Curiam Celebrare - Die feierlichen Hoftage Friedrich Barbarossas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Gegenstand der Arbeit und Vorgehen
2. Forschungs- und Quellenlage

II. Täglicher Hof und Hoftag
1. Der tägliche Hof
2. Der Hoftag

III. Der festliche Hoftag
1. Anlässe für Feiern
2. Prachtentfaltung auf den Hoftagen
3. Kleidung
4. Der Ort des Hoffestes

IV. Der Mainzer Hoftag von
1. Prachtentfaltung
2. Das Rittertum auf dem Mainzer Hoffest

V. Synopsis

VI. Quellen

VII. Literatur

VIII. Abbildungsverzeichnis

I. Einleitung

1. Gegenstand der Arbeit und Vorgehen

Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind die feierlichen Hoftage von Friedrich I. Barbarossa (1152-1190). Hierbei sollen aber weniger die politischen Entscheidungen im Mittelpunkt stehen, die auf Hoftagen getroffen wurden, als vielmehr der Festcharakter und die Prachtentfaltung, welche bei solchen Gelegenheiten hervortraten, beleuchtet werden. Dabei sollen bei den Quellen nicht nur die Historiographen wie Otto von Freising oder Arnold von Lübeck zu Wort kommen, sondern auch literarische Werke, wie etwa der Ligurinus des Gunthers von Pairis Eingang in die Betrachtung finden.

Um sich diesem Thema anzunähern soll zunächst in einem ersten Schritt zwischen dem täglichen Hof des Kaisers und den Hoftagen unterschieden werden. Hier wird neben dem Unterschied von Hoftag und täglichem Hof gezeigt werden, dass Rituale und Traditionen auf Hoftagen eine bedeutende Rolle spielten und als Beispiel die Sitzordnung herangezogen werden.

Danach wird der festliche Hoftag zum Gegenstand der Betrachtung und hier werden verschiedene Aspekte eines festlichen Hoftages, oder Hoffestes, wie der Anlass zum Fest und dessen Termin, die Prachtentfaltung, die Kleidung und der Ort eines Hoftages gezeigt.

Als besonderes Beispiel eines Hoffestes wird dann das Mainzer Hoffest von 1184 vorgestellt, um bei diesem berühmten Beispiel nochmals auf die Entfaltung der höfischen Pracht und auf den ritterlichen Charakter dieses Festes einzugehen.

Den Abschluss der Arbeit bildet eine kurze Zusammenfassung, die den Inhalt der Arbeit noch einmal kurz zusammenfassen und bilanzieren soll.

2. Forschungs- und Quellenlage

Die Quellen zu Barbarossas feierlichen Hoftagen sprechen vor allem über den Mainzer Hoftag von 1184. Hierzu gibt es sowohl historiographische Quellen, wie die großen Kölnischen Jahrbücher, die Chronicon Hanoniense des Giselbert von Mons oder die Chronik Arnolds von Lübeck, als auch literarische Quellen, wie den Minneroman Eneide des Heinrich von Veldecke. Für die vollständige Quellenlage zum Mainzer Hoffest sei auf die Aufstellung der Quellen Wilhelm von Giesebrecht verwiesen.[1] Weitere Quellenbelege zu feierlichen Hoftagen finden sich sowohl in der mittelalterlichen Literatur, wie im Ligurinus oder im Lippflorium, aber auch in den Regesta Imperii oder den Gesta Frederici.

Da die Literatur zu Hoftag und Hoffest sehr umfangreich ist, soll hier nur ein kleiner Ausschnitt der neueren Forschungen zu diesem Thema gegeben werden.

