Privacy im Zeitalter von Big Social Data. Die Privatsphäre von Nutzern auf Facebook


Seminararbeit, 2018
36 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Definition zentraler Begrifflichkeiten
2.1.1 Privacy
2.1.2 Big Social Data
2.2 Kritische Analyse des sozialen Netzwerks Facebook
2.2.1 Geschäftsmodell
2.2.2 Datenfreizügigkeit
2.2.3 Schwachstellen
2.3 Privacy Paradox und Post-Privacy

3 Empirische Untersuchung
3.1 Zielsetzung und Hypothesen
3.2 Methodischer Ansatz und Erhebungsinstrument
3.2.1 Auswahl der Stichprobe
3.2.2 Fragebogenstruktur
3.3 Auswertung der Ergebnisse
3.4 Hypothesendiskussion
3.5 Gütebeurteilung der Messvorgänge

4 Fazit

III Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionen der Privatheit nach Westin

Abbildung 2: Tabuthemen innerhalb- und außerhalb von sozialen Online-Netzwerken

Abbildung 3: Höchster Bildungsabschluss der Befragten der Studie

Abbildung 4: Weitere soziale Netzwerke in denen Befragte der Studie noch aktiv sind

Abbildung 5: Wissen der Befragten der Studie über Facebook

Abbildung 6: Wichtigkeit der Privatsphäre für die Befragten der Studie

Abbildung 7: Gründe für FB-Nutzung durch die Befragten der Studie trotz Kenntnis der Datenschutzproblematik

Abbildung 8: Im FB-Profil hinterlegte Daten der Befragten der Studie

Abbildung 9: Persönlich bekannte FB-Freunde der Befragten der Studie

Abbildung 10: Nutzungshäufigkeit von FB durch die Befragten der Studie

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

„Datenschützer leitet Verfahren gegen Facebook ein“ (SPIEGEL ONLINE 2018a), „US-Gericht lässt Sammelklage gegen Facebook zu“ (SPIEGEL ONLINE 2018b), „Facebook-Datenskandal könnte noch mehr Nutzer treffen“ (Handelsblatt 2018a), „Facebook schließt 1,5 Milliarden Nutzer von EU-Datenschutz aus“ (Handelsblatt 2018b), „Facebook rechnet mit weiteren Datenskandalen“ (Frankfurter Allgemeine 2018): Das sind nur einige der Negativschlagzeilen, die kürzlich über Facebook (FB) zu lesen waren. In der ersten Hälfte 2018 rückte FB besonders stark in den Fokus der Öffentlichkeit. Grund war ein Datenskandal, bei dem persönliche Daten von bis zu 87 Millionen Anwendern zweckwidrig an die britische Analysefirma Cambridge Analytica verkauft worden sein könnten1 (vgl. u. a. ZEIT ONLINE 2018a).

Obwohl weder klar ist, welchen Datenbestand Cambridge Analytica besitzt, noch, wie genau die Daten eingesetzt wurden (vgl. u.a. Decker/Bernau 2018; Heise online 2018a) und sogar das Unternehmen selbst vor weiteren Datenskandalen warnt (vgl. u. a. Seth 2018), beginnt die FB-Aktie sich bereits, von den durch den Datenskandal ausgelösten Kurseinbrüchen, zu erholen (vgl. u. a. Sasse 2018). Allerdings ergab eine aktuelle ARD-Umfrage, dass neun von zehn FB-Nutzern sehr wenig (56%) oder überhaupt kein Vertrauen (32%) haben, dass das soziale Netzwerk gewissenhaft mit ihren persönlichen Daten umgeht (vgl. Infratest dimap 2018, S. 3). Die Gefährdung der Privatsphäre ist folglich im Bewusstsein der Nutzer präsent. Dennoch ist FB nach Google und YouTube die in Deutschland am häufigsten aufgerufene Internetseite (vgl. SimilarWeb o. J.). FB bestärkt seine vielen Mitglieder noch darin, offen mit ihren Daten umzugehen und so erhält das Unternehmen über die Jahre eine Vielzahl an Daten (vgl. Zarrella/Zarrella 2011, S. 21). Da FB das populärste Netzwerk im Social Media-Bereich in Deutschland ist, ist es im Hinblick auf Privatsphäre Gegenstand der vorliegenden Seminararbeit.

