsgeschichte, Öffentliches Museum, Kunstdarstellung, Bildprogramm, 19. Jahrhundert, Kunstgeschichte, Fassadendekoration, Mythologie, Staatsrepräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte und architektonischen Gestaltung der Dresdner Gemäldegalerie, insbesondere der Funktion des Museumsgebäudes als repräsentativer öffentlicher Ort im 18. und 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des öffentlichen Museumswesens in Deutschland, die Baugeschichte der Sempergalerie und die kunsthistorische Bedeutung ihres ikonografischen Fassadenprogramms.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die kulturgeschichtliche Bedeutung und Wichtigkeit der Dresdner Gemäldegalerie für den Öffentlichkeitscharakter des Museums durch die Analyse seiner Erscheinung und Baugeschichte zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunstwissenschaftliche Analyse, die historische Quellen, Baupläne und das ikonografische Programm der Fassaden heranzieht, um die Intention des Architekten Gottfried Semper zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Museumsbaus, die Bauplatzfindung sowie detailliert das inhaltliche Programm der Fassadengestaltung (Nord-, Süd- und Schmalseiten).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dresdner Gemäldegalerie, Gottfried Semper, Ikonografie, Museumsgeschichte und die ästhetische Repräsentation der nationalen Bildung.
Welche Rolle spielt Gottfried Semper beim Bau der Galerie?
Semper war der verantwortliche Architekt, der nicht nur das Gebäude entwarf, sondern auch ein durchdachtes ikonografisches Programm für die Fassade erstellte, das die Kunstgeschichte würdigt.
Wie unterscheidet sich die Ikonografie der Nordfassade von der Südfassade?
Die Nordfassade ist primär der antiken Mythologie, griechischen Dichtern und Musen gewidmet, während die Südfassade christlich-ikonografische Motive und Personen des Alten Testaments zeigt.
Was drückt die Inschrift am Attikageschoss des Mittelrisaliten aus?
Die lateinische Inschrift betont, dass König Johann von Sachsen dieses öffentliche Gebäude für die Einrichtung und Pflege der sächsischen Kunstsammlungen bereitgestellt hat, was den Öffentlichkeitsanspruch des Museums unterstreicht.
Warum war ein Neubau für die Dresdner Galerie notwendig?
Die alte Sammlung im Stallgebäude wies erhebliche konservatorische Mängel auf, wie unzureichende Beleuchtung und klimatische Probleme, die den Kunstwerken schadeten und den Ansprüchen eines modernen Museums nicht mehr genügten.
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- M.A. Larissa Ferro (Autor), 2016, Gemäldegalerie Dresden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490960