Berufsorientierung als schulischer Auftrag

Wie kann der Berufswahlpass einen Beitrag zur reflektierten Berufswahl leisten?


Hausarbeit, 2019
18 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Berufswahlpass als Instrument der Berufsorientierung – eine anschauliche Integration in die Schulen
2.1 Vorstellung des Konzepts: Berufswahlpass
2.2 Vor- und Nachteile des Berufswahlpasses
2.3 Vorstellung eines idealtypischen Ablaufs mit dem Berufswahlpass
2.4 Gelingensbedingungen zum Berufswahlpass

3. Fazit

4. Anhang

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei dem Portfolioinstrument Berufswahlpass handelt es sich um einen DIN- A4- Ordner, der den individuellen Prozess der Berufswahl strukturiert dokumentiert. Anhand dieses Ordners können die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden mit SuS abgekürzt) ihren Berufsorientierungsprozess mithilfe von vier inhaltlich unterschiedlichen Teilen durchlaufen.

Damit der Berufswahlpass dem Anspruch als Schulentwicklungsinstrument gerecht wird, fordert es eine idealtypische Zusammenarbeit zwischen der Institution Schule, den Lehrern und Lehrerinnen und den SuS. Ohne die Zusammenarbeit der einzelnen Akteure und die Überzeugung derer, dass das Portfolio als Berufsorientierungsinstrument geeignet ist, kann das Instrument Berufswahlpass nicht richtig funktionieren bzw. ziehen die SuS keinen Nutzen aus der Maßnahme und der Ordner wird regelrecht als Sammelmappe verwendet.

Rademacher (2007) erläutert folgende Problematik bezüglich der Berufsorientierung als schulische Aufgabe:

Für die Überwindung der gegenwärtigen Ausbildungskrise muss also nicht nur die Angebotsseite mit ihrem gegenwärtig allein schon quantitativ unzureichenden Angebot an Ausbildungsplätzen in den Blick genommen werden, sondern auch die Nachfrageseite, also die individuelle Chancenausstattung junger Menschen mit Zertifikaten und Kompetenzen für den Zugang zu Ausbildungsplätzen und für die Bewältigung der Anforderungen des Übergangs. (S. 94)

Das hier aufgeführte Zitat unterstreicht die Relevanz der Fragestellung, da Rademacher ausdrücklich darauf hinweist, dass der Blick auf die individuelle Chancenausstattung bezüglich der Ausbildungskrise geworfen werden muss. Das bedeutet, dass besonders der Berufswahlpass mit seinen vielseitigen Angeboten in Bezug auf das spezifische Erwerben und Erkennen von Kompetenzen und Stärken für die Berufswahlentscheidung eine entscheidende Rolle spielen könnte. Vorausgesetzt die SuS werden angemessen herangeführt und angeleitet werden.

Aus diesem Grund befasst sich die vorliegende Hausarbeit mit der Fragestellung: Wie kann der Berufswahlpass einen Beitrag zur reflektierten Berufswahl leisten?

Das Ziel der Arbeit ist es festzustellen, ob der Berufswahlpass eine geeignete und hilfreiche Methode für den Berufsorientierungsprozess ist. Zudem soll diese veranschaulicht darstellen, wie das Vorgehen mit dem Berufswahlpass innerhalb einer Schule aussehen sollte. Dabei werden Bedingungen erläutert, die für das erfolgreiche Gelingen des Prozesses nötig sind.

Um eine Antwort auf die gestellte Frage zu erhalten, wird der Berufswahlpass zunächst auf seine Vor- und Nachteile eruiert, um hervorzuheben, welche Aufgaben und Ansprüche dieser hat. Im weiteren Verlauf wird ein idealtypischer Ablauf mit dem Berufswahlpass vorgestellt, um aufzuzeigen, wie die Arbeit mit dem Instrument innerhalb einer Schule erfolgt. Im letzten Teil werden Gelingensbedingungen für die Arbeit mit dem Berufswahlpass aufgeführt, die für eine erfolgreiche und sinnvolle Arbeit nötig sind.

2. Der Berufswahlpass als Instrument der Berufsorientierung – eine anschauliche Integration in die Schulen

Im Folgenden wird der Berufswahlpass als Instrument der Berufswahlorientierung vorgestellt, insbesondere seiner Vor- und Nachteile sowie die nötigen Bedingungen, die für das erfolgreiche Anwenden des Berufswahlpasses vorliegen sollten.

2.1 Vorstellung des Konzepts: Berufswahlpass

Der Berufswahlpass ist ein Instrument für den individuellen Berufsorientierungsprozess der SuS, welcher vor circa 15 Jahren eingeführt wurde. Er zählt zu der „verbreitetsten Maßnahme am Übergang Schule- Beruf in Deutschland“ (Brüggemann, Driesel-Lange, Gehrau, Weyer und Zaynel, 2017, S.199). Seit dem Schuljahr 2013/2014 ist er in NRW als ein empfohlenes Instrument eingesetzt und curricular verpflichtend.

Der Berufswahlpass beinhaltet Unterlagen und Materialen, die bei der Berufsorientierung unterstützen, sodass am Ende der Schullaufbahn eine gut begründete Entscheidung bezüglich der Berufswahl getroffen werden kann. Da der Berufswahlpass einen „Portfolio-Charakter“ aufweist, fördert er die Eigenständigkeit der SuS (Staden, 2014, S.1). Dies bedeutet allerdings, auch wenn der Berufswahlpass als Selbstlerninstrument verfasst ist, dass die Verantwortung auch bei den Lehrkräften liegt. Demnach stellt die Arbeit mit dem Berufswahlpass die Voraussetzung dar, diesen in der Schule einzuführen und regelmäßig in verschiedenen Unterrichtsstunden zu verwenden.

Der Berufswahlpass ist in vier Phasen unterteilt, welche inhaltlich und farblich deutlich zu differenzieren sind, um den Umgang für die SuS zu erleichtern.

Brüggemann et al. (2017, zitiert nach Staden, 2014, S.3) nennt die jeweiligen Überschriften und die dazugehörigen Ziele:

Unter den Überschriften „Angebote zur Berufsorientierung“, „Mein Weg zur Berufswahl“, „Dokumentation“ und „Hilfen zur Lebensplanung“ lassen sich bereits die Zielebenen des Konzepts erahnen, welche vor allem auf die „Förderung von Selbstverantwortung, Eigenständigkeit, Reflexionsvermögen und darüber hinaus auf die Herausbildung von Orientierungskompetenzen“ fokussieren. (S.199)

Das hier vorgestellte Zitat stellt die einzelnen Themenblöcke des Berufswahlpasses inklusive deren Funktion und Ziele kompakt dar und vermittelt so einen ersten Überblick über den Inhalt.

Im Folgenden werden die einzelnen Überschriften bzw. Themenblöcke sorgfältiger vorgestellt. Die Einleitung, welche sich vor dem ersten Themenblock befindet, beinhaltet einen Einblick in die Struktur des Berufswahlpasses und erläutert anhand von Beispielen den konkreten Ablauf. Darüber hinaus beginnt sie damit, dass die SuS ihren Ordner personalisieren sollen und ihn als ihr eigenes Werk ansehen.

Der erste Teil „Angebote zur Berufsorientierung“ enthält unterschiedliche Informationen über das Schulkonzept zur Berufsorientierung, zu Angeboten von Unternehmen sowie Informationen der Arbeitsagentur. Dieser Abschnitt ermöglicht den verschiedenen Institutionen eine Vorstellungsrunde ihrer facettenreichen Angebote. Bereits im ersten Abschnitt des Berufswahlpasses werden die SuS zur Eigenaktivität herangezogen, indem sie auf zahlreiche Angebote im Internet verwiesen werden, um sich hier weitere Informationen über die einzelnen Unternehmen und deren Angebote eigenständig einzuholen (Staden, 2014).

Der zweite Teil „Mein Weg zur Berufswahl“ beinhaltet die persönlichen Aspekte und Merkmale eines jeden Schülers, sodass hier auf Stärken und Schwächen sowie die Analyse der eigenen Fähigkeiten eingegangen wird. „Durch diese Reflexion der eigenen Stärken und der Festlegung des Selbstbildes kann ein persönliches Kompetenzprofil erstellt werden“ (Staden, 2014, S. 3). Anhand der strukturierten Herangehensweise des Ordners werden die SuS schrittweise vorangebracht und werden dadurch an das selbstgesteuerte Lernen herangeführt.

Der Teil „Dokumentation“ dient als Sammelort für wichtige bereits erhaltene Zertifikate, Zeugnisse, Bescheinigung und viele weitere, um diese gewissenhaft an einem Ort sicherstellen zu können. Die gesammelten Unterlagen können zur Entscheidung der Berufswahl herangezogen werden. Die SuS sollen in diesem Teil unter anderem den sorgsamen Umgang mit wichtigen Dokumenten erlernen und daraus auch Kompetenzen, die sie dabei erworben haben, erschließen (Staden, 2014).

Der letzte Teil „Hilfen zur Lebensplanung“ beinhaltet über die Berufswahl hinaus Anleitungen für das Leben nach der Schule. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Hilfen zur Wohnungssuche oder Anleitungen zum Abschließen einer Versicherung.

2.2 Vor- und Nachteile des Berufswahlpasses

Der Berufswahlpass wird von den SuS unterschiedlich bewertet. Grundsätzlich zeigt sich, dass der Berufswahlpass mit seiner farblichen Gestaltung und seinen Fähigkeiten Unterlagen sorgfältig zu ordnen, Anklang finden kann. Darüber hinaus wird von vielen SuS das Angebot über die Informationen verschiedener Berufe sowie die Vermittlung von Adressen wahrgenommen und genutzt. Außerdem sehen die SuS es als sinnvoll an sich mit ihren eigenen Fähigkeiten und Interessen auseinanderzusetzen. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da er dazu beiträgt, dass sie über mögliche berufliche Optionen nachdenken, die ihnen dadurch ermöglicht werden könnten (Brüggemann et al., 2017).

Im Gegensatz dazu erfährt der Berufswahlpass durch seinen äußeren Aufbau Kritik, da er als sperrig wahrgenommen wird. Wünschenswert wäre hier eine digitale Version, mit der die SuS in Zukunft arbeiten könnten. Dies hätte sicherlich auch den Vorteil, dass die SuS im Zeitalter der Digitalisierung dem digitalen Berufswahlpass einem größeren Sinn zuschreiben und die Arbeit ihnen so mehr Spaß bereiten würde.

Hierbei wird jedoch angemerkt, dass bei einer digitalen Version des Berufswahlpasses weiterhin die Reflexion der eigenen Erfahrungen im Vordergrund stehen müssen und solche nicht durch eine Öffnung via Social-Media- Plattformen an Bedeutung verlieren darf (Brüggemann et al., 2017). Nach Staden (2014) erfolgt die Konzipierung des Berufswahlpasses- Online in zwei Entwicklungen. Einerseits wird der herkömmliche Aspekt, der „Portfolio- Grundidee“ in digitaler Form angepasst, andererseits erfolgt die Konzipierung jedoch webbasiert, sodass der Berufswahlpass „orts- und zeitunabhängig verfügbar“ ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass er inhaltlich zu umfangreich ist und umständliche Formulierungen dazu führen, dass nicht jeder selbstständig mit dem Berufswahlpass arbeiten kann. Dies kritisieren vor allem die Lehrkräfte und gilt besonders für SuS an Förder- und Hauptschulen. Hingegen fehlt für Gymnasiasten ein spezielles Angebot, sodass weniger auf deren Bedürfnisse eingegangen wird (Brüggemann et al., 2017).

Grundsätzlich zeigt sich bei der Nutzung des Berufswahlpasses, dass überwiegend Schülerinnen dieses Angebot bzw. diese Maßnahme wahrnehmen und selbständig mit diesem arbeiten. Außerdem nutzen eher ältere SuS das Angebot als jüngere (Brüggemann et al., 2017). Dies könnte daran liegen, dass bereits ein gewisser Grad der Selbstständigkeit vorliegen sollte, um die Arbeit mit dem Berufswahlpass als sinnvoll zu erachten, aber auch daran, dass je jünger die SuS sind, desto weniger die Frage nach der Berufswahl präsent ist. Auch wenn man hiermit nicht früh genug beginnen kann. Den häufigsten Nutzen mit dem Berufswahlpass haben SuS der Jahrgangsstufe 7, also die SuS bei denen der Berufswahlpass meist eingeführt wird (Brüggemann et al., 2017).

Anhand einer Untersuchung an Berliner Schulen zeigte sich, dass am häufigsten mit dem zweiten Teil des Berufswahlpasses „Mein Weg zur Berufswahl“ gearbeitet wird. Hierbei insbesondere mit der Stärken- und Schwächenanalyse (Ohlemann, Müller, Lazaridis und Ittel, 2015).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Berufsorientierung als schulischer Auftrag
Untertitel
Wie kann der Berufswahlpass einen Beitrag zur reflektierten Berufswahl leisten?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Berufsorientierung und Übergangsgestaltung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V491770
ISBN (eBook)
9783668982352
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufswahlpass
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Berufsorientierung als schulischer Auftrag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491770

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