1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit behandelt Privacy im Zeitalter von Big Social Data und fokussiert sich hierbei auf das soziale Netzwerk FB. Zunächst soll einleitend in Kapitel 2 ein theoretischer Überblick gegeben werden, indem zentrale Begrifflichkeiten definiert werden. Außerdem wird auf das Privacy Paradox eingegangen und FB kritisch analysiert. Dieser theoretische Hintergrund wird um eine empirische Untersuchung in Kapitel 3 ergänzt. Hier werden die Ergebnisse der Forschung ausgewertet und dargestellt. Außerdem werden Hypothesen aufgestellt, die auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Dabei handelt es sich um quantitative Forschung. Das finale Kapitel 4 beinhaltet ein Fazit, in dem die aus der Seminararbeit gewonnen Erkenntnisse konzentriert dargestellt werden.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Definition zentraler Begrifflichkeiten

2.1.1 Privacy

Bereits 1890 beschreiben die Juristen Warren und Brandeis den Begriff „Privacy“ als „the right to be let alone“ (Warren/Brandeis 1890, S. 205). Diese Auffassung wird hauptsächlich zur Umschreibung von „Privacy“ herangezogen (vgl. Geminn/Roßnagel 2015, S. 703). Grundsätzlich handelt es sich um ein abstraktes Konzept, das keine einheitliche Bedeutung trägt2. Neuere Sichtweisen richten den Fokus weniger auf den defensiven Aspekt, sondern auf die aktive Kontrolle der privaten Informationen durch den Einzelnen selbst (vgl. Baumann 2013, S. 17).

Im Deutschen entspricht dieser englische Begriff u. a. den Wörtern: „Privatheit“ und „Privatsphäre“ (vgl. Seitz o. J.). Diese zwei Begriffe werden mehrheitlich synonym verwendet3 (vgl. Geminn/Roßnagel 2015, S. 703). In der Umgangssprache wird überwiegend von „Privatsphäre“ gesprochen, während im wissenschaftlichen Kontext „Privatheit“ verwendet wird (vgl. Braun/Trepte 2017, S. 4). Für keinen dieser unbestimmten Begriffe hat sich eine einheitliche Definition durchgesetzt (vgl. u. a. Hotter 2011, S. 13; Jarvis 2012, S. 128). „Privat“ hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „privatus“, was „(der Herrschaft) beraubt, gesondert, für sich stehend“, bedeutet. Dabei wird sich auf die Trennung vom öffentlichen Raum bezogen und hierbei im speziellen auf die Separation vom Staat (vgl. Klicksafe.de o. J. a, S. 4). Rössler definiert Privatheit so, dass etwas privat ist, wenn das Individuum selbst die Kontrolle über den Zugang zu diesem Etwas besitzt (vgl. Rössler 2001, S. 23). Der Politologe und Jurist Westin spricht von vier Funktionen der Privatheit (vgl. Abbildung 1), die Privatheit prinzipiell als eine Rückzugstaktik des Einzelnen von der Außenwelt charakterisieren (vgl. Einspänner-Pflock 2017, S 30).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionen der Privatheit nach Westin

(Eigene Darstellung in Anlehnung an Klicksafe.de o.J. a, S. 5; Amelung 2002, S. 75; Einspänner-Pflock 2017, S. 29 f.)

