Im Jahr 1932 veröffentlichte Schmitt seine Schrift „Der Begriff des Politischen“ und entwickelte dabei die spezielle Vorstellung einer Demokratie. Es entstand eine Anhäufung an kritischen Rezensionen, die sich mit der Vereinbarkeit von Demokratie und Schmitts Politikkonzept beschäftigten. Bei der Vielzahl der Kritiker sind an dieser Stelle als besonders namhafte Vertreter Jürgen Habermas und Hermann Heller zu erwähnen, die sich Schmitt in eigenen Publikationen besonders ausgiebig widmeten und aus diesem Grund auch in der vorliegenden Arbeit näher betrachtet werden. Hierbei soll zusammenfassend festgestellt werden, welche demokratietheoretische Problematik den Politikbegriff von Schmitt kennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schmitts Begriff des Politischen
3 Demokratietheoretische Kritikpunkte
3.1 Politische Freiheit und Rechtsstaatlichkeit
3.2 Rechtfertigung politischer Herrschaft und Gewalt
3.3 Bestand einer politischen Einheit
4 Resümee
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die demokratietheoretische Problematik von Carl Schmitts Politikbegriff, insbesondere in Bezug auf sein Werk „Der Begriff des Politischen“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schmitts Fokus auf die Freund-Feind-Unterscheidung demokratische Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Freiheit herausfordert und inwiefern dies im Kontext totalitärer Tendenzen kritisch zu bewerten ist.
- Analyse von Schmitts Konzept der Freund-Feind-Unterscheidung.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen politischer Einheit und liberaler Rechtsstaatlichkeit.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rechtfertigung von Herrschaft und Gewalt.
- Diskussion der Gefahren einer totalitären Auslegung des Politikbegriffs.
Auszug aus dem Buch
3.2 Rechtfertigung politischer Herrschaft und Gewalt
Indem Schmitt den Homogenitätsaspekt zum Kernelement der politischen Einheit macht, ebnet er den Weg zu einer totalitären Diktatur, die er auf Grundlage der Gleichartigkeit von Regierenden und Regierten sogar noch als demokratische Herrschaftsform betiteln konnte (Llanque 1995: 170f.). Da eine so verstandene politische Einheit keine in der Substanz wurzelnde Differenz duldet, wird diese als Bedrohung für die Souveränität des Staates empfunden. Auch die politische Opposition wird zwangsläufig zum Feind, indem sie die Souveränität der maßgebenden Einheit in Frage stellt. Die Verhinderung der Opposition wird geradezu unter dem Deckmantel der Fürsorgepflicht gehandhabt: „[I]t is the unthought violence […] that camouflages itself as innocent neutrality or universal reconciliation. It is a violence that masks itself as peace and hence criminalizes opposition.“ (Rasch 2000: 22).
Unter der Annahme einer kollektiven Identität wird der Staat zu repressiven Politiken genötigt, die zur zwangsweisen Assimilation fremder Elemente oder der Reinerhaltung des Volkes durch Apartheid und Säuberung führen kann (Habermas 2005: 169). Die Begründung dafür liefert Schmitt in seiner Definition von Feindschaft, in der er die „seinsmäßige Negierung eines anderen Seins“ legitimiert (Schmitt 1963: 33). Das wird in genau dem Falle problematisch, in welchem ein Feind durch seine schiere Existenz als elementare Bedrohung wahrgenommen wird und jede Form eines friedlichen Nebeneinanders ausgeschlossen ist (Voigt 2007: 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk Carl Schmitts ein, umreißt den historischen Kontext der Weimarer Republik und legt die Forschungsfrage zur demokratietheoretischen Problematik seines Politikbegriffs dar.
2 Schmitts Begriff des Politischen: Dieses Kapitel rekonstruiert Schmitts Kernargumentation, wonach die Unterscheidung zwischen Freund und Feind das primäre Kriterium des Politischen darstellt.
3 Demokratietheoretische Kritikpunkte: Das Kapitel analysiert zentrale Kritikpunkte an Schmitt, insbesondere im Hinblick auf die Gefährdung der politischen Freiheit und des Rechtsstaats sowie die Rechtfertigung von Gewalt.
3.1 Politische Freiheit und Rechtsstaatlichkeit: Hier wird untersucht, wie Schmitts Fokus auf staatliche Souveränität und Homogenität individuelle Freiheitsrechte und liberale Prinzipien untergräbt.
3.2 Rechtfertigung politischer Herrschaft und Gewalt: Dieser Abschnitt beleuchtet die problematische Legitimation repressiver Maßnahmen und die Kriminalisierung der Opposition durch das Freund-Feind-Schema.
3.3 Bestand einer politischen Einheit: Dieses Kapitel diskutiert die Instabilität von Schmitts Modell, da die Fixierung auf den Ernstfall den Normalzustand gefährdet und konstruktive Lösungsstrategien ausschließt.
4 Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Schmitts Politikmodell aufgrund seiner Ablehnung pluralistischer Prozesse und seiner Nähe zur Willkürherrschaft demokratietheoretisch höchst problematisch bleibt.
5 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen, Freund-Feind-Unterscheidung, Demokratietheorie, Totalitarismus, Rechtsstaatlichkeit, Politische Einheit, Souveränität, Dezisionismus, Politische Opposition, Liberalismuskritik, Weimarer Republik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Politikbegriffs von Carl Schmitt und beleuchtet dessen Spannungsverhältnis zu den Prinzipien der liberalen Demokratie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Freund-Feind-Unterscheidung, die Konzeption des totalen Staates, die Rolle des Rechtsstaates und die Problematik politischer Homogenität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche demokratietheoretische Problematik kennzeichnet den Politikbegriff von Carl Schmitt?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und Rekonstruktion von Schmitts Hauptwerk sowie eine kritische Auseinandersetzung mit einschlägiger Sekundärliteratur (u.a. Habermas, Heller).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Schmittschen Konzepts und dessen anschließende Kritik in den Bereichen Freiheit, Rechtfertigung von Gewalt und Bestand der politischen Einheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Schlagworten zählen „Freund-Feind-Unterscheidung“, „Demokratietheorie“, „Souveränität“ und „Totalitarismus“.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Ernstfalls“ bei Schmitt?
Sie kritisiert, dass durch Schmitts Fokus auf den Ernstfall der Ausnahmefall zur Norm erhoben wird, was eine friedliche politische Ordnung und demokratische Aushandlungsprozesse erschwert.
Inwiefern spielt der historische Kontext für die Analyse eine Rolle?
Die Arbeit betont, dass Schmitts Theorie vor dem Hintergrund des Untergangs des Kaiserreichs und der Instabilität der Weimarer Republik entstand, was seine Suche nach einer starken, souveränen Einheit erklärt.
Warum wird Schmitts Modell als Gefahr für die Demokratie eingestuft?
Weil Schmitt laut der Analyse politische Opposition als existenzielle Bedrohung markiert und durch das Fehlen normativer Schranken den Weg in eine Willkürherrschaft ebnet.
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- Elisa Brueckner (Author), 2018, Schmitts Begriff des Politischen in der Kritik. Welche demokratietheoretische Problematik kennzeichnet den Politikbegriff von Carl Schmitt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491634