Das Thema Digitalisierung gehört zweifelsohne auf die Agenda jedes Versicherungsunternehmens (VU). Der hohe Wettbewerbsdruck drängt VU dazu, innovativer zu denken und Kosten zu senken. Bisher wagen die Akteure keine genauen Prognosen über die Zukunft der Versicherungswirtschaft. Ein Grund dafür ist auch der Eintritt von neuen Wettbewerbern in Form von InsurTechs, welche zunehmend an Bedeutung gewinnen. InsurTechs sind Start-ups, welche durch die Anwendung moderner Technologien die Versicherungsbranche revolutionieren wollen. Mittlerweile existieren bereits über 100 dieser Start-ups in Deutschland.
Die steigende Bedeutung spiegelt sich auch in den Investitionen wider. Zwischen 2014 und 2017 ist die Investitionshöhe in InsurTechs weltweit jährlich bereits durchschnittlich um 36,5 % und die Anzahl der Investitionen um 29 % gestiegen.
Eine entscheidende Frage, die sich hier stellt, ist, wie die beiden Parteien sich gegenüberstehen. Fühlen sich VU durch InsurTechs in ihren Geschäftsmodellen bedroht oder sehen sie die Start-ups als hilfreiche Partner bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie? Die gleiche Frage kann selbstverständlich auch aus der Perspektive der InsurTechs gestellt werden. Auch sie müssen erörtern, ob eine künftige Kooperation mit Versicherern strategische Vorteile erbringt.
Ziel der Arbeit ist die Beantwortung der folgenden Forschungsfrage: Welche Kooperationsmöglichkeiten existieren zwischen traditionellen VU und InsurTechs? Für die Beantwortung der Forschungsfrage müssen anliegende Themengebiete beleuchtet werden. Zuerst muss geklärt werden, in welcher Ausgangslage sich die Betroffenen befinden. Weiterhin ist es wichtig zu erfahren, welche Vor- und Nachteile Kooperationen mit sich bringen und welche Kooperationen bereits existieren. Ebenfalls muss überprüft werden, in welchen Bereichen der Wertschöpfungskette von VU InsurTechs Ansatzpunkte haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Arbeit
2.1 Wertschöpfungskette von Versicherungsunternehmen
2.2 Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft
2.3 Definition und Entwicklung der InsurTechs
3. Kooperationen zwischen Versicherungsunternehmen und InsurTechs
3.1 Vorteile einer Kooperation
3.2 Mögliche Kooperationsformen
3.3 Bestehende Kooperationen
4. Ansatzpunkte für InsurTechs in der Wertschöpfungskette von Versicherungsunternehmen
4.1 Potenzialanalyse in der Wertschöpfungskette
4.2 Ansätze in den Funktionen Vertrieb, Kundenbetreuung und Marketing
4.3 Ansätze in der Funktion Schaden- und Leistungsmanagement
4.4 Ansätze in den Funktionen Produktentwicklung, Underwriting und Risikotragung
4.5 Fehlende Ansätze in weiteren Bereichen
5. Fazit, kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Master Thesis untersucht die Kooperationsmöglichkeiten zwischen traditionellen Versicherungsunternehmen (VU) und InsurTechs. Ziel ist es zu analysieren, in welchen Bereichen der Wertschöpfungskette ein sinnvolles Zusammenwirken möglich ist und wie Synergien zwischen der Agilität der Start-ups und der Marktmacht der Versicherer generiert werden können.
- Analyse der Wertschöpfungskette von Versicherungsunternehmen
- Untersuchung der Bedeutung der Digitalisierung für die Branche
- Klassifizierung der Geschäftsmodelle von InsurTechs
- Evaluation von Kooperationsformen und bestehenden Partnerschaften
- Identifikation von Ansatzpunkten für InsurTechs in spezifischen Funktionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorteile einer Kooperation
In diesem Kapitel wird erörtert, ob eine Kooperation zwischen Versicherern und InsurTechs sinnvoll ist. Hierzu werden zunächst Argumente gesammelt, welche für eine Kooperation sprechen. Grundsätzlich sollte die Frage gestellt werden, warum VU mit InsurTechs kooperieren sollten. Schließlich ist insbesondere die Gruppe der digitalen Versicherer mit den Etablierten im Wettbewerb um denselben Markt. Einige Unternehmen haben allerdings festgestellt, dass eine Kooperation anstatt einer Konfrontation sinnvoller sein kann, denn grundsätzlich gilt: Was die einen haben, das fehlt den anderen. Sowohl InsurTechs als auch VU besitzen Vorteile, welche zugunsten beider Parteien genutzt werden können.