Allen vorgestellten Definitionen gemeinsam ist die Abwesenheit von Zwang. Das Individuum selbst hat die Kontrolle darüber zu entscheiden, was es möchte und was nicht. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass Privatsphäre ein äußerst komplexes Konzept voller Dynamik ist (vgl. Trepte/Dienlin 2014, S. 53) und das Gegenteil von Öffentlichkeit darstellt (vgl. Seitz o. J.). Heutzutage entscheidet jeder für sich selbst, was privat für ihn heißt und Autonomie und die eigene Identität zu wahren sind dabei essenziell (vgl. Plake 2002, S. 79). Eine ausführliche Auseinandersetzung mit allen Sichtweisen der unterschiedlichen Definitionen würde den Rahmen der vorliegenden Seminararbeit sprengen4. Abschließend bleibt festzuhalten, dass Privatsphäre nicht nur eine abstrakte Vorstellung ist, sondern ein zentrales Element unseres Lebens. Es verhält sich mit ihr wie mit der Gesundheit: erst wenn sie weg ist, lernt man sie zu schätzen (vgl. Klicksafe.de o. J. a, S. 3).

2.1.2 Big Social Data

Für den Begriff Big Data gibt es keine einheitliche Definition (vgl. KPMG 2014, S. 6; Kring 2015,
S. 2). Grundsätzlich versteht man darunter die großen Datenmengen ebenso wie die Technik zu ihrer Verarbeitung und Analyse (vgl. Weichel/Herrmann 2016, S. 9). Mehrheitlich übereinstimmend wird das Konzept von Big Data durch das 3-V-Modell charakterisiert, welches in 2001 von dem Analysten Laney definiert wurde (vgl. u. a. Klein/Phuoc/Hartmann 2013, S. 320; Bello-Orgaz/Jung/Camacho 2016, S. 45). Die drei Dimensionen beinhalten ein zunehmendes Volumen (volume) an Daten, eine ansteigende Geschwindigkeit (velocity) der Datenerzeugung und Datenverarbeitung und eine zunehmende Vielfalt (variety)5 von Datentypen und -quellen (vgl. Klein/Phuoc/Hartmann 2013, S. 320). Die mittlerweile modifizierte Definition (vgl. Bello-Orgaz/Jung/Camacho 2016, S. 45) beschreibt Big Data als „high ‐ volume, high ‐ velocity and/or high ‐ variety information assets that demand cost ‐ effective, innovative forms of information processing that enable enhanced insight, decision making, and process automation“ (Gartner6 o. J.).

Die vielfältigen Datenquellen für Big Data (vgl. u. a. Brücher 2013, S. 51) beinhalten auch Social Media7 (vgl. Velten 2012). Dadurch hat der Big-Data-Gedanke mittlerweile auch Medien-, Kommunikations- und Kulturwissenschaften erreicht (vgl. Burgess/Bruns 2012, o. S.). Big Social Data8 ist somit eine Kombination aus Big Data und Social Media. Es geht somit um die Analyse großer Datenmenge speziell aus sozialen Netzwerken. (vgl. Bello-Orgaz/Jung/Camacho 2016, S. 46). Diese Entwicklung wurde überwiegend durch das überproportionale Wachstum und die scheinbar steigende kulturelle Bedeutung sozialer Medien ausgelöst (vgl. Burgess/Bruns 2012, o. S.). Solche Big Data-Anwendungen fokussieren normalerweise auf das Beschaffen allgemeiner Erkenntnisse. Aus diesem Grund sind Konzepte notwendig, bei denen ausreichend Anonymisierung der personenbezogenen Informationen gewährleistet ist (vgl. Weichert 2013, S. 258).

