Was ist Arbeit? Soziale Arbeit als Teil sozialstaatlicher Funktionen und die Unterbrechung von Erwerbsverläufen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

2. Einleitung

3. Einordnung der bestehenden Tätigkeit in eine Funktion sozialstaatlichen Handelns

4. Die Unterbrechung von Erwerbsverläufen
4.1. Beispiel 1 – Ungünstiger Verlauf einer Unterbrechung: Welche Ressourcen braucht diese Person?
4.2. Beispiel 2 – Günstiger Verlauf einer Unterbrechung: Welche Ressourcen hatte die Person zur Verfügung?

5. Definition und Erläuterung des zugehörigen Milieus als zukünftige Sozialarbeiterin
5.1. Erwartungen der Außenwelt bezüglich der Eigenschaften eines Sozialarbeiters
5.2. Eigene Wahrnehmung bezüglich der Zugehörigkeit zu einem Milieu

6. Vorstellung des berufspolitischen Programmes ‚Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF)‘ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Was ist Arbeit und wie kann man sie definieren? Je nach Zeitalter unterlag dieser Begriff zahlreichen Vorstellungen, was genau diese ausmacht. In der Antike noch verpönt, da sie im Gegensatz zur Freiheit stand, wurde sie in der heutigen Zeit unter dem Begriff ‚Lohnarbeit‘ zum lebensbestimmenden Zentrum jedes Einzelnen(Kadler-Neuhausen, 2012). Diese Arbeit geht auf diverse Aspekte des weitläufigen Themas ‚Arbeit‘ ein. Als Grundlage wird zunächst die bestehende Tätigkeit einer Funktion sozialstaatlichen Handelns nach Heinze zugeordnet. Danach wird die immer häufiger vorkommende Unterbrechung von Erwerbsverläufen anhand von Beispielen in ihren verschiedenen Ausprägungen dargestellt. Anschließend reflektiert diese Arbeit das eigene gesellschaftliche Milieu als zukünftige Sozialarbeiterin und wie dieses vom Umfeld eingeschätzt wird. Zum Schluss wird eines der berufspolitischen Programme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vorgestellt und kritisch beleuchtet.

3. Einordnung der bestehenden Tätigkeit in eine Funktion sozialstaatlichen Handelns

Laut Kadler-Neuhausen (2012) lag zu früheren Zeiten die Verantwortung für die materielle Versorgung von Heranwachsenden, Alten, Kranken und Bedürftigen bei der (Groß-)Familie. In der heutigen Gesellschaft gibt es aufgrund des Strukturwandels zu einer individualisierten Gesellschaft soziale Absicherung, die vom Staat zur Verfügung gestellt wird (Entwicklung zum Sozial- und Wohlfahrtsstaat). Der Begriff Sozialstaat umfasst dabei die vier Bereiche materielle Sicherung, Steuer- und Umverteilungspolitik, Arbeitnehmer- und Verbraucherschutzrechte und personenbezogene soziale Dienstleistungen. Diese Bereiche haben wiederum vier Funktionen: die Schutzfunktion, die Verteilungs- und Umverteilungsfunktion, die Produktivitätsfunktion und die gesellschaftspolitische Funktion (vgl. ebd.). Ich arbeite im offenen Bereich des Familienzentrums N. in München. Kernelemente der Arbeit sind Niedrigschwelligkeit, Sozialisation und Zusammengehörigkeit zu fördern, Alltagsentlastung und Integration. Die Angebote im Zentrum werden präventiv und sozialraum- bzw. lebensweltorientiert angeboten(Landeshauptstadt München, Sozialreferat, 2017).

Die Tätigkeit wird der gesellschaftspolitischen Funktion zugeschrieben. So soll, wie bereits erwähnt, die soziale Integration gefördert werden, denn die Hauptzielgruppe sind Mütter. Diese sind häufig alleine für die Kindererziehung zuständig oder alleinerziehend und suchen Hilfe und Anschluss. Dies bieten wir vor Ort durch offene Eltern-Kind-Gruppen, einen offenen Treff, Spielgruppen usw. Dadurch, dass es das Zentrum gibt, signalisiert der Staat (der das Zentrum maßgeblich finanziell fördert), dass er um die Integration der Menschen Sorge trägt und ein Grundmaß an Solidarität und Verteilungsgerechtigkeit gewährleistet(Kadler-Neuhausen, 2012). Allerdings sehe ich auch eine Überschneidung zur Produktivitätsfunktion. Denn dadurch, dass die Mütter wieder mehr Integration erfahren, Erziehungsangebote für ihr Kind erhalten etc. (soziale Infrastrukturangebote) können sie perspektivisch später dem Arbeitsmarkt wieder zugeführt werden.