Für den Themenbereich der höfischen Kultur ist das Buch des Germanisten Joachim Bumke, „Höfische Kultur, Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter“, immer noch ein Standartwerk, das sich eingehend mit den Aspekten der höfischen Kultur auseinandersetzt. Für den Bereich der Hoftage sind zunächst einmal die Aufsätze von Theo Kölzer „Der Hof Kaiser Barbarossas und die Reichsfürsten“ und von Werner Rösener „Die Hoftage Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Regnum Teutonicum“ zu erwähnen, welche im Sammelband “Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter“ erschienen sind. Ferner ist die Dissertation von Michael Lindner „Die Hoftage Kaiser Friedrich Barbarossas (1152-1190) von Interesse, weil der Autor hier eine Liste von 180 Hoftagen des Kaisers aufgestellt hat, wobei einige der Hoftage recht wage belegt sind. Die Herrschaftsinszenierung Friedrich Barbarossas hat zuletzt Johannes Laudage mit seinem Aufsatz „Die Bühne der Macht, Friedrich Barbarossa und seine Herrschaftsinszenierung“ beleuchtet und dabei festgestellt, dass es sinnvoll ist, nicht nur die historiographischen Quellen und die Urkunden zu betrachten, sondern den Blick auch auf andere Quellengattungen wie zeitgenössische Abbildungen oder Darstellungen in der mittelalterlichen Literatur zu richten. Für den Themenbereich des Rittertums seien hier (neben dem schon erwähnten Buch zur höfischen Kultur von Joachim Bumke) zum einen die Monographie „Rittertum und ritterliche Welt“ von Josef Fleckenstein und zum anderen der Sammelband von Arno Borst „Das Rittertum im Mittelalter“ erwähnt. Fleckenstein zeigt in seinem Buch die Entwicklung des Rittertums von seinen Anfängen bis in die Stauferzeit unter Friedrich II. Im Sammelband von Borst findet sich auch der Aufsatz „Friedrich Barbarossa und das Rittertum“, ebenfalls von Josef Fleckenstein, in welchen der Autor auf die Bedeutung der Mainzer Hoftage von 1184 und 1188 eingeht. Alle erwähnten Forschungsbeiträge haben Eingang in diese Arbeit gefunden und dazu beigetragen, dieses Bild des feierlichen Hoftages zu formen, wie es im folgenden gezeigt wird.

II. Täglicher Hof und Hoftag

1. Der tägliche Hof

Der tägliche Hof der deutschen Könige und Kaiser, die curia oder auch curia minor,[2] war kein fester Personenverband, sondern vielmehr von einer personell amöbenhaften Gestalt.[3] Da es keine Hauptstadt gab zog der König und damit auch die curia durch das Reich, um Herrschaft auszuüben. Dass der Hof von Friedrich I. Barbarossa eine enorme Strecke im Verlauf von Friedrichs Regentschaft zurückgelegt hat, wird aus dem Itinerar des Kaisers deutlich, welches von Ferdinand Opll eingehend untersucht worden ist.[4] Die personelle Beschaffenheit des Hofes änderte sich somit auch ständig, da davon auszugehen ist, dass in verschiedenen Pfalzen und Städten des Reiches auch verschiedene Große am Hof präsent waren, beziehungsweise, dass die Grafen und Herzöge wohl nicht mit dem König durch das ganze Reich zogen. Im Mittelpunkt des Hofes standen immer die Person und die Familie des Herrschers.[5] Neben der Familie des Herrschers gehörten zum Hof noch Hofkleriker, die Inhaber der Hofämter, welche schon zur Zeit der Staufer als erbliche Ämter an die Ministerialen übergegangen waren. Der Hof konstituierte sich praktisch daraus, dass der Herrscher die Hofämter besetzten konnte. Zu den Hofämtern gehören das Ämter des Truchseß, des Kämmerers, des Marschalls und des Mundschenks, sowie weitere Ämter wie das des Jägermeisters oder auch des Küchenmeisters. Zu diesen Ämtern gehörte eine bestimmte Anzahl von Personal, das den Amtsinhaber unterstützte.[6] Die Hofämter wurden jedoch zu besonderen Gelegenheiten von Honoratioren als Ehrenämter ausgeführt, etwa auf dem Mainzer Hoffest von 1184.[7] Zählt man noch die adligen Gäste hinzu, die den Hof besuchten und zum Teil begleiteten, kommt man auf eine beträchtlich große Anzahl von Personen, die den Hof des Königs bildeten. Zumal es auch noch Knechte, Zofen und weiteres Personal gab, das für die Hofhaltung des Kaisers unerlässlich war. Deshalb fällt es nicht leicht, sich ein Bild davon zu machen, wie groß der Hofstaat eines mittelalterlichen Königs oder Kaisers war. So hält Joachim Bumke Schätzungen von tausend Personen und mehr für sehr hoch gegriffen.[8] Es erscheint daher angebracht, sich den Hofstaat des Kaisers in den 1180er Jahren mit den Worten Theo Kölzers als „Familien und Freundestreff“[9] vorzustellen.

2. Der Hoftag

Neben dem täglichen Hof, der den König immer umgab, rief Friedrich Barbarossa die Großen des Reichs regelmäßig zu Hoftagen[10] zusammen. Einen Hinweis auf solche Hoftage können Verben wie celebrare oder indicere und Adjektive wie solemnis oder generalis geben, wobei dies allein kein sicherer Beweis für einen Hoftag ist.[11] Zwischen 1152 und 1189 wurden im Regnum Teutonicum von Barbarossa 156 Hoftage einberufen.[12] Der Hoftag unterscheidet sich vom normalen täglichen Hof vor allem durch die förmliche Einladung und durch die prinzipielle Verpflichtung der Fürsten zur Hoffahrt.[13] In der Einladung an den Abt von Tegernsee zum Hoftag in Regensburg am 29 September 1155 befiehlt Barbarossa dem Abt sogar, an dem Hoftag teilzunehmen.[14] Anscheinend kamen also nicht alle Fürsten ihrer Hoffahrtpflicht gewissenhaft nach. Dafür spricht auch, dass Otto von Freising in seiner Gesta Frederici von einer lex curie spricht, nach welcher „...jeder aus dem Stande der Fürsten, der sich den Zorn des Kaisers zuzieht und eine Buße zahlen muß, hundert Pfund verwirkt hat, die übrigen Männer geringeren Standes, Edle Freie und Ministerialen, zehn.“[15] Die Anwendung der lex curiae auf Fürsten ist jedoch, wie Theo Kölzer klargestellt hat, an keinem Beispiel zu belegen.[16]