2.2 Kritische Analyse des sozialen Netzwerks Facebook

2.2.1 Geschäftsmodell

Trotz des eingangs erwähnten Datenskandals hat FB im ersten Quartal 2018 gute Zahlen abgeliefert. Dies ist nicht verwunderlich, da der Skandal um die Weitergabe von Daten an Cambridge Analytica erst kurz vor Quartalsende publik wurde (vgl. ZEIT ONLINE 2018b). Die fast ausschließlich aus Werbeeinnahmen resultierenden Umsätze in Höhe von 12 Mrd. $ lagen um fast 4 Mrd. $ über denen aus dem Vergleichsquartal des Vorjahres (vgl. Facebook 2018, S. 4). Dieses Erlösmodell in Form von Werbung ist das häufigste im Zusammenhang mit Social Media-Angeboten (vgl. Von Rimscha 2012, S. 306). Dazu benötigt FB möglichst viele Informationen über seine Nutzer, um Werbetreibenden Zugriff auf möglichst optimal zugeschnittene Zielgruppensegmente zu gewähren (vgl. Sherman 2018). FB lebt vom individuen- und zielgruppenaddressierten Verkauf von Werbekontakten (vgl. Zöllner 2012, S. 11). Die Nutzer von FB zahlen dabei für den Zugang zum Netzwerk kein Nutzungsentgelt im klassischen Sinne in Form von monetärer Währung (Facebook o. J. b). Vielmehr bezahlen sie ubiquitär mit informativer Währung in Form von Daten wie bspw. über die eigene Person und das Nutzungsverhalten (vgl. Zöllner 2012, S. 10). Vor dem Kongress in Washington wurde Zuckerberg aufgrund des Datenskandals direkt gefragt, ob er bereit sei, das Geschäftsmodell im Interesse des Schutzes der Privatsphäre zu ändern. Dabei machte er keine konkreten Angaben und blieb eine finale Antwort schuldig. (vgl. The Washington Post 2018). Aufgrund dieser schwammigen Antworten ist davon auszugehen, dass FB sein Geschäftsmodell wie in der Vergangenheit weiter verfolgen wird, ohne nennenswerte Änderungen zum Schutz der Privatsphäre vorzunehmen. Denn wie bereits erwähnt sind die Nutzerdaten Grundlage für die hohen Werbeeinnahmen und dazu benötigt FB weiterhin Anwender, die möglichst umfassend Informationen über sich preisgeben. Aufbauend auf dem digitalisierten Beziehungsgeflecht, das aus den Nutzerdaten und Daten der jeweiligen sozialen Kontakte besteht, macht FB Gewinne. Anders wäre das aktuelle Geschäftsmodell in der bestehenden Form nicht haltbar. (vgl. Adamek 2011, S. 289).

2.2.2 Datenfreizügigkeit

Im Alltag kann die ideale Dosis zwischen Selbstoffenbarung und dem Bedürfnis nach Privatsphäre im jeweiligen Kontext ausgehandelt werden. In sozialen Netzwerken wie FB existieren für die Kommunikation andere Gegebenheiten. Die Informationen, die offenbart werden, werden quasi publik gemacht und liegen digital vor. Im Zuge der steigenden Popularität sozialer Netzwerke entstand eine Diskussion um die öffentliche und freiwillige Preisgabe von privaten Daten (vgl. Grimm/Neef 2012, S. 50 f.). Selbstverantwortung und Selbstbestimmung sind Schlüsselwörter im Zusammenhang mit dem dortigen Kommunikationsverhalten. FB zwingt seine User nicht Daten und Informationen zu offenbaren. Dies erfolgt auf freiwilliger Basis, auch wenn FB dazu immer wieder entsprechend anspornt (vgl. Wagner 2012, S. 219). Diverse Umfragen zum Umfang der Selbstoffenbarung im Bereich Social Media kamen zu heterogenen Ergebnissen. Unbestreitbare Rückschlüsse auf das Selbstoffenbarungsverhalten von Nutzern sozialer Netzwerke zu ziehen ist schwierig (vgl. Grimm/Neef 2012, S. 52 f.). Eine deutsche Studie untersuchte u. a. Tabuthemen, innerhalb von sozialen Online-Netzwerken und ob diese auch außerhalb dieser Netzwerke gültig sind. Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse. „Finanzielles“, „Krankheiten“ und „Gefühlsleben“ sind die größten Tabuthemen im online Bereich. Im privaten Bereich allerdings sieht die Situation anders aus. „Krankheit“ und „Gefühlsleben“ werden weit weniger tabuisiert, wohingegen „Finanzielles“ in beiden Bereichen ein Thema ist, das nicht so häufig preisgegeben wird (vgl. ebd., S. 54 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Tabuthemen innerhalb- und außerhalb von sozialen Online-Netzwerken