4. Die Unterbrechung von Erwerbsverläufen

Bis vor Kurzem überwiegte in der Bevölkerung die Vorstellung von der Erreichbarkeit der Vollbeschäftigung und die des Normalarbeitsverhältnisses: Arbeit in Vollzeit, unbefristet, angemessenes Gehalt (meist sogar über Tarifregelungen), und sozialrechtlich geschützt. Durch Innovationen im Bereich Technologie (Industrie 4.0) und Arbeitsorganisation, Deregulierung von Arbeitsmärkten und Abbau von sozialstaatlichen Sicherungen, um nur einige Beispiele zu nennen, entsteht einer Gesellschaft, die geprägt ist von Flexibilisierung, z.B. Bereitschaft zum Umzug und dem Anpassen an den Arbeitsmarkt, z.B. Arbeitsvermögen und -kompetenzen stets weiterzuqualifizieren und dem Markt anzupassen (Selbstoptimierung) und die Akzeptanz von geringerer Lohnhöhe. Durch den Strukturwandel im Arbeitsmarkt kommt es so immer mehr zu Phasen der Arbeitslosigkeit. Waren frühere Erwerbsverläufe kontinuierlicher wird die Arbeitslosigkeit immer mehr vom Ausnahmezustand zum ‚Normalfall‘. Erwerbsbiographien laufen immer weniger stabil(Kadler-Neuhausen, 2012). Beschrieben werden nun zwei Beispiele, die jeweils unterschiedlich aufgrund der Unterbrechung verlaufen sind und aufzeigen, wie sich die Unterbrechung ausgewirkt hat.

4.1 Beispiel 1 – Ungünstiger Verlauf einer Unterbrechung:

Welche Ressourcen braucht diese Person?

Ich nehme hier das Beispiel einer meiner Onkel. Vor der Wiedervereinigung war er Schneider in einer Textilfabrik in Sachsen. Nach der Wende konnte sich die Fabrik wirtschaftlich nicht halten und musste schließen. So erging es vielen Fabriken der ehemaligen DDR. Nun war mein Onkel bereits 50 Jahre alt und nicht der einzige arbeitslose Schneider in Sachsen. Zwischen 1989 und 1992 waren ca. 85% der Arbeitsplätze in der Textil- und Bekleidungsindustrie weggefallen (Friedrich-Ebert-Stiftung, 1992). Nun hätten diese Menschen eine Umqualifizierung erhalten müssen, aber mein Onkel galt als bereits zu alt und so wurde ihm die Frühverrentung nahegelegt. Er ist örtlich gebunden, seine Frau und ein Großteil der Familie wohnt in unmittelbarer Nähe, die sozialen Strukturen sind gewachsen. Das Gehalt war während der DDR Zeit in Ordnung aber es konnten keine großen ‚Polster‘ angelegt werden. So hatte er zwar ein funktionierendes soziales Netz durch Familie und Freunde, aber kaum materielle Ressourcen.

Dadurch, dass er plötzlich keine sinnvolle Tätigkeit mehr hatte und keinen Kollegenkreis, fühlte er sich natürlich nirgendwo zugehörig und bekam keinerlei Anerkennung mehr, jenseits von seiner Person. Im Gegenteil, Arbeitslose erfahren in Deutschland leider eine ziemliche Missachtung und Stigmatisierung. Er wurde immer deprimierter und fand so auch keine eigenen Energiequellen um diese Durststrecke durchzustehen. Er wurde schwer depressiv und ist nun frühverrentet. Er hätte jemanden gebraucht, der ihn unterstützt seine eigenen Ressourcen besser zu erkennen, optimal zu nutzen und zu steigern; also seine persönlichen Ressourcen zu mobilisieren(Kadler-Neuhausen, 2012). Von Amtsseite wurde aber lediglich verwaltet und nicht aktiv Hilfe geleistet.

