Das Verhältnis von Text und Bild in Karikaturen der Satirezeitschrift pardon


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Satirezeitschrift „pardon“

3. Analyse von Karikaturen unter rhetorischen Gesichtspunkten
3.1. „Unter Geiern“ von Rainer Hachfeldt
3.2. „Hier lacht der Blockwart“ von Papan
3.3. „Geständnis eines Intellektuellen“ von Chlodwig Poth

4. Zusammenfassung und Schlußbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

Anhang: Verwendete Karikaturen

1. Einleitung

Robert Gernhardt beschreibt in seinem Buch „Letzte Ölung“ einen, seiner Meinung nach, äußerst wichtigen Unterschied zwischen der Satirezeitschrift „pardon“ und anderen Satiremagazinen folgendermaßen: Die Mitglieder der „pardon“-Redaktion lieferten nicht, wie dies beispielsweise beim damals einzigen weiteren Satiremagazin „Simplicissimus“ der Fall war, nur die Karikatur und ein anderer Mitarbeiter schrieb den entsprechenden Text dazu, oder zeichneten umgekehrt zu einem vorgegebenen Thema, sondern sie taten beides: „Schreiben und Zeichnen.“[1]

Und diese Tatsache sieht Gernhardt, eines der bekanntesten Mitglieder der „Neuen Frankfurter Schule“, der von Anfang an in der „pardon“- Redaktion dabei war, als einen Hauptauslöser für den Erfolg des Magazins in seiner Anfangszeit an. Dadurch, daß die Karikatur und der dazugehörige Text aus einer Quelle stammten und sich somit optimal ergänzten, funktionierten die „pardon“-Karikaturen, seiner Ansicht nach, besser, waren also witziger als die der Konkurrenzzeitschriften.

Diese Ansicht möchte ich als Ausgangspunkt meiner folgenden Arbeit nehmen und überprüfen. Dazu werde ich einzelne Karikaturen, die aus Text und Bild bestehen einer Analyse, auch unter rhetorischen Gesichtspunkten, unterziehen, um festzustellen in welcher Weise Text und Bild sich aufeinander beziehen und wie das Zusammenspiel zwischen ihnen im Detail funktioniert.

Dadurch soll dann geklärt werden, ob es wirklich von solcher Wichtigkeit ist, daß Text und Bild sich möglichst gut ergänzen, oder ob die Karikatur in den untersuchten Fällen möglicherweise auch ohne den dazugehörigen Text ihren Zweck erreichen und auf den Rezipienten eine komische Wirkung erzielen kann. Oder ob sogar nur der, zur Kariktur gehörige, Text für sich allein schon witzig sein kann.

Ich werde daher die Vielzahl, der in „pardon“ auftauchenden Genres auf Karikaturen mit zugehörigem Text beschränken, auch weil die Karikatur das zentrale Thema dieses Seminars ist, und daher nicht auf die häufig vorkommenden Formen von reiner Textsatire oder Fotodokumentationen eingehen. Um aber trotzdem einen Überblick über die Vielseitigkeit der Beiträge in „pardon“ zu geben, werde ich anfangs kurz die Besonderheiten des typischen Stils der Zeitschrift und den Hintergrund ihrer Entstehung erläutern.

2. Die Satirezeitschrift „pardon“

In der Mitte der fünfziger Jahre sind die Kabaretts das quasi einzige Forum für Humor und Satire. Es existiert zwar noch die Zeitschrift „Simplicissimus“, die jedoch den Zeitgeist nicht mehr trifft und daher ihren Lesern wenig Provokantes und Neues bieten kann. Dazu kommt, daß das Image des „Simplicissimus“ dadurch beschädigt wurde, daß er sich in den Kriegsjahren von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda mißbrauchen ließ, wodurch er für viele Menschen vor allem der jüngeren Generation uninteressant geworden ist.

Durch diese, in Deutschland vorhandene, Lücke auf dem Zeitschriftenmarkt und die Tatsache, daß in Frankreich und den USA die Satirezeitschriften „Harakiri“ und „Mad“ äußerst populär sind, spielt der Verleger Hans A. Nikel vom Verlag Bärmeier & Nikel gegen Ende der fünfziger Jahre mit dem Gedanken, eine eigene Satirezeitschrift herauszubringen. Da er in seinem Verlag bereits eine komische Buchreihe namens „Schmunzelbücher“ herausgibt, hat er Kontakte zu diversen Karikaturisten und Satirikern und trifft sich ab 1958 mit Kurt Halbritter, Chlodwig Poth und Hans Traxler, um die neue Zeitschrift zu planen.

Schließlich kommt 1961 eine, von Loriot gezeichnete, Nullnummer heraus und im Juli 1962 erscheint dann die erste Ausgabe von „pardon“. Um die Gründungsmitglieder von „pardon“ herum entsteht auch die Satirikergruppe der „Neuen Frankfurter Schule“, denn der Verleger, der bei seiner Zeitschrift auch als Chefredakteur fungiert, holt nach und nach deren weitere Mitglieder wie Gernhardt, Bernstein, Knorr und Henscheid in seine Redaktion.