(Eigene Darstellung in Anlehnung an Grimm/Neef 2012, S. 54)

Grundsätzlich gilt, dass heutzutage insgesamt weniger selbstoffenbarte Informationen öffentlich zugänglich sind und die Privatsphäreeinstellungen somit entsprechend in zunehmendem Maß genutzt werden als in frühen Phasen der sozialen Netzwerke. Dies könnte auf eine gestiegene Sensibilität gegenüber potenzieller Gefahren im Umgang mit Social Media hinweisen (vgl. ebd., S. 55).

2.2.3 Schwachstellen

Für die Privatsphäre bestehen auf FB diverse Gefahren. Da nicht alle potenziellen Schwachstellen diskutiert werden können, soll auf zwei ausgewählten Themen eingegangen werden9.

Phishing ist gem. FB ein bösartiger Versuch, die Nutzer dazu zu bringen, auf gefälschten Webseiten die persönlichen Anmeldedaten oder sonstige vertrauliche Informationen einzugeben, um sich dadurch Zugriff auf das entsprechende Konto anzueignen oder persönliche Informationen abzugreifen (vgl. Facebook o. J. a). Grundsätzlich ist Phishing kein exklusives FB-Problem, sondern in allen sozialen Medien oder auch in E-Mails anzutreffen. Oft ist es schwer festzustellen, dass es sich um solche Nachrichten handelt, da die Nachrichten ständig besser werden (vgl. Klinger 2016). Eine Befragung von Bitkom hat herausgefunden, dass in 2017 jeder zweite deutsche Internetnutzer Opfer von Cyberkriminalität wurde (vgl. Bitkom 2017). Die Gefahr für die Privatsphäre durch diesen Identitätsdiebstahl ist dabei groß. Bspw. sind kriminelle Handlungen im Namen des gehackten FB-Nutzers möglich. Zusätzlich wird über die gefälschten Seiten, auf die man umgeleitet wird, Spam geöffnet. Außerdem können diese Websites Schadsoftware beinhalten, die unter Umständen über Sicherheitslücken Smartphones angreifen und beispielsweise weitere Daten von diesen Geräten entwenden (vgl. Ernst 2017).

Gefälschte FB-Profile verschleiern die wahre Identität der Person, die hinter dem Konto steckt, und nutzen die Anonymität um zu agieren (vgl. Kreutzer 2018, S. 509). Dabei werden Profile, die bereits bestehen, nachgebildet. Unter dem gleichen Namen wie das geklonte Profil werden dann von dem „bösen Zwilling“ Freundschaftsanfragen verschickt. Diese Masche setzt auf das Vertrauen der FB-Nutzer (vgl. Apel 2017, S. 207), da diese Anfragen üblicherweise an andere FB-Nutzer geschickt werden, die mit dem Opfer des Identitätsdiebstahls befreundet sind. Im Anschluss daran kann es passieren, dass das gefälschte Profil diese Leute kontaktiert und mitteilt, dass das Handy verloren wäre und erneut die Nummer des Freundes benötigt wird. Mit diesen ausspionierten Handynummern können die Betroffenen bspw. bei kostenpflichtigen Gewinnspielen oder Gutscheinaktionen angemeldet werden. Denkbar sind auch noch schlimmere Szenarien, indem dies als Grundlage für einen Angriff auf das Online Banking genutzt wird (vgl. Steger/Merten 2017). Neben den kopierten Profilen gibt es noch die frei erfundenen Fake-Profile (vgl. Saferinternet.at 2015). Mehrere Umfragen fanden heraus, dass es immer noch FB-Nutzer gibt, die unbekannte Freundschaftsanfragen annehmen (vgl. Boshmaf et al. 2011 S. 7 f.; Veerasamy/Labuschagne 2013, S. 293; Boshmaf 2015, S. 8). Auch wenn mit dem FB-User, der die Freundschaftsanfrage gestellt hat, mehrere gemeinsame Freunde existieren10, sollte das Profil trotzdem vorher genau geprüft werden, bevor die Anfrage angenommen wird, um Angriffen auf die Privatsphäre möglichst zu entgehen. Grundsätzlich gilt es wachsam zu bleiben und den gesunden Menschenverstand zu nutzen.

