Aus heutiger Sicht steigt die Notwendigkeit psychologische Verhaltensmodelle und die damit verknüpften Anforderungen zu verstehen, um Hürden und Motivationsfaktoren der Anwender zu identifizieren und somit ein Informationssystem so effizient wie möglich zu gestalten. Daraus resultiert die Zufriedenheit des Anwenders, die für die langfristige Nutzung eines Informationssystems und den Erhalt erfolgreicher Unternehmen relevant ist. Basierend auf einer Literaturanalyse durchleuchtet die vorliegende Seminararbeit den Endowment-Effekt sowie weitere verhaltensökonomische Phänomene und schafft eine Verknüpfung zur Wirtschaftsinformatik. Als Informationshintergrund dient Dan Arielys Publikationen, insbesondere das achte Kapitel seines Buches „Predictably Irrational“. Die Übertragung der verhaltensökonomischen Befunde auf die Wirtschaftsinformatik gelingt Bager/Mundaca (2017). Ihre Ergebnisse zeigen, dass das Bereitstellen von "loss-framed" Information innerhalb eines Smart Meter Systems zu Steigerung der Energieeffizienz führen kann. Allgemeiner lässt sich sagen, dass die Art und Weise wie Information gerahmt und präsentiert wird, das Verbraucherverhalten beeinflusst. Zusammenhängend muss ausgewertet werden, zu welchem Ausmaß der Einsatz des Endowment-Effekts mit der IS-Systemzielsetzung harmonisiert, um einen vorausschauenden Nutzengewinn zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen des Endowment-Effekt
2.1 Herkunft und Definition
2.2 Einflüsse auf die Entstehung des Endowment-Effekts
3. Der hohe Preis des Besitzes: The High Price of Ownership
3.1 Focusing on the Forgone: How Value Can Appear So Different to Buyers and Sellers
3.2 Auction Fever: The Effect of Opponents and Quasi-Endowment on Product Valuations
4. Implikationen für die IS-Praxis
4.1 Smart Grid und Smart Meter: Neue Technologien zur Überwachung des Stromsverbrauchs
4.2 Einsatz der Verlustaversion zur Steigerung der Energieeffizienz
4.3 Weitere Anwendungsansätze des Endowment-Effekts im IS-Design
5. Zusammenfassung
5.1 Diskussion, Fazit und Ausblick
5.2 Restriktion der Seminararbeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht durch eine Literaturanalyse die Korrelation zwischen Informationssystemen (IS) und verhaltensökonomischen Mechanismen, insbesondere dem Endowment-Effekt. Das primäre Ziel ist es, den Nutzen dieser psychologischen Phänomene für die Gestaltung effizienter Informationssysteme aufzuzeigen und damit einen Mehrwert für die Praxis zu generieren.
- Grundlagen des Endowment-Effekts und der Verlustaversion
- Kognitive Verzerrungen bei Besitz und in Auktionsprozessen
- Anwendung verhaltensökonomischer Erkenntnisse in der Energieinformatik (Smart Meter)
- Optimierung von UI-Design durch psychologische Framing-Effekte
- Strategien zur Förderung von Energieeffizienz mittels Verhaltenssteuerung
Auszug aus dem Buch
3.1 Focusing on the Forgone: How Value Can Appear So Different to Buyers and Sellers
Der Artikel beleuchtet die irrationalen Differenzen in der Wahrnehmung und Wertschätzung ein und desselben Guts. Die vier Experimente der Studie, durchgeführt an der Duke University und University of North California, untersuchen die Bewertung der Kauf- und Verkaufspreise von Tickets der sehr beliebten NCAA Basketballspiele. Folgende Resultate unterstützen konsistent die Hypothesen der Forscher (vgl. Carmon/Ariely 2000). Studenten, die bereits ein Ticket besaßen, nannten den Preis, für den sie bereit waren ihr Ticket zu verkaufen (WTA). Studenten ohne ein Ticket wurden nach ihrem höchstmöglichen Kaufpreis (WTP) befragt. Der durchschnittliche Verkaufspreis mit 2.411 US-Dollar überstieg dabei den durchschnittlichen Kaufpreis (166 US-Dollar) um das 14-fache.