[...]


[1] Vgl.: Wilhelm von Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit VI, Hrsg. Bernhard von Simson, Braunschweig-Leipzig 1895, S. 600-606.

[2] Werner Rösener, Die Hoftage Kaiser Friedrichs I. Barbarossa im Regnum Teutonicum, in: Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter, Vorträge und Forschungen Band XLVIII, Hrsg. Peter Moraw, Stuttgart 2002, S. 359-386, hier: S. 376.

[3] Vgl.: Theo Kölzer, Der Hof Kaiser Barbarossas und die Reichsfürsten, in: Deutscher Königshof, Hoftag und Reichstag im späteren Mittelalter, Vorträge und Forschungen Band XLVIII, Hrsg. Peter Moraw, Stuttgart 2002, S.3-47, hier S. 5.

[4] Ferdinand Opll, Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152-1190) (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii), Graz 1978, besonders die erste der drei Karten im Anhang des Buches, welche das Itinerar Barbarossas nördlich der Alpen zeigt.

[5] Vgl.: Joachim Bumke, Höfische Kultur; Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 1999, S.76.

[6] Vgl.: Ebd., S. 76 f.

[7] Arnold von Lübeck schreibt hierüber: „Die Aemter des Truchseß, des Schenken, des Kämmerers und des Marshalls wurden nur von Königen, Herzögen und Markgrafen verwaltet.“ Arnold von Lübeck, Chronik, Drittes Buch Kap. 9, Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, Leipzig 1896, S. 101.

[8] Vgl.: Joachim Bumke, Höfische Kultur (wie Anm. 5), S. 73.

[9] Theo Kölzer, Der Hof Kaiser Barbarossas und die Reichsfürsten ( wie Anm. 3), S. 37.

[10] Wie Peter Moraw feststellt ist „Hoftag ein Kunstwort vielleicht des 19. Jahrhunderts.“ Vgl.: Peter Moraw, Versuch über die Entstehung des Reichstags, in: Politische Ordnungen und soziale Kräfte in Alten Reich, Hrsg. Hermann Weber, Wiesbaden 1980, S. 1-36, hier S. 11.

[11] Vgl.: Theo Kölzer, Der Hof Kaiser Barbarossas und die Reichsfürsten ( wie Anm. 3), S. 15.

[12] Vgl.: Werner Rösener, Die Hoftage Kaiser Friedrichs I. Barbarossa im Regnum Teutonicum (wie Anm. 2) S. 369. Rösner lehnt sich mit seiner Zahlenangabe an die Dissertation von Michael Lindner an, der für die ganze Regierungszeit Barbarossas 180 Hoftage angibt, davon 156 im Regnum Teutonicum. Vgl.: Michael Lindner, Die Hoftage Friedrich Barbarossas (1152-1190), maschinenschriftliche Dissertation in zwei Bänden, Berlin 1990, Band 2, S.232 f.

[13] Vgl.: Johannes Laudage, Die Bühne der Macht; Friedrich Barbarossa und seine Herrschaftsinszenierung, in: Inszenierung und Ritual in Mittelalter und Renaissance, Hrsg. Andrea von Hülsen-Esch, Düsseldorf 2005, S. 97-135, hier S.119.

[14] Einladung zum Reichstag (1155), in: Quellen zur deutschen Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis 1250, Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters; Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe, Darmstadt 1977, S. 231.

[15] Otto von Freising, Gesta Frederici II 46, in: Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica, Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters; Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe, Darmstadt 1965, S. 375.

[16] Vgl.: Theo Kölzer, Der Hof Kaiser Barbarossas und die Reichsfürsten ( wie Anm. 3), S. 11.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Curiam Celebrare - Die feierlichen Hoftage Friedrich Barbarossas
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V49161
ISBN (eBook)
9783638456838
ISBN (Buch)
9783638660129
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Curiam, Celebrare, Hoftage, Friedrich, Barbarossas
Arbeit zitieren
Christian Koch (Autor), 2005, Curiam Celebrare - Die feierlichen Hoftage Friedrich Barbarossas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49161

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