2.3 Privacy Paradox und Post-Privacy

Das Privacy Paradox charakterisiert die Divergenz zwischen individuellem Wissensstand und tatsächlichem Handeln beim Thema Datenschutz (vgl. Klicksafe.de o. J. b). Konkret wird vom diesem Phänomen im Zusammenhang zwischen fehlender Konsistenz von Einstellungen und Verhalten bei Privatsphäre im Internet gesprochen (vgl. Strathoff/Lutz 2017, S. 203). Internetnutzer sind auf der einen Seite um den Schutz ihrer Privatsphäre besorgt, auf der anderen Seite handeln sie ausgesprochen unbekümmert (vgl. ebd., S. 205). Der Wunsch nach Schutz der Privatsphäre, wird nicht zwingend auf das Verhalten in sozialen Online-Netzwerken wie FB transferiert (vgl. Grimm/Neef 2012, S. 55). Trotz Bedenken und Befürchtungen hinsichtlich privater Daten im Netz, werden kritische Informationen wie Handynummern, Aufenthaltsorte oder private Fotos online veröffentlicht. Einstellungen und die gelebte Praxis verhalten sich konträr (vgl. Lutz/Strathoff 2014, S. 27). Der wichtigste Grund für die Nutzung von FB trotz geäußerter Sorgen um die Privatsphäre11 ist die Pflege bereits bestehender Kontakte und Freundschaften durch bessere Kontaktmöglichkeiten, sowie besserer Informationsgewinnung. Eine untergeordnete Rolle spielt das Auffinden von Gleichgesinnten oder die Erweiterung des Freundeskreises. Primär strebt das Individuum nach gesellschaftlicher Integration und Anerkennung. Mit potenziellen Gefahren wird sich nur sekundär beschäftigt (vgl. Müller/Flender/Peters 2012, S. 181). Das Privacy Paradox wurde in diversen wissenschaftlichen Studien bestätigt, allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass es auch Studien gab, die dieses Phänomen nicht attestieren (vgl. Strathoff/Lutz 2017, S. 205 f.).

Mittlerweile hat sich der Begriff Post-Privacy etabliert. Darunter werden Meinung und Thesen subsumiert, die von einer kompletten oder teilweisen Auflösung der Privatsphäre in der heutigen Zeit ausgehen (vgl. Heller 2013, S. 91). Diese datenschutzkritische Haltung (vgl. Bieber 2016, S. 71) wird vom Großteil der deutschen Internetnutzer nicht geteilt. Verschiedene Umfragen haben herausgefunden, dass Privatsphäre weiterhin eine hohe Anerkennung genießt (vgl. Niemann 2016, S. 23). Aus diesem Grund sollte Vorsicht beim Umgang mit privaten Daten auf FB herrschen, da FB-Gründer Zuckerberg mit seinen Aussagen der Post-Privacy-Bewegung zuzuordnen ist: „What people want isn't complete privacy. It isn't that they want secrecy. It's that they want control over what they share and what they don't" (zitiert nach Zuckerberg o. J.; vgl. CNBC 2018) und „People have really gotten comfortable not only sharing more information and different kinds, but more openly and with more people. That social norm is just something that has evolved over time“ (zitiert nach Zuckerberg o. J.; vgl. Johnson 2010).