Der Fokus bestimmt den bemessenen Wert eines Produkts. Gemäß Carmon/Ariely (2000) fokussiert sich ein Käufer bei der Bewertung meist auf den Aufwand und die alternativen Verwendungszwecke (expenditure), d.h. im Falle der Experimente: auf das, was sich der Käufer mit dem Geld für das Ticket stattdessen leisten könnte und worauf er beim Kauf für das Ticket verzichten müsste. Die Verkäuferseite hingegen fokussiert sich auf den Nutzen und die Vorteile, das Produkt zu besitzen, wie z.B. die wichtige Bedeutung des Ereignisses.
Überdies haben auf den Kaufpreis eines Guts andere Faktoren einen Einfluss als auf den Verkaufspreis. Während Veränderungen von finanziellen Faktoren wie Veränderungen auf den Referenzpreis, Rabatte oder wie im Experiment den Listenpreis des Tickets den Kaufpreis stärker beeinflussen, haben diese auf den Verkaufspreis keinen erheblichen Einfluss. Faktoren, die sich allerdings auf das Erlebnis im Speziellen beziehen – z.B. die Spielbedeutsamkeit oder welches Wetter man zum Spieltag erwartet – haben einen signifikanten Einfluss auf den Verkaufspreis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Bedeutung verhaltensökonomischer Modelle zur Steigerung der Effizienz von Informationssystemen und definiert das Ziel der Seminararbeit.
2. Theoretische Grundlagen des Endowment-Effekt: Das Kapitel führt in das Phänomen des Endowment-Effekts ein und erläutert psychologische Ursachen wie die Verlustaversion und Status-Quo-Verzerrung.
3. Der hohe Preis des Besitzes: The High Price of Ownership: Hier werden zentrale Studien von Dan Ariely vorgestellt, die zeigen, wie Besitzgefühl und psychologische Mechanismen die Produktbewertung bei Käufern und Verkäufern drastisch beeinflussen.
4. Implikationen für die IS-Praxis: Dieses Kapitel verknüpft die Theorie mit Anwendungsbeispielen wie Smart-Metern und UI-Design, um Energieeffizienz und Nutzerbindung durch psychologische Anreize zu steigern.
5. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse reflektiert, die Bedeutung für künftige Forschung in der Energieinformatik hervorgehoben und die methodischen Grenzen der Arbeit diskutiert.
Schlüsselwörter
Endowment-Effekt, Verlustaversion, Verhaltensökonomie, Wirtschaftsinformatik, Smart Meter, Smart Grid, Informationssysteme, Nutzerverhalten, Status-Quo-Verzerrung, Kaufpreis, Verkaufspreis, Preisfindung, Konsumentenpsychologie, Energieeffizienz, UI-Design
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung psychologischer Verhaltensmodelle, insbesondere des Endowment-Effekts, auf das Design von Informationssystemen zur Steigerung der Effizienz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Verhaltensökonomie, Energieinformatik, Mensch-Computer-Interaktion und die psychologischen Hintergründe der Produktbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Mechanismen aus der Verhaltensökonomie zu identifizieren, die den Anwender in Informationssystemen motivieren und dazu beitragen können, Systemziele wie die Energieeffizienz zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bereits existierender Studien und verhaltensökonomischer Forschungsergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe des Besitzes, verknüpft diese mit Ergebnissen von Dan Ariely und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen für IS-Design und Smart-Metering-Technologien ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Endowment-Effekt, Verlustaversion, Smart Meter und Wirtschaftsinformatik geprägt.
Warum spielt die Verlustaversion bei Smart Metern eine Rolle?
Da Nutzer bei der Einführung neuer Systeme oft Verluste fürchten, kann ein "loss-framed" Design, welches den Verbrauch als monetären Verlust darstellt, Anreize zum Energiesparen schaffen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Käufern und Verkäufern?
Verkäufer konzentrieren sich aufgrund des Endowment-Effekts stärker auf den Nutzen des Besitzes, während Käufer den Fokus auf die Ausgaben und entgangene Alternativen legen.
Was ist der Quasi-Endowment-Effekt?
Dies beschreibt eine virtuelle Besitzerschaft, die bereits durch ein hohes Engagement oder eine längere Phase als Höchstbietender bei Auktionen entsteht und zu irrationalem Bieterverhalten führt.
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- Emily Hien Vu (Author), 2018, Steigerung der Energieeffizienz durch Anwendung des Endowment-Effekts und der Verlustaversion im IS-Design, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491296