In ihrer Anfangszeit ist die Zeitschrift ein großer Erfolg und bewirkt eine Spaltung der satirischen Presselandschaft: „Der ‚Simplicissimus’ steht für das Bestreben nach historischer Kontinuität und Tradition, ‚Pardon’ hingegen für den Wunsch nach Erneuerung, nach Rebellion gegen die Vätergeneration.“[2]

Der Erfolg des neuen Magazins hängt einerseits damit zusammen, daß in „pardon“ zahlreiche sexuelle und gesellschaftliche Tabus gebrochen werden, wodurch das Blatt für die junge Generation einen Kultstatus erreicht, den es bis heute innehat. Nicht ohne Grund wurde gerade noch einmal ein Versuch unternommen, die Zeitschrift wieder aufleben zu lassen.

Andererseits war auch für den Erfolg ausschlaggebend, daß dem Redaktionsteam zu Beginn weitestgehend freie Hand bei der Heftgestaltung gelassen wird. Durch die unabhängige kreative Arbeitsweise entstehen im Gegensatz zu den früher üblichen Vignetten, Bildgeschichten und Karikaturen, neue Formen der Satire. Meistens sind dies Mischformen, die sich zwischen verschiedenen Genres bewegen, wie Bilderzählungen, fiktive Reportagen und Dokumentationen, Fotomontagen, Collagen oder Comics.

Außerdem wurde ein Teil der Beiträge nicht von einzelnen Mitarbeitern erdacht, sondern entstand in der Gruppe, ja „in den Anfangsjahren von „pardon“ überwog die Gruppenarbeit beinahe.“[3] Die Leser waren also auch davon begeistert, daß ihnen Humor hier in einer völlig neuen Form präsentiert wurde, die in Deutschland davor so nicht existierte.

Chefredakteur Nikel unterstützte und förderte seine Belegschaft, daher ist es nicht zuletzt ihm zu verdanken, daß der „Neuen Frankfurter Schule“ rückblickend eine Leitbildfunktion in Sachen Satire zugesprochen wird. Je größer der Erfolg des Magazins wurde, desto stärker veränderte sich leider die Einstellung des Herausgebers, da er „pardon“ als sein alleiniges Werk betrachtete. Dies hing auch mit seiner persönlichen Veränderung durch die Zuwendung zur Esoterik zusammen, die ihn im November 1977 sogar dazu veranlaßte, einen, ernst gemeinten, Bericht über das yogische Fliegen zu veröffentlichen.

Und er begann, als die Auflage immer weiter sank, die Artikel der Redakteure abzuändern und zu zensieren und versuchte darüber hinaus „pardon“ an andere Zeitschriften anzugleichen, indem er Szene- und Musiktips ins Heft integrierte.

Eine Strategie, die jedoch nicht zum gewünschten Ziel führte, sondern im Gegenteil dazu, daß im Laufe der Zeit alle großen Namen die Redaktion wieder verließen, da sie sich nicht mehr mit dem Heft identifizieren konnten. Sie sahen auch keine Möglichkeiten, wieder an der Gesamtgestaltung des Hefts beteiligt zu werden und in der Veränderung der Zeitschrift, die Nikel herbeigeführt hatte, sogar eine „Gefährdung (...) der ursprünglichen politischen und gesellschaftskritischen Absichten von ‚pardon’.“[4]

Daher entschlossen sich die Mitglieder der „Neuen Frankfurter Schule“ eine eigene Satirezeitschrift herauszugeben und veröffentlichten 1979 die erste Ausgabe von „Titanic“, während die Publikation von „pardon“ 1982 eingestellt wurde.

Die typischen und damals revolutionär-neuen Merkmale von „pardon“ lassen sich in der heutigen „Titanic“ oft wiederfinden: Die gesamte Aufmachung der Zeitschrift in einem Stil, der sich von anderen, ernstgemeinten Magazinen kaum unterscheidet, da alle Zeitschriftenteile, die man sonst zu finden gewohnt ist (wie Leserbriefe, Titelthema, verschiedene feste Rubriken, Werbeanzeigen), zwar vorhanden, aber stark ins Lächerliche und Groteske verzerrt sind.

Es wird viel mit Fotos, bzw. Fotomontagen gearbeitet, die meist ernsthaften Reportagen entnommen sind, aber durch das Einfügen in einen völlig anderen Zusammenhang eine Umkehrung der ursprünglich beabsichtigten Wirkung ins Komische erzielen. Daneben existieren frei erfundene Geschichten und Berichte, oft auch einfach Nonsenserzählungen, die keinen erkennbaren Sinn oder Zusammenhang machen. All diese Elemente der Zeitschrift sollen hier aber, wie bereits gesagt, außer acht gelassen werden und nur Zeitschriftenteile mit Karikaturelementen analysiert werden.

[...]


[1] Gernhardt 1984, S. 336.

[2] Zerpka 1991, S.201.

[3] Gernhardt 1984, S. 336f.

[4] Gernhardt 1984, S. 398.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Text und Bild in Karikaturen der Satirezeitschrift pardon
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Sem. f. Allg. Rhetorik)
Veranstaltung
Die Karikatur als rhetorische Kunst betrachtet
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V49110
ISBN (eBook)
9783638456388
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Text, Bild, Karikaturen, Satirezeitschrift, Karikatur, Kunst
Arbeit zitieren
Sarah Trede (Autor), 2004, Das Verhältnis von Text und Bild in Karikaturen der Satirezeitschrift pardon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49110

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