3 Empirische Untersuchung

3.1 Zielsetzung und Hypothesen

Die vorliegende empirische Untersuchung hat das Ziel das Verhalten der FB-Nutzer sowie deren Wissen und Einstellung zum Thema Privatsphäre und FB zu analysieren. Um dies detaillierter untersuchen zu können, wurden 3 Hypothesen aufgestellt12, die im Folgenden mit H abgekürzt werden. Sie sollen im nachfolgenden Teil der Seminararbeit auf Ihre Richtigkeit geprüft werden.

H1: Mehr als 90 Prozent der Befragten, die der Meinung sind, dass FB nicht genug für den Datenschutz unternimmt, ziehen trotz Kenntnis des FB-Datenskandals nicht in Betracht ihren FB-Account zu löschen (Stichwort #deletefacebook).

H2: Mehr als die Hälfte der Befragten nimmt die angekündigte Überarbeitung der Privatsphäre-Tools fälschlicherweise als Reaktion auf den FB-Datenskandal wahr.
H3: Mehr als 50 Prozent der Befragten, denen der Schutz ihrer Privatsphäre im Internet eher wichtig oder sehr wichtig ist, werden trotzdem ihre E-Mail-Adresse im Rahmen des Gewinnspiels angeben.

3.2 Methodischer Ansatz und Erhebungsinstrument

Da Daten, die über Primärforschung erhoben werden, aktueller und meist besser auf das zu untersuchende Problem zugeschnitten sind (vgl. Kleinaltenkamp/Saab 2009, S. 30), werden in der vorliegenden Seminararbeit Primärdaten erhoben. Grundsätzlich können für die Datenerhebung qualitative und quantitative Methoden herangezogen werden (Bortz/Döring 2006, S. 296). Quantitative Verfahren stehen für Beobachterunabhängigkeit bzw. Objektivität der der Datenerhebung und -analyse. Die statistische Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse sind grundlegende Ziele des quantitativen Forschungsprozesses (vgl. Kelle 2008, S. 13). Als methodischer Ansatz wird die Befragung und als Erhebungsinstrument der Fragebogen gewählt (vgl. Kotler et al. 2011, S. 376). Bei der schriftlichen Befragung ist die Durchführungsobjektivität hoch, da das Testergebnis vom Untersuchungsleiter unbeeinflusst ist und die Fragen bzw. Instruktionen standardisiert sind (vgl. Bortz/Döring 2006, S. 195). Da u. a. die Realisationszeiten grundsätzlich kurz sind (schnelle Distribution und Auswertung sind möglich), ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis vorliegt (vgl. Ter Hofte-Fankhauser/Wälty 2011, S. 70) und durch die hohe Reichweite die Ansprache vieler Umfrageteilnehmer möglich ist (vgl. Homburg 2017, S. 70), wird die Form der Online-Befragung eingesetzt. Dabei wird die Befragung auf einem Webserver (https://www.umfrage-online.com) abgelegt und online ausgefüllt (vgl. Maurer/Jandura 2009, S. 61). Nach einem erfolgreich durchgeführten Pretest, der genutzt wurde, um festzustellen, ob der Fragebogen in der vorgegebenen Zeit von fünf Minuten beantwortet werden kann und ob alle Fragen verständlich sind (vgl. Fühles-Ubach 2012, S. 194), wurde er ab dem 01. Mai 2018 für einen Zeitraum von 2 Wochen online gestellt. Eine längere Zeitspanne erschien im Rahmen einer Seminararbeit nicht notwendig.

3.2.1 Auswahl der Stichprobe

Stichproben von Online-Befragungen gelten häufig als verzerrt und nicht repräsentativ (vgl. Blasius/Brandt 2009, S. 157). Da Repräsentativität eine untergeordnete Bedeutung im Vergleich zu Validität, Reliabilität und Objektivität hat (vgl. Lütters 2004, S. 284) und die Thematik explizit auf Internetnutzer zugeschnitten ist, da für FB ein Internetzugang notwendig ist, wird eine etwaige Unschärfe in Kauf genommen.