4.2 Beispiel 2 – Günstiger Verlauf einer Unterbrechung:
Welche Ressourcen hatte die Person zur Verfügung?

Als Beispiel dient hier die eigene Person. Ich habe mehrere ‚Lücken‘ im Lebenslauf, die durch verschiedene Situationen hervorgerufen wurden. Besonders gravierend war die Unterbrechung nach Rückkehr aus dem Ausland. Ich war vier Jahre in Dubai gewesen und wollte wieder nach Deutschland. Da man sich aus Dubai schlecht bewerben kann, kündigte ich und zog wieder nach Hause. Ich konnte hier auf einige Ressourcen zurückgreifen, die von Kadler-Neuhausen (2012) und Keupp (2003) beschrieben werden. Das Wichtigste: ich konnte auf soziale Ressourcen zurückgreifen denn ich konnte wieder zu meinen Eltern zurück und bei meinem Vater im Arbeitszimmer schlafen. Meine Freunde vor Ort, mit denen ich Kontakt gehalten hatte, standen mir in dieser schweren Zeit bei. Ich musste keine Miete zahlen (hatte also Zugang zu materiellen Ressourcen), allerdings musste ich meine Krankenversicherung nun selber bezahlen. Da ich gewohnt bin selbständig zu sein und Verantwortung für mich zu übernehmen, nahm ich einen Minijob an um die Versicherung zu zahlen. Dazu aktivierte ich mein berufliches und privates Netzwerk. Auch wenn die ersten Vorstellungsgespräche nicht zum gewünschten Erfolg führten, waren sie dennoch lehrreich, denn so optimierte ich meine Fähigkeit mich selbst und meine Arbeitskraft verkaufen zu können. Meine Lebenskohärenz, also meine Widerstandsfähigkeit in dieser belastenden Lebenssituation, wurde auf die Probe gestellt. Mein Selbstwert und mein Selbstbewusstsein haben in dieser Zeit gelitten und einige Folgeschäden bemerke ich noch heute. In meinem Minijob habe ich einige Wertschätzung und Anerkennung von meinen Teamleitern und Kollegen erfahren, das war sehr wertvoll. Meine Familie, Freunde und der Minijob haben geholfen, den Mut nicht zu verlieren und nicht aufzugeben. Durch gute Netzwerkarbeit bekam ich dann nach 15 Monaten eine Stelle in München, was einen Umzug von 800 km bedeutete (von Hamburg) und ich musste eine kleine Gehaltseinbuße hinnehmen.

5. Definition und Erläuterung des zugehörigen Milieus als zukünftige Sozialarbeiterin

Zunächst muss definiert werden, was eigentlich ein Milieu ist. Laut Sinus Institut (2010), sind Milieus Menschengruppierungen, „die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln“. Werte, die geteilt werden, beziehen sich auf die Bereiche Arbeit, Familien, Freizeit, Geld und Konsum. Laut Kadler-Neuhausen (2012) definieren die Menschen sich über Arbeit (du bist was du tust). Im Folgenden wird daher darauf eingegangen, welche Erwartungen die Außenwelt an den Beruf des Sozialarbeiters hat und wie die eigene Einschätzung dazu aussieht.

[...]

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Details

Titel
Was ist Arbeit? Soziale Arbeit als Teil sozialstaatlicher Funktionen und die Unterbrechung von Erwerbsverläufen
Hochschule
Hochschule Fulda  (Sozialwesen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V491232
ISBN (eBook)
9783668974579
ISBN (Buch)
9783668974586
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit als Teil sozialstaatlicher Funktionen, die Unterbrechung von Erwerbsverläufen, gesellschaftliche Milieus und Vorstellung des berufspolitischen Programmes ‚Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF)‘ Bundesministeriums für Bildung, gesellschaftliche Milieus
Arbeit zitieren
Pia Helm (Autor), 2018, Was ist Arbeit? Soziale Arbeit als Teil sozialstaatlicher Funktionen und die Unterbrechung von Erwerbsverläufen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491232

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