InsurTechs fehlt es in erster Linie an Kunden. Selbstverständlich kann argumentiert werden, dass es sich noch um Start-ups handelt, welche kurz vor dem Durchbruch stehen. Dagegen spricht aber, dass bisher kaum ein Technologieunternehmen einen nennenswerten Erfolg bei der Kundenakquise erreichen konnte. Eine mangelnde Kundenanzahl können VU hingegen nicht beklagen, da der klassische Vertrieb nach wie vor das zuverlässigste Instrument für die Kundengewinnung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Digitalisierung ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Kooperationsmöglichkeiten zwischen traditionellen VU und InsurTechs.
2. Grundlagen der Arbeit: Das Kapitel erläutert die Wertschöpfungskette von Versicherungsunternehmen, den Einfluss der Digitalisierung und definiert den Begriff der InsurTechs.
3. Kooperationen zwischen Versicherungsunternehmen und InsurTechs: Es werden die wechselseitigen Vorteile einer Zusammenarbeit untersucht, verschiedene Kooperationsformen definiert und eine Übersicht über bestehende Partnerschaften gegeben.
4. Ansatzpunkte für InsurTechs in der Wertschöpfungskette von Versicherungsunternehmen: Hier erfolgt eine detaillierte Potenzialanalyse, unterteilt in die verschiedenen Funktionsbereiche der Wertschöpfungskette, und es werden Bereiche identifiziert, in denen sich derzeit keine Kooperationsansätze zeigen.
5. Fazit, kritische Würdigung und Ausblick: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, würdigt die Ergebnisse kritisch und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung im Versicherungsmarkt.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Versicherungsunternehmen, InsurTech, Wertschöpfungskette, Kooperation, Start-up, Geschäftsmodell, Vertrieb, Schadenmanagement, Kundenzentrierung, künstliche Intelligenz, Blockchain, Datenanalyse, Disruption, Risikotragung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Versicherungswirtschaft durch digitale Technologien und der Frage, wie etablierte Versicherer und junge Technologie-Start-ups (InsurTechs) erfolgreich zusammenarbeiten können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Digitalisierung der Wertschöpfungskette, die Klassifizierung von InsurTech-Geschäftsmodellen, die Analyse von Kooperationsvorteilen sowie die Identifikation spezifischer Ansatzpunkte für technologische Innovationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, welche konkreten Kooperationsmöglichkeiten zwischen traditionellen Versicherungsunternehmen und InsurTechs existieren, um Synergien in der Wertschöpfung zu heben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine qualitative Fachliteraturanalyse, ergänzt durch Unternehmensinformationen und die Auswertung von Presseberichten zu bestehenden Kooperationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Versicherungswertschöpfungskette, die Analyse der Interaktionsformen zwischen den Akteuren und eine detaillierte Untersuchung von Potenzialen in den Bereichen Vertrieb, Schadenmanagement und Produktentwicklung.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernthema InsurTech und Digitalisierung sind vor allem Begriffe wie Wertschöpfungskette, Kooperationsmanagement, Prozessautomatisierung und künstliche Intelligenz zentral.
Welche Rolle spielen digitale Versicherer wie Lemonade oder Getsafe?
Diese dienen als Beispiele für die zweite Generation von InsurTechs, die entweder auf enge Kooperationen setzen oder durch schlanke, voll digitalisierte Prozesse versuchen, Kostenvorteile gegenüber klassischen Versicherern zu generieren.
Warum wird die Blockchain-Technologie als relevant eingestuft?
Der Autor sieht darin ein vielversprechendes Instrument, um durch dezentrale Speicherung und automatisierte Smart Contracts das Vertrauen der Kunden zu erhöhen und Schadenregulierungsprozesse effizienter zu gestalten.
Gibt es Bereiche, in denen der Autor kein Potenzial sieht?
Ja, der Autor identifiziert die passive Rückversicherung und das klassische Asset Management als Bereiche, in denen für InsurTechs auf absehbare Zeit kaum Ansatzpunkte für eine sinnvolle Zusammenarbeit bestehen.
Wie werden die Risiken einer Kooperation bewertet?
Es wird betont, dass eine tiefgreifende Partnerschaft zu einer höheren Abhängigkeit führt und das Risiko birgt, wertvolles Know-how oder strategische Eigenständigkeit an den Partner zu verlieren.
- Arbeit zitieren
- Ercan Osmanli (Autor:in), 2019, Kooperation von Versicherungsunternehmen und InsurTechs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491150