[...]


1 Die Daten wurden zwar nicht von FB selbst verkauft, dennoch gilt dieser Datenskandal als die schwerste PR-Krise in der Geschichte des Unternehmens (vgl. Brühl/Hauck/Hurtz 2018). Für eine Erklärung was im Detail passiert ist, vgl. u. a. Horn 2018a; Horn 2018b.

2 Für weitere Ausführungen zu verschiedenen Definitionen für „Privacy“ vgl. Van Dijk 2012, S. 120 f.

3 Im Rahmen der Seminararbeit werden „Privacy“, „Privatsphäre“ und „Privatheit“ auch synonym verwendet.

4 Für weitere Erläuterungen vgl. u. a. Rössler 2001, S. 16–26; Hotter 2011, S. 12–22; Trepte/Dienlin 2014, S. 53–56; Jarvis 2012, S. 128–138; Eling 2017, S. 9–11. Eine Diskussion aus der rechtlichen Perspektive findet sich bei Geminn/Roßnagel 2015, S. 703–708.

5 Vgl. u. a. Bachmann/Kemper/Gerzer 2014, S. 24–27 für eine ausführliche Erläuterung der drei V und der restlichen Definitionsbestandteile. Dieses Modell wurde mittlerweile um weitere V erweitert, so dass beispielsweise die Rede von vier oder fünf V ist (vgl. u. a. Bello-Orgaz/Jung/Camacho 2016, S. 45 f.). An anderer Stelle werden sogar zehn V genannt (vgl. Borne 2014; Wierse/Riedel 2017, S. 27).

6 Die modifizierte Definition wird nach Gartner zitiert, da Laney Analyst bei der Meta Group war, welche zwischenzeitlich vom Konkurrenten Gartner aufgekauft wurden (vgl. Digitales Wirtschaftswunder 2016)

7 Darunter versteht man soziale Netzwerke, die als Sammelpunkt zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen fungieren (vgl. Hilker 2010, S. 11).

8 An anderer Stelle ist von Social Big Data die Rede (vgl. Bello-Orgaz/Jung/Camacho 2016, S. 45–56).

9 Daneben gibt es bspw. noch die Gefahr, dass Nachrichten, die im Messenger verschickt werden, von FB mitverfolgt werden (vgl. u. a. Meedia 2018). Auch können durch Sicherheitslücken immer wieder Risiken für die Privatsphäre bestehen. Eine Zeitlang hätten sich Werbekunden so unautorisiert Zugriff auf die hinterlegten Telefonnummern verschaffen können. Weitere Lücken sind nicht abwegig (vgl. Heise online 2018b).

10 Studien haben herausgefunden, dass Freundschaftsanfragen von Unbekannten eher angenommen werden, wenn gemeinsame Freunde vorhanden sind (vgl. u. a. Doherty et al. 2014, S. 524).

11 Für allgemeine Erklärungsansätze für das Privacy Paradox vgl. u. a. Grimm/Neef 2012, S. 56; Strathoff/Lutz 2017, S. 206 f. Eine weitere ausführliche Erläuterung des Privacy Paradox findet sich bei Barnes 2006.

12 Grundsätzlich ist eine Vielzahl an Hypothesen denkbar wie bspw. der Zusammenhang zwischen Alter, Bildung und Veröffentlichung kritischer Daten bei FB oder Hypothesen über die Hauptnutzungsgründe des sozialen Netzwerks. Allerdings würde dies den Rahmen einer Seminararbeit sprengen.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Privacy im Zeitalter von Big Social Data. Die Privatsphäre von Nutzern auf Facebook
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
36
Katalognummer
V491596
ISBN (eBook)
9783668995451
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Privacy, Facebook, Privacy Paradox, Post-Privacy, Empirische Untersuchung, Umfrage
Arbeit zitieren
Irina Lauth (Autor), 2018, Privacy im Zeitalter von Big Social Data. Die Privatsphäre von Nutzern auf Facebook